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Camino de Santiago Design "Believe. Suffer. Arrive." Outdoor-Design für T-Shirts etc. von Christian Seebauer 2020

Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Jakobsweg T-Shirts

Selbst gestalten. Warum soll man sich eigentlich ein Billig-T-Shirt kaufen, auf dem dann irgendwelche Fantasielogos und amerikanische Fantasie-Schriftzüge draufstehen wie z.B. “University of xy”? Ich selbst trage schon seit langer Zeit etweder echte Souvenir-T-Shirts, die ich selbst im Ausland gekauft habe und zu denen ich auch einen echten Bezug habe… Oder: Ich lasse mir T-Shirts, Hoodies u.v.m. mit Motiven, zu denen ich einen echten Bezug habe ganz einfach individuell anfertigen.

Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Egal, ob am Ende “Salvatagio”, “Portofino-Run”, “Inka-Trail” oder sonstwas draufsteht: Das sind dann alles Dinge, die mich mit etwas verbinden. Auch am Jakobsweg habe ich mir unterwegs ein T-Shirt mitgenommen, was seit vielen Jahren einfach immer ganz oben mit dabei ist. Ich trage es ständig. Und gerne. Doch auch zur Motivation auf neue Vorhaben habe ich mir immer wieder einmal T-Shirts machen lassen. Lange, bevor ich den ersten (realen) Schritt gemacht habe. Z.B. am Israel-Trail, einem der schönsten und härtesten Fernwanderwege der Welt. Eine Vision enststeht ja im Kopf und man kann sie auch vorher schon tragen. Oder eben auch dem Partner schenken u.v.m.

Was den Jakobsweg betrifft, gibt es auch hier noch viel Raum für eigene Vorstellungen. Nicht nur, was T-Shirt Designs betrifft, sondern auch, was Deinen eigenen Weg betrifft.

Aus freude heraus habe ich nun wieder einmal ein ganz neues Design kreiiert.

Hier ist es:

Mein Design für den Camino de Santiago. Believe. Suffer. Arrive

Camino de Santiago Design "Believe. Suffer. Arrive." Outdoor-Design für T-Shirts etc. von Christian Seebauer 2020

Camino de Santiago Design “Believe. Suffer. Arrive.” Outdoor-Design für T-Shirts etc. von Christian Seebauer 2020

 

 

Jakobsweg T-Shirts selbst machen

In vielen Onlineshops kannst Du Dir Deine T-Shirts (und vieles mehr) nach eigenen Vorstellungen gestalten. Du kannst das passende Produkt (z.B. TShirt, Hoodie, Jacke, Wanduhr u.v.m.) auswählen, Größen und Farben bestimmen und dann das Jakobsweglogo drauf setzen.

Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

1. Jakobsweg T-Shirts bei Spreadshirts

https://shop.spreadshirt.de/jakobsweglogos/camino+de+santiago+jakobsweg+hiking+logo-A5fb8e1b4c2a6a17b784d5ce5

2. Jakobsweg T-Shirts bei Readbubble

https://www.redbubble.com/de/shop/ap/63015717

Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Jakobsweg TShirt mit Jakobswegmuschel und Schriftzug Camino de Santiago. Believe. Suffer. Arrive

Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Jakobswegmuschel Design by Christian Seebauer 2020

 

 

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Camino Norte von Gontán nach Baamonde

Der Camino Norte von Gontán nach Baamonde

Jakobsweg Tag 28: 42 Kilometer, 350 Höhenmeter. Über Batán und Vilalba,

Vorgehabt habe ich nur die Strecke nach Vilalba. Nicht 42 Kilometer nach Baamonde. Die neuen Pilger stehen aber schon in der Dunkelheit auf und fuchteln mit ihren Stirnlampen herum. Ein heilloses Chaos. Wem gehört was? Jeder scheint seine Ausrüstung zu suchen. Jean-Louis traut seinen Augen nicht, als er auf seine Armbanduhr sieht: 4:30 Uhr. Apropos Armbanduhr. So ein Ding habe ich selbst gar nicht dabei. Völlig überflüssig am Jakobsweg. Als die Lage dann zu laut und hektisch wird, flüchten Jean-Louis und ich ab ins Freie. Ohnehin habe ich heute Nacht furchtbar gefroren. Es hatte höchstens fünf Grad. Und Gehen ist die beste Methode, wieder warm zu werden.

Kurz vor uns ist ein ganzes Rudel aufgebrochen. Aber sie haben gleich den ersten Wegweiser übersehen, an dem wir nun rechts von einer Nebenstraße in die reinste Natur abbiegen. Die anderen sind schon zu weit weg, und mit den Fingern pfeifen will ich auch nicht.

Jakobsweg Beschilderung: Gewohnheit geht über Verstand

In Galicien ist alles anders. Die Jakobsmuscheln zeigen uns nun seit vielen hundert Kilometern den Weg. Und zwar folgendermaßen: Die Strahlen der Jakobsmuschel zeigen die Marschrichtung an. In Asturien sind aber alle Jakobsmuscheln anders herum aufgehängt. Hier betrachtet man seit jeher die stilisierte Muschel in etwa als Komet, der einen Schweif hinter sich herzieht. Die Kometenspitze zeigt die Richtung an. Die Strahlen wiesen nach Hinten. Alles falsch herum.

Über diese Tatsache haben wir natürlich im Reiseführer gelesen. Und wir sind auch schon eine Weile „verkehrt herum“ gegangen. Trotzdem spielt uns die Gewohnheit so manchen Streich und beschert uns immer wieder den falschen Weg.

Schon seit Asturien sehen wir jetzt statt gelber Pfeile immer regelmäßiger richtige Jakobswegsteine. Sie sind aus Stein oder Beton. Einen knappen Meter hoch. Und sie verjüngen sich nach oben hin. Vertieft eingelassen ist die gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund. Ebenfalls neu sind seit Ribadeo die Kilometerangaben nach Santiago. Dieses kleine Kilometerschild aus glänzendem Metall ist weiter unten in den Stein eingelassen. Es zeigt die verbleibenden Kilometer auf den Meter genau (?) in der Form „P.K. 120,003“.

Dichter Nebel hüllt uns in der Früh wie ein Vorhang ein. Alles ist feucht, aber nicht nass. Endlich sind wir wieder auf wunderschönen Naturwegen durch Wälder und Wiesen. Eine Wohltat für die Füße. Feuchter Lehm, nasses Gras, tropfende Blätter. All das ist einfach herrlich. Ich werde hier vollkommen eins mit Mutter Natur. Jean-Louis hat sich erneut an mich geheftet. Ich bin seit Tagen die Zugmaschine. Unsere Schritte sind nun so identisch, dass ich oft denke, das Klappern seiner Jakobsmuschel an seinem Rucksack wäre bei mir. Aber es sind seine Schritte, die so exakt den meinen folgen, als wenn sie miteinander durch ein unsichtbares Band verbunden gewesen wären. Alles ist heute wie in einem Märchen. Die Wälder fühlen sich fast herbstlich an. Durch den kühlen Nebel scheint nun das erste orangefarbene Tageslicht. Eine Zauberei aus Lichtstrahlen stimmt uns euphorisch.

Camino Norte: Laubwälder, Pilze, Farne, Heidekraut und Moos

All das formt nun eine ganz andere Landschaft, als an der Küste. Die Wege im Wald sind manchmal mit uralten Steinmauern begrenzt. Abseits von Dörfchen, mitten in der Natur auf dem ältesten Jakobsweg: Über weite Strecken hätte es so auch vor vielen Jahrhunderten aussehen können. Das Gefühl, wie durch ein Tor in die Vergangenheit zu blicken hat etwas Magisches für mich. Und wir blicken nicht nur ein wenig hinein. Wir scheinen uns tatsächlich in einer anderen, längst vergangenen Zeit zu befinden. Steinalte Brückchen überqueren kleine, vor sich dahin mäandernde Bachläufe im Wald. Laut Reiseführer Relikte aus dem Mittelalter.

Erst kurz vor Vilalba tauchen wir wieder ein, in die heutige Welt. Weil wir so unsinnig früh losgegangen sind, haben wir die Herberge vor Vilalba bereits schon um halb Zehn Uhr erreicht. Viel zu früh. Unsere Etappe wäre nach nunmehr 20 Kilometern schon zu Ende gewesen. Als wir zu dieser Zeit schon ein Pilgerehepaar vor der Herberge sehen, die auf die Öffnung am Nachmittag zu warten scheinen, erkennen wir die Sinnlosigkeit, hier zu verweilen.

Und wieder einmal meint es der Zufall einfach gut mit mir. Ohne ein Wort miteinander zu sprechen, gehen Jean-Louis und ich erst einmal weiter. Hinein in das kleine Städtchen Vilalba mit etwa 15.000 Einwohnern.

Und wir kommen gerade zur richtigen Zeit.

Am romantischen Stadtplatz beginnen just in diesem Augenblick die Vorbereitungen für ein kleines Volksfest in mittelalterlichen Kostümen. Alles ist noch sehr überschaubar und gerade deshalb so bezaubernd. Drei Mädels, alle etwa um die 20 spielen am Steinboden sitzend mittelalterliche Musik. Alle drei mit Gitarre und in stilvoller Landestracht. Weiße Blusen und rötlich braune, lange Röcke. Vor Ihnen liegt ein gelber Strohhut für eine kleine Spende.

Camino Norte: Der Weg gibt mir Ruhe und Aufmerksamkeit für das Jetzt

Wie oft bin ich früher in München oder Hamburg an Stadtmusikanten einfach vorbei gelaufen. Ungerührt, unbewegt und unbeeindruckt. Mal habe ich etwas in den Hut gegeben, mal nicht. Im Vorbeigehen.

Das erste Mal in meinem Leben bleibe ich hier nun stehen, höre aufmerksam zu und setze mich dann direkt neben die Mädels auf den Steinboden. Klar werde ich etwas in den Hut geben. Aber nicht schon jetzt. Zuerst möchte ich mir Zeit nehmen, der Musik lauschen. Die Musikantinnen respektieren.

Jetzt gerade, in diesem einen Moment spielen sie nur für mich allein. Es bewegt meine Seele. Die fremdartigen mittelalterlichen Klänge dringen tief in mich ein. Gäbe es tatsächlich so etwas, wie ein früheres Leben: Ich hätte geschworen, dass mir diese Musik vertraut war.

Die Mädels spüren, dass ich emotional bewegt bin. Ich bin fröhlich, entspannt und sehr gerührt zugleich. Weil es mir für ein Dankeschön die Kehle zuschnürt, lege ich wortlos und achtsam ein wenig Geld in den Hut. Ich habe feuchte Augen bekommen und verbeuge mich vor den Dreien, bevor ich gehe.

Gefühle gehen über Sprache!

Wieder ist es einfach nur das Glück, das mir dieses schöne Fest beschert. Ich nehme mir noch die Zeit, um im Schatten einer Stoffplane etwas zu essen. Neben mir sitzt eine einheimische Familie aus einem Vorort Vilalbas mit ihrem etwa siebenjährigen Sohn. Er unterhält sich andauern mit mir, was mich allmählich traurig stimmt. Wie wird es jetzt meinen eigenen Kindern gehen? Als ob der Vater meine Gedanken lesen kann, fragt er mich: Hast du auch Kinder?

Zeitgleich laufen mir jetzt ungebremst Tränen aus den Augen. Ja, ich habe Kinder. Und sie sind weit weg von mir. Ich zeige ihm zwei Fotos von meinen beiden Mädels. Spontan steht der spanische Papa auf und umarmt mich ganz fest. Er kann fühlen, wie sehr ich die beiden nun vermisste. Das erste Mal in meinem Leben habe ich richtig Heimweh. Als Jean-Louis zu mir kommt, bringe ich keinen Bissen mehr herunter. Wortlos mache ich mich auf, um meinen Gefühlen davonzurennen. Aber das klappt natürlich nicht.

So laufe ich als weinender Pilger durch die Ausläufer der Stadt und werde von unzähligen Blicken verfolgt. Noch lange vernehme ich den melancholischen Flamenco am Weg, der sich mit meiner Stimmung zu einem absoluten Tief entwickelt. Gehen ist wieder zu einer Waschmaschine der Gedanken geworden. Jean-Louis bleibt in respektvollem Abstand hinter mir. Es ist drückend heiß geworden. Und während meine Hormone wild durch das Blut sausen und mich vorwärts jagen, kann oder will mir Jean-Louis nicht mehr folgen.

Eine Reise in mein Inneres beginnt.

Die Füße laufen von selbst. Immer schneller, noch schneller und noch schneller. Inzwischen ist es erbarmungslos heiß geworden. 28 Tage ohne Pause? Falsch: Das Gehen selbst ist ja zu meiner großen Pause geworden. Die Pause, die ich mir immer gewünscht hatte. Hier ist sie nun. Begleitet von Tränen, die nicht enden wollen. Ich fühle mich frei. Ganz allein und unendlich befreit. Die Meilensteine rattern wie ein Film an mir vorbei. Einer nach dem anderen. Wie ein Tachostand, der in der falschen Richtung lief. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn ich jetzt meine Kinder und meine Frau in den Arm nehmen könnte. Ganz fest und für eine Ewigkeit. Alle drei zusammen.

Jakobsweg: Ich laufe und ich träume.

Alles andere ist nicht mehr wichtig. Es ist noch nicht einmal gegenwärtig. Nur die Familie begleitet mich in meinem Kopf. Immer und immer wieder stelle ich mir diese innige Umarmung vor. Während dessen wird es noch heißer und ich laufe noch schneller.

Jean-Louis hat sich, ohne dass ich es wusste, für die direkte Linie auf der Landstraße entschieden. Auch er hat irgendwie einen Hänger und wird nun wohl vom heißen Teer gebrutzelt.

Auf den letzten fünf Kilometern nach Baamonde sehe ich dann fünf Pilger vor mir. Weit weg. Ihre Umrisse flimmern in der Hitze. Mittlerweile bin ich so schnell, dass ich sie bald schon erreiche und praktisch neben mir stehen lasse. Ich bin so schnell, als wenn ich gerade los gelaufen wäre. 42 Kilometer: Ein Klacks! Den Meilenstein mit der Marke „111,111“ habe ich im Vorbeigehen mit einem Hola begrüßt, ohne dass er es mir für einen kurzen Halt wert gewesen wäre.

Ich laufe mit meinen Kindern um die Wette. Meine Frau kann ich lachen hören. Und dann fällt mir wieder die Umarmung ein. Meine Füße, mein ganzer Körper – alles ist heute eins geworden.

Am Abend sitze ich ganz allein in einer Bar. Mein Tagesplan, hätte es einen solchen gegeben, war dahin. Meine morgige Etappe wären nur 15 Kilometer. Mein zweiter Kaffee. Immer noch allein. Kein Hola, kein Hallo, nichts. Zeit zum Träumen:

Was ist wichtig im Leben? Wohin geht die Reise? Werde ich es schaffen, endlich meine Vergangenheit neu zu bewerten? Kann ich Frieden schließen, mit meinen Gedanken? Ja! Kann ich zufrieden sein? Ja! Und kann ich nun künftig zur Ruhe kommen? Ja – wenn ich damit beginne, in Zukunft auf mein „ich“ zu hören.

Malen, Laufen, den Kindern zuhören. Menschen mit Achtsamkeit begegnen. All das funktionierte nicht mehr in meiner Vergangenheit. Wie oft saß ich zu Hause und hörte nicht zu? Es schien einfach nichts mehr in mich vorzudringen. Jetzt, mit jeder Träne kann ich loslassen.

Jetzt, nach den vielen Kilometern, den tausend Eindrücken, Entbehrungen und Schmerzen bin ich endlich

LEER…

…ein gutes Gefühl!

Aber auch ein sehr zerbrechliches Gefühl. Ich betete in der Bar „Lieber Gott hilf, dass ich mir ein bisschen davon bewahren kann“.

Noch heute träume ich von meiner Radtour an der Côte d‘Azur, die ich mit 13 Jahren gemacht hatte. Warum soll mich nicht auch der Camino für den Rest meines Lebens begleiten?

Klar, meine Mutter findet die Entscheidung meines Vaters, mich diese Tour machen zu lassen noch heute unverantwortlich. Für mich war sie aber der Beweis, dass ein Wort im Leben etwas zählt. Mit 12 Jahren hatte ich eine Lebensmittelvergiftung, die mich über ein halbes Jahr zurückwarf. Ich hatte damals aber auch den Traum von einer Radtour an der der Côte d‘Azur.

Und so kam es, dass ich meine Eltern fragte: Wenn ich die Schulklasse trotzdem schaffen würde, dann dürfte ich dies Radtour machen, oder?

Mein Vater antwortete allerdings ganz überlegt: Du musst die Klasse nicht schaffen. Aber wenn das dein Ziel ist, gut, dann darfst du diese Radtour machen. Ich schaffte die Klasse dann und mein Vater stand zu seinem Wort. Zusammen mit meinem Schulfreund Hansi Steinbichler, damals Anfang 14, ging es dann auf diese große Reise in meinem Leben. Und noch heute weiß ich:

Vertrauen hat man nicht einfach. Man bekommt es zurück, wenn man es in jemanden setzt.

Was waren die Risiken einer solchen Reise? Und wie groß mussten die Ängste meiner Eltern gewesen sein? Für mich war es eines der bedeutendsten Ereignisse meines Lebens. So, wie heute der Jakobsweg.

Hier sitze ich nun, könnte eigentlich stolz auf mich sein. Aber es fließen die Tränen. Ich begreife langsam, dass Loslassen ein schmerzlicher Prozess ist. Wer so wie ich, nur noch an die Vergangenheit und an die Zukunft dachte, wünscht sich nichts sehnlicher, als zurückzufinden in die eigene Gegenwart. Hier bin ich nun angekommen. Und ich weiß ganz genau, ich muss meine Vergangenheit verabschieden. Und ich darf mich auch nicht mehr dazu verführen lassen, dauernd vor einer fiktiven Zukunft Angst zu haben.

Das Vaterunser – eine gute Gebrauchsanleitung!

Das Vater unser sagt es schon: „Unser tägliches Brot gib uns HEUTE“. Da geht es um die Gegenwart, um das Wohl von Jetzt und Hier. Nicht um Gestern, nicht um Morgen.

Und dann ist da noch:

„Sondern erlöse uns von dem Bösen“ – natürlich auch von quälenden Gedanken an die Vergangenheit und den Sorgen über die Zukunft. „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe“. Lass es zu, lass es einfach geschehen. Eine gute Gebrauchsanleitung!

Ich glaube, heute habe ich meine innere Stimme gehört. Und ich habe ihr zugehört. Ich konnte loslassen von Ängsten und Zweifeln. Ich kann Laufen. Wie viele können das nicht? Sie können dich aber in Gedanken begleiten, dir Kraft geben und dir sagen: Du bist niemals allein. Und du bist weit offen für den Augenblick.

Petra, eine liebe Verwandte von mir, sitzt mit Multipler Sklerose oft im Rollstuhl. Nie, aber auch wirklich nie war ich ihr früher gedanklich verbunden. Hier am Weg hatte ich immer wieder das Gefühl, sie würde an mich denken, mich begleiten. Die Gegenwart wird unendlich groß, wenn die Vergangenheit und die Zukunft ausgeblendet sind.

Meine beruflichen Sorgen sind übrigens niemals bis zum Jakobsweg vorgedrungen. Sie müssen also unendlich unwichtig sein. Heute liegt alles „753 Kilometer“ hinter mir. Und ich bin frei für Neues.

Morgen werde ich weiter laufen. Weiter und weiter. Ich möchte wieder nach Hause.

Fotos von der Jakobswegetappe Camino Norte von Gontán nach Baamonde

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Pilgerherberge Baamonde

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Pilgerherberge Baamonde

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Meilenstein P.K. 111,111 km auf dem Camino Norte

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Meilenstein P.K. 111,111 km auf der Etappe 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Meilenstein P.K. 111,111 km auf der Etappe 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Brücke am Jakobsweg

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Ein Hund am Jakobsweg am der Kette

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Junge Pilger in Villalba (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Junge Pilger in Villalba (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Christian und Musikantinnen in Villalba

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Esel in Villalba

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Esel in Villalba

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Christian Seebauer 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Spanisches Dorffest in Villalba und Pilger vor einem Grillstand

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Pilger Jean Louis im Villalba 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Cerveceria Stama Villalba 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Spanisches Dorffest in Villalba 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Spanisches Dorffest in Villalba 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Spanisches Dorffest in Villalba 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Spanisches Dorffest in Villalba 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Schild Villalba N-634

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Villalba 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Schulklasse am Jakobsweg mit Lehrern

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Pilze am Jakobsweg

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Fingerhut

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Brücke am Camino del Norte

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Pontevella, P.K. 133 km

28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

Feldweg und Blumen 28 Jakobsweg von GONTÁN NACH BAAMONDE (Camino del Norte)

26 RIBADEO nach VILLANOVA DE LOURENZÁ (Camino de la Costa)

Camino del Norte – Unterwegs am Nordweg

Camino del Norte – Unterwegs am Nordweg

Jakobsweg Tag 26: Von Ribadeo nach Villanova de Lourenzá, ca. 28 km und ca. 600 Höhenmeter

26 RIBADEO nach VILLANOVA DE LOURENZÁ (Camino de la Costa)

Nebel am Jakobsweg 26 RIBADEO nach VILLANOVA DE LOURENZÁ (Camino de la Costa)

Noch vor Sonnenaufgang geht es heute los. Allerdings hätten wir die Sonne auch nicht gesehen, falls sie aufgegangen wäre. Es regnet in Strömen. Die Lichter der Brücke tauchen die Landschaft, die nun völlig im Nebel und Regen liegt in ein gespenstisches orange-violettes Licht.

Ribadeo schläft noch. Und das Meer ist nicht mehr zu sehen. Es ist einfach weg. Ohne eine letzte Verabschiedung verhüllt es sich in dichten Schwaden. Ab heute wird es bis nach Santiago de Compostela bergauf gehen. Von Meereshöhe auf 260 Meter über dem Meeresspiegel. Die Berge, die wir dabei durchqueren werden sind aber höher. Viel höher. Wir werden die nächsten Tage ständig zwischen 550 Höhenmeter und knapp Null unterwegs sein.

Nach den letzten Ausläufern von Ribadeo verschwinden wir in nebligen Feldern und Wäldern. Das starke Gewitter, welches gerade tobt, jagt mir Angst ein. Zwischen Blitz und Donner liegt oft keine Sekunde. Will heißen: 300 Meter links und rechts von uns schlägt es ein. Sehr ungut. Nach acht Kilometern, mitten im Wald, will sich Jean-Louis unter seinem Poncho eine andere Hose anziehen. Natürlich verliert er bei diesem recht unbeholfenen Akt sein Gleichgewicht. Es war auch vorhersehbar, bei den Verrenkungen, die er gerade machte. Nass, alles nass.

Ein paar Pilger laufen an uns vorbei, lachen über Jean-Louis und verschwinden ebenso schnell wieder in der Regenwand. Sie hatten das Ziel, Unterschlupf in einer Bar in Vilela zu suchen.

Hätten wir gewusst, dass diese Bar nur noch 500 Meter entfernt lag, hätte sich Jean-Louis das Prozedere sparen können. Ab ins Trockene. In der Bar ist gerade Stromausfall. Es gibt aber noch lauwarmen Kaffee und ein paar frische Hörnchen dazu.

Mariette und Corinna sind plötzlich auch hier. Ein Bild für Götter, eingewickelt in die durchsichtigen Plastikponchos. Innen genauso nass wie außen. Nach einer Stunde des Wartens, beginnen Jean-Louis und ich zu frieren, weil wir durchnässt sind. Ich packe meine Sandalen aus. Zeitgleich meint Jean-Louis „vamos!“ Mittlerweile haben sich in der Bar auch mehrere Fahrradpilger eingefunden. Jean-Louis und ich bezahlen, und sprinten mit einem kindischen „Juhuuuuu“ in das Regenspektakel.

Die anderen haben uns für verrückt erklärt. Aber so verrückt war das nicht. Es wird uns schnell wieder warm und wir haben riesigen Spaß. Wie oft im Leben hat man schon die Möglichkeit, Blödsinn zu machen? Mit Sandalen kann ich einfach in jede Pfütze reintreten. Und Jean-Louis macht es mir heute gleich.

Das fördert die Stimmung. Mitten im Regen laufen wir jetzt neben einer spanischen Schulklasse her. Der Lehrer hat sie für den Jakobsweg begeistert, der heute für sie in Ribadeo begann. Für Neustarter ein Horrorszenario!

Während die jungen Leute schon am Start des Weges am Ende ihrer mentalen Kräfte sind, haben Jean-Louis und ich allerbeste Laune. Die einen rauchen, die anderen haben tropfnasse Kopfhörer mit Musik im Ohr. Die ersten humpeln bereits. Die Rucksäcke der Jugendlichen sind durchwegs alle viel zu schwer. Und die Schuhe drücken sie schon auf den ersten Kilometern. Und alle laufen sie viel zu hastig.

26 RIBADEO nach VILLANOVA DE LOURENZÁ (Camino de la Costa)

Pilger im Regen 26 RIBADEO nach VILLANOVA DE LOURENZÁ (Camino de la Costa)

Jakobsweg: Dieses Tempo werden sie nie durchhalten können!

Der Lehrer, ein ziemlich cooler Typ weiß das natürlich auch und lächelt, als wir an ihm vorbeiziehen. Er ermahnt seine Kiddies, sich mit uns kein Rennen zu liefern. Doch genau das taten sie. Herrlich!

Bestimmt hat uns jeder der pubertierenden Fasterwachsenen mindestens schon einmal überholt. Oft sogar zwei, drei, vier Mal. Aber alle paar Meter blieben sie dann wegen irgendetwas stehen. Dann rannten sie wieder los. Klar, sie haben noch gar keinen eigenen Rhythmus gefunden.

Und nun kommen die ersten richtigen Höhenmeter. Ein gefundenes Fressen für uns. Ein Heimspiel! Jean-Louis und ich sind gerade wieder mitten im Getümmel der lautstarken Jugendlichen. Vor uns, hinter uns. Überall lärmt und meutert es. Selbst aus dem Nebel ist Grölen und Spaß zu hören. Ja, so waren wir auch einmal. Fast schade, dass die Zeit so schnell vergeht. Jetzt stehen wir eindeutig auf der Seite der alten Deppen. Allerdings werden wir ja ständig von den Halbstarken herausgefordert. Auf Spanisch zwar, aber wir verstehen das Geläster sehr wohl. Und das weckt bei uns diese uralten kindlichen Urinstinkte. Zeig’s ihnen halt. Lets go!

In mein Tagebuch habe ich später dieses Kochrezept für ein Pubertätsduell notiert, welches für uns natürlich der wahre Jungbrunnen war:

Die zwölf Gebote zum Duell: So geht’s:

  1. Ziehe dich schon aus, noch bevor die anderen es tun. Du sparst damit Energie und läufst gekühlt davon, wenn die anderen überhitzt Halt machen müssen.
  1. Ziehe dich im Regen sofort wieder an, bevor die anderen es tun. Die anderen kühlen erst noch aus und vergeuden ihre Energie.
  1. Am Berg: Werde sofort langsamer, bevor die anderen langsamer werden. Lass sie sich mit dem falschen Rhythmus verausgaben.
  1. Wenn du Stöcke hast, dann schlage damit doppelt so oft auf den Boden, als du Schritte machst. Damit machst du die Vordermänner irre und du kannst sie jagen.
  1. Wenn sie humpeln, spreche sie darauf an. Dann denken sie nur noch an ihre Schmerzen.
  1. Wenn sie erschöpft sind, biete ihnen an, ihren Rucksack zu tragen. Das zermürbt ihre Psyche. und provoziert sie erneut. Natürlich lassen sie sich von Erwachsenen niemals helfen!
  2. Bergab: Werde sofort sehr sehr schnell. Das schont die Knie, laufe, ja renne los! Und mache ein paar versteckte Abkürzer!
  1. Mache Pause, bevor die anderen es tun! Ohne Pause übersäuern ihre Muskeln und sie bekommen fiese Schmerzen.
  1. Höre auf zu reden, wenn es anstrengend wird. Aber: Singe und pfeife laut, wenn du sie überholst. Das raubt ihnen die Moral.
  1. Frage niemanden nach dem Weg. Die Antworten sind immer falsch. (Ja, ich war auch einmal jung… und gemein!)
  1. Laufe denen, die gerade nach dem Weg gefragt haben, nicht hinterher. Sie laufen jetzt falsch! Benutze Hirn, Kompass (Jean-Louis) und Karte!
  1. Mache am Nachmittag Ruhepausen…

… und freue dich, wenn die anderen erschöpft am Wegesrand sitzen.

26 RIBADEO nach VILLANOVA DE LOURENZÁ (Camino de la Costa)

Gewitter am Jakobsweg 26 RIBADEO nach VILLANOVA DE LOURENZÁ (Camino de la Costa)

26 RIBADEO nach VILLANOVA DE LOURENZÁ (Camino de la Costa)

Gewitter am Jakobsweg

Jakobsweg: Jetzt kannst du pfeifen, singen und einen Gang hochschalten.

Und jetzt wieder zurück zur Raison. Warum darf ein erwachsener Mensch nicht auch einmal richtig kindisch sein? Sich selbst so fühlen, wie damals in der Pubertät. Blödsinn (mit)machen, ohne gleich wieder von der Vernunft eingeholt zu werden? Es waren ja die Pubertierenden, die den Wettkampf gesucht haben. Die ihn geradezu heraufbeschworen haben. Die ihre eigenen Grenzen austesten wollten. Koste es, was es wolle. Und sie wollten eigene Erfahrungen sammeln. Selbst und auf die Art, wie sie es uns vorgaben. Lernen bedeutet Schmerz. Auch als Erwachsener. Und mal ehrlich: Hin und wieder auch einmal als Gewinner heraus zu gehen, ist doch auch ein tolles Gefühl. Denn besser waren die Jungen allemal. Nur kannten sie noch nicht unsere Tricks. (Doch die haben sie natürlich schnell gelernt).

 

Der Lehrer grinste uns an. Er kannte seine Pappenheimer. So einen Lehrer hätte ich mir früher gewünscht. Es war die richtige Mischung aus ernsthafter Disziplin und Souveränität. Aber auch Lockerheit und Natürlichkeit. Er hatte den längeren Atem und das wusste er auch. Seine Schüler ließ er austoben.

Langsam wird der Regen leichter, der Nebel lichtet sich mit jedem Höhenmeter. Es geht vorbei an romantischen Gehöften und verschlafenen Dörfchen. Hier haben wie immer die Haushunde das Sagen. Ein Problem waren sie aber nie wirklich. Einige Pilger haben Angst. Denn auf jedem Hof gibt es Hunde, die ihr Revier bellend markieren. Doch jeder Hund weiß auch, dass wir nur vorüberziehen.

Am Nachmittag wird es jetzt noch sonnig und traumhaft schön. Auch wenn hier wieder einige Strecken des Jakobsweges wegen Überflutung gesperrt sind. Verkehr gibt es kaum. Bis auf zwei Jungspunde, die uns heute einen Schreck einjagen wollten. Mit ihrem alten, aufgemotzten Schirokko verjagen sie uns im Karacho vom Feldweg. Jean-Louis schreit ihnen nach und erhebt seinen Pilgerstab. Das hat sie wohl provoziert. Sie machen eine staubige Vollbremsung, legen den Rückwärtsgang ein und stampfen wie der Stier in der Arena mit dem Fuß. Nur eben nicht auf den Boden, sondern auf das Gaspedal der alten und proletenhaft getunten Schrottkarre.

Der Jakobsweg hat mich zwar ein wenig dünner gemacht. Aber dafür sieht man nun an jedem Körperteil die Muskeln und die Adern. Und:

Der Jakobsweg hat mir ein unerschütterliches Selbstbewusstsein gegeben.

Diese Ausstrahlung ist nun wie ein Panzer um mich herum. Beide nehmen wir die Rucksäcke ab und lächeln dem entgegen, was nun zu kommen scheint. Unsere erste handfeste Auseinandersetzung. Doch unsere Aura scheint irgendwie stärker zu sein und auch die Gehirne der beiden Proleten zu durchdringen. Sie trauen sich dann doch nicht und brausen in einer weiteren Staubwolke davon. Schade eigentlich. Aber auch gut so!

Nachdem ich in einem kleinen Laden die falsche Dose erwischt habe, gab es heute Thunfisch mit Mais, Bohnen und scharfer Soße. Auch nicht schlecht. Wir machen Rast im Grünen und reden über das Meer, das uns heute fehlt. Allerdings ist die gebirgige Landschaft hier so schön und abwechslungsreich, das wir uns wahrhaft nicht beschweren können.

Die Herberge in Villanova erreichen wir ohne weitere Zwischenfälle. Sie liegt etwas abgelegen vom Stadtplatz und mitten im Grünen. Mit Kochgelegenheit. Herrlich.

26 RIBADEO nach VILLANOVA DE LOURENZÁ (Camino de la Costa)

Brotzeit am Jakobsweg 26 RIBADEO nach VILLANOVA DE LOURENZÁ (Camino de la Costa)

Nach der Kirche: Thunfisch

Nach einem Kirchenbesuch, möchte ich noch Nudeln und Thunfisch kaufen. Das Kochen für die Gruppe ist irgendwie zu meinem Hobby geworden und ich tue das keineswegs aus irgendwelchen Verpflichtungen heraus. In einer Herberge ist der Herd einfach der schönste Platz und alles Leben spielt sich drumherum ab. Dafür habe ich nie etwas mit dem Abspülen zu tun. Das machen die anderen. Der Koch ist eben der Chef!

Also einkaufen. Als die junge Verkäuferin an der Fischtheke den Dosenfisch sieht, den ich in meinem Korb habe, überfällt sie mich mit einem spanischen Wortschwall. Ich verstehe nur so viel, „dass ich bescheuert bin“. Frisch gefangene Sardinen seinen tausendmal billiger als eine Thunfischdose. Und natürlich viel besser. Für gerade einmal vier Euro bekomme ich eineinhalb Kilo frischen Fisch. Sensationell. Dazu sechs Packungen Spaghetti, Knoblauch, Tomatensoße, frischen Koriander und Ingwer. Und fünf Liter Rotwein. Denn heute am Nordweg sollen alle satt werden. Pro Person kommt das Essen und Trinken dann auf nicht einmal zwei Euro.

 

Jean-Louis meint zwar, ich könne in der Herberge wegen dem Geruch unmöglich Sardinen zubereiten. Doch nachdem jeder mitessen wollte, war es natürlich auch jedem egal. Wir sind heute 22 Pilger. Andere Pilger haben dann noch Joghurt als Nachtisch und weitere Sachen besorgt.

Jean-Louis hat heute endlich einmal einen französischen Gesprächspartner. Jean-Marie ist sage und schreibe 71 Jahre alt, macht den Jakobsweg rückwärts, ebenfalls mit einer selbstgebauten Zugkarre. Jeden Tag mindestens 40 Kilometer, das war seine Prämisse. Hier lerne ich auch Roberto, einen jungen Mexikaner kennen, der mich später dann in Deutschland besucht. Auch Mariette und Corinna sind wieder hier. Die Herberge ist wie fast überall super gepflegt, sauber und geräumig. Die Betten haben ausreichend Abstand voneinander und sind auf mehrere offene Räume verteilt. Luftig und entspannend. Natürlich auch kein Schimmel! Als Donativo – einer Spende – werden fünf Euro vorgeschlagen. Übernachtung mit reichhaltigem Abendmenü inklusive Rotwein also knapp sieben Euro.

Die Schulklasse ist heute nicht hier angekommen.

Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Freiheit: Jakobsweg-Emblem Camino de la Costa – Küstenweg mir einem Vogel in der Luft, hoch über der Atlantikküste

Jakobsweg an der Küste von Piñera nach Tapia

Jakobsweg an der Küste von Piñera nach Tapia

Tag 24: 24 km und wenige Höhenmeter (250 hm). Über Navia, Torce, La Caridad.

Bei strömenden Regen wagen wir uns schließlich alle gleichzeitig vor die Türe des alten Schulgebäudes „Escuella Nacional“. Es liegt unmittelbar an der Landstraße. Mariette ist die erste, die sich mutig vor die Türe traut und genau in diesem Moment braust ein Holzsattelschlepper an ihr vorbei und durchspült sie wie ein Hochdruck-Dampfstrahler.

Unsere Schadenfreude hielt sich in Grenzen, denn jeder wusste nun, dass ihn in den nächsten Minuten das gleiche Schicksal ereilen würde. Und so ist es natürlich auch.

Die ersten beiden Kilometer auf der Landstraße ist es dann auch vollkommen egal, was wir anhaben. Jeder Lastwagen gibt uns die volle Packung. Die Stimmung ist trotzdem gut. Während die anderen praktisch alle ihre dicke Kleidung opferten, bin ich mit kurzer Hose und T-Shirt unterwegs.

Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Ölgemälde vom Jakobsweg an der Küste

Jakosbweg: Eine spirituelle Dimension

Gestern haben wir uns noch ziemlich real unterhalten. Mit echten Schallwellen, die auf der Leitplanke entlang geritten sind. Heute kommt eine neue, eine fast spirituelle Dimension hinzu.

Jean-Louis, Mariette und ich haben immer öfter Gedankenübertragung. Ständig haben wir die gleichen Einfälle. Ganz ohne Sprache. Aber gibt es Gedankenübertragung eigentlich?

Zumindest auszuschließen ist sie nicht. Und hier spreche ich als Diplomingenieur und als spirituelle Spinner zugleich. Klar ist doch: Unser Gehirn verarbeitet elektrische Signale.

Und unser Bewusstsein bekommt einen Teil dieses elektromagnetischen Geschehens mit. Es macht sich also etwas bewusst. Es fängt also einen Teil dieses elektromagnetischen Geschehens wieder ein und führt ihn uns vor Augen.

Dass im Gehirn dabei Leistungen vergleichbar einer Glühbirne erzeugt werden, ist erstaunlich, aber längst bewiesen. Bis zu 60 Watt (!) können das sein. Und dass diese elektromagnetischen Wellen an der Hirnwand natürlich nicht halt machen, ist ebenso klar. Schließlich besteht unsere Gehirndecke nicht aus Blei und ist auch kein Faradäischer Käfig.

Ob das, was wir unser Bewusstsein nennen nun „innen“ sitzt – oder nur mal angenommen – „außen“ sitzen würde, wäre im Prinzip also egal.

In entsprechenden Röhren kann man mit bildgebenden Verfahren dem elektrischen Treiben im Gehirn sogar unmittelbar zusehen. Von außen! Wenn unser Gehirn auch Röhren durchströmt und dessen Detektoren sie aufzeichnen können, warum sollte unser Denken nicht auch fremde Gehirne durchströmen? Die Physik hat dem nichts entgegenzusetzen! So unglaublich sich das alles anhören mag: Bis hierher ist alles real.

Stellen wir uns nun einmal einen geostationären Fernseh-Satelliten vor. Er ist klein und ewig weit entfernt. 35.786 Kilometer, um genau zu sein. Die elektrische Sendeleistung liegt dabei in einer Größenordnung von lächerlichen 60 Watt. Kommt uns da was bekannt vor?

Die Sendeleistung entspricht exakt der unseres Gehirns. Trotzdem können wir die Signale des Satelliten locker noch aus unglaublichen Sechsunddreißigtausend Kilometern empfangen. Das geht vor allem deshalb, weil es auf die exakt gleiche Wellenlänge ankommt. Die Wellenlänge muss stimmen, dass wir das Signal auswerten können. Und sei es noch so klein. Wir müssen also nur wissen, auf welcher genauen Frequenz wir hinhören müssen.

Und hier schließt sich dann der Kreis. Es fällt mir der Spruch von der „gleichen Wellenlänge“ bei zwei Menschen ein. Kann sich auch ein fremdes Bewusstsein einen Teil unseres Geschehens „zu eigen“ machen? Theoretisch durchaus möglich!

Das wäre doch mal der Stoff für eine echte Doktorarbeit. Selbst geschrieben natürlich.

Aber noch einmal zurück zum Ort des Geschehens. Zum Gehirn. Denn hier gibt es ja so etwas wie die erst 1995 entdeckten Spiegelneuronen. Das sind Nervenzellen, deren einziger Zweck darin besteht, Gefühlsregungen des anderen nachzuahmen und damit für sich selbst „spürbar“ zu machen.

Es gibt also durchaus solche Mechanismen in unseren Köpfen, die sich mit Gedanken, Gefühlen und womöglich dem Bewusstseinszustand des anderen beschäftigen. Und während die Erde vor nicht allzu langer Zeit noch eine Scheibe war, könnten auch künftige Generationen von etwas weniger engstirnigen Wissenschaftlern (Beobachtern) noch großartige Prinzipien des Lebens entdecken.

24: VON PIÑERA NACH TAPIA (Camino de la Costa)

Christian Seebauer 24: VON PIÑERA NACH TAPIA (Camino de la Costa)

Einsicht als Pilger: Im richtigen Leben ist es zu engstirnig!

Ein bisschen was von meiner hier ausufernden Philosophie werde ich mit nach Hause nehmen. Und dann, wenn meine Tochter wieder einmal eine schlechte Note schreibt, weil das alte Schulwissen nicht mehr ab to date ist, meiner Tochter erklären. Schließlich ist vieles, wofür ich selbst einmal schlecht benotet wurde heute längst schon überholt!

Und da fällt mir wieder diese engstirnige Welt von zu Hause ein. Engstirnig und dumm! Meine Tochter Selina hat in einer Prüfung den Begriff Recycling mit „Wiederverwenden“ erklärt. Das war falsch. Null Punkte! Gefragt war die Erklärung „Wiederverwertung“.

Nun stand allerdings im Duden tatsächlich „Wiederverwendung“. Und auch die Abfallentsorgungsverordnung spricht von „Wiederverwendung“.

Den Duden unter dem Arm habe ich also bei der Klassenlehrerin mit viel Charme für einen Punkt gekämpft. Die Erfahrung, die ich dabei machen musste, war erschütternd: Tatsächlich hatte die Lehrerin nie vor, einen Punkt für etwas Richtiges zu geben, sondern hat sich wohl viele Stunden damit beschäftigt, „Beweismaterial“ aus dem Lehrplan gegen meine Tochter vorzulegen.

Dann war da noch der Punkt mit den Joghurtbechern. Die richtige Antwort wäre gewesen, dass sie in die gelbe Tonne gehören. Plastik, klar! Aber ist es nicht so, dass sich gerade in der letzten Zeit alle Joghurtbecher aus Plastik ganz still verabschiedet haben und mittlerweile samt und sonders zu 90% aus Papier bestehen? Und das gehört doch in die blaue Tonne!

Obwohl ich das komplette Rewe-Sortiment zur Sprechstunde mitgenommen habe, blieb die Lehrerin stur.

Es ist wohl wichtiger, das Alte zu verteidigen, als sich neuen und durchaus richtigen Gedanken zu öffnen. Aber was soll so aus unseren Kindern werden?

Wenn man schon all den anderen Kindern für die nach aktuellem Stand definitiv falsche Antwort einen Punkt gibt, dann könnte man zumindest der einzig richtigen Antwort ebenfalls einen Punkt geben. Weil genau das aber nicht geschieht und weil niemand das ändern kann verbleibt uns nur eine einzige Möglichkeit: Jede Idee und jeder Gedanke unserer Kinder ist ein Segen. Und wir sollten ihn nicht abtun, sondern mit unseren Kindern gemeinsam fantasieren, ob es nicht doch in fernen Zeiten genau so kommen könnte. Was spricht schon dagegen?

24: VON PIÑERA NACH TAPIA (Camino de la Costa)

Agave und Meilenstein für den Jakobsweg in Tapia, 24: VON PIÑERA NACH TAPIA (Camino de la Costa)

Bitte halte mich nicht für verrückt! Warum?

Ich bin mit Mariette gerade genau in dieser herrlichen Philosophiestunde und Mariette steuert erstaunliche Sichtweisen bei. Immer wieder mit dem Vermerk „aber bitte halte mich jetzt nicht für verrückt!“

Krass! Ist es nicht wunderbar, seinen Gedanken endlich einmal wieder freien Lauf zu lassen? Sind wir in unserer Welt schon so festgefahren, dass wir uns für ein wenig Fantasie schon entschuldigen müssen? Fast scheint es so!

Nachdem ich ungefähr zum fünften Mal die Gegenfrage gestellt habe „warum soll ich dich für verrückt halten?“, kommt Mariette plötzlich ins Stocken.

„Stimmt eigentlich“, meint sie und beendet den Satz mit „aber du weiß ja…“.

„Ja, ich weiß“. Und nun mache ich eine Pause, halte sie mit beiden Armen vom Laufen ab, gehe zwei Schritte zurück und schreie sie ziemlich laut an „Nein! Was soll ich wissen?“.

Das du verrückt bist? Oder das du eine ganz liebe Seele bist? Oder das du endlich bei dir selbst angekommen bist? Oder das du heute endlich einmal richtig gelacht hast? Nein, ich weiß es nicht. Was bitte soll ich wissen?

Vor was hast du Angst?

Vor was bitteschön hast du Angst? Das ich dich auslache? Das ich dir nicht zuhöre? Das ich dich nicht mag?

Wütend knalle ich meinen Rucksack auf den Boden, nehme sie dann aber in den Arm. Ihre Tochter Corinna ist mit Jean-Louis ein paar Meter weiter gegangen.

Gerade waren wir noch bei Gedankenübertragung, bei Satelliten und beim Schulsystem und jetzt bricht gerade ein menschliches System zusammen und erzählt von der Vergangenheit.

Mariette habe ich bisher noch nie wirklich kennen gelernt. Trotzdem verbindet uns der Jakobsweg. Das ist das Großartige an diesem Pfad. Wir können über Dinge reden, die man sonst selbst Freunden nicht ohne weiteres anvertrauen würde. Genauso kann man aber auch schweigen und ganz einfach einmal menschliche Nähe und echte Achtsamkeit spüren. Nichts Verfälschtes. Nichts Oberflächliches. Denn immer dann, wenn man nicht mag, kann man sich ja „bon camino“ wünschen. So brutal das scheinen mag. Es ist ehrlich. Es ist aufrichtig und ich möchte mir diesen „bon camino“ für mein späteres Leben behalten.

Mariette hat sich selbst wohl noch nie als äußerst attraktive, intelligente und liebenswerte Frau gesehen. Als etwas ganz Besonderes eben. Aber das sollte sie! Und das wünsche ich ihr. Warum sollte man ein Leben lang die Vergangenheit mit sich schleppen? Gut, sie ist ja ein Teil von dir, aber man muss sie auch nicht jede Sekunde gedanklich aufrufen.

Selbstmitleid ist die Verlängerung vergangenen Leids!

Sofort ist Mariette wieder ganz die starke Frau. Alles vergessen und vorbei. Passt schon (sagt meine Frau ja immer dann, wenn gar nichts passt). Ich denke, Mariette braucht noch ein paar Kilometer, damit sie bei sich selbst ankommt.

Nun gehe ich wieder allein. Und ich weiß nicht, ob mein Benehmen gerade eben richtig war. Ich denke jetzt gerade an Ingrid. Wo wird sie jetzt sein? Wie wird es ihr gehen? Denkt sie auch hin und wieder an mich? Jetzt gerade?

Ich bin ein wenig erstaunt, dass weder Jean-Louis, noch Mariette und Corinna mich nach meinen wilden Theorien für verrückt erklären. Ganz im Gegenteil. Viele Pilger habe ich getroffen, die fest davon überzeugt sind, dass es noch weit mehr geben muss, als dass, was wir hören und sehen können.

Es ist schon komisch: Wenn man unmittelbar im wahrsten Sinne des Wortes „mit den Füßen fest am Boden steht“, dann heben die Gedanken ab und suchen eine Antwort auf all das neue Unbekannte, was uns umgibt.

Im Auto treten wir nur auf Pedale, ohne den Boden zu berühren. Wir steuern nach dem Bildschirm und verlieren den Kontakt zu dem, was da draußen ist. Wir telefonieren. Und dann fragen wir uns nach einer Weile, wo bin ich, wie kam ich hierher.

Allerdings gibt es auch am Jakobsweg das merkwürdige Phänomen, dass man die Stationen vergisst. Ich zweifelte hin und wieder echt an meinem Verstand, als ich nicht mehr wusste, wie die Orte gestern hießen. Und dass, obwohl ich im Schneckentempo zu Fuß unterwegs war und mir nichts zu merken brauchte. Doch genau das ist es: Sich endlich einmal nichts merken zu müssen.

Erst als ich dieses Phänomen bei allen anderen Pilgern ebenfalls bemerkte, ist es mir nun egal, wie die Herberge gestern hieß. Und wie der Ort, wo wir heute hingehen werden gleich noch mal heißt. Egal. Pilgererfahrung. Jedem geht es genauso. Jeder muss da mal schnell im Pilgerführer nachblättern.

Wenn es aber allen so geht, dann bedeutet das doch nichts anderes, als das diese Ortsnamen für unser Sein vollkommen irrelevant sind. Was alle gemeinsam berichten, das ist die exakte Erinnerung an Abschnitte in der Natur, an Gerüche und an Farben. Schon merkwürdig, was uns da dieser Jakobsweg alles vor Augen führt.

Ich hole Jean-Louis wieder ein und Mariette wandert nun mit ihrer Tochter weiter.

Unterwegs gibt es heute in Tapia für sieben Euro ein so üppiges Pilgermenü, dass Jean-Louis und ich ein riesiges zweites Schnitzel samt Pommes als Proviant mitnehmen. Wir waren bereits nach der Vorspeise Pasta und Salat, dazu Weißbrot und Rotwein dermaßen geplättet, das wir befürchtet haben, nicht mehr gehen zu können.

Immer wieder querte der Weg nach dem Mittagessen die viel befahrene Küstenstraße. Und immer wieder war die Küstenstraße der Weg. Hier wird augenblicklich viel getan, um neue Wegstrecken zu erschließen. Auch am Camino Francés gibt es Teerstrecken. Aber nicht ganz so viel. Das ist die Kehrseite der schönen Medaille des Küstenweges.

Bis Mittag hätte ich mir heute eine dicke Wintermütze gewünscht. Bei maximal 8 Grad und eisigem Atlantikwind war das gehen ziemlich frostig. Doch jetzt, nach unserem Pilgermenü kommt auch die Sonne heraus und es wird zum Laufen „fantastique, merveilleux, magnifique!“

24: VON PIÑERA NACH TAPIA (Camino de la Costa)

Camino de Santiago und Pilger an der Schnellstraße, 24: VON PIÑERA NACH TAPIA (Camino de la Costa)

Jakobsweg: Wertloses Zeug – weg damit!

Eine Zeitlang laufe ich nun wieder allein. Und jetzt probiere ich mal meinen MP3-Player aus, auf den ich mir einen Spanischkurs geladen habe. Doch jetzt nach 24 Tagen Stille ist das ein Ding des Unmöglichen. Es ist mir schlichtweg unmöglich, einen Rhythmus zu halten und in den Ohren spanisch zu hören. Obwohl ich zu Hause gerne mit Musik im Ohr joggen gehe, werde ich hier schon nach kurzer Zeit richtig aggressiv. Weg damit.

Und eine wertvolle Erfahrung reicher! Das braucht es nicht am Jakobsweg. Ich lerne die verschiedenen Sprachen auch so. Ich muss nur hinhören und mitreden. Letzteres fällt mir leicht. Ersteres eher schwer.

Die letzten Kilometer zur Herberge in Tapia sind überwältigend. Schon eine ganze Weile gehe ich auf einem kleinen Sträßchen am Meer entlang. Und ich muss es nochmal sagen: In eineinhalb Stunden bin ich hier keinem einzigen Auto begegnet. So etwas gibt es bei uns zu Hause nicht.

Die letzten Stunden hat sich die Sonne energisch durchgesetzt. Es ist sogar noch richtig heiß geworden. Die Landschaft ist flach, grün und friedlich. Ich kann in alle Richtungen weit sehen. Am meisten fasziniert mich aber wieder der unglaublich schöne Blick auf den dunkelblauen Atlantik. Er ist vielleicht 500 Meter entfernt, aber ich kann die salzige Luft riechen.

Wiesen und Klippen am Küstenweg sind wieder meine Begleiter.

Und ganz da vorne, noch vor den Toren des Dorfs liegt sie: Die traumhafte Herberge! Ganz allein steht sie auf einer Klippe mitten im Grün und direkt am Abgrund. Gut 20 Meter über dem Meer. Die Bucht gehört nur ihr ganz allein. Es ist alles wie in einem Märchen.

Ich werde langsamer. Die letzten Meter bis zur Haustüre möchte ich noch genießen. Durchatmen. Ich bin gerührt vor lauter Dankbarkeit. Jeden Tag darf ich solche Traumstätten betreten und wenn sie es einmal nicht sind, dann mache ich mir eben eine daraus!

Aber dieses Häuschen direkt an den Klippen schlägt wieder einmal alles, was ich in meinem Leben gesehen habe. Kurz vor der Herberge begrüßt mich eine steinerne Jakobssäule, hinter der eine stachelige Aloe emporwächst. Dahinter ist eine Klippe, die von der Landseite her mit dichtem Grün bewachsen ist, um dann abrupt in den Ozean abzustürzen. Der Fels ist hier rötlich braun. Dort, wo der Fels in den Ozean mündet, säumt ein weißes Band mit Gischt den Übergang. Auch etwas dahinter ragen noch ein paar geschichtete Felsen aus dem Wasser.

Doch dann beherrscht nur noch die Physik den Horizont. Der erste Zentimeter, den ich als Meeresband ansehe, dürfte einen guten Kilometer betragen. Vielleicht auch zwei. Der nächste Zentimeter oberhalb könnte schon zwanzig Kilometer haben. Und das hellblaue Band am Horizont dürfte ziemlich weit weg sein. Später in der Herberge berechnen wir mit Stift und Zettel sowie einem Handy als Taschenrechner, dass man von hier oben aus etwa 152 Kilometer weit sehen kann, bevor die Erdkrümmung ein Objekt verschluckt. Mit anwesend ist ein deutscher Mathelehrer, der mit einem uralten Fahrrad als Pilger unterwegs ist.

Direkt hinter der Herberge ist ein kleiner Holzzaun, der die Steilflanke zum Meer hin absichert. Durchaus berechtigt. Aber eben auch durchlässig und daher eher eine psychologische als eine physikalische Grenze.

Camino de la Costa: Es riecht nach Seetang

Gut zehn Meter weiter führen ein paar steile Steinstufen die Klippen hinunter. Es ist gerade Ebbe. Die kleine menschenleere Bucht ist kieselig und riecht nach Seetang. Ich bin völlig allein hier und wate im seichten Wasser herum. Traumhaft. Dann lege ich mich auf einen flachen Felsen, ziehe mein T-Shirt aus und döse langsam ein. Ich träume schon wieder von einer Seefahrt. Irgendwie scheint es mich in meinem Unterbewusstsein magisch raus zu ziehen.

Im Halbschlaf höre ich dann ein paar fröhliche Stimmen. Es sind Bernhard, Mariette und Corinna.

Am Nachmittag sitzen wir alle gemeinsam in den letzten Sonnenstrahlen vor der Herberge am Boden und zaubern eine gemeinsame Brotzeit.

Jeder hat für sich ein wenig im Dörfchen eingekauft und heute wird geteilt. Mariette und Corinna haben richtig gutes Schwarzbrot gefunden. Und Bernhard, der Österreicher aus Salzburg, steuert Rotwein bei. Unser Mathe-Fahrradpilger aus San Esteban gesellt sich mit Obst und Tomaten dazu. Er ist den letzten Tagen mit dem Fahrrad nicht weiter gekommen als wir zu Fuß. Das konnte er kaum glauben und doch war es so.

Brote im Freien. Dazu Essiggurken, Zwiebeln, frischen Salat. Unter uns braust der Atlantik, der sich gerade einmal von seiner versöhnlichen Seite zeigt. Meine Zutaten zum Abendmahl sind Weißbrot, Thunfisch und drei große dunkelrote Pfirsiche. Und auch ich habe eine große Flasche Rotwein dabei. Dazu ein paar Kekse und Joghurt. Den tausche ich ein gegen einen spanischen Caramello-Pudding.

Auf der anderen Ortsseite von Tapia gibt es, so habe ich es beim Einkaufen gesehen, ein paar edle Ferienvillen für die Schönen und Reichen. Wer weiß, was so etwas kostet. Wir hingegen haben eine ganze (!) Bucht. Nur für uns. Und eine Herberge, die an keinem schöneren Platz der Welt hätte stehen können.

Unser Abendessen reicht bis zum Sonnenuntergang.

Und dann sind plötzlich auch alle frisch gewaschenen Kleidungsstücke weg!

War eigentlich klar. Wir haben alle unsere Sachen gewaschen und ohne Befestigung über den Holzzaun gehängt. Der Wind hat dann sein Übriges getan und nun haben wir Flut!

Das meiste konnten wir retten. Ein paar Handtücher und das verwaschene Bob Marley T-Shirt von Bernhard schwimmen nun in den unendlichen Weiten des Atlantiks herum.

Bernhard nimmt es locker. Schließlich hat er sogar eine ewig schwere Lederjacke bis hierher mitgeschleppt. Nur für den Fall, dass er irgendwo in eine Disco gehen möchte. Jetzt lacht er darüber! Er lässt mich seinen Rucksack in die Hand nehmen und ich denke, er ist doppelt so schwer wie meiner.

Bernhard meint, er werde dem Nächstbesten am Weg seine Lederjacke schenken, wenn im Gegenzug ein kühles Bier drin ist.

Leider ist in der Herberge der Toaster in Schall und Rauch aufgegangen und es stinkt nun ein wenig nach Rauch und Plastik. Dennoch: Ein herrlicher Ort zum Einschlafen mit Wellenrauschen im Hintergrund.

24: VON PIÑERA NACH TAPIA (Camino de la Costa)

Pilger in de letzten Abendsonne vor der Pilgerherberge 24: VON PIÑERA NACH TAPIA (Camino de la Costa)

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

Der Küstenweg von Cadavedo nach Piñera

Von Cadavedo nach Piñera

Tag 23: 33 km, ca. 850 Höhenmeter. Über Canero, Almuña und Luarca.

Habe gut geschlafen. Keine Schimmelspore hat mich in der Nacht gestört. Bei weit geöffnetem Fenster direkt neben meinem Kopf habe ich mich sogar in der Nacht richtig erholt.

Es nieselt draußen leicht, trotzdem kommt die Sonne ein wenig durch. Heute nehme ich mit Jean-Louis ein ausgiebiges Frühstück. Es gibt sogar heißen Pulverkaffe und wir leeren zu zweit ein ganzes Glas Aprikosenmarmelade. Da stecken sicher genügend Kalorien für die heutige Etappe drin!

 

Mariette – eine attraktive Frau!

Von der Herberge weg wandern wir ein gutes Stück mit Mariette und Corinna. Mariette ist eine attraktive, durch und durch sportliche Natur. Aber sie hatte ihr Leben lang große Rückenprobleme. Am Jakobsweg wurde es für sie dann langsam besser. Diese Erfahrung hatte sie schon einmal gemacht. War es eine Last aus der Kindheit, die sie noch immer mit sich herumtrug? War es der Druck der Eltern, der Druck des Sportgymnasiums?

War es das ständige Trainieren für den Eiskunstlauf und die verlorene Kindheit? Mariette hasste den Eiskunstlauf und schien noch heute darunter zu leiden. Ihrer Tochter wolle sie so etwas nie antun. Aber kann man zwanzig Jahre später immer noch eine verletzte Seele haben?

Mit jedem Schritt blüht Mariette auf. Sie freut sich über jede Blume, die ich ihr pflücke. Und zu jeder Blume habe ich irgendeine Geschichte parat. Sie wünschte sich, dass der Weg für sie in Santiago nicht enden würde, sondern dass es nun für immer so weitergehen würde.

Heute haben wir während des Gehens sehr viel gelacht. Erst mittags trennen sich die Wege.

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

Unser Buschtelefon funkt!

Leider hat auch diese Etappe wieder ein längeres Stück Küstenstraße parat. Jean-Louis geht mehrere hundert Meter hinter mir. Doch wir haben ja einen interessanten Weg der Kommunikation gefunden. Mit seinem Pilgerstab klopft Jean-Louis auf die Leitplanke.

Obwohl ich ihn oft gar nicht mehr sehen kann, kann ich die Klopfzeichen doch gut vernehmen. Ich muss wieder lachen über seinen Einfallsreichtum und gebe immer wieder Klopfzeichen zurück.

Die Leitplanke wird zu unserem Buschtelefon: Ja ich kann Dich hören!

Tick, tack tack tack“ höre ich gerade. Und ich antworte mit „Tick, tack tack tack – tick tick“. So wie: Botschaft bestätigt!

Und dann fängt Jean-Louis plötzlich damit an, den Takt von bekannten Liedern zu klopfen. Ich muss lachen. Ich bin fasziniert. Denn sobald er aufhört, klopfe ich den Rest des Taktes weiter.

Jean-Louis klopft gerade:

Daa di di dit, daa di di dit.“

Richtig! Es ist „Hier kommt die Braut”, aus Richard Wagners Lohengrin, die auch in keinem amerikanischen Spielfilm fehlen darf, wenn geheiratet wird. Ich antworte ihm mit einem Steinklopfen:

„daa di di di daa, daa di di dit“

Für eine Sekunde ist es nun still. Aber jetzt kommt ein ganz schneller Trommelwirbel „ding ding ding ding ding“, will heißen:

Antwort von der Leitplanke

Bravo, richtig geraten!

Und nun möchte ich mal probieren, ob es das auch auf Französisch gibt:

Di di di di daa daa,

di di di di daa,

di di di di daa,

und prompt kommt die Antwort per Leitplanke:

di di di di daa daa,

di di di di daa daa!

Mit meinem Stein hämmere nun ich lauten Beifall auf die Leitplanke. Von Jean-Louis ist weit und breit keine Spur zu sehen. Aber er hört mich!

Die französische Version von „Alle meine Entchen“ heißt übrigens „Tous mes petits canards“, wie ich dann später erfahre.

Gut, ein paar Lieder habe ich nicht erkannt, aber es ist schon erstaunlich, dass wir beide viele Lieder erkannt haben und den Rhythmus weiter klopfen konnten.

Wir haben nun auch herausgefunden, dass sich die Leitplanke im unteren Bereich anders anhört, als im oberen Bereich.

So vergeht die Zeit mit immer neuen Liedern im Kopf. Sogar unseren Gehrhythmus haben wir auf diese Art ganz intuitiv synchronisiert. Schon eine tolle Sache, auf was man beim Gehen alles kommt!

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

Auf schönem Terrain

Ein Höhepunkt ist für mich der Abstieg nach Luarca. Natürlich ohne Leitplanke, denn wir sind wieder zusammen und auf schönem Terrain. Das kleine Fischerdörfchen mit gut 5.000 Einwohnern zwängt sich wieder in eine enge Bucht, die wie fast immer gleichzeitig auch die Mündung eines romantischen Flüsschens ist. Dieses Mal heißt der Wasserlauf Rio Negro.

Auf alten Steinstufen geht es die letzten 50 Höhenmeter wieder spektakulär bergab durch malerische Gassen. Unten angekommen überquere ich auf einer kleinen Brücke den Rio Negro. Dieses Dörfchen würde wirklich zum Verweilen einladen. Die Temperaturen sind gerade angenehm, vielleicht so um die 18 Grad und kräftige Sonnenstrahlen verzaubern den kleinen Ortskern mit einem wunderbaren Licht in ein Idyll.

 

Trotzdem gehe ich weiter. Allerdings nicht ohne diese Atmosphäre in mich einzusaugen und jeden Schritt zu genießen!

Gleich geht es wieder bergauf, umgeben von herrlicher Landschaft. Unterwegs möchte ich wieder eine Kirche besuchen, die sich mir quasi in den Weg stellt. Leider ist sie verschlossen. Dennoch ist der schattige Vorplatz so schön, dass ich ein wenig bleibe. Aus dem Brunnen sprudelt frisches Wasser. Es steht Trinkwasser darauf.

Beim Weitergehen sehe ich in weiter Ferne den Ozean. Unzählige Luftschichten haben sich als feine Streifen in verschiedenen Blautönen übereinander gelegt. Weil der Ozean selbst ebenfalls die verschiedenen Streifen abbildet kann man nicht mehr unterscheiden, was noch Luft und was schon Wasser ist.

Heute kommt mir der Weg sehr lang vor. Er ist über weite Strecken recht flach und man kann ebenso weit nach vorne sehen. Doch das, was man sieht, das dauert! Erst kurz vor dem Ziel geht es wieder ein wenig in die leicht hügelige Landschaft. Es wird abwechslungsreicher, steiniger und unterhaltsamer. Wenn man im Alleingang überhaupt von Unterhaltung sprechen kann. Doch, kann man! Und die Zeit vergeht wieder viel schneller für mich, wenn es Kurven und „Geheimnisse“ gibt.

Einschreiben muss man sich für die Herberge von Piñera ein paar Kilometer zuvor in einem kleinen Laden. Hier werde ich auf eine Tasse Kaffee eingeladen und lerne ein sehr nettes deutsch-spanisches Ehepaar kennen.

Beide wohnten früher in Deutschland. Sie war Flugbegleiterin und sie ist immer noch jung geblieben. Ihren Ruhestand verbringen sie nun hier in Spanien, in seiner früheren Heimat. Sie geben mir ihre Telefonnummern, nur für den Fall, dass ich oder einer der anderen Pilger mal Hilfe benötige.

Dann geht es weiter zur Herberge. Auch Piñera ist eine außerordentlich schöne Herberge. Sie befindet sich in einem alten Schulgebäude. Noch einmal gehe ich ein paar Kilometer zurück, um mir frische Lebensmittel zu besorgen.

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

Meine Tochter weint

Und dann wird es für mich depressiv.

Das erste Mal muss meine Tochter Selina heute am Telefon weinen. Und das tut mir sehr weh. Wie von jetzt auf gleich falle ich in ein sehr tiefes Loch und fühle mich schuldig.

Ich gehe deshalb noch einmal allein spazieren. Und ich möchte jetzt auch wirklich ganz für mich sein. In einem solchen Moment möchte man am liebsten den nächsten Flieger besteigen und die Tochter in den Arm nehmen.

Vor der Abfahrt habe ich mit meiner Frau darüber gesprochen, was wäre, wenn in dieser Zeit jemand aus der näheren Umgebung sterben würde. Immerhin ist diese Möglichkeit ja ganz real. Wir waren uns darüber einig, dass ich in diesem Falle nicht heimgefahren wäre. Aber ich weiß natürlich nicht, was ich wirklich getan hätte.

Einer der heutigen Gäste in der Herberge wäre wohl für Viele interessant gewesen: Ein bekannter spanischer Nationalspieler, der wegen Sehnenproblemen nicht zur WM aufgestellt wurde. Also machte er sich mit seinem Hund Romeo auf den Jakobsweg. Niemand störte sich daran, dass Romeo in seinem Bett schlafen durfte.

Irgendwie gehören wir hier alle zusammen. Schließlich musste auch Romeo mit eigenem Gepäck jede Etappe meistern. Ich habe aber den Eindruck, dass ihm die Wanderschaft mit seinem Herrchen gut gefiel.

Meine Frau Conny meinte heute am Telefon: Mach doch einmal ein paar Tage Pause. Sehe dir etwas an. In mein Tagebuch notiere ich daraufhin:

 

Das Gehen selbst ist die große Pause.

Die Pause vor dem Denken und die Pause vor dem Grübeln. Das schönste am Jakobsweg ist, dass ich jeden Tag aufstehen und einfach wieder losgehen darf. Die Freiheit, immer weiter zu gehen, das ist meine Pause. Und so freue ich mich schon auf morgen und das immer gleiche Ritual: Aufstehen, einen bon camino wünschen und losgehen.

Was ich meiner Frau aber bestimmt nie verraten werde: In Sachen Rucksack bin ich im Laufe der Zeit zu einem wahren Ordnungsfanaten geworden. Ich weiß nun blind im Dunklen, wo genau sich was befindet. Jeder Gegenstand hat exakt seinen festen Platz und ist immer sofort auffindbar. So verkürzt sich die Routine des Ein- und Auspackens enorm. Auch mitten unter dem Gehen hilft mir diese neu gefundene Ordnung für schnelle Kleidungswechsel. Zu Hause werde ich freilich so unordentlich bleiben, wie ich bin!

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

23 VON CADAVEDO NACH PIÑERA (Camino de la Costa)

22 VON SOTO DE LUIÑA NACH CADAVEDO (Camino de la Costa)

Der Jakobsweg an der Küste von Soto de Luiña nach Cadavedo

Der Jakobsweg an der Küste von Soto de Luiña nach Cadavedo

22 VON SOTO DE LUIÑA NACH CADAVEDO (Camino de la Costa)

Ab hier wird es wieder grün: 22 VON SOTO DE LUIÑA NACH CADAVEDO (Camino de la Costa) und ein schöner Meilenstein

Tag 22 am Küstenweg: ca. 24 km, 450 Höhenmeter. Über Novellana, Santa Marina und Tablizo.

Viel gibt es heute nicht zu vermelden. Kaum Schlaf, ausgekühlt, rein in nasse Socken und feuchte Schuhe. Ein paar trockene Kekse teile ich mir mit Jean-Louis, der heute ausnahmsweise auch keine Lust auf ein Frühstück verspürt. Auch er ist klamm und es fröstelt ihn. Wir möchten also so schnell wie möglich los marschieren, damit uns warm wird.

Der Jakobsweg verläuft heute 24 Kilometer auf der alten Nationalstraße N632. Gut, immerhin gibt es hier so gut wie gar keinen Verkehr und man hat als Fußgänger die Straße komplett für sich. Man kann ganz ungeniert mitten auf der Straße gehen. Doch der harte Belag ist nichts für die Füße!

Noch immer begleitet uns das hartnäckige Tief Eliane. 2010 ist das Jahr des Regens. Und seit heute weiß ich auch: Es ist das Heilige Jahr! Das Heilige Jahr „Xacobeo“ ist immer dann, wenn der Festtag des Hl. Jakobus am 25. Juli auf einen Sonntag fällt. Im Heiligen Jahr sollen den Pilgern nach kirchlicher Lesart alle Sünden erlassen werden, wenn sie in der Kathedrale von Santiago de Compostela aus an den Sakramenten teilnehmen und wenigstens die letzten Hundert Kilometer zu Fuß, oder die letzten 200 Kilometer mit dem Fahrrad gepilgert sind. In der Kathedrale darf man dann durch die sog. Gnadenpforte schreiten, die nur alle heiligen Jahre geöffnet wird.

Wie konnte ich von all dem nichts gewusst haben? Bei mir war es einfach der Zufall und die schnelle Entscheidung, die mich zum Küstenweg gebracht hat.

22 VON SOTO DE LUIÑA NACH CADAVEDO (Camino de la Costa)

Begonien vor einem mintfarbenen Haus

Jakobsweg: Das Heilige Jahr war reiner Zufall!

Es wäre zu erwarten gewesen, dass in diesem Jahr der Jakobsweg völlig überlaufen ist. Genau das ist aber nicht der Fall. Vielleicht haben sogar einige Pessimisten den Weg gerade 2010 deshalb nicht gemacht. Gut so. Es lebe der Optimist und noch besser: Es lebe der, der gar keine Ahnung hat und sich einfach auf ein Abenteuer einlässt.

Die Gedanken um das Heilige Jahr haben mir heute ein wenig Ablenkung gebracht. Zum Weg selbst gibt es kaum etwas zu vermerken. Er führt wegen Überschwemmung ausschließlich über die Landstraße.

Selbst hier sind etliche Stellen unterspült und durch Bänder der Policía abgesichert. Zahlreiche Schilder sind unterspült und liegen am Boden. Bäume sind entwurzelt und liegen auf der Straße. Gut, dass ich erst jetzt hier vorbeikomme, wo mir kein Baum mehr auf den Kopf fallen kann. Hoffe ich zumindest!

Teer über Teer. Die gute Nachricht: Noch nie in meinem Leben hatte ich so gute und so bequeme Schuhe. Obwohl sie nass sind, habe ich keine einzige Blase.

Ich denke viel an den gestrigen Regentag in dieser sagenhaften Landschaft.

Pilgern: Dieser Tag hat mir richtig gut getan.

Heute stoße ich auf mehrere kleine Pilgergruppen, die mir allesamt noch recht unerfahren vorkommen.

Die Herberge in Cadavedo ist stinkend, schimmelig, aber zumindest trocken. Jean-Louis hat in dem verschimmelten Zimmer seinen Galgenhumor wieder gefunden. Heute geht es ihm viel besser, als gestern. Wir diskutieren darüber, in welcher Weise sich die Pilzsporen im Zimmer verteilen würden und welcher Schlafplatz im Stockbett der bessere wäre. Jean-Louis meint sogar, dass es gefährlich sei, direkt unter den Schimmelsporen zu schlafen.

Ich ignoriere die schwarz-grüne Schimmeldecke und nehme wie immer die obere Etage. Zum Spaß nehme ich meinen dampfenden Schuh, den ich mir gerade ausgezogen habe und binde ihn an das Bettgestell. Zu Jean-Louis sage ich lachend: Da traut sich jetzt keine Pilzspore mehr hin!

Als nächstes reparieren wir die Klospülung mit einfachen Mitteln. Danach suchen wir nach so etwas wie einer Generalsicherung, damit wir Licht haben. Die Sicherung war dann auch schnell gefunden, aber zu unserem Erstaunen drin. Trotzdem ging kein Licht. Oh wie gut, dass ich Elektrotechnik studiert habe. Wenn auch bis zum heutigen Tag dieses Studium meiner Ansicht nach komplett umsonst war, so habe ich doch wenigstens jetzt die Chance, zu zeigen, was ich kann!

Mit dem Spiraldraht einer Wäscheklammer habe ich dann die Kontakte überbrückt und es hat großen Spaß gemacht, als es in dem Sicherungskasten mal so richtig gefunkt hat! Ausschalten konnte man jetzt allerdings nichts mehr und mit den Fingern hinlangen durfte nun auch keiner mehr! Aber die unkonventionelle Elektroinstallation hat sich unter den nachkommenden Pilgern dann recht schnell herumgesprochen.

22 VON SOTO DE LUIÑA NACH CADAVEDO (Camino de la Costa)

Pilgerherberge Donativo/ Spende minimum 3Euro

Recht witzig finde ich die Aufforderung zu einer Mindestspende.

Ein handgemaltes Schild ermahnt uns zu einer Gabe von mindestens drei Euro: „ATENCIÓN, DONATIVO MINIMO 3 EURO“. Offenbar waren in dieser Herberge einige Pilger nicht bereit, freiwillig etwas zu spenden. Gut nachvollziehbar.

Trotzdem habe ich drei einzelne Euromünzen bei mir und damit kann ich die Spende vor den anderen richtig schön zelebrieren. Ich nehme meine erste Münze, zeige sie dem Kreis der Zuschauer und kommentiere auf Englisch: Hiermit sichere ich Kraft meines Amtes den Fortbestand des Fungus Dormitorio (Schlafzimmerpilz). Die ersten fangen an zu kichern und holen ebenfalls einen Euro heraus.

Ich werfe die erste Münze ein und halte meinen zweiten Euro in die Höhe. „Hiermit sichere ich den Fortbestand des Fungus verde“ (grüner Schimmelpilz). Mit meinem Euro mache ich ein Kreuzzeichen in die Luft und werfe dann die Münze in die Pappschachtel. Das Lachen wird nun etwas lauter und ich nehme meine dritte und letzte Münze in die Hand. Mehr als nötig, werde ich nicht spenden.

„Hiermit sichere ich den Fortbestand der Gattung Fungus officinalis nigrum“ dem gemeinen schwarzen Schimmel. Alle Namen sind natürlich frei erfunden!

Auch die anderen Pilger haben dem Schimmel nun extrem witzige Namen gegeben. Am besten gefallen haben mir „Fungus diabólico“, „Fungus peregrinus“ und „Fungus donativum“ – der Spendenpilz!

22 VON SOTO DE LUIÑA NACH CADAVEDO (Camino de la Costa)

Schimmel in der Pilgerherberge

Pilgern: Geburtstag ganz im Stillen

In einer kleinen Bar nehmen Jean-Louis und ich noch ein Pilgermenü ein. Schimmelfrei! Aus einem Telefonat mit seiner Frau habe ich mitbekommen, dass er heute seinen 56sten Geburtstag hat. Und so habe ich in der Bar einen kleinen Fertigkuchen mit einer Kerze organisiert.

Am Abend gesellt sich dann noch Bernhard, ein junger österreichischer Ex-Schreiner zu uns. Er hat einfach mal so seine Wohnung aufgelöst und ist dann losgegangen. Er ist bereits seit Salzburg unterwegs. Das farbige aber sehr ausgewaschene Bob-Marley T-Shirt passt perfekt zu ihm.

Er erzählt uns viel von seinem Alleingang auf den ersten tausend Kilometern. Und auch hier ist er nur allein unterwegs.

Mit Rotwein und Kerzenlicht kommt nun auch ein wenig Stimmung. Jean-Louis genießt seinen Geburtstag. Ich habe den Eindruck, dass er heute wirklich glücklich ist.

Als wir in die Herberge zurück kommen, ist diese zum ersten Mal voll. Will heißen, alle anderen müssen am Boden schlafen.

Aber auch das darf man sich nicht zu schlimm oder zu spartanisch vorstellen. Eher schon romantisch! Die Herbergsmutter hat für genügend Matratzen und Decken gesorgt.

 

Am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

Jakobsweg nach Soto de Luiña

Über den Senda Costera nach Soto de Luiña

Tag 21: ca. 22 km. Der schönste Umweg der Welt. (450 Höhenmeter).

Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Küstenweg Landkarte Ausschnitt Soto de Luina

Am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

Dunkle Wolken am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA, Blick auf die Felsklippen

Der heutige Tag beginnt zunächst mit leichtem Nieselregen, kühlen 10 Grad und stark auflandigem Wind.

Aber auch Grau in Grau ist die schmale Mündung des Rio Nalón ein überwältigender Anblick. Wir sind hier draußen ganz allein. Die ersten Meter gehen hinaus auf nassem Teer zur letzten Mole. Die Parkplätze hier sind völlig leer. Direkt vor uns türmt sich eine scharfkantige fast schwarze kleine Felsinsel in der Brandung auf.

Dort, wo der Fluss sich mit dem Ozean vereint, führt linker Hand eine sehr steile Steintreppe gute hundert Höhenmeter auf die Klippen. Jean-Louis kommt gleich voll ins Schwitzen. Er hat auch noch seinen grünen Regenponcho an. Ich habe mich heute gegen Regenkleidung entschieden und gehe mit kurzer Hose und T-Shirt. Auf den Escaleras, (span. Treppe) erreiche ich dann die optimale Wohlfühltemperatur. Lediglich mein Rucksack war wie immer in die blaue Mülltüte eingehüllt. Meine neuen Schuhe tun mir richtig gut. Ich spüre, dass es die richtigen sind und laufe – ganz im Gegensatz zu Jean-Louis – leichten Fußes die Stufen empor.

Oben angekommen, hätte ich am liebsten im Lotto gewonnen und sofort einen Bauantrag gestellt. Am Aussichtspunkt „Mirador del Espiritu Santo“, dem Balkon des Heiligen Geistes steht aber schon eine kleine Kapelle.

Unglaublich, was den anderen Pilgern heute entgeht.

Sie folgen alle der kürzesten Verbindung von Bucht zu Bucht und haben heute laut Pilgerführer nur Teer unter den Füßen.

Jean-Louis kommt nun auch an. Es sieht lustig aus, denn es dampft aus allen Löchern seines Regenschutzes heraus.

Eine Klippe und eine Bucht nach der anderen reihen sich wie eine Perlenkette vor uns aneinander. Obwohl ich ja schon in der Ferne bin, überfällt mich beim Blick auf die unendliche Küstenlandschaft und den unter mir liegenden Atlantik so etwas wie Fernweh. Schon verrückt. Hätte mich hier in vergangenen Zeiten ein Seefahrer angeheuert, ich wäre mitgefahren!

Die dunklen Wolken und der peitschende Wind zaubern eine Kulisse, an der jeder Schwarzweißfotograf seine helle Freude gehabt hätte.

Wir sind jetzt am Anfang auf der Etappe, mit der ich mein Buch begonnen habe. Diese unglaublich wilde Felslandschaft zieht mich so sehr in ihren Bann, dass mir ein paar Tröpfchen aus den Augen schießen. Dieser Moment wird sich wohl ewig einbrennen. Er ist so intensiv, dass man ihn mit Worten kaum beschreiben kann.

Alles ist hier oben nun durch und durch mit dichten Wäldern bewachsen. Es riecht nach nasser Erde und Eukalyptus. Keine Hotels, keine Häuser. Einfach nur dichte unberührte Natur.

Entlang der Klippen ist der Trampelpfad hier mit „Senda Costera beschildert. Der heilige Jakob wird es mir schon verzeihen, wenn ich hier nicht auf dem direkten Weg, sondern auf dem schönsten Umweg der Welt unterwegs bin. Am Wegesrand finde ich viele essbare Pilze wie die Roten Täublinge. Leider weiß ich aber nicht, ob es in der nächsten Herberge eine Kochgelegenheit geben wird. Und Jean-Louis, der schon bei meinen Kräutern stets skeptisch war, hat mit Pilzen rein gar nichts am Hut. Er hält den schönen Täubling schlichtweg für einen gemeinen Fliegenpilz.

Schon eher ist er da für die prächtigen Walderdbeeren zu begeistern. Die hängen in Hülle und Fülle von jedem Felsen von rot bis dunkelblau herab und wuchern überall neben unseren Füßen. Durch den Regen sind sie übergroß geworden und schön saftig. Im Nu habe ich meine beiden Hände voll mit Waldbeeren, die wir unter dem Gehen genießen.

In dieser Umgebung bläst mir der Wind alle Gedanken aus dem Kopf. Ich bin frei. So etwa stelle ich mir den Zustand einer vollkommenen Meditation vor.

Am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

Frei! Am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

An nichts mehr denken zu müssen.

Einfach nur einen Schritt vor den anderen zu setzen. Den Wind genießen, der um die Ohren fegt. Und dich mit den kalten Wassertropfen anfreunden, die von den Bäumen herabtröpfeln. Das Salz in der Luft spüren! Und sich an dem weichen Boden unter den Füßen erfreuen. Das hier ist mein geliebter Jakobsweg!

Immer wieder gibt der Wald einen dieser sagenhaften Blicke auf die Küste unter mir frei. Und ich denke mir an manchen Stellen, dass es da ganz schön steil nach unten geht.

Die raue und stark zerklüftete Küste des Atlantiks zeigt sich im Wind von ihrer wildesten und schönsten Seite. So wie ein ungeschliffener Diamant.

Das erste Mal in meinem Erwachsenenleben spüre ich hier das überwältigende Gefühl von wahrhaftiger geistiger Freiheit und tiefster innerer Ruhe. Ich fühle mich ganz klein und von aller Last befreit.

Vor vielen Jahren bin ich auf einem geschäftlichen Rückflug irgendwo hier über diese zerklüftete Atlantikküste geflogen. 33.000 „Fuß“ unter mir zog diese unendlich schöne und völlig unwegsam erscheinende Küstenlandschaft vorbei. Was hätte ich damals gegeben, mich nach unten zu beamen, einen Fuß auf dieses Terrain setzen zu können und zu erkunden, wie es hier wohl sein würde.

Irgendwo hier unten bin ich nun tatsächlich. Das ist schon verrückt.

Genau in diesem Moment sehe ich unerreichbar hoch über mir ein Flugzeug, dessen Kondensstreifen der Wind des Atlantiks in bizarre Formen reißt. Bei den Gedanken an die Passagiere, die jetzt womöglich auf mich herunterblicken, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter.

Alles Zufall?

War vielleicht sogar einer dabei, der meine Gedanken auffangen konnte und ohne zu wissen warum, genau jetzt davon träumt, hier unten zu sein? Vielleicht ist dort oben ja tatsächlich einer, der gerade in dieser Sekunde eine unbändige Sehnsucht danach verspürt, eines Tages diesen schönen Ort aufzusuchen, über den er gerade fliegt?

Sehen kann er mich sicher nicht. Aus der Vogelperspektive eines Flugzeuges gesehen, bin ich bestimmt nicht einmal als winziger Punkt wahrnehmbar. Trotzdem hebe ich irgendwie die Hand zum Gruß und murmle ein leises Hola in Richtung Himmel. Gut dass mich keiner sieht.

Raum und Zeit haben nun eine ganz andere Dimension bekommen. Ich stelle mir vor, wie schnell die Passagiere im Flugzeug im Gegensatz zu mir vorankommen. Die Zeit vergeht für sie tatsächlich im Flug. Und vielleicht sind sie sogar genervt, weil ihr Flieger gerade 10 Minuten Verspätung hat? Oh, welch Drama!

Ich stelle mir vor, dass sie nichts, aber auch gar nichts von ihrer Zeit haben. Meine Vorstellung „nichts von der Zeit zu haben“ wird schlagartig so intensiv, dass ich sie sogar körperlich als richtig ungutes Gefühl spüren kann.

Die dort oben sind eingesperrt, eingezwängt in enge Sitzreihen. Ich versuche, tief und langsam durch zu atmen. Es ist ganz so, als würde mich gerade so etwas wie Platzangst überfallen. Nein, diese Gedanken muss ich um Himmels Willen sofort wieder loslassen! Ich habe gerade ganz bewusst wahrgenommen, dass sich allein schon der Gedanke an das Enge und Hektische in meinem Körper verheerend auswirkt und meinen Puls in die Höhe treibt.

Ich atme noch einmal ganz bewusst tief durch, fahre mir mit meinen Händen durch die Haare und lege meinen Rucksack ab.

Ich habe alle Zeit der Welt! Und ich habe diesen unendlichen Raum um mich herum, um diese Zeit als etwas Großartiges zu empfinden.

Mir wird klar, dass Langsamsein gar kein Nachteil ist! Ganz im Gegenteil!

Und ich würde jetzt auch um kein Geld der Welt meine herrliche Umgebung mit einem eng begrenzten Raum eintauschen wollen. Ich empfinde diese ausgebrannte Welt da oben nun als krassen Gegensatz zu dem, was meiner Seele gut tut. Da oben im Flugzeug findet dieser „blinde“ Flug durch das Leben gerade statt. Ich notiere mir in mein kleines grünes Tagebuch mein Fazit zu dem Leben dort oben:

Freiheitsentzug der Schnelligkeit zu Liebe…

Jean-Louis klopft mir von hinten auf die Schultern, begleitet mit einem euphorischen „mon ami“. Und damit bin ich wieder angekommen in meiner viel schöneren Welt am Jakobsweg.

Sowohl meine Gedanken als auch das Flugzeug verlieren sich allmählich wieder in den Weiten des stürmischen Horizontes. Es kehrt wieder Ruhe ein in meine Gedankenwelt. Und es schließt sich für mich der Kreis von damals zu heute. Ich bin es, der heute hier unten stehen darf. Und mit unten meine ich nicht unten, sondern ganz oben!

Sehr viel später als die übrigen Pilger stoßen wir dann auch auf die hässliche Schnellstraße, die noch in keinem Reiseführer erwähnt wird.

Wie zum Hohn finden wir nun wieder frisch montierte Warnschilder für den Jakobsweg entlang der Autopiste. Der Regen ist längst zu einem kräftigen Regenguss geworden. Und Jean-Louis ist völlig entkräftet. Mir geht es zwar gut, aber ich bin im Moment sehr nachdenklich. Am ersten großartigen Ausblick der heutigen Etappe war da diese weiße Landkarte mit der Aufschrift „Mirador del Espíritu Santu“ – der Spiegel des Heiligen Geistes. Und diesen Spiegel habe ich heute wirklich gesehen!

Jean-Louis ist völlig kraftlos und überhaupt nicht mehr gegenwärtig. Alles geht ganz schnell.

In einem verlassenen Busshäuschen aus vergangenen Zeiten, hat er sich ganz plötzlich zurückgezogen.

Nach 1.700 Kilometern zu Fuß ist nun Jean-Louis an dem Punkt angekommen, an dem er wohl am liebsten aufgegeben hätte. Seine Augen sind leer und deprimiert. Gebeugt, nass und frierend steht er da und blickt starr in den Boden hinein.

Genau so habe ich ein Foto gemacht. Nicht, dass ich total unsensibel bin, aber ich habe die Ernsthaftigkeit seines Stimmungsumschwungs noch gar nicht so richtig begriffen. Und so sehe ich zunächst nur das Motiv: Jean-Louis im alten Busshäuschen auf dem fast schon kaputten Display meines Fotoapparates. Jean-Louis ist umgeben von Graffitis. Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll. Wie kann ich ihm jetzt den richtigen Impuls verschaffen? Weil ich ihn fotografiert habe, dreht er sich nun weg und ich fühle mich sehr ungut.

Während ich ziemlich unbeholfen draußen im Regen stehe und in das Busshäuschen blickte, lese ich eines der Graffitis. Direkt neben Jean-Louis steht in roten Großbuchstaben geschrieben: „DIOS TE AMA“ –

Am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

DIOS TE AMA. Gott liebt Dich – auch wenn es am Jakobsweg regnet und alles nass ist!

Gott liebt dich!

Ich deutete mit meinem Finger auf den Schriftzug „

Dieu t’aime“. Und ich schreie ihm auf Deutsch an „er liebt Dich!“

Er liebt dich, er liebt Dich. Genau hier und genau jetzt.

Jetzt bin ich verstummt und habe ganz feuchte Augen. Ich zucke mit meinen Schultern, bleibe aber auf Distanz zu Jean-Louis.

Jean-Louis starrt völlig entgeistert auf das Graffiti. Lange. Offenbar scheint es ein Zeichen für ihn zu sein.

Wortlos nahm er sein Gepäck auf. Er nimmt seinen Pilgerstab in die Linke und legt seine rechte Hand auf das Stück Mauerwerk mit dem Graffiti. Genau zwischen dem „I“ von Dios und dem „E“ von TE ruht seine Hand ein paar Sekunden lang.

Dann stapft er mir mit Tränen in den Augen in gebührendem Abstand hinterher. Immer wieder höre ich, wie er mit seinem Pilgerstab ein zwei Mal auf die Leitplanke klopft. Es sind unsere Buschtrommeln und er sagt mir gerade „ja, ich bin noch da!“

Dort, wo jetzt der Jakobsweg verläuft, ist eine gigantische Brückenbaustelle. Finanziert von der EU. Wie auch bei uns, arbeitet hier natürlich gerade niemand weit und breit. Das Geld ist da, die Arbeiter sind fern. Wir ignorieren die vehementen Verbotsschilder für Pilger und gehen stur auf der uralten Wegführung weiter. Diese Situation ist schon ein wenig grotesk. Ich komme mir ein wenig vor wie eine Kröte auf der Krötenwanderung, der es egal ist, welche Hindernisse ihr der Mensch in den Weg gestellt hat. Sie geht einfach ihren Weg!

Wer weiß schon, wie lange die EU-Betonbauwerke überhaupt überdauern. Sie sind vergänglich. Aber

Pilger werden hier auch in Jahrhunderten noch gehen…

…vielleicht, wenn der Teer längst verschwunden ist. Schließlich ist es der Jakobsweg!

Die Baustelle ist völlig verlassen. Sie ist ein einziger Sumpf aus Lehm und tiefen Morast. Jean-Louis stürzt zu allem Überfluss. Von Kopf bis Fuß voll vom braunen Schlick der Baustelle. Die Sicht ist gleich Null. Und dennoch finden wir entlang des Großprojektes noch umgeknickte alte Jakobswegschilder. Wir sind also richtig. Noch immer ist es der Weg der Pilger und nicht der Autos.

Unterwegs treffe ich Ines, die Österreicherin. Eingepackt in dicke Regenklamotten. Und dann treffe ich zwei deutsche Pilgerinnen wieder. Mariette, die in meinem Alter ist. Und ihre Tochter Corinna. Beide haben sich irgendwo durchsichtige Regenponchos gekauft und sehen nun ganz lustig aus. Mit Jean-Louis hingegen ist heute nicht zu reden. Er läuft nun zwischen uns allen und ist trotzdem allein.

Im strömenden Regen laufen wir dann schließlich am Nachmittag in Soto de Luiña ein.

Der Abend in der Herberge von Soto de Luiña wird dann auch für mich kritisch. Alles ist nass, auch die Reservekleidung. Es ist eiskalt. Die Temperaturen sind auf unter fünf Grad gefallen. In der Herberge bekomme ich Schüttelfrost. Trotz Müllsack und Bettbezug. Ich habe nichts Trockenes mehr. In der Herberge ist es so kalt, dass man das Ausatmen aus den vielen Nasen deutlich sehen kann.

Als Verpflegung habe ich Nudeln und Tomatensauce gekauft, dort, wo wir den Schlüssel bekommen haben. Hier in der Herberge ist aber keine Kochgelegenheit. Ich schlürfe also kalte Tomatensauce aus der Verpackung und begnüge mich fröstelnd mit einem kleinen Rest Weißbrot.

Am Abend kommt nun auch der Herbergsvater mit dicken Regensachen und einem großen Regenschirm vorbei. Er überbringt uns schlechte Nachrichten. Auf ein paar Kopien einer Landkarte zeigt er uns, dass der Jakobsweg über weite Strecken abgerutscht und nicht begehbar sei. Dabei seien auch die zwei wichtigen Brücken fortgerissen worden. Das sagt er so eindringlich, dass es auch der Letzte kapiert und nicht entgegen seinem Rat einen Alleingang versucht. Ja, er schätzt uns schon ganz gut ein!

Wir sollten Morgen also einen ewigen Umweg machen. Frustriert verziehe ich mich in mein Bett.

Jean-Louis hat eine der wenigen Wolldecken ergattert und hat Erbarmen mit mir.

Am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

Regen von oben. Schlamm von unten Am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

Er deckt mich dick zu!

Und legt seine dampfende Fliesjacke auch noch darüber. Ein weiterer Pilger spendiert mir dann noch im Schein seiner Stirnlampe eine zusätzliche Decke. Er hat mitbekommen, dass es mich noch immer kräftig schüttelt. Trotzdem friert es mich die ganze Nacht. Aber:

Das Umsorgtwerden gibt mir ein gutes Gefühl…

…hier in einer Gemeinschaft zu sein, in der jeder für den anderen einsteht. In meinem Tagebuch habe ich dankbar festgehalten, dass es sich auch hier wieder um eine wirklich schöne Herberge gehandelt hat. Im Normalfall hätte sie auch warmes Wasser gehabt.

Zum ersten Mal begegnet mir in der Früh auch eine achtköpfige Gruppe von spanischen Fahrradpilgern. Sie haben in der gleichen Herberge genächtigt und ich war ein wenig sauer auf sie. Denn bei ihrer Ankunft haben sie ihre nassen Fahrräder und Klamotten über meine Schuhe gestellt. Die Fahrräder sind nun trocken, meine Schuhe dafür nass und werden bis morgen wohl auch nicht trocknen.

Die Rangfolge für Übernachtungen ist übrigens strikt und fair geregelt. Zuerst kommen junge, alte und kranke Fußpilger. Dann Fußpilger im Allgemeinen. Dann Pilger zu Pferde oder mit Esel (die gibt es tatsächlich!). Erst danach kommen moderne Fahrradpilger. Wenn noch Platz ist.

Am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

Wellengang und Regen am Küstenweg nach SOTO DE LUIÑA

Am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

Pilger auf den Klippen über dem Atlantik im Starkregen, am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

Am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

Christian am Jakobsweg nach SOTO DE LUIÑA

 

 

20 AVILÉS - SAN ESTEBAN DE PRAVIA (Camino de la Costa)

Camino von Avilés nach San Esteban

Der Jakobsweg von Avilés nach San Esteban de Pravia

20 AVILÉS - SAN ESTEBAN DE PRAVIA (Camino de la Costa)

Als Pilger kommt man hin und wieder dem Glück sehr nahe

Tag 20: 24 Kilometer über San Cristóbal, El Pontón, Santiago del Monte, Soto del Barco. (300 Höhenmeter)…

…und wieder zurück auf „Los“. Aber alles schön der Reihe nach.

Altes Soldatenrezept: In die Schuhe pinkeln. Mit diesem Mythos kann ich gleich aufräumen. Es hilft rein gar nichts. Schon nach wenigen Kilometern habe ich starke Schmerzen an den Zehen. Mit dem Taschenmesser vergrößere ich in Salinas in einem Verzweiflungsakt den Innenraum der Schuhe. Auf Socken verzichtete ich. Meine großen und kleinen Zehen habe ich dick mit Tape überklebt. Ein Pessimist würde natürlich sagen: Ich hab’s ja kommen sehen. Aber nichts davon denke ich. Ich laufe weiter.

Es wird aber nicht besser, sondern gleich noch viel ungemütlicher in den Schuhen. Jean-Louis läuft schneller und trennt sich von mir. Ich möchte nur möglichst schnell in San Esteban ankommen, um noch einmal Schuhe zu kaufen.

Deshalb bleibe ich Direttissima auf der Landstraße, während Jean-Louis auf einen schönen Pfad abbiegt.

Direttissima? Wieder einmal spielt mir mein nicht vorhandener Orientierungssinn einen bösen Streich. Obwohl ich zu Anfangs auch hier auf der Straße ein paar gelbe Pfeile entdeckt habe, finde ich nun keinen mehr.

Dafür wird die Straße langsam breiter und breiter. Vorbei am Flughafen. Flughafen??? Super, ich habe es geschafft, mich zum Flughafen Aeropuerto Asturias zu verlaufen! Welch ein Wahnsinn.

Nun stehe ich direkt vor den Toren des Aeropuerto. Vor mir eine große rote Schranke. Ein paar Hundert Meter weiter könnte ich einchecken! Nein. Hier habe ich nun wirklich nichts verloren. Wie zum Hohn heult nun eine Flugzeugturbine voll los. Will sie mich auslachen? Will sie mir zeigen, dass ich hier als Fußgänger nichts verloren habe?

Nichts wie weg von hier. Jetzt kommt eine Leitplanke und dann eine Doppelte. Ich bin am Autobahnzubringer zur E70 und jetzt bekomme ich es echt mit der Angst zu tun. „Achtung, Achtung, ein Pilger humpelt auf der Autobahn!“. So eine Meldung und der Gewahrsam durch die Polizei hätten mir noch gefehlt.

Doch wie runter kommen? Schon seit einer ganzen Weile bin ich durch einen etwa zwei Meter hohen Stahlzaun gefangen. Innerhalb! Dahinter Dornenhecken und Gestrüpp, soweit das Auge reicht. Plötzlich bekomme ich eine Heidenangst. Ich muss da unbedingt runter, sofort! Wie ein ausbrechender Gefängnisinsasse klettere ich samt Gepäck über den Zaun. Und natürlich falle ich auf der anderen Seite Kopf über unsanft in die wehrhafte Botanik.

Aufgepeitscht von Adrenalin ist mir jetzt alles egal. Ich spüre das Blut an meinen Händen und Beinen nicht wirklich. Aber die Kratzer sehen echt übel aus. Mit Schürfwunden geht es ab durch das stechende Buschwerk. So schnell es geht.

Doch so schnell geht es gar nicht. Denn gerade hat sich der Träger meines Rucksacks im Unterholz verfangen und bringt mich zu Fall. Aber gleich so heftig, als wenn mich mehrere Expander gleichzeitig zurück katapultieren würden.

Bloß kein Dornenkranz!

Normalerweise habe ich ja ein sehr entspanntes Verhältnis zu allem, was man in der Natur so vorfindet. Aber musste es ausgerechnet ein stark verästelter Schlehdorn sein, der mich gerade umgenietet hat? Ich liege auf einigen Zweigen und spüre die fiesen Dornen. Auch unter meinen Armen haben sich stachelige Zweige verhakelt. Der Rucksack hängt vollkommen fest. Nur mein Gesicht ist ungeschoren davon gekommen. Aber Hallo, das ist doch schon mal etwas.

Und ich trage ja auch kein Kreuz auf meinem Rücken und keinen Dornenkranz, der womöglich aus dem gleichen fiesen Schlehdorn gemacht wurde. Kein Grund also, zu jammern.

Nach der Durchquerung eines kleinen Sumpfes erreiche ich dann ziemlich verdreckt einen Feldweg. Reflexartig schüttelt es mich durch, ganz so wie ein Hund, der gerade aus dem Wasser kommt. Schon komisch, dass ich als Mensch auch solche Reflexe habe. Das ist mir bis jetzt so noch nie aufgefallen.

Es ist echt wie kleines Wunder, dass ich nun partout vor einem gelben Pfeil stehe. Ich muss lachen. Ich bin zurück auf dem Jakobsweg. Was für ein gutes Gefühl!

Der lehmige Pfad zeigt sich von seiner schönsten Seite und ich beschließe, ein wenig Barfuß zu laufen. Meine Sandalen nehme ich in die rechte Hand. Ein herrliches Gefühl!

20 AVILÉS - SAN ESTEBAN DE PRAVIA (Camino de la Costa)

Über sieben Brücken musst du gehen… oder waren es mehr am Jakobsweg?

Jakobsweg – Wieder zusammen!

Als ich um eine Abbiegung komme, sehe ich einen guten Kilometer weit. Und ich erblicke Jean-Louis in der Ferne. Zumindest hoffe ich, dass er es ist!

Ich werde also schneller und gleichzeitig stellt sich ein wunderbar entspanntes und glückseliges Gefühl ein. Nach einer guten halben Stunde habe ich bis auf ein paar Hundert Meter aufgeholt. Und als wenn Jean-Louis mich hätte spüren können, dreht er sich plötzlich um. Er hat mich gesehen!

Sofort nimmt Jean-Louis mich in seine Arme. Genau das Richtige! Etwas Mitgefühl kann ich jetzt gut gebrauchen. Jean-Louis nimmt seinen Rucksack ab und stellt ihn am Rand des Pfades auf den Boden. Danach setzt er sich einfach so im Schneidersitz mitten auf den Weg. Ein paar Sekunden stehe ich selbst noch herum. Dann setze auch ich mich wortlos mitten auf den Weg. Mit meinen Händen berühre ich den Staub und lasse ihn durch meine Finger rieseln.

Jean-Louis hat mir keine einzige Frage gestellt. Er hat mich angesehen und nun scheint er zu meditieren. Irgendwie erschleicht mich das Gefühl, dass er mich gerade in seine Gebete aufgenommen hat und für mich meditiert.

Ich sitze ganz still daneben und dann beginne ich ebenfalls, mit meinem Gott zu sprechen. Für eine gute Weile sitzen wir Gedanken versunken so am Boden. Jeder mit seinem eigenen Gott. Und doch gut, dass jeder von uns einen solchen hat!

Dann steht Jean-Louis auf, reibt sich den Staub von seinen Händen und meint recht still: Vamos? Ich lass ihm ein wenig Vorsprung, bevor ich auch selbst losgehe.

In der Zwischenzeit laufe ich wieder in meinen Sandalen. Dieses Mal mit zerschundenen Füßen. Das kurze Gastspiel in meinen neuen Schuhen hat tiefe Spuren hinterlassen.

Immer wieder kratzt es irgendwo und ich entferne mir wieder ein paar Dornen. So wie es aussieht, müssen wohl auch Brombeerzweige mit im Spiel gewesen sein.

Angekommen in Soto del Barco, kurz vor San Esteban ziehe ich Bilanz: Füße blutig. Dem Highway entkommen. So ungefähr wäre das Fazit des Tages. Doch der Tag ist Gott sei Dank noch nicht zu Ende.

Zurück auf Los?

Durch Soto del Barco verläuft die einspurige Küsteneisenbahn. Und Jean-Louis sagt: Ich komme mit! Wir kaufen jetzt in Avilés ordentliche Schuhe, sonst kannst du hier gleich aufhören.

Habe ich das eben richtig verstanden? Wir sind heute von Avilés nach San Esteban gelaufen. Jetzt würden wir mit dem Zug von Soto del Barco zurück fahren nach Avilés, um schon wieder Schuhe zu kaufen. Und dann wieder hierher zurück? Und dann würden wir auch noch zu später Stunde einen freien Schlafplatz bekommen? Alles sehr spanisch!

Doch mir bleibt gar nichts anderes übrig. Meine Pilgerehre hätte mir bis heute jeden Meter mit der Eisenbahn verboten. Jetzt aber heißt es ja, zurückfahren! Unter diesen Umständen könnte eine Eisenbahnfahrt vertretbar sein, denn sie würde mich ja anschließend nur wieder hierher bringen, wohin ich bereits mit eigenen Füßen gepilgert bin.

Weil genau im Augenblick des Überlegens der Zug einfährt, steige ich also mit Jean-Louis und einer sehr netten Spanierin ein.

Sofort erzählt uns die Einheimische, dass sie Pilger in der Regel immer nur in der Gegenrichtung im Zug antreffe und noch nie welche gesehen hätte, die zurück fahren. Ich erzähle ihr von meinem kleinen Schuhproblem und sie nickt. Im langsamen Tempo schlängelt sich die Bahn über wackelige Schienen und uralte enge Tunnels zurück nach Avilés. Dann steigen wir aus und machen uns auf die Suche nach einem Schuhgeschäft. Schon bei meiner ersten Ankunft in Avilés habe ich am Stadtrand einen großen Industriepark gesehen. Und dem werde ich nun mal einen Besuch abstatten.

20 AVILÉS - SAN ESTEBAN DE PRAVIA (Camino de la Costa)

Küstenlandschaft zwischen AVILÉS – SAN ESTEBAN DE PRAVIA (Camino de la Costa)

Buddhistischer Optimismus am Jakobsweg

Der Buddhistische Optimismus von Jean-Louis ist grandios. Es muss diese Paar Schuhe geben. Mittlerweile allerdings in Größe 47,5. Und tatsächlich: Wir werden fündig. Sofort bei der Anprobe weiß ich: Der ist es. Er passt wie angegossen, ist leicht und angenehm. Er muss nur bis Santiago halten!

Die spanischen Verkäuferinnen haben bei meinem Antlitz wirklich gekichert. Macht nichts. Es wird ja dort auch nicht jeden Tag ein geschundener Pilger zusammen mit einem buddhistischen Coach auftauchen und einen roten Trekkingschuh in 47 ½ kaufen. Ich lasse den beiden also gerne den Spaß. Und die Schuhe behalte ich gleich an. Etwas anderes glaube ich, hätten die beiden Damen von mir auch gar nicht erwartet. Etwas unbeholfen wollen sie mir aber beharrlich den Schuhkarton mitgeben. Und nun muss ich selbst richtig lachen! Nein, den Schuhkarton lasse ich hier. Ich begründe das mit meiner Nationalität und sage: Yo soy un alemán!

Am Abend sind wir dann wieder zurück in Soto del Barco und eine gute Stunde später in der Pilgerherberge von San Esteban.

Als da waren:

Meine Schuhe am Jakobsweg

    • Meine weißen Turnschuhe, die ich heimschickte.
    • Mein Birkenstock-Imitat, welches ich wegwarf.
    • Meine Billig-Trekkingschuhe, die ich wegen größer gewordener Füße ebenfalls heimschickte.
    • Dann meine Sandalen, die mich schon weit über 200 Kilometer brachten, am Ende aber eine Entzündung am linken Fuß provozierten.
    • Und da war… das Wunder von Santillana, neue Schuhe als „Druckverband“. Verstorben in Avilés. Hier ruhen sie in Frieden.
    • Dann abermals neue Schuhe aus Avilés, trotz Reinpinkeln zu klein geblieben. Und nun:
    • Meine ersten richtig guten Trekkingschuhe, Größe 47,5, rot, bequem.
Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Meine neuen Schuhe passen nicht

Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Meine alten Schuhe mit zerbrochener Sohle

Trennen und weitergeben – das gehört beim Camino de Santiago dazu

Dem Herbergsvater in San Esteban gebe ich das Vorgängermodell. Falls mal ein Pilger Schuhe benötigt.

Hier warten sie nun, in Ewigkeit Amen? Oder hat sie bald schon wieder jemand an und ist froh darüber? Ich werde es wohl nie erfahren. Ich hoffe zumindest, dass er niemals dieses Buch lesen wird und so erfahren könnte, dass ich aus Verzweiflung in die Schuhe… Aber lassen wir das lieber! Es sind gute Schuhe. Wenn sie passen.

Die Herberge in San Esteban de Pravia liegt malerisch direkt am Ende des schönen und gut geschützten Hafenbeckens. Der Herbergsvater führt uns hoch zu unserem Zimmer im ersten Stock. Alles ist tipptopp sauber und einladend. Wir sind wieder einmal allein im Zimmer. Mit insgesamt fünf Pilgern ist die Herberge auch nicht wirklich überfüllt.

Das Sprossenfenster ist gleich am Kopfende meines Stockbettes mit direktem Meerblick. Luftlinie höchstens zwanzig Meter. Fantastisch! Ich genieße den algigen Geruch vom Meer und träume vor mich hin, während Jean-Louis eine ausgiebige Dusche nimmt.

Danach treiben uns der Hunger und die Neugier auf das herrliche Hafenviertel noch einmal hinaus.

Im Antiquo Molino gibt es zum Abschluss dieser Etappe noch eine wahrhaftige Essens-Sensation. Das etwas edlere Speiselokal hat kein Pilgermenü im Angebot. Aber für den jungen Chef ist es spontan eine Ehrensache, uns Pilger preiswert zu verpflegen.

Kurzerhand serviert er uns das bunte Menü des spanischen Nachbartisches und erklärt uns jeden einzelnen Gang ausführlich mit einer ganzen Geschichte dazu. Er erzählt uns auch, dass San Esteban de Pravia ungefähr 600 Einwohner habe und dass hier ganz gewiss kein Pilger verhungern müsse. Unser Nachbartisch ist ein wenig erheitert, welche Unmengen wir beide vertilgen, denn es wurde schon ein paar Mal nachserviert. Sie deuten uns mit Handzeichen „Wandern“ und zeigen dann auf den Magen und lachen. Muy bien.

Ich freue mich schon auf morgen. Ich weiß: Dieses Mal werden die Schuhe bis nach Santiago de Compostela halten!

Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Gijón nach Avilés

Der Jakobsweg von Gijón nach Avilés

Tag 19: 26 Kilometer, wenige Höhenmeter (300 hm), über Santa Eulalia, Trabaza.

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Hier geht es nach AVILÉS

Die vielen Straßenkilometer und die durchquerten Industriegebiete im Regen sind heute kein so idyllischer Anfang. Trotzdem geht es mir wieder richtig gut und am Stadtausgang kaufen Jean-Louis und ich uns einen Stehkaffee und ein Hörnchen.

Bei einer kurzen Pause auf einer Parkbank in Santa Eulalia bemerke ich die Ursache für meine nassen Schuhe. Und die ist weniger prickelnd: Beide Sohlen sind komplett durchgebrochen. Das Ende meiner „Wunderschuhe“ aus Santillana ist gekommen.

Was mache ich nun? Erst einmal weiter laufen. Die heutige Etappe gefällt mir nicht, es ist mir an den Straßen zu laut. Erst in Avilés selbst gefällt es mir besser. Der Stadtkern ist hübsch und auch die Pilgerherberge ist recht ordentlich. Als erstes ziehe ich meine kaputten Schuhe aus. Auch innen sind sie total zerfallen. Unter der Einlage ist alles durchgebrochen. Schade eigentlich, denn diese Schuhe haben mich von Santillana bis hierher gebracht. Und ich verdanke ihnen viel. Noch einmal schweifen meine Gedanken zurück nach Santillana zu der freundlichen alten Dame, die diese Schuhe für mich gehabt hat. Nun heißt es aber, etwas Neues zu suchen. Meine Chancen müssten hier in Avilés, der drittgrößten Stadt in Asturien mit knapp 84.000 Einwohnern deutlich besser stehen.

Doch auch hier wird es bei der Schuhgröße 47 schwierig bis unmöglich. Schließlich finde ich in einem kleinen Sportgeschäft unweit der Herberge ein paar groß ausgefallene Sportschuhe in 46. Doch von Anfang an sind da meine Zweifel, denn sie sind recht eng. Ich nehme sie trotzdem.

In der Herberge trenne ich mich jetzt etwas schwermütig von meinen Schuhen aus Santillana. Und nun wage ich noch einen kleinen Kulturtrip in das Herz von Avilés. Ich tauche ein in die bunten Gassen der Altstadt, bummle über den belebten Plaza de España und entdecke eine große Kirche mit dem Namen San Francisco. Ohne Gepäck öffne ich die schweren Holzpforten und trete ein. Eine Trauergemeinde betet gerade den Rosenkranz. 59 Perlen, also 59-mal die

Gebete „Vater Unser“, „Ave Maria“ und „Ehre sei dem Vater“. Und nun all das in einer Fremdsprache. Noch nie habe ich mir wirklich Gedanken über den Rosenkranz gemacht. Bisher war das für mich nichts weiter als Gebete vor sich hinmurmeln.

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Bis zur Sohle durchgelatscht und nun am Ende

Rosenkranz auf Spanisch

Doch beim Rosenkranz auf Spanisch bin ich jetzt sofort mittendrin in der Meditation. Meditation in der katholischen Kirche? Scheint fast so.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,

der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Letzteren Satz habe ich irgendwie noch nie so recht verstanden. Habe ich da jahrelang was gemurmelt, was ich gar nicht verstehe? Ja, so ist es.

Wenn ich schon bei meiner eigenen Muttersprache scheitere, dann kann auch Spanisch kein Problem sein. In hallender Akustik zieht mich das eintönige, aber eindringliche Gemurmel erstmals in den Bann.

Dios te salve María llena eres de Gracia, el Señor es contigo. Bendita eres entre todas las mujeres

y bendito es el fruto de tu vientre Jesús.

Santa María, Madre de Dios, ruega por nosotros los pecadores ahora y en la hora de nuestra muerte.

Amén.“

… bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. [15]

Ich bleibe bis zum Schluss und durch die ständigen Wiederholungen kann ich sogar ein wenig mit murmeln. Heute sitze ich ganz allein hinten, ausnahmsweise einmal links.

Die Trauergemeinde sitzt geschlossen rechts. Ein paar Blicke haben mich am Anfang schon gemustert, doch längst scheint keiner mehr von mir und meinem roten Sporttrikot Notiz zu nehmen.

Das spanische Vaterunser habe ich jetzt schon öfter gehört und es kommt mir vertraut vor. Erst als die Trauergemeinde gemeinsam aufsteht und sich – auch mir, die Hände reicht, ist meine Meditation beendet und ich verlasse fluchtartig San Francisco.

Im Parque de Ferrera gehe ich ein wenig umher und entdecke ein Gedenkschild „Paseo Victimas del Terrorismo“. Und dann entdecke ich Ines, die Österreicherin. Ihre Haare sind seit unserer ersten Begegnung schon ein wenig gewachsen. Ich lade sie ein zu einem Pilgermenü.

Ich habe einen Bärenhunger und in Gesellschaft schmeckt es immer am besten!

Bei dem guten Essen und einem guten Gespräch hätte ich um ein Haar den „Ladenschluss“ der Pilgerherberge versäumt.

Das Vater unser auf spanisch:

Padre nuestro, que estás en el cielo,

santificado sea tu nombre,
venga a nosotros tu Reino;
hágase tu voluntad en la Tierra como en el cielo,
danos hoy nuestro pan de cada día,
perdona nuestras ofensas
como también nosotros perdonamos
a los que nos ofenden,
y no nos dejes caer en la tentación,
y líbranos del mal. Améne

Noch 300 Kilometer

Noch etwa 300 Kilometer sind es nach Santiago de Compostela. In neuen Schuhen, nicht eingelaufen, etwas zu klein. Das wird schon gehen. Ausgerechnet für die kommende Etappe nach San Esteban zeigt mein Reiseführer ein Bild von geschundenen Füßen. Wenn das mal kein böses Omen ist.

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Camino Emblem “Camno de la Costa” mit Treppe bergauf und Küste als Gemälde

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Kirchen gehören am Jakobsweg dazu

Das Vater unser auf spanisch:

Padre nuestro, que estás en el cielo,

santificado sea tu nombre,
venga a nosotros tu Reino;
hágase tu voluntad en la Tierra como en el cielo,
danos hoy nuestro pan de cada día,
perdona nuestras ofensas
como también nosotros perdonamos
a los que nos ofenden,
y no nos dejes caer en la tentación,
y líbranos del mal. Amén

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Der Jakobsweg nach Gijón

Zwei Bergtouren nach Gijón

Tag 18: 32 km, ca. 1.200 Höhenmeter, über Peón

Hier ist sie: Die Etappe, von der ich schon zwei Tage Muffensausen habe. Nach Gijón, sprich „Chichon“, sind es nicht nur 32 Kilometer. Es sind auch viele Höhenmeter.

Gleich in der ersten Morgendämmerung brechen wir auf. Es hat nur etwa 10 Grad und ist feucht, nebelig. Dafür optimal zum Gehen. Gleich hinter Villaviciosa geht es steil bergauf. Soll ich mich vor dem Nieselregen schützen oder ist es besser ohne Regenjacke? Unter dem Gehen ziehe ich meine Regenjacke aus, den Rucksack habe ich vor mir in der Hand. Im T-Shirt ist es nun wesentlich angenehmer zu wandern. Ich spüre den kühlen Nebel, der meine Arme benetzt. Noch geht es bergauf. Aber ebenso überraschend wird es jetzt flacher.

Mitten im leichten Nieselregen kommen wir durch einen dichten Eukalyptuswald. In der Feuchtigkeit verströmt er seinen Duft. Bei Sichtweiten um die 50 Meter komme ich mir vor wie in einem römischen Dampfbad. Auf dem asphaltierten Sträßchen fallen mir immer wieder die vielen schillernden Ölflecken auf. Sie stammen aber nicht von einer defekten Ölwanne, sondern aus den Eukalyptus-Samen, die ihr ätherisches Öl verströmen. Während Villaviciosa noch fast auf dem Meeresspiegel liegt, sind wir oben auf etwa 400 Höhenmetern. In Peón sind wir dann wieder auf 80 Metern.

Die einzige Verpflegungsmöglichkeit soll laut französischem Reiseführer in dem Dörfchen Peón sein, welches im Nebel unter uns auftaucht. Ich spüre bergab nun meine Knie und freue mich auf eine Pause.

Doch vor der Bar stehen wir beide vor verschlossenen Türen. Der Vorgarten ist noch verwüstet von den sintflutartigen Regenfällen der Vortage. Zwischen zwei Plastikstühlen ist ein tiefer Graben unterspült.

Beide essen wir einen Apfel und beginnen zu frieren. Also gehen wir weiter. Es geht gleich wieder steil auf 280 Höhenmeter hinauf.

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Die kühlen Temperaturen sind zum Laufen ideal. Bergauf markiert uns wieder ein gelber Pfeil den Weg. Darunter stehen die Buchstaben:

„CS“ für Camino de Santiago.

Das erste Mal fällt mir auf, dass CS auch meine Initialen sind, es ist also mein eigener Weg!

Hin und wieder wird es bergauf etwas abenteuerlich, da oft ganze Wegstücke weggespült sind. Dann geht es durch Gestrüpp und Brennnesseln, bis wir wieder auf den Weg kommen.

Am Gipfel „Nummer zwei“ – in Curbiello können wir dann weit weg Gijón im Dunst sehen. Und genau hier ist eine kleine Bar. Auf die fette und eklige Salami hätte ich verzichten sollen. Denn bei den ersten Schritten bergab rebelliert nun mein Magen. Die Übelkeit raubt mir komplett alle Kräfte. Nach quälenden zwei Kilometern habe ich wohl den Punkt für die Entscheidung erreicht. Soll ich das Essen „zurückholen“? Soll ich danach für die Hygiene meine Wasservorräte opfern.

Meine Reflexe nehmen mir zumindest die erste Entscheidung dann recht schnell ab. Danach breche ich schlagartig völlig entkräftet zusammen. Noch etwa zehn Kilometer sind es nach Gijón. Doch an Laufen ist irgendwie nicht mehr zu denken. Erneut muss ich mich übergeben und ich werde den Geschmack der ekelhaften Salami nicht mehr los. Jean-Louis hat nach einem Kilometer auf mich gewartet. Er meint, ich sei kreidebleich.

Im Schneckentempo geht es durch die ersten Vororte von Gijón. Und meine Übelkeit wird sogar noch schlimmer.

Bis zur Universität am Rande von Gijón schaffe ich es gerade noch. War es die Salami, oder hat es mich ernsthaft erwischt? Ich kann nicht mehr und muss mich immer wieder übergeben, obwohl mein Magen schon längst entleert ist.

Jean-Louis hält einen Bus an, der uns nun die eineinhalb Kilometer in das Zentrum befördert. Die wären zu Fuß heute definitiv nicht mehr gegangen. Natürlich stellt sich mir die Frage, ob ich hier in der Stadt als Pilger für fünf Minuten den Bus benutzen darf. Bisher habe ich alles mit eigenen Füßen erlaufen. Doch ich habe es bis Gijón geschafft und nun geht es nicht anders. Ab in die Herberge, ab in das Bett!

Nachdem wir auch hier fast die einzigen Pilger sind, haben Jean-Louis und ich ein Zimmer allein. Er geht noch einkaufen, während ich mich mit der Toilette anfreunden muss. Diese befindet sich nicht im Zimmer, sondern im Flur. Und so hört mich wohl auch die Herbergsmutter.

Schließlich kommt sie mit einem selbstgemachten Kräuterschnaps, nach dem es mich kräftig schüttelt. Sie lacht und meint, ich solle mich jetzt ein wenig hinlegen. Tatsächlich hat die Herbergsmutter recht gehabt.

Foto Jakobsweg an der Kueste / Camino de la costa, Beitrag Jakobsweg T-Shirt? Warum nicht einfach selbst machen?

Wunderbare Menschen

Überhaupt ist die Herbergsmutter eine Seele von Mensch. Sie vermietet, unterstützt von der Stadt für Pilger und nebenbei auch für andere Gäste. Während ich im Bett liege, kommt sie vorbeischauen, ob es mir schon besser geht. Und tatsächlich hat ihr Hausrezept meinen Magen wieder aufgeräumt. Gott sei Dank!

Behutsam nimmt sie all meine Sachen, samt Rucksack mit zum Waschen. Kostenlos!

Von Gijón sehe ich heute nicht mehr sehr viel. Ich kaufe mir am Abend noch ein neues T-Shirt und werfe das alte T-Shirt gleich in die Mülltonne. Ein paar Straßenzüge wage ich mich noch in die Hafengegend und notiere in mein Tagebuch: Hier wäre es schön!

Am nächsten Morgen ging es mir nicht nur viel besser. Ich hatte endlich wieder einen wohlriechenden Rucksack auf meinen Schultern.

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Aufbruch im Dunklen

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Pilgern nach GIJON, Aufbruch im Dunklen

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Pilger mit schwerem Gepäck

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

18 VILLAVICIOSA – GIJON (Camino de la Costa)

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Bar Casa Pepio, Cocina Asturiana

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

18 VILLAVICIOSA – GIJON (Camino de la Costa)

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

CS Wegweiser

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Erschwerlicher Aufstieg

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Umgestürzte Eykalytusbäume

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Anstrengender Jakobsweg

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Beschwerlich bergauf

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Regenfälle haben den Weg beschädigt

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Rucksack absetzen

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Ein Kaffee für Pilger

18 VILLAVICIOSA - GIJON (Camino de la Costa)

Zeig mal deine Füße

 

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