9 LIENDO – GÜEMES

Camino de la Costa: LIENDO – GÜEMES | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 9: LIENDO – GÜEMES
Tag 9: 40 Km (+5 km Umweg), 700 Höhenmeter, über Laredo, Santoña, Berría, Noja, Arnuero.

Flussbett bei Liendo am Jakobsweg an der Küste

Flussbett bei Liendo am Jakobsweg an der Küste im Morgenlicht, Painting, Christian Seebauer

Liendo 616 – Tarrueza (Laredo) 612 – Laredo 609 – Colindres 605 – Treto (Bárcena de Cicero) 602 – Cicero (Bárcena de Cicero) 599 – Gama (Bárcena de Cicero) 596 – Escalante 593 – Argoños 590 – Noja 586 – Castillo de las Siete Villas (Arnuero) 584 – San Miguel (Meruelo) 581 – Bareyo 579 – Güemes (Bareyo) 572

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeLIENDO – GÜEMES

Als erstes in die Kirche

Respektvoll nehmen wir unser Gepäck ab. Ich schäme mich ein wenig für die kurze Hose, hoffe aber, dass die Kirchendiener ein Nachsehen mit einem Pilger haben werden. Und genau so kommt es auch. Ein junger Gottesmann namens Diego bittet mich zu sich in die Sakristei um mir einen Stempel in meinen Pilgerausweis zu drücken. Es ist der schönste Stempel, den ich bisher in meinem Pilgerausweis, dem Credenzial habe.

Meine kurze Hose stört ihn ebenso wenig, wie mein Rucksack, den ich in der Kirche vor mir mit meinen Händen trage.

Dann führt mich Diego durch das dunkle Kirchenschiff. Mit flammender Begeisterung erklärte er mir die zehn Stationen Jesu Christu. Der Kreuzweg, so bezeichnet man den letzten Leidensweg Jesus Christus zur Kreuzigung, ist wie immer äußerst düster und grausam dargestellt. Im ersten Bild wird Jesus zum Tode verurteilt. „Pontius Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm!“ [9]

Danach nimmt Jesus das Kreuz auf seine Schultern. Und er fällt dreimal unter der Last des Kreuzes zusammen. Schließlich wird er seiner Kleider beraubt und gekreuzigt. INRI, das sind die Anfangsbuchstaben für den spöttischen Namen Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, Jesus von Nazaret, König der Juden.

Die Bilder verraten nichts über den weiteren Weg in den Himmel und ich frage mich, warum stellt man da nichts Positiveres dar? Wenn ich selbst der Maler oder der Auftraggeber gewesen wäre, dann hätte ich noch ein paar Stationen angefügt, die auch ein bisschen Hoffnung wecken und zeigen, dass nichts im Leben umsonst ist!

Ein Pferd am Jakobsweg an der Küste

Ein Pferd am Jakobsweg an der Küste, mitten in der Blumenwiese

Nach dem privat geführten Kreuzweg nehme ich wie immer in einer der hintersten rechten Bänke Platz. Doch auch dieses Mal traue ich mich wieder ein paar Reihen weiter nach vorne. Ich knie mich nieder und versinke in meinen Gedanken. Ist meine Pilgerreise eine religiöse Reise? Hat sie einen spirituellen Sinn? Bin ich auf der Suche nach Gott? Werde ich Antworten und Einsichten bekommen?

Ich weiß es nicht. Aber ich lasse mich darauf ein und möchte herausfinden, was der Weg mir bringen wird. Allein in einer dunklen, Ehrfurcht einflößenden Kirche zu sein, ist so oder so schon ein bewegender Moment.

In einem Gemäuer links des Ausgangs legen Pilger verschiedene persönliche Dinge ab, die hier verbleiben und den Zugang zu einer spirituellen Welt eröffnen sollen. Auch ich trenne jetzt mich von einem geliebten Gegenstand, den ich sehr vorsichtig durch die geschmiedeten Gitterstäbe hindurch auf seinen vorgesehenen Platz lege. Was immer mir dieses Ritual bringen würde, ich tue es einfach.

Meine Pupillen benötigen erst einige Sekunden, um sich wieder an das grelle Licht im Freien zu gewöhnen. Vor mir steht ein professioneller Bettler, der ganz im Gegensatz zu mir mit Markenkleidung und einer teuren Ray Ben Sonnenbrille bekleidet ist. Recht aggressiv will er von mir auf die Mitleidstour etwas haben.

Ich sage zu ihm auf Spanisch: „Erzähle mir etwas von dir und deinem Schicksal“. Als Antwort kommt prompt ein englisches „Fuck You“. Jean-Louis, der gerade ebenfalls aus der Kirche heraustritt, erwidert sein Fuck You, indem er ihm liebevoll einen Arm auf die Schulter legt und ihm einen „bon camino, mon ami“ wünscht. Nun ist er böse verstummt.

Ehrlich gesagt, möchte ich mich jetzt unbedingt weltlicheren Dingen zuwenden, denn ich habe einen Bärenhunger. Es ist Sonntagmittag.

Paella – wer sich’s leisten kann!

Wenige Steinstufen von Santa Maria entfernt lassen wir uns dann nieder um etwas zu essen. Und zwar in einem richtiges Speiselokal. Hinein trauen wir uns mit unseren Klamotten natürlich nicht, aber Draußen im Freien ist fast alles frei. Dem Kellner ist es recht so.

Wir sind immer noch übermütig. Weil es Sonntag ist, hat Jean-Louis natürlich eine passende Entschuldigung für das nicht ganz Standesgemäße Essen parat: „Seulement une exception – nur eine Ausnahme“. Ich kann spüren, dass er richtig, wirklich richtig Hunger hat und sich heute, genauso wie ich etwas gönnen möchte. Am Nebentisch verspeist ein englisches Touristenpaar eine Paella und die bestellen wir dann auch.

Allerdings zu zweit und ohne in der Speisekarte nach dem Preis zu sehen. Kann schon nicht so viel kosten, ein wenig Reis mit Zeug drin? Es ist und bleibt dann die erste und auch letzte bestellte Paella am gesamten Jakobsweg. Die Rechnung für einen Teller Paella beträgt gesalzene 22(!) Euro. Und wir werden nicht einmal richtig satt. Jean-Louis möchte nun die nächsten Tage drastisch sparen, um sein Budget nicht zu sprengen.

Sitzfleisch haben wir nicht mehr. Und der Kellner, der sein Geschäft schon gemacht hat, bietet uns auch keinen Kaffee mehr an. Ich schätze, er lässt uns gerne weiter ziehen.

Schon 1.500 Kilometer auf den Beinen!

Beim Weitergehen erzählt mir dann Jean-Louis wenig über seinen Camino. Zum ersten Mal. Jean-Louis ist schon in Chambery, seiner Heimatgemeinde in Frankreich gestartet. Er hat bereits 1.500 Kilometer zu Fuß hinter sich. Über die Gründe, die ihn zum Camino geführt haben, will er mit mir nicht sprechen. Noch nicht?

Kurz außerhalb Castro Urdiales muss ich auf Jean-Louis warten. Er ist nach dem Essen deutlich langsamer geworden. Als er mir auf den grasgrünen Felsenklippen entgegen stapft, habe ich die Idee, diese Szene irgendwann zu Malen.

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: LIENDO - GÜEMES, Foto 2

Spektakulärer Blick: Atlantik und ein gelber Jakobswegpfeil am Fels

Erst verlief der Jakobsweg direkt an der Küste, mitten im Sand. Jetzt geht es steil nach oben auf die Klippen.

Jean Louis streichel einen Esel am Jakosweg

Jean Louis streichel einen Esel am Jakosweg. Bald endet der Asphaltund er weg ist wieder ein Weg!

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: LIENDO - GÜEMES, Foto 2

Christian Seebauer am Jakobsweg bei Liendo

Selfportrait oben auf den Klippen. Unter mir die Küste, ein Teil des Camino de la Costa.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: LIENDO - GÜEMES, Foto 3

Malerische Umgebung am Jakobsweg

Der Jakobsweg führt nun nach Güemez durch herrliche hügelige Landschaft.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: LIENDO - GÜEMES, Foto 4

Stockbetten in der Pilgerherberge

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Die Pilgerherberge in Güemez ist akurat sauber und gepflegt.


Christian Seebauer am Jakobsweg

Ich freue mich, wenn Du mein Buch direkt bei mir bestellen möchtest! Gerne mit persönlicher handschriftlicher Widmung. Handsigniert. Optimal als Geschenk.

Jakobsweg an der Küste
Christian Seebauer: BURNOUT | Jakobsweg an der Küste 19,90 € Bewertung f�r das Buch




Christian Seebauer: Israel Trail mit Herz. Details ->
Buch zum Israel National Trail, Christian Seebauer, SCM
Israel Trail mit Herz Bewertung 5 Sterne19,95 €
Shvil Israel, Vorteilshaekchen Versandkostenfrei [D]
Shvil Israel, Vorteilshaekchen Handsigniert
Shvil Israel, Vorteilshaekchen pers. Widmung

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Die 2. Woche am Jakobsweg (Camino de la Costa)

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Ich schäme mich ein wenig für die kurze Hose, hoffe aber, dass die Kirchendiener ein Nachsehen mit einem Pilger haben werden. Und genau so kommt es auch. Ein junger Gottesmann namens Diego bittet mich zu sich in die Sakristei um mir einen Stempel in meinen Pilgerausweis zu drücken. Es ist der schönste Stempel, den ich bisher in meinem Pilgerausweis, dem Credenzial habe. Meine kurze Hose stört ihn ebenso wenig, wie mein Rucksack, den ich in der Kirche vor mir mit meinen Händen trage. Dann führt mich Diego durch das dunkle Kirchenschiff. Mit flammender Begeisterung erklärte er mir die zehn Stationen Jesu Christu. Der Kreuzweg, so bezeichnet man den letzten Leidensweg Jesus Christus zur Kreuzigung, ist wie immer äußerst düster und grausam dargestellt. Im ersten Bild wird Jesus zum Tode verurteilt. „Pontius Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm!“ [9] Danach nimmt Jesus das Kreuz auf seine Schultern. Und er fällt dreimal unter der Last des Kreuzes zusammen. Schließlich wird er seiner Kleider beraubt und gekreuzigt. INRI, das sind die Anfangsbuchstaben für den spöttischen Namen Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, Jesus von Nazaret, König der Juden. Die Bilder verraten nichts über den weiteren Weg in den Himmel und ich frage mich, warum stellt man da nichts Positiveres dar? Wenn ich selbst der Maler oder der Auftraggeber gewesen wäre, dann hätte ich noch ein paar Stationen angefügt, die auch ein bisschen Hoffnung wecken und zeigen, dass nichts im Leben umsonst ist! Nach dem privat geführten Kreuzweg nehme ich wie immer in einer der hintersten rechten Bänke Platz. Doch auch dieses Mal traue ich mich wieder ein paar Reihen weiter nach vorne. Ich knie mich nieder und versinke in meinen Gedanken. Ist meine Pilgerreise eine religiöse Reise? Hat sie einen spirituellen Sinn? Bin ich auf der Suche nach Gott? Werde ich Antworten und Einsichten bekommen? Ich weiß es nicht. Aber ich lasse mich darauf ein und möchte herausfinden, was der Weg mir bringen wird. Allein in einer dunklen, Ehrfurcht einflößenden Kirche zu sein, ist so oder so schon ein bewegender Moment. In einem Gemäuer links des Ausgangs legen Pilger verschiedene persönliche Dinge ab, die hier verbleiben und den Zugang zu einer spirituellen Welt eröffnen sollen. Auch ich trenne jetzt mich von einem geliebten Gegenstand, den ich sehr vorsichtig durch die geschmiedeten Gitterstäbe hindurch auf seinen vorgesehenen Platz lege. Was immer mir dieses Ritual bringen würde, ich tue es einfach. Meine Pupillen benötigen erst einige Sekunden, um sich wieder an das grelle Licht im Freien zu gewöhnen. Vor mir steht ein professioneller Bettler, der ganz im Gegensatz zu mir mit Markenkleidung und einer teuren Ray Ben Sonnenbrille bekleidet ist. Recht aggressiv will er von mir auf die Mitleidstour etwas haben. Ich sage zu ihm auf Spanisch: „Erzähle mir etwas von dir und deinem Schicksal“. Als Antwort kommt prompt ein englisches „Fuck You“. Jean-Louis, der gerade ebenfalls aus der Kirche heraustritt, erwidert sein Fuck You, indem er ihm liebevoll einen Arm auf die Schulter legt und ihm einen „bon camino, mon ami“ wünscht. Nun ist er böse verstummt. Ehrlich gesagt, möchte ich mich jetzt unbedingt weltlicheren Dingen zuwenden, denn ich habe einen Bärenhunger. Es ist Sonntagmittag. Paella – wer sich’s leisten kann! Wenige Steinstufen von Santa Maria entfernt lassen wir uns dann nieder um etwas zu essen. Und zwar in einem richtiges Speiselokal. Hinein trauen wir uns mit unseren Klamotten natürlich nicht, aber Draußen im Freien ist fast alles frei. Dem Kellner ist es recht so. Wir sind immer noch übermütig. Weil es Sonntag ist, hat Jean-Louis natürlich eine passende Entschuldigung für das nicht ganz Standesgemäße Essen parat: „Seulement une exception – nur eine Ausnahme“. Ich kann spüren, dass er richtig, wirklich richtig Hunger hat und sich heute, genauso wie ich etwas gönnen möchte. Am Nebentisch verspeist ein englisches Touristenpaar eine Paella und die bestellen wir dann auch. Allerdings zu zweit und ohne in der Speisekarte nach dem Preis zu sehen. Kann schon nicht so viel kosten, ein wenig Reis mit Zeug drin? Es ist und bleibt dann die erste und auch letzte bestellte Paella am gesamten Jakobsweg. Die Rechnung für einen Teller Paella beträgt gesalzene 22(!) Euro. Und wir werden nicht einmal richtig satt. Jean-Louis möchte nun die nächsten Tage drastisch sparen, um sein Budget nicht zu sprengen. Sitzfleisch haben wir nicht mehr. Und der Kellner, der sein Geschäft schon gemacht hat, bietet uns auch keinen Kaffee mehr an. Ich schätze, er lässt uns gerne weiter ziehen. Schon 1.500 Kilometer auf den Beinen! Beim Weitergehen erzählt mir dann Jean-Louis wenig über seinen Camino. Zum ersten Mal. Jean-Louis ist schon in Chambery, seiner Heimatgemeinde in Frankreich gestartet. Er hat bereits 1.500 Kilometer zu Fuß hinter sich. Über die Gründe, die ihn zum Camino geführt haben, will er mit mir nicht sprechen. Noch nicht? Kurz außerhalb Castro Urdiales muss ich auf Jean-Louis warten. Er ist nach dem Essen deutlich langsamer geworden. Als er mir auf den grasgrünen Felsenklippen entgegen stapft, habe ich die Idee, diese Szene irgendwann zu Malen. ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten. Erst verlief der Jakobsweg direkt an der Küste, mitten im Sand. Jetzt geht es steil nach oben auf die Klippen. Größere Kartenansicht Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet! Die Urvariante des Jakobsweges - der Küstenweg - ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön! Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst! Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm. Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter. Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten. Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht. ISBN-13: 979-8618384704 Seit 2020 Independently published BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat Jakobsweg an der Küste 303 Seiten unbebildert Selfportrait oben auf den Klippen. Unter mir die Küste, ein Teil des Camino de la Costa. Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach. Können Frauen am Jakobsweg allein wandern? Christian Seebauer: 'Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.' Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt? Christian Seebauer: 'Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.' Der Jakobsweg führt nun nach Güemez durch herrliche hügelige Landschaft. Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90 Unterwegs auf dem Jakobsweg: Die Pilgerherberge in Güemez ist akurat sauber und gepflegt. Camino de la Costa/ Jakobsweg an der Kueste Post H1 Headlines 9 LIENDO – GÜEMES Array ( [0] => Camino de la Costa: LIENDO - GÜEMES | Jakobsweg, Küstenweg [1] => Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeLIENDO - GÜEMES [2] => Erst verlief der Jakobsweg direkt an der Küste, mitten im Sand. Jetzt geht es steil nach oben auf die Klippen. 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Israel-Trail

Kuestenweg/ Jakobsweg an der Kueste/ Camino de la Costa Textauszug: Schon 1.500 Kilometer auf den Beinen! Beim Weitergehen erzählt mir dann Jean-Louis wenig über seinen Camino. Zum ersten Mal. Jean-Louis ist schon in Chambery, seiner Heimatgemeinde in Frankreich gestartet. Er hat bereits 1.500 Kilometer zu Fuß hinter sich. Über die Gründe, die ihn zum Camino geführt haben, will er mit mir nicht sprechen. Noch nicht? Kurz außerhalb Castro Urdiales muss ich auf Jean-Louis warten. Er ist nach dem Essen deutlich langsamer geworden. Als er mir auf den grasgrünen Felsenklippen entgegen stapft, habe ich die Idee, diese Szene irgendwann zu Malen. Jean-Louis in der Bildmitte, unter seinen Füßen ein schmaler Trampelpfad, umsäumt von trockenen Gräsern. Hinter ihm liegt das ruhig gewordene stahlblaue Meer. Farben, so satt, wie man sie nur nach viel Regen sehen kann. Jeder Schritt, jede Bewegung prägt sich tief ein. Ich studiere auch intensiv den Hintergrund. Der ist mittlerweile unendlich weit weg. Die Windräder von La Arena kann man im leichten Dunst in der Ferne nur noch erahnen. Richtig sehen kann man sie nicht mehr. Ich versuche mir, die Farben ganz genau einzuprägen. Und ich beobachte aufmerksam den Schatten, der Jean-Louis mit jedem Schritt vorauseilt. Eine schnelle Strich-Skizze in meinem Tagebuch wird diese Impressionen hoffentlich bewahren. Ich möchte irgendwann aus der Skizze ein Ölgemälde malen. Mark und Sabine haben zwischenzeitlich sicher den unbarmherzigen Abstecher über die Küstenstraße genommen. Es geht ihnen nicht um die Seele des Weges. Sie sind getrieben vom Navi und besessen von der kürzesten Verbindung. Eine absurde Kulisse bietet sich nun, weil der Jakobsweg genau jetzt auf der seelenlosen Küstenstraße landet. Angebunden an einem Jakobsweg-Schild für Autofahrer (Warnung vor Pilgern) wartet ein Esel auf den letzten Apfel, den Jean-Louis bei sich hat. Der Esel hinter der Leitplanke bettelt nicht. Er ist einfach da und scheint nun jeden Bissen zu genießen. Die weitere Streckenführung erinnert mich an einen heißen amerikanischen Highway, der sich schnurgerade über alle Höhen und Tiefen hinweg seinen Weg mit Sprengstoff gebahnt hat. Asphalt ist der größte Feind eines Pilgers. Die Luft über dem Belag flimmert bis in die innersten Gehirnregionen hinein. Dieses Gefühl ist zermürbend. Man bekommt den Eindruck, nicht vorwärts zu kommen. Die Autos spiegeln sich in der Ferne noch in der heißen Luft, bevor sie das Flirren dort hinten vollständig verschluckt. Wie weit mag das weg sein? Mit den Schlieren der erhitzten Luftschicht bekomme ich einen Vorgeschmack für die Weite, die vor mir liegt. Unweigerlich setze ich mich mit Schnecken und Ameisen gleich, wenn Autos vorbeibrausen. Trotzdem denke ich mir, bestimmt bin ich zu Fuß schon weiter, als viele normale Autofahrer heute zurücklegen, wenn sie an mir vorbeibrausen. Gute Zweihundert Kilometer haben mich meine Füße bisher schon getragen. 651 Kilometer sind es noch nach Santiago de Compostela. Ohne Umwege. Zähle nicht rückwärts. Lebe! Erstmals bekomme ich nun ein Gefühl für die Strecke und für die Zeitverhältnisse. Aber ich werde nicht anfangen, rückwärts zu zählen. Das ist doch idiotisch. Der Unsinn, Tage rückwärts zu zählen ist mir erstmals in der Bundeswehr klar geworden. Doch es beginnt schon viel früher im Leben. Wie viele Jahre noch bis zum 10. Geburtstag. Gut: Diese Frage ist kindlich und auch noch völlig normal. Wie viele Jahre noch, bis ich endlich aus der Schule bin? Nun, hier beginnt es wohl schon, dumm zu werden. Denn was kommt nach der Schule? Wird dann alles besser im Leben? Und was bringt es, wenn man danach wieder zu zählen beginnt – rückwärts, wohlgemerkt? Noch 50 Tage bei der Bundeswehr? Mit dem Fixieren auf den Countdown verliert man das Wertvollste, was man hat: Den Augenblick! Man richtet sich nicht mehr ein, im Hier und Jetzt. Man wartet vielmehr auf das Verfallsdatum! Welcher Countdown kommt als nächstes? Richtig: Wie viele Jahre noch bis zur Rente? Toll, und dann? Wie lautet die Frage dann? Wie viele Tage habe ich rückwärts gezählt, anstatt sie gelebt zu haben? Kilometer rückwärts zu zählen erscheint mir ebenso abwegig. Ich gehe vor mich hin. Punkt. Mal sehen, wo ich heute ankomme. Die falsche Seite der Straße Der linke, mit einer durchgehenden weißen Linie markierte Streifen der Schnellstraße soll uns nach den Plänen der Regierung den Jakobsweg anbiedern. Doch das interessiert nicht die Autofahrer. In Spanien war es bis vor Kurzem nicht üblich, dass Fußgänger in die entgegengesetzte Richtung laufen. Das taten nur deutsche Besserwisser. Einige Fernfahrer versuchen daher, uns noch heute „eines Besseren zu belehren“, in dem sie sich ganz offensichtlich einen Spaß daraus machen, sehr knapp an uns vorbei zu fahren und zu hupen. Jean-Louis hat mit seinem Stock schon einige LKWs gestreift, die allerdings sind davon völlig unbeeindruckt. Dann pfeifen wir auf die linke Seite und gehen wieder rechts. Egal wer oder was sich von hinten nähert. Wir haben wieder Ruhe. Die Hitze des pechschwarzen Asphaltbelages macht mich wütend. Es ist so ein Gefühl, wie wenn ich mit meinem mp3-Player und Technobeats unterwegs wäre. Meine Sandalen sind auf diesem unmenschlichen Belag keine guten Begleiter. Jeder verdammte Schritt dringt unmittelbar vor zu meinem Schmerzzentrum. Ich fange an, den Weg zu verfluchen. Schon lange spricht Jean-Louis kein einziges Wort mehr mit mir. Er ist völlig verstummt. Sein Gesicht zeigt keine Miene. In sich gekehrt scheint er irgendwelche Mantras vor sich hin zu murmeln. Wir gehen wieder auf Abstand. Besser so, denn der Asphalt saugt extrem an unseren Kräften und an der Psyche. Und streiten möchte ich mit Jean-Louis sicher nicht. Hier ist jeder allein. Und jeder muss für sich selbst damit fertig werden. Auch so eine Art Prüfung, die mir dieser eintönige Abschnitt auf der Straße beschert. Der Blick auf ein Ziel ist... unsinnig! Ich merke, dass ich plötzlich so verbittert bin, wie sonst in der Arbeit. Seit einer halben Stunde fixiere ich das Ende des Horizontes, wo ich einen Mast sehe. Er kommt nicht näher. Aber ich lasse ihn mit meinen Blicken nicht mehr aus den Augen. Ich starre ihn verbissen an. Dieses hartnäckige und trotzige Fixieren eines Punktes verahnt mir allerdings eine innere Kraft, die mich weiter und weiter voranbringt. Angriff! Je länger ich den Punkt anstarre, umso mehr verengt sich mein Gesichtsfeld und die fortwährend gleichen Schritte versetzen mich wieder in einen Trance-Zustand. Ich spüre, wie meine Hände zu Fäusten geballt sind und der Schweiß unablässig aus meinem Gesicht perlt. Es ist so, wie in der Sauna, wenn man zuvor gewettet hat, es zwanzig Minuten auf der obersten Bank auszuhalten. Die Sanduhr würde wohl eine gefühlte Ewigkeit rieseln und dann ist erst einmal Halbzeit. Umdrehen und weiter geht es. Nein, ich möchte nicht ablassen von dem Masten da vorne. Ich möchte diesen Punkt möglichst schnell erreichen und hinter mir lassen. Ungewollt werde ich schneller. Auch Jean-Louis, der jetzt weit hinter mir ist, wird schneller. Der Abstand bleibt gleich. Alle paar Hundert Meter stehen hier überlebensgroße Jakobsweg-Warnschilder an der Straße. Alles ganz im Look einer übermächtigen „europäischen Straßenverkehrsordnung“. Wie hoch mögen die Subventionen aus Europa sein? Leider steht das Preisschild dieses Mal nicht daneben. Ein kleineres Projekt also. Jean-Louis macht sich jetzt lustig über die Achse „Sarkozy et Merkääl“. C’est fou – Das ist doch alles verrückt“, meint er. Wie zur Erlösung kommt dann noch vor dem Horizont ein Abschnitt, der uns durch die Natur führt. Leider werde ich also den Masten in der Ferne nicht erreichen. Es kommt eben immer anders! Gott sei Dank! Dafür werde ich schlagartig wieder fröhlich. In einem kleinen Dörfchen setzen wir uns beide auf eine Steinbank an der Nordseite einer kleinen Kirche. Hier gibt es einen erfrischenden Brunnen mit Trinkwasser. Das Dörfchen, dessen Namen ich nicht kenne ist die Erholung pur. Kein einziges Auto sehe ich hier. In einiger Entfernung laufen zwei Kinder auf einer Wiese umher. Und neben der Steinbank geht im Vorderhaus der Kirche die Türe auf. Es ist der Dorfpfarrer. Kurz winkt er uns zu, so als ob er uns jetzt gerade gesegnet hat und dann steigt er in einen alten Citroen und braust davon. Auch wir brechen wieder auf. Bis nach El Pontarron de Guriezo mögen es vielleicht noch 6 Kilometer sein, aber heute erscheint mir jeder verdammte Kilometer wie ein Lichtjahr. Schon nach kurzer Zeit stoßen wir wieder auf die Schnellstraße, die sich ab jetzt wieder Jakobsweg nennt. Und sofort gehen wir beide wieder auf Abstand. Jeder für sich. Das letzte Stück nach Guriezo ist landschaftlich hinreißend - für einen Autofahrer! Für einen Pilger ist die Strecke einfach nur „hart“. Auf meiner Rechten begleitet mich schon seit zwei Kilometern ein traumhaft schöner, aber verlassener Strand. Ein paar Angler sind hier und hin und wieder steht ein Campingbus herum. Obwohl ich gerade mitten auf der Nationalstraße N634 bin, kommt kaum ein Auto mehr vorbei. Der Verkehr spielt sich nahezu ausschließlich hoch oben auf der neuen E-70 ab. Danke EU, wäre nicht nötig gewesen. Im Mündungsgebiet des Aguera Ibaia Langsam komme ich dem Mündungsgebiet des Aguera Ibaia entgegen. Weitläufige ockerfarbene Sandflächen wechseln sich mit fließendem Wasser ab. So wie ein Stück Nordseeküste, eingesäumt in eine tiefgrüne Fels- und Hügellandschaft. Wäre ich nicht zu erschöpft, dann würde ich hier sicher ein Dutzend Fotos machen. Am Spätnachmittag laufen wir in gebührlichem Abstand ziemlich geplättet in das schöne Dörfchen El Pontarrón del Guriezo ein. Hier spannt sich hoch über dem Dorf eine neue gigantische Autobahnbrücke über das Tal. Etwas landeinwärts liegt die Herberge. Das Grundstück grenzt direkt an den romantischen Flusslauf des Aguera Ibaia. Durch ein altes Gartentor gelangt man über ein paar in den Weg hängende Brennnesseln zum Ufer. Trotz Schlamm kann ich mir sehr gut vorstellen, wie schön es hier trocken sein mag. Jetzt nach den Regenfällen gibt jeder Schritt dort hinein ein lustiges Schlürfen von sich.