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15 LLANES – RIBADESELLA

Camino de la Costa: LLANES – RIBADESELLA | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 15: LLANES – RIBADESELLA
Tag 15: 30 Kilometer, 550 Höhenmeter, über Barro, Naves, Piñeres, Cuerres.

 

Llanes 456 – Poo (Llanes) 454 – Celorio/Celoriu (Llanes) 452 – Barro 450 – Niembro (Llanes) 449 – Naves (Llanes) 444 – Nueva 440 – Pría 438 – Ribadesella/Ribeselle 429 – San Pedro/San Pedru la Llama (Ribadesella) 720 – Abeo/Abéu (Ribadesella) 424 – La Vega (Ribadesella) 421 – Berbes (Ribadesella)

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.
Jakobsweg Landkarte Übersicht Atlantikküste Ribadeo, gezeichnet von Christian Seebauer

Jakobsweg Landkarte Übersicht Atlantikküste Ribadeo, gezeichnet von Christian Seebauer

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeLLANES – RIBADESELLA

 

Hier ist der einzig wahre Jakobsweg

Kaum zu glauben, dass nahezu alle Pilger Camino Francés gehen. Zum Küstenweg gibt es kaum Bücher, Filme und Infos. Doch instinktiv habe ich die richtige Entscheidung getroffen. Hier sind alle Elemente dieses Planeten vereinigt. Der Atlantik verwöhnt mich mit einem rauen, aber gut zu wandernden Klima. An der Küste und in den Bergen steigen die Temperaturen selten über 30 Grad. Hitzeetappen sind eher selten. Und jeden Tag gibt es auf ein Neues dieses traumhafte und ursprüngliche Natur. Sagenhaft!

Ein Buddhist am Jakobsweg

Jean-Louis hält heute stets einen gehörigen Abstand zu mir. Er faselt irgendwelche Silben vor sich her, teils gesprochen, teils gesungen. Das ist mir schon öfter aufgefallen, doch ich nehme ihn so, wie er ist! Doch heute spreche ich ihn direkt darauf an, was diese „Silbenlieder“ bedeuten, die er vor sich hin singt.

„Meditation!“ Er will heute einfach meditieren! Doch ich frage weiter. Und dann kommt die große Überraschung: Jean-Louis ist Buddhist. Ein Buddhist am Jakobsweg! Im Gegensatz zu meiner strengen Religion „Du sollst keine fremden Götter neben mir haben“, verehren Buddhisten eine Vielzahl an Gottheiten.

Toleranz ist im Buddhismus tief verankert.

All die Zeit hat Jean-Louis mit mir gemeinsam Kirchen besucht, gebetet und ist als Buddhist mit mir den Jakobsweg gegangen. Und nie wäre ich auf die Idee gekommen, er könnte Buddhist sein. Oder doch?

Nachdem mein Französisch immer besser geworden ist, haben wir nun einen schier unermesslichen Gesprächsstoff. Seine Weltanschauungen faszinieren mich. Schon länger sind mir Kleinigkeiten aufgefallen, die mir „merkwürdig“ oder zumindest rührseelig erschienen. So hat Jean-Louis praktisch jede Schnecke auf den Straßen in seine Hand genommen, mit ihr geredet und sie zurück in die Wiese gesetzt. Und er hat auch irgendwie das „entwendete“ Schaf verehrt, das mit uns lief. Ich habe es also mit einem französischen Buddhisten zu tun, der nun schon zum zweiten Mal den Jakobsweg macht. Und Jean-Louis offenbart mir nun auch, dass er in seiner Heimat selbst ein Hospitaliero ist, ein Herbergsvater also!

Dann merke ich aber, dass ihm meine Fragen zu viel werden. Er ist heute von seiner gestrigen Hammeretappe sehr müde und will für sich sein. Wir verabschieden uns wieder einmal mit einer herzlichen Umarmung. Ich werde heute noch bis Ribadesella gehen, während Jean-Louis schon in Piñeres Halt machen möchte.

 

 

Der Zugang zu mir selbst

Es geht es wieder einmal alleine weiter. Das Loslassen und das Alleine sein macht mir nichts mehr aus. Ich sehe meinen eigenen Weg nun als einen langen „Fluss“, auf dem es einfach immer weitergeht, ohne dass ich mir irgendwelche Sorgen machen müsste. Es „fließt“ alles immerzu dahin und ich sauge jede einzelne Sekunde in mir auf. Ich kann genießen und abschalten. Der Lebensfluss fließt. Natürlich ist er auch in meinem Leben vor dem Jakobsweg geflossen. Nun aber beginne ich ganz deutlich, den Unterschied zu spüren.

Früher war dieser Fluss etwas, was mich mit gespült hat. Während ich gegen die „Stromschnellen“ gekämpft habe, war keine Zeit, den Moment zu genießen. Jetzt ist dieser Fluss ruhig geworden. Meine „lichten Momente“ sind wie Spiegelungen an der Wasseroberfläche, die ich nun in aller Ruhe beobachten kann. Ich bemerke nun ganz bewusst, wo ich gerade bin und kann mich ganz ruhig dahintreiben lassen. Ich habe Zeit, die Gegenwart zu studieren. Und vielleicht ist das Wandern nun dem Meditieren ganz nahe.

Dieser ausgeglichene Zustand verschafft mir eine prall gefüllte Welt der „Sentimientos“, der Eindrücke und Gefühle. Nichts ist mehr eintönig. Alles ist bunt, schön und jeder einzelne Schritt geht nach vorne, weg von meiner Vergangenheit, hinein in meine eigene Gegenwart.

Ich habe lange gebraucht, um hier anzukommen. Jetzt ist der „Gang“ nicht mehr eintönig, sondern „tief in mir drinnen“. Jeder Schritt ermöglicht mir einen immer intensiveren Zugang zu mir selbst. Er zeigt mir, wer ich bin! Und er zeigt mir, wie friedlich und entspannt man doch die Welt sehen kann.

Ich denke viel nach über den Buddhismus und meine eigene Religion. Schon merkwürdig, dass der Buddhismus in aller Welt eine Religion ist, nur in Deutschland nicht als anerkannte Religionsgemeinschaft gilt. [14]. In Wikipedia lese ich später, dass nach der buddhistischen Lehre jedes Lebewesen einem endlosen Kreislauf (Samsara) von Geburt und Wiedergeburt unterworfen ist. Deshalb vielleicht auch hat Jean-Louis jede Schnecke gerettet.

Lange Asphaltstraßen folgen nun. Würde ich die heutige Strecke im Detail beschreiben, hätte sicher keiner mehr Lust, diesen Küstenweg zu gehen. Aber Teer ist manchmal eben der Preis für den Urweg, für viel Natur pur und das Abenteuer des Lebens. Ja, ich würde es jederzeit wieder machen und keinen einzigen Schritt je bereuen!

 

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

 

Buddhist Jean-Louis am Jakobsweg

Buddhist Jean-Louis am Jakobsweg

Der Küstenweg bietet dem Pilger spektakuläre Kulissen.

 


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Kartenausschnitt Llanes,Jakobsweg Landkarte Übersicht Atlantikküste Ribadeo, gezeichnet von Christian Seebauer

Kartenausschnitt Llanes, Jakobsweg Landkarte Übersicht Atlantikküste Ribadeo, gezeichnet von Christian Seebauer

Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: LLANES - RIBADESELLA, Foto 2

Pilger Jean-Louis mit seinemgroßen Rucksack vor einem Jakobsweg-Wegweiser

Pilger Jean-Louis schaut, wie es gleich am Jakobsweg weiter geht.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Jakobsweg an der Küste: LLANES - RIBADESELLA, Foto 3

Fußschmerzen, wenn man auf Asphalt laufen muß

 

Leider gehört auch manchmal Asphalt zum Jakobsweg.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: LLANES - RIBADESELLA, Foto 4

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Pilgerherberge? Eher schon Luxusvilla! Schöner geht es am Jakobsweg nicht.

https://www.seebauers-world.com/wallpaper/berria.jpg

Jakobsweg bei Berria Ölgemälde: Einsam und wunderschön: Der Jakobsweg an der Küste bei Berria. In der Früh bin ich am Ende des Horizonts gestartet. Jetzt stehe ich auf einer Klippe mit Blick auf die Bucht von Berria. Menschenleer. Leider kann ich diesen Augenblick mit niemanden teilen. Denn ich bin alleine.

16 RIBADASELLA – LA ISLA

Camino de la Costa: RIBADASELLA – LA ISLA | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 16: RIBADASELLA – LA ISLA
Tag 16: 20 km, ca. 500 Höhenmeter. Über San Pedro, San Esteban, Las Tejas.

Ausschnitt Landkarte Camino de la Costa bei Ribadelella, gezeichnet von (c) Christian Seebauer

Ausschnitt Landkarte Camino de la Costa: Ribadelella und Umgebung, gezeichnet von (c) Christian Seebauer

la Llama (Ribadesella) 720 – Abeo/Abéu (Ribadesella) 424 – La Vega (Ribadesella) 421 – Berbes (Ribadesella) 419 – La Isla

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. Etappe RIBADASELLA – LA ISLA

Der Zugang zu mir selbst

Es geht wieder einmal allein weiter. Das Loslassen und das Alleinsein macht mir nichts mehr aus. Ich sehe meinen eigenen Weg nun als einen langen „Fluss“, auf dem es einfach immer weitergeht, ohne dass ich mir irgendwelche Sorgen machen müsste. Es „fließt“ alles immerzu dahin und ich sauge jede einzelne Sekunde in mir auf. Ich kann genießen und abschalten. Der Lebensfluss fließt. Natürlich ist er auch in meinem Leben vor dem Jakobsweg geflossen. Nun aber beginne ich ganz deutlich, den Unterschied zu spüren.

Früher war dieser Fluss etwas, was mich mitgespült hat. Während ich gegen die „Stromschnellen“ gekämpft habe, war keine Zeit, den Moment zu genießen. Jetzt ist dieser Fluss ruhig geworden. Meine „lichten Momente“ sind wie Spiegelungen an der Wasseroberfläche, die ich nun in aller Ruhe beobachten kann. Ich bemerke nun ganz bewusst, wo ich gerade bin und kann mich ganz ruhig dahintreiben lassen. Ich habe Zeit, die Gegenwart zu studieren. Und vielleicht ist das Wandern nun dem Meditieren ganz nahe.

Dieser ausgeglichene Zustand verschafft mir eine prall gefüllte Welt der „Sentimientos“, der Eindrücke und Gefühle. Nichts ist mehr eintönig. Alles ist bunt, schön und jeder einzelne Schritt geht nach vorne, weg von meiner Vergangenheit, hinein in meine eigene Gegenwart.

Ich habe lange gebraucht, um hier anzukommen. Jetzt ist der „Gang“ nicht mehr eintönig, sondern „tief in mir drin“. Jeder Schritt ermöglicht mir einen immer intensiveren Zugang zu mir selbst. Er zeigt mir, wer ich bin! Und er zeigt mir, wie friedlich und entspannt man doch die Welt sehen kann.

Ich denke viel nach über den Buddhismus und meine eigene Religion. Schon merkwürdig, dass der Buddhismus in aller Welt eine Religion ist, nur in Deutschland nicht als anerkannte Religionsgemeinschaft gilt. [14]. In Wikipedia lese ich später, dass nach der buddhistischen Lehre jedes Lebewesen einem endlosen Kreislauf (Samsara) von Geburt und Wiedergeburt unterworfen ist. Deshalb vielleicht auch hat Jean-Louis jede Schnecke gerettet.

Lange Asphaltstraßen folgen nun. Würde ich die heutige Strecke im Detail beschreiben, hätte sicher keiner mehr Lust, diesen Küstenweg zu gehen. Aber Teer ist manchmal eben der Preis für den Urweg, für viel Natur pur und das Abenteuer des Lebens. Ja, ich würde es jederzeit wieder machen und keinen einzigen Schritt je bereuen!

Häuser und Kirchen am Jakobsweg, Skizze

Häuser und Kirchen am Jakobsweg, Skizze, (c) Christian Seebauer

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: RIBADASELLA - LA ISLA, Foto 2

Christian Seebauer am Jakobsweg

Der Camino de la Costa führt durch viele grüne Gebirgslandschaften..

Schon wieder habe ich in meinem Tagebuch notiert: Eine der schönsten Etappen. Und in der Tat, diese Wanderung entlang den Stränden und Klippen ist einzigartig.

In Ribadasella habe ich in der Früh bei einer Tasse Kaffee den spanischen Wetterbericht gesehen. Überall Wolken. Und hier vor Ort sogar Blitz und Donner.

Doch dann fällt mir zur Erheiterung von Jean-Louis folgende Lebensweisheit ein, die ich einmal gehört habe:

Der beste Wetterbericht trifft heut zu Tage mit einer Wahrscheinlichkeit von 71% zu. Die simple Aussage, das Wetter wird morgen Früh so wie heute Abend, trifft hingegen mit einer Wahrscheinlichkeit von 83% zu.

Jean-Louis muss lachen. So hat er die Dinge noch nie betrachtet. Gestern Abend zog es noch auf und wurde schön. Und heute ist es schön! So darf es bleiben.

Nach der Strandpromende von Ribadasella erwartet uns eine kleine Bergtour mit Alpenkulisse. Bunte Kuhweiden so weit das Auge reicht. Herrlich! All das wird begleitet vom munteren Gebimmel der Kuhglocken. Einige Bauern haben hier sogar Brunnen und Schläuche für die durstigen Pilger eingerichtet. Absolut super! Eine noble Geste. Auf den schmalen Wiesenpfaden lässt es sich heute super laufen.

Und dann sehe ich etwas, was ich noch nie gesehen habe. Ein quadratisches Holzhäuschen mit Ziegeldach, welches auf vier Steinsäulen aufgerichtet ist. Ein „Horreos“. Jean-Louis erklärt mir, dass es sich hier um einen alten Getreidespeicher handelt, welchen wir in Asturien noch öfter sehen werden.

So ein Horreos steht auf Holzfüßen, die mit einem großen flachen Stein das Fundament des eigentlichen Bauwerkes bilden. Der Stein ist für Mäuse ein natürlicher Überhang, den sie nicht überwinden können. So bleibt das Getreide vor den Nagern verschont. Simpel, aber effektiv!

Von Almwiesen geht es nun wieder bergab zum Meer, das erhaben unter uns liegt. Hier befinden sich ein paar Häuser und ein idyllisches kleines Kaffee mit Strandblick. Wie immer menschenleer. Auch Jean-Louis hat nichts dagegen, hier ein wenig zu verweilen. Nach den überwundenen Höhenmetern bestelle ich mir ein kleines Bier und beobachte die freilaufenden Hunde, die hier im Paradies leben. Bis zum Ufer sind es ein paar Hundert Meter. Dazwischen ist alles recht ursprünglich grün bewachsen. Nach der kleinen „Stärkung“ geht es dann im „Garten Eden“ wieder bergauf. Rechts unten begleitet mich der Blick auf den Ozean. Der kleine Pfad hier ist gesäumt von kniehohem Gras, Brombeersträuchern und Blumen.

Wir sind wieder von Null auf etwa hundert Höhenmeter gekommen und obwohl wir erst Rast gemacht haben, verspüren wir nun auch unseren ersten Hunger. Zeit haben wir ja ohne Ende, also setzen wir uns einfach neben den Trampelpfad mitten in das weiche Gras.

Einsam über dem Meer kann ich sicher etwas für Jean-Louis zaubern!

Die Natur vor den Füßen essen

Bei der Kräuterwiese, in der wir sitzen, denke ich sofort an einen schmackhaften Wildsalat.

Salatschüssel? Kein Problem. Mein Sonnenhut hat ja in etwa die Form einer Salatschüssel und mein Brot habe ich in einer Plastiktüte. Pater Ernesto hat Recht: Nutze die eigenen Ressourcen und deine Fantasie. Hut + Plastiktüte = Salatschüssel.

Sofort kann es los gehen mit dem Sammeln. Jean-Louis hat sich ein wenig entkleidet und genießt die Sonne und den Robinson-Crusoe-Ausblick. Dass ich jetzt Salatblätter sammeln gehe, ist ihm zwar nicht so recht geheuer, aber er lässt mich mal machen.

Als erstes entdecke ich ganz junge Gierschblätter. Sie erinnern mit ihrer intensiven Würze ein wenig an Petersilie. Auch Giersch ist ein Doldenblütler und daher einem Anfänger nicht unbedingt zu empfehlen. Doch der Geruchssinn kann den Giersch eindeutig von giftigen Vertretern der Gattung Doldenblütler unterscheiden.

Direkt vor meinen Füßen wachsen auch frische Huflattichblätter. Ein echter Genuss! Wer noch nie in seinem Leben Huflattichblätter gekostet hat, wird von dem zarten Geschmack begeistert sein. Da kann kein Eissalat aus dem Supermarkt mithalten! Von oben haben die jungen Blätter ein ganz helles und saftiges Grün. An der Unterseite haben sie einen „filzigen“ aber ebenso zarten Saum. Ich nehme mir die Zeit, auch die Blattunterseiten auf Käfer zu inspizieren, aber alles ist so frisch und sauber, dass wir definitiv keinen Wasserhahn benötigen werden.

Damit nicht genug. Ich muss nur wenige Meter umhergehen, um weitere Leckerbissen der Natur zu finden. Frische Spitzwegerichblätter! Sie sind mit ihrem einzigartigen Aroma auf jeden Fall eine kulinarische Entdeckung wert! Sie schmecken leicht nussig, sind knackig und mild. Ich blicke zu Jean-Louis und denke mir:

Wer so etwas noch nie gegessen hat, wird begeistert sein!

Nebenbei entdecke ich ein paar Rukolablätter und wilde Hopfentriebe. Letztere gehören für mich mit zu dem Feinsten, was die Natur zu bieten hat!

Bis heute weiß ich nicht, ob man die Blätter der schwarzen Johannisbeere wirklich essen darf, aber zu Hause mische ich sie in jeden guten Salat. Das ursprüngliche Aroma ist sensationell. Also auch davon ein wenig in meinen Hut!

Wegwarte blüht hier auch. Sicher kennt jeder die blau-violetten Blüten, die ein wenig den Kornblumen ähneln. Aber das man sie essen kann? Die Wegwarte ist nichts anderes, als die wilde Form des Chicorée-Salates und sie haben einen fantastischen Geschmack, wenn sie jung und frisch sind. Auch Thymian und Majoran wachsen hier an den steinigen Stellen. Direkt daneben finde ich den kleinen Wiesenknopf, dessen Blätter intensiv nach Gurke schmecken. Und: Ich finde die Wegrauke. Sie schmeckt so wie frische Kresse und hat ein würziges, scharfes Aroma.

Die ährige Teufelskralle hört sich zwar giftig an, kann es aber mit jedem Eissalat aus dem Supermarkt locker aufnehmen. Und dann gibt es noch jede Menge süßliche Margaritenblätter und kalorienreiche Brennnesselsamen. Letzterer ist mein absoluter Geheimtipp zum Experimentieren. Er schmeckt intensiv würzig und passt hervorragend zu Brot und Salat.

Alle Zutaten kommen nun in meinen „Hut“. Jean-Louis unterbricht sein Sonnenbad und sieht mir nun neugierig zu. Auf die Schnelle habe ich einen ganzen „Berg Salat“ gesammelt, den ich frischer nicht zubereiten könnte.

Alles mache ich nun klein und mische es in den „Hut“.

Darüber schnippel ich dann sehr klein meinen letzten Apfel. Jean-Louis steuert Salz und Pfeffer bei. Und dann: Zwei große Thunfischdosen auf und rein damit. Jean-Louis zaubert noch eine Tomate aus seinem Gepäck.

Garniert mit ein paar rosa Blüten vom Wiesenschaumkraut steht unser kulinarisches Mittagsmenü breit zum Verzehr. Bevor Jean-Louis probiert, fotografiert er die Salatschüssel unzählige Male. Mir wird bewusst, dass er hier wohl absolutes Neuland betritt!

Mit ein wenig Brot, Wasser und dem riesigen Salatteller werden wir nicht nur satt, sondern:

Um einen grandiosen Genuss reicher!

Jean-Louis vertraut mir mittlerweile offenbar ganz gut. Zu Anfang hat er in Sachen Grünzeug noch seine Bedenken gehabt. Aber das, was er jetzt auf seiner Zunge zergehen lassen kann, ist sensationell. Die Natur verwöhnt uns mit allem, was sie zu bieten hat!

Jean-Louis fragt mich, woher ich all dieses Naturwissen hätte und wie er das auch selbst lernen könnte?

Sicherlich haben mich meine Eltern schon als Kind für die Natur begeistert. Aber für das Essbare in der Natur habe ich mich dann erst sehr viel später interessiert. Klar habe ich mittlerweile ein halbes Bücherregal voll von Pflanzen- und Survivalbüchern. Aber das braucht es zu Anfang alles gar nicht. Mein erstes kleines Büchlein über essbare Pflanzen hat mir den Zugang zu dem Allgemeinwissen eröffnet, welches leider irgendwie in der zivilisierten Welt verloren gegangen ist. Es hat dann großen Spaß gemacht, die ersten „idiotensicheren“ Pflanzen zu sammeln. Und damit konnte ich dann nicht nur meine Frau und meine Kinder begeistern, sondern auch mit meinen Freunden im Grünen pflücken!

Nach und nach sind dann auch Raritäten dazu gekommen, aber die braucht’s für den Anfang gar nicht! Und irgendwann habe ich mich dann auch mit den giftigen Pflanzen beschäftigt, um jede Gefahr auszuschließen. Wenn man bedenkt, dass mindestens Zehntausend verschiedene Pflanzen bei uns heimisch sind und davon vermutlich nur 100 als unbekömmlich bis giftig eingestuft werden, dann kann man beruhigt loslegen, wenn man die wichtigsten Giftpflanzen kennt!

Jean-Louis jedenfalls hat jeden einzelnen Bissen genossen und in Anbetracht dessen, dass er von der Natur, die uns ernährt wohl keine Ahnung mehr hat, feuchte Augen bekommen.

Auch ich selbst habe jeden Bissen genossen. Schließlich wuchs (bis auf die Thunfischdose) alles direkt neben uns. So einen Wildsalat essen und gleichzeitig auf das unter mir liegende ruhige Meer blicken, das ist der Jakobsweg pur!

Es ist absolut erstaunlich, wie hier die unterschiedlichsten Aromen zusammenströmen und ein absolutes Hochgefühl auslösen. Damit meine ich allerdings nicht den ansonsten negativ besetzten Begriff „Aroma“, sondern die pure Natur, die heute wahrlich alles übertrifft!

Caminreal Libre!

Gleich nach unserem phänomenalen Mittagsmahl geht es glücklich weiter über Kuhweiden. Immer wieder mit tiefblauem Meeresblick. Die Bauern haben hier ihre Weiden eingezäunt. Und manchmal steht beim Übergang zur nächsten Weide extra handgemalt „Caminreal Libre!“. Der wahre Jakobsweg ist für Pilger frei!

Nach einem Trip à la Allgäu plus Meereskulisse kommt man dann an einen Kilometer langen Traumstrand. Anstatt den empfohlenen Weg zu nehmen, ist der Strandlauf viel schöner. Weicher Sand unter den Füßen und ein totales Glücksgefühl belohnen jeden einzelnen Meter.

Hier, etwa 50 Höhenmeter über dem vor mir liegenden Strand, mache ich ein Foto.

Ein hölzernes Jakobswegschild zeigt die Richtung ins Paradies. Ein herrlicher Strandlauf mit Rucksack liegt vor uns. Kilometerweit breitet sich der lange und einladende Sandstrand vor uns aus. Der offizielle Jakobsweg verläuft weniger romantisch entlang der Küstenstraße. Doch die Beschilderung mit der Jakobsmuschel zeigt uns hier die schönste Alternative auf.

Heute könnte man baden. Es ist warm genug. Im Hinterkopf behalte ich diese Vorstellung vom Baden und gehe erst einmal weiter.

Den Schlüssel für die Herberge und den Pilgerstempel bekommen wir im Ort selbst.

Die Herberge ist wunderbar gelegen

Aufgeräumt und blitzblank sauber. Und es gibt eine Kochmöglichkeit.

Jean-Louis und ich suchen uns erst einmal ein Bett aus. Wie immer liegt Jean-Louis unten und ich freue mich über den „ersten Stock“.

Befreit vom Gepäck, schlendern wir dann an den Strand. Baden ist angesagt!

Nach zehn Minuten sind wir am Strand. Und bevor wir hinuntergehen, gibt es in einer kleinen Strandbar ein kühles „deutsches Bier“. Das zweite heute.

Und nun: Nichts wie ab, an den Traumstrand. Feiner Sand und türkisfarbenes Meer locken zu einem Sprung ins kühle Nass. Hinter der Bucht ragen grüne Berge empor, die aufgrund der außergewöhnlichen Wetterlage noch ein wenig Schnee auf den Gipfeln haben. Es ist der Gebirgsrücken um den Picu Pienzu el Sueve. Der mit seinen 1.112 Höhenmeter mächtige Gipfel ist Luftlinie gerade einmal 5 Kilometer von hier vom Strand entfernt. Von Null auf 1.112, das ist ein gigantisches Höhenprofil auf dieser kleinen Distanz!

Rein ins Meer!

Niemanden stört es hier, dass ich keine Badehose dabei habe und mit meiner ganz normalen Pilgerhose in den Atlantik sprinte. Heute passt einfach alles. Obwohl der Strand fast menschenleer ist, gesellt sich ein junges spanisches Pärchen mit kleinem Kind zu uns. Und natürlich reden wir sofort über den Jakobsweg. Ihnen muss der Jakobsweg wohl wie ein Paradies von Badestrand zu Badestrand vorkommen.

Auch ohne Handtücher wird das Baden ein herrliches Erlebnis für mich. Einfach mitten hinein in den Sand zum Trocknen. Sand über Sand, so unmittelbar habe ich Baden noch nicht erlebt. Meine Badenachbarn meinen „Arena va y viene“, Sand kommt und geht. Klar, irgendwann wird er von selbst davonrieseln!

Ich denke mir gerade, dass ich hierher eines Tages mit meiner Familie zurückkommen werde, um Urlaub zu machen.

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: RIBADASELLA - LA ISLA, Foto 2

Traumhafte Kulisse am Jakobseg an der Küste, Jakobsweg Richtung Atlantik

Wieder einmal nimmt der Jakobsweg Kurs auf die Küste.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Jakobsweg an der Küste: RIBADASELLA - LA ISLA, Foto 3

Holztafel: Gelbe Jakobsweg Muschel am Atlantik, Foto Christian Seebauer

Ein Schild Jakobsweg mitten am Strand. Doch genau hier verläuft der Camino de la Costa.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: RIBADASELLA - LA ISLA, Foto 4

Wäscheleine vor der Pilgerherberge

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Viele Pilgerherbergen haben eeinen Garten.

“Es gibt Tausend Gründe, warum man den Jakobsweg nie gehen kann. Und einen guten Grund, warum man es unbedingt tun sollte: Denn es geht um Dich!”