21 NACH SOTO DE LUIÑA

 

Camino de la Costa: NACH SOTO DE LUIÑA | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 21: NACH SOTO DE LUIÑA
Tag 21: ca. 22 km. Der schönste Umweg der Welt. (450 Höhenmeter).

 

304 – El Castillo (Soto del Barco) 303 – Muros de Nalón 299 – El Pito/El Pitu (Cudillero) 297 – Cudillero 295

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. Etappe: NACH SOTO DE LUIÑA

 

Genau in diesem Moment sehe ich unerreichbar hoch über mir ein Flugzeug, dessen Kondensstreifen der Wind des Atlantiks in bizarre Formen reißt. Bei den Gedanken an die Passagiere, die jetzt womöglich auf mich herunterblicken, läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Alles Zufall?

War vielleicht sogar einer dabei, der meine Gedanken auffangen konnte und ohne zu wissen warum, genau jetzt davon träumt, hier unten zu sein? Vielleicht ist dort oben ja tatsächlich einer, der gerade in dieser Sekunde eine unbändige Sehnsucht danach verspürt, eines Tages diesen schönen Ort aufzusuchen, über den er gerade drüber fliegt?

Sehen kann er mich sicher nicht. Aus der Vogelperspektive eines Flugzeuges gesehen, bin ich bestimmt nicht einmal ein winziger Punkt wahrnehmbar. Trotzdem hebe ich irgendwie die Hand zum Gruß und murmle ein leises Hola in Richtung Himmel. Gut dass mich keiner sieht.

Raum und Zeit haben nun eine ganz andere Dimension bekommen. Ich stelle mir vor, wie schnell die Passagiere im Flugzeug im Gegensatz zu mir vorankommen. Die Zeit vergeht für sie tatsächlich im Flug. Und vielleicht sind sie sogar genervt, weil ihr Flieger gerade 10 Minuten Verspätung hat? Oh, welch Drama!

Ich stelle mir vor, dass sie nichts, aber auch gar nichts von ihrer Zeit haben. Meine Vorstellung „nichts von der Zeit zu haben“ wird schlagartig so intensiv, dass ich sie sogar körperlich als richtig ungutes Gefühl spüren kann.

Die dort oben sind eingesperrt, eingezwängt in enge Sitzreihen. Ich versuche, tief und langsam durch zu atmen. Es ist ganz so, als würde mich gerade so etwas wie Platzangst überfallen. Nein, diese Gedanken muss ich um Himmels Willen sofort wieder loslassen! Ich habe gerade ganz bewusst wahrgenommen, dass sich alleine schon der Gedanke an das Enge und Hektische in meinem Körper verheerend auswirkt und meinen Puls in die Höhe treibt.

Ich atme noch einmal ganz bewusst tief durch, fahre mir mit meinen Händen durch die Haare und lege meinen Rucksack ab.

Ich habe alle Zeit der Welt! Und ich habe diesen unendlichen Raum um mich herum, um diese Zeit als etwas Großartiges zu empfinden.

Mir wird klar, dass Langsam sein gar kein Nachteil ist! Ganz im Gegenteil!

Und ich würde jetzt auch um kein Geld der Welt meine herrliche Umgebung in einen eng begrenzten Raum eintauschen wollen. Ich empfinde diese ausgebrannte Welt da oben nun als krassen Gegensatz zu dem, was meiner Seele gut tut. Da oben im Flugzeug findet dieser „blinde“ Flug durch das Leben gerade statt. Ich notiere mir in mein kleines grünes Tagebuch mein Fazit zu dem Leben dort oben:

Freiheitsentzug der Schnelligkeit zu Liebe…

Jean-Louis klopft mir von hinten auf die Schultern, begleitet mit einem euphorischen „mon ami“. Und damit bin ich wieder angekommen in meiner viel schöneren Welt am Jakobsweg.

Sowohl meine Gedanken als auch das Flugzeug verlieren sich allmählich wieder in den Weiten des stürmischen Horizontes. Es kehrt wieder Ruhe ein, in meine Gedankenwelt. Und es schließt sich für mich der Kreis von damals zu heute. Ich bin es, der heute hier unten stehen darf. Und mit unten meine ich nicht unten, sondern ganz oben!

Sehr viel später als die übrigen Pilger stoßen wir dann auch auf die hässliche Schnellstraße, die noch in keinem Reiseführer erwähnt wird.

Wie zum Hohn finden wir nun wieder frisch montierte Warnschilder für den Jakobsweg an der Autopiste entlang. Der Regen ist längst zu einem kräftigen Regenguss geworden. Und Jean-Louis ist völlig entkräftet. Mir geht es zwar gut, aber ich bin im Moment sehr nachdenklich. Am ersten großartigen Ausblick der heutigen Etappe war da diese weiße Landkarte mit der Aufschrift „Mirador del Espíritu Santu“ – der Spiegel des Heiligen Geistes. Und diesen Spiegel habe ich heute wirklich gesehen!

Jean-Louis ist völlig kraftlos und überhaupt nicht mehr gegenwärtig. Alles geht ganz schnell.

In einem verlassenen Busshäuschen aus vergangenen Zeiten, hat er sich ganz plötzlich zurückgezogen.

Nach 1.700 Kilometern zu Fuß ist nun Jean-Louis an dem Punkt angekommen, an dem er wohl am liebsten aufgegeben hätte. Seine Augen sind leer und deprimiert. Gebeugt, nass und frierend steht er da und blickt starr in den Boden hinein.

Genau so habe ich ein Foto gemacht. Nicht, dass ich total unsensibel bin, aber ich habe die Ernsthaftigkeit seines Stimmungsumschwungs noch gar nicht so richtig begriffen. Und so sehe ich zunächst nur das Motiv: Jean-Louis im alten Busshäuschen auf dem fast schon kaputten Display meines Fotoapparates. Jean-Louis ist umgeben von Grafites. Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll. Wie kann ich ihm jetzt den richtigen Impuls verschaffen? Weil ich ihn fotografiert habe, dreht er sich nun weg und ich fühle mich sehr ungut.

Während ich ziemlich unbeholfen draußen im Regen stehe und in das Busshäuschen blickte, lese ich eines der Graffitis. Direkt neben Jean-Louis steht in roten Großbuchstaben geschrieben: „DIOS TE AMA“ – Gott liebt dich!

Ich deutete mit meinem Finger auf den Schriftzug „Dieu t’aime“. Und ich schreie ihm auf Deutsch an „er liebt Dich!“

Er liebt dich, er liebt Dich. Genau hier und genau jetzt.

Jetzt bin ich verstummt und habe ganz feuchte Augen. Ich zucke mit meinen Schultern, bleibe aber auf Distanz zu Jean-Louis.

Jean-Louis starrt völlig entgeistert auf das Graffiti. Lange. Offenbar scheint es ein Zeichen für ihn zu sein.

Wortlos nahm er sein Gepäck auf. Er nimmt seinen Pilgerstab in die Linke und legt seine rechte Hand auf das Stück Mauerwerk mit dem Graffiti. Genau zwischen dem „I“ von Dios und dem „E“ von TE ruht seine Hand ein paar Sekunden lang.

Dann stapft er mir mit Tränen in den Augen in geführigem Abstand hinterher. Immer wieder höre ich, wie er mit seinem Pilgerstab ein zwei Mal auf die Leitplanke klopft. Es sind unsere Buschtrommeln und er sagt mir gerade „ja, ich bin noch da!“

 …

Wie die Geschichte weiter geht, erfährst Du – wenn Du möchtest – im Buch.

Jakobsweg an der Küste: NACH SOTO DE LUIÑA, Foto 2

Der Jakobswegführt mich heute wieder hoch über dem Atlantik entlang.

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN: 978-3-86386-295-4
Erschienen bei: 2012 Pro Business GmbH, Berlin
1. Auflage 2012
Printed in Germany

306 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: NACH SOTO DE LUIÑA, Foto 2

Wer allein am Jakobsweg ist, lernt sich selbst kennen.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: NACH SOTO DE LUIÑA, Foto 3

Völlig ausgelaugt am Jakobsweg. Doch hinter Jean-Louis steht geschrieben: Gott liebt Dich!

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: NACH SOTO DE LUIÑA, Foto 4

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Kälse und Nässe am Jakobsweg zeigen Dir, wer Du bist!

https://www.seebauers-world.com/wallpaper/pilgram.jpg

Jesus Ölgemälde: Als Pilger wusste ich, dass Gernika, welches am Jakobsweg liegt, durch die deutsche „Legion Condor“ zu „Übungszwecken“ grausam zerstört wurde. Fliegerbomben, Feuer, Schutt und Asche. So macht man sich als Pilger und als Künstler natürlich seine Gedanken. Doch mit wem ich auch spreche: Ich stoße nur auf Freundlichkeit, Offenheit und Gastfreundschaftlichkeit – nie auf die Vergangenheit. Und nie auf Verbitterung gegenüber Deutschen.

 


Christian Seebauer am Jakobsweg

Ich freue mich, wenn Du mein Buch direkt bei mir bestellen möchtest! Gerne mit persönlicher handschriftlicher Widmung. Handsigniert. Optimal als Geschenk.

Jakobsweg an der Küste
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