2 SAN SEBASTIÁN – ZUMAIA

 

Camino de la Costa: SAN SEBASTIÁN – ZUMAIA | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 2: SAN SEBASTIÁN – ZUMAIA
Tag 2: 31 km, ca. 1.150 Höhenmeter, über Orio, Zarautz, Getaria.

 

Igueldo/Igeldo (San Sebastián) 831 – Orio 822 – Zarauz/Zarautz 816 – Asquizu/Askizu (Guetaria) 809 – Zumaia 805 – Itzíar (Deva) 795

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeSAN SEBASTIÁN – ZUMAIA

 

Blicke auf das, was vor dir liegt

Ein paar erste kleine Stolperer und ein weiterer gerade noch einmal gut gegangener Ausrutscher ermahnen mich dazu, konzentriert nach vorne zu sehen. Meine ersten Anzeichen von leichter Erschöpfung und beginnender Unkonzentriertheit zeigen sich in Form erster Fehltritte.

Es mag verrückt klingen, aber wenn man konzentriert geht, sieht man nicht mehr viel vom Jakobsweg. Man müsste schon stehen bleiben, aber das tut man einfach nicht. Zumindest nicht, wenn man hinter Ingrid her ist. Jedenfalls wird mir schlagartig klar, dass keiner, wirklich kein einziger meiner Millionen Schritte, die vor mir liegen, schief gehen darf. Sonst ist meine Reise besiegelt.

Mit offenen Augen schlafen, hinterher trampeln und geistesabwesend einen Fuß vor den anderen setzen kann ich mir nicht mehr erlauben! Ausgelaugt und abgekämpft fällt genau das aber extrem schwer. Und so kommen die nächsten kleinen Stolperer, obwohl ich besonders auf der Hut bin. Mein Blick ist stets nach unten gerichtet. Ich beobachte genau, welche Schritte Ingrid setzt und wo sie kürzer oder länger antritt. Ich befürchte, dass ich von jetzt ab den Boden des Weges nie mehr aus den Augen lassen darf.

Wie zum Trost, spricht die Natur aber auch jeden anderen meiner fünf Sinne an. Sind es wirklich nur fünf? Dazu später mehr.

Im Augenblick möchte ich nicht gleich in die Ecke eines esoterischen Spinners gerückt werden. Und so freue ich mich über ein paar handfeste neue Eindrücke.

Da sind die Ohren, die sich hier im Freien ganz anders, ja fast außergewöhnlich verhalten.

All das, was jahrelang nicht mehr zu mir durchgedrungen ist, überflutet mich jetzt förmlich. Allerdings nicht zu meinem Nachteil. Ich brauche hier keinen MP3-Player mehr, um mir wie beim Joggen mit harten Beats das Letzte heraus zu prügeln.

Die Ohren lauschen einfach vor sich hin. Wind, Wellen, Schritte. Alles ist, als wenn ich es doppelt so intensiv erlebe.

Auch das Riechen, ein weiterer bislang eher verkümmerter Sinn, läuft hier oben zur Höchstform auf. Durch das Schwitzen ist meine Nase endlich mal wieder vollkommen frei. Ein super Gefühl!

Am liebsten würde ich auch die salzige Luft und die vielen neuen Düften der Wiesenkräuter bis ins kleinste Detail beschreiben, wenn es nur die entsprechenden Attribute hierfür gäbe.

Wie tief und unvergesslich der Geruchssinn in meinem Gehirn verankert ist, habe ich vor ein paar Jahren bei einer nächtlichen Überfahrt mit dem Fährschiff nach Sardinen bemerkt. Aus der Kindheit habe ich den kräftigen Geruch der Macchia mit ihren Kräutern, Rosmarin, Salbei und Wermutgewächsen noch immer „in der Nase“. Und genau dieser ganz besondere Geruch hat mich dann Jahre später an Deck der Fähre mitten in der Nacht aufgeweckt. Obwohl alles stockfinster gewesen ist und wir noch mehr als 50 Kilometer entfernt gewesen sein mussten, konnte ich schon riechen, dass die Insel ist da.

Ähnlich geht es mir auch, wenn ich in Ingolstadt an den Raffinerien vorbei fahre. Der Geruch des Schweröls erinnert mich jedes Mal an meinen ersten Cuba Urlaub. Der Geruchssinn scheint sich an alles zu erinnern. Werde ich mich in meinem späteren Leben auch an den Geruch des Jakobsweges erinnern können?

Schritt für Schritt geht es weiter an der Küstenlinie entlang. Ohne zu Denken. Ohne Sorgen, gelassen und nach Gottes Fügung.

Denn einen eigenen Plan habe ich nicht. Und selbst wenn es nicht Gott ist, der mich hier persönlich führt, dann ist es eben Ingrid. Die allerdings ist umso erbarmungsloser, was das Thema Pause anbelangt. Ein unbarmherziger Gott?

Getrunken wird im Gehen. Gut für Sie, schlecht für mich. Denn meine beiden Wasserflaschen sind in den Außentaschen des Rucksacks verstaut, den ich nun im Gehen herunternehmen muss. Und während ich dieses umständliche Prozedere im Lauf mache, verliere ich schon wieder wertvollen Boden.

Auch das werde ich noch lernen müssen: Trinken im Gehen. Ich bringe kaum die Hälfte der Flüssigkeit in den Mund. Die andere Hälfte sappt ungenutzt über meine Mundwinkel und mein Kinn nach unten und geht einfach verloren. Naja, die Pflanzen freuen sich vielleicht. Und an der kleinen Menge, die tatsächlich noch vom Flaschenhals in den Mund geflossen ist, verschlucke ich mich zu allem Überfluss brutal. Ingrid hingegen ist schon wieder hinter der nächsten Kurve im Dickicht verschwunden. Sie hat einen Trinkbeutel im Rucksack und einen Trinkschlauch, der ihr das Trinken im Gehen erlaubt.

Endlich. Auf das habe ich gewartet: Ingrid möchte sich ein wenig ausziehen. Das klingt nach kurzer Pause.

Dass man sich aber einfach die Ärmel vom T-Shirt ohne Zwischenstopp abtrennen kann, habe ich noch nie gesehen. Das geht mir natürlich viel zu schnell! Ich werde wohl noch vieles dazu lernen müssen. Zwar gibt es keine Pause, aber wir stoßen gerade wieder auf Mark und Jorge.

Und wir gehen tatsächlich ein wenig langsamer.

Wie ein Kräuterlehrpfad

Jetzt bin ich ganz in meinem Element. Unter dem Marschieren pflücke ich nebenher essbare Blätter und Samen des kleinen Bärenklaus, den ich im Mund langsam kaue und zergehen lasse. Eine ganze Flut von einzigartigen und unbeschreiblichen Aromen strömt durch meinen Gaumen und auch meine Begleiter fangen neugierig damit an, es mir gleich zu tun. Auch wenn sie zunächst mein Kräuter pflücken für etwas sonderbar halten: Es macht riesigen Spaß!

Das Faszinierende ist doch, das wir als Erwachsene noch ein ganz neues, bisher noch nie dagewesenes Aroma entdecken können. Das kann uns mit Farben und Tönen leider nie mehr passieren. Kein neuer Ton und keine neue Farbe werden je hinzukommen. Wir kennen sie ja alle schon.

Unter dem Gehen duftende Blätter in den Fingern zerreiben und an die Nase halten. Beeren und Blüten lutschen. Das ist für die anderen eine völlig neue Welt. Ich warne aber auch davor, es alleine nicht zu versuchen.

Kann man das echt essen? Es tóxico? Ist das wirklich nicht giftig? Kann man daran sterben?

Das waren alles sehr spannende Begleitfragen. Natürlich gibt es gerade unter den Doldenblütlern nicht nur essbare Vertreter wie den Koriander, den Kümmel, den Fenchel und die wilden Möhren. Auch einige der giftigsten Pflanzenarten wie der gefleckte Schierling tummeln sich in dieser Gattung. Warum nicht auch hier im Baskenland? Letzterer hat es zu traurigem Ruhm gebracht, weil Sokrates mit dem giftigen Pflanzensaft (daher Schierlingsbecher) hingerichtet worden sein soll. Das Alkaloid Coniin soll eine langsame Lähmung bis hin zur finalen Atemlähmung auslösen. Dann tritt der Tod bei vollem Bewusstsein ein. Diese „Feinheiten“ fand Ingrid als frühere Krankenschwester höchst faszinierend.

Wie Kinder auf einem Kräuterlehrpfad stellen mir die anderen eine Frage nach der nächsten. …

Jakobsweg an der Küste: SAN SEBASTIÁN - ZUMAIA, Foto 2

Leuchtturm auf den Felsklippen am Jakobsweg

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN: 978-3-86386-295-4
Erschienen bei: 2012 Pro Business GmbH, Berlin
1. Auflage 2012
Printed in Germany

306 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: SAN SEBASTIÁN - ZUMAIA, Foto 2

Wasser ist das Wichtigste am Jakobsweg. Aber es gibt auf jeder Etappe immer wieder Wasser zum Nachfüllen.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: SAN SEBASTIÁN - ZUMAIA, Foto 3

Hier oben steht die Pilgerherberge. Und das ist der Blick des Pilgers nach unten. Sagenhaft!

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: SAN SEBASTIÁN - ZUMAIA, Foto 4

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Pilgerherberge aus Stein.

https://www.seebauers-world.com/wallpaper/deba02.jpg

Küstenlinie von Zumaia Ölgemälde

Am Morgen bietet sich dem Pilger noch einmal ein sensationeller Ausblick auf die kleine Hafenstadt Zumaia, bevor es weitergeht. Wind, Regen und kühle Meeresluft peitschen einem alle Gedanken aus dem Kopf und machen Dich frei für Tausend neue Eindrücke, die Dir am Weg begegnen. Man kann nichts mitnehmen. Zu Hause habe ich dieses Moriv dann auf Leinwand gemalt. Eine gute Gelegenheit, noch einmal zu träumen!


Christian Seebauer am Jakobsweg

Ich freue mich, wenn Du mein Buch direkt bei mir bestellen möchtest! Gerne mit persönlicher handschriftlicher Widmung. Handsigniert. Optimal als Geschenk.

Jakobsweg an der Küste
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Die 1. Woche am Jakobsweg (Camino de la Costa)

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