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1 IRUN – SAN SEBASTIÁN

Camino de la Costa: IRUN – SAN SEBASTIÁN | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 1: IRUN – SAN SEBASTIÁN
Tag 1: 28 km (+5 km Umweg), 1.000 Höhenmeter, über Pasaia

 

Irún 875 km – Fuenterrabía/Hondarribia 859 – Pasajes/Pasaia 843 – San Sebastián/Donostia 836 – Igueldo/Igeldo (San Sebastián) 831

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeIRUN – SAN SEBASTIÁN

 

Mit dem Zufallen der schweren Holztür beginnt es:

Das Abenteuer meines Lebens!

Auch wenn es Anfang Juni ist, atme ich jetzt eiskalte Luft ein, die beim Ausatmen zu sehen ist. Durch die Wolkenfetzen strahlt das erste wärmende Sonnenlicht hindurch und über meinen verzerrten, langen Schatten am Kopfsteinpflaster muss ich lachen. Welch komische Kreatur, die da ihr Glück versucht.

Nach wenigen Hundert Metern werfe ich meine beiden Plastiktüten aus dem Zug mit Zeitschriften, Chips und einem ekligen alten Sandwich in eine herrenlose Mülltonne. Immer wieder muss ich mit schlechtem Gewissen zurück blicken, ganz so, als wenn ich irgendetwas davon doch noch brauchen würde. Doch ich fühle mich auch befreit. Je weniger, desto besser.

Wau! Was für ein großartiges Gefühl! Ich setze einen Schritt vor den anderen. Noch kann ich mir die Wahnsinnsstrecke, die vor mir liegt nicht im Geringsten vorstellen. Und doch beginne ich sofort, vor mich hin zu träumen. Ich kann mein Glück noch gar nicht richtig fassen. Hier zu sein, scheint verrückt und surreal zu sein. Eine eigenartige Mischung aus Demut und erster vorsichtiger Fröhlichkeit begleitet mich ganz still. Wie von selbst kehrt Ruhe in mich ein. Eine Ruhe, die sich im normalen Urlaub leider immer erst dann einstellt, wenn er schon fast wieder vorbei ist. Was ist hier anders? Ich frage mich, bin aber von meiner Umgebung und dem kühnen Plan so eingenommen, dass Gedankenspiralen gar nicht erst aufkommen.

Endlich darf ich einmal das tun, was sich der Teil meines Urzeitgehirns so lang ersehnt hat. Vorwärts gehen, ohne zu denken. Wird mir das weiterhin gelingen?

Der erste gelbe Pfeil

Gerade entdecke ich für meine bevorstehende „Schnitzeljagt“ nach Santiago de Compostela meinen ersten gelben Pfeil. Er markiert jetzt meinen Weg und bringt mich rasch aus dem noch verschlafenen Städtchen Irun heraus.

Gleich geht es durch eine abgeschiedene paradiesische Moorlandschaft. Alles ist satt grün. Der Himmel über mir ist noch nicht wirklich hell, sondern dunkelblau. Nur in der Ferne ist er schon hellblau und etwas dunstig. Der Wind treibt weiße Wolken vor sich her.

Eine kleine idyllische Holzbrücke gibt mir den Blick frei auf einen ruhigen Wasserlauf mit seinem tiefgrünen Schilfsaum. Die Temperaturen sind nun angenehm und ich folge dem gelben Kreuz, welches überdeutlich auf einen dunkelbraunen Holzzaun aufgemalt ist.

Doch dann kommt kein weiteres gelbes Kreuz mehr. Der Feldweg, auf dem ich mich befinde, will auch nicht in die Höhe verlaufen, so wie es im Pilgerführer steht, sondern schlängelt sich weit ausladend zurück in Richtung Irun, welches nun von der Sonne schon voll beschienen wird. Da kann doch was nicht stimmen!

Habe ich es tatsächlich geschafft, mich schon wieder zu verlaufen? Es sieht ganz danach aus und ich muss wohl wieder zurück marschieren.

Noch weiß ich nicht, dass ein gelbes Kreuz bedeutet: Hier nicht, hier bist du falsch!

Aber mir schwant schon, dass ein gelbes Kreuz eben kein gelber Pfeil ist.

Das erklären mir nun zwei spanische Pilger, die ausgiebig gefrühstückt haben und mir unüberhörbar im Schwemmland entgegen getrampelt sind. Jorge und Mark entdecken den richtigen Abzweig nicht zu Letzt deshalb, weil Jorge mit seinem IPhone navigiert.

Am liebsten würde ich mit Gewalt einen anderen Weg eingeschlagen, alleine schon der Blamage wegen und um nicht wie zu Hause von einem albernen Navigationsgerät abhängig zu sein.

Dass ich nicht einmal in der Lage bin, die ersten paar Kilometer im Grünen zu finden, ärgert mich beileibe mehr, als ich mich über den wiedergefundenen Weg freuen kann. Schließlich bin ich ja an einem übermächtigen gelben Pfeil vorbei gekommen, den ich wirklich sehen hätte müssen.

Immerhin stimmt der Trail nun wieder mit den Beschreibungen des Outdoor-Reiseführers überein. Und meine erste Lektion habe ich, wenn auch unfreiwillig gelernt: Folge dem gelben Pfeil.

Ein gelbes Kreuz warnt dich vor dem falschen Weg. (Ich werde später noch lernen, dass gelbe Kreuze durchaus reizvolle Alternativen markieren können, die man Pilgern einfach nur vorenthalten möchte). Für das erste werde ich mich nun an haargenau an die instrucciónes, die Anweisungen halten.

Dem gelben Pfeil folgend, bin ich nun mitten drin. Dichter Laubwald hat das Schwemmland abgelöst und es geht ein leicht bergauf. Jorge und Mark sind vor wenigen Minuten ihrem Navi gerade aus gefolgt, ich habe dem gelben Pfeil nach links vertraut.

Ein Weg – viele Möglichkeiten

Nachdem ich mich bereits auf den ersten Kilometern ein wenig verlaufen habe, bringt mich jetzt der Pilgerführer völlig durcheinander. Ab hier gibt es nun gleich vier verwirrende Varianten, weiter zu gehen.

Irgendwie kommt mir diese Situation verdammt bekannt vor. Immer dann, wenn ich zusammen mit meiner Frau und dem Navi im Auto sitze, gibt es an kritischen Stellen gleich drei verschiedene Meinungen. …

 

Möchtest Du tiefer eintauchen? Die ganze Geschichte kannst Du im Buch lesen…

 

 

Jakobsweg an der Küste: IRUN - SAN SEBASTIÁN, Foto 2

Eine Steintreppe hoch zu den Klippen: Der Jakobsweg an der Küste nach San Sebastian

Hier geht es nach dem wunderschönen Hafenstädchen Passai steil bergauf. Aber schon nach kurzer Zeit bietet der Jakobsweg wieder Erholung.

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Buchcover: Jakobsweg an der Küste

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: IRUN - SAN SEBASTIÁN, Foto 2

Zwei voll bepackte Jakobswegpilger oberhalb der Atlantikküste, unterwegs nach San Sebastian

Hier führt der Camino de la Costa direkt nach San Sebastian. Links unter den Pilgern liegt Atlantik.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: IRUN - SAN SEBASTIÁN, Foto 3

Reste eines alten Aquädukts zwischen Irun und San Sebastian

Unterwegs nach San Sebastian bietet der Jakobsweg Natur von Feinsten und einen Hauch von Vergangenheit.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

https://www.seebauers-world.com/wallpaper/sansebastian.jpg

Ölgemälde: Blick auf San Sebastian (von Irun her kommend)

Jakobsweg San Sebastian Ölgemälde

Gemälde: 1574
Datum: 2011
Maße: 70 x 50 cm
Christian Seebauer
Link: https://www.seebauers-world.com/_sansebastian_200.php

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Kurz bevor man als Pilger San Sebastian erreicht hat man diesen herrlichen Blick!

Stundenlang geht man in der wilden und unverfälschten Natur entlang. Und ganz plötzlich steht man hier. Hoch oben über San Sebastian. Diese spektakuläre Kulisse hat mich trotz Erschöpfung so beeindruckt, dass ich neben einem Foto auch eine Skizze angefertigt habe. Und hier ist dann auch ein Ölgemälde daraus entstanden.

2 SAN SEBASTIÁN – ZUMAIA

Camino de la Costa: SAN SEBASTIÁN – ZUMAIA | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 2: SAN SEBASTIÁN – ZUMAIA
Tag 2: 31 km, ca. 1.150 Höhenmeter, über Orio, Zarautz, Getaria.

 

Igueldo/Igeldo (San Sebastián) 831 – Orio 822 – Zarauz/Zarautz 816 – Asquizu/Askizu (Guetaria) 809 – Zumaia 805 – Itzíar (Deva) 795

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeSAN SEBASTIÁN – ZUMAIA

 

Blicke auf das, was vor dir liegt

Ein paar erste kleine Stolperer und ein weiterer gerade noch einmal gut gegangener Ausrutscher ermahnen mich dazu, konzentriert nach vorne zu sehen. Meine ersten Anzeichen von leichter Erschöpfung und beginnender Unkonzentriertheit zeigen sich in Form erster Fehltritte.

Es mag verrückt klingen, aber wenn man konzentriert geht, sieht man nicht mehr viel vom Jakobsweg. Man müsste schon stehen bleiben, aber das tut man einfach nicht. Zumindest nicht, wenn man hinter Ingrid her ist. Jedenfalls wird mir schlagartig klar, dass keiner, wirklich kein einziger meiner Millionen Schritte, die vor mir liegen, schief gehen darf. Sonst ist meine Reise besiegelt.

Mit offenen Augen schlafen, hinterher trampeln und geistesabwesend einen Fuß vor den anderen setzen kann ich mir nicht mehr erlauben! Ausgelaugt und abgekämpft fällt genau das aber extrem schwer. Und so kommen die nächsten kleinen Stolperer, obwohl ich besonders auf der Hut bin. Mein Blick ist stets nach unten gerichtet. Ich beobachte genau, welche Schritte Ingrid setzt und wo sie kürzer oder länger antritt. Ich befürchte, dass ich von jetzt ab den Boden des Weges nie mehr aus den Augen lassen darf.

Wie zum Trost, spricht die Natur aber auch jeden anderen meiner fünf Sinne an. Sind es wirklich nur fünf? Dazu später mehr.

Im Augenblick möchte ich nicht gleich in die Ecke eines esoterischen Spinners gerückt werden. Und so freue ich mich über ein paar handfeste neue Eindrücke.

Da sind die Ohren, die sich hier im Freien ganz anders, ja fast außergewöhnlich verhalten.

All das, was jahrelang nicht mehr zu mir durchgedrungen ist, überflutet mich jetzt förmlich. Allerdings nicht zu meinem Nachteil. Ich brauche hier keinen MP3-Player mehr, um mir wie beim Joggen mit harten Beats das Letzte heraus zu prügeln.

Die Ohren lauschen einfach vor sich hin. Wind, Wellen, Schritte. Alles ist, als wenn ich es doppelt so intensiv erlebe.

Auch das Riechen, ein weiterer bislang eher verkümmerter Sinn, läuft hier oben zur Höchstform auf. Durch das Schwitzen ist meine Nase endlich mal wieder vollkommen frei. Ein super Gefühl!

Am liebsten würde ich auch die salzige Luft und die vielen neuen Düften der Wiesenkräuter bis ins kleinste Detail beschreiben, wenn es nur die entsprechenden Attribute hierfür gäbe.

Wie tief und unvergesslich der Geruchssinn in meinem Gehirn verankert ist, habe ich vor ein paar Jahren bei einer nächtlichen Überfahrt mit dem Fährschiff nach Sardinen bemerkt. Aus der Kindheit habe ich den kräftigen Geruch der Macchia mit ihren Kräutern, Rosmarin, Salbei und Wermutgewächsen noch immer „in der Nase“. Und genau dieser ganz besondere Geruch hat mich dann Jahre später an Deck der Fähre mitten in der Nacht aufgeweckt. Obwohl alles stockfinster gewesen ist und wir noch mehr als 50 Kilometer entfernt gewesen sein mussten, konnte ich schon riechen, dass die Insel ist da.

Ähnlich geht es mir auch, wenn ich in Ingolstadt an den Raffinerien vorbei fahre. Der Geruch des Schweröls erinnert mich jedes Mal an meinen ersten Cuba Urlaub. Der Geruchssinn scheint sich an alles zu erinnern. Werde ich mich in meinem späteren Leben auch an den Geruch des Jakobsweges erinnern können?

Schritt für Schritt geht es weiter an der Küstenlinie entlang. Ohne zu Denken. Ohne Sorgen, gelassen und nach Gottes Fügung.

Denn einen eigenen Plan habe ich nicht. Und selbst wenn es nicht Gott ist, der mich hier persönlich führt, dann ist es eben Ingrid. Die allerdings ist umso erbarmungsloser, was das Thema Pause anbelangt. Ein unbarmherziger Gott?

Getrunken wird im Gehen. Gut für Sie, schlecht für mich. Denn meine beiden Wasserflaschen sind in den Außentaschen des Rucksacks verstaut, den ich nun im Gehen herunternehmen muss. Und während ich dieses umständliche Prozedere im Lauf mache, verliere ich schon wieder wertvollen Boden.

Auch das werde ich noch lernen müssen: Trinken im Gehen. Ich bringe kaum die Hälfte der Flüssigkeit in den Mund. Die andere Hälfte sappt ungenutzt über meine Mundwinkel und mein Kinn nach unten und geht einfach verloren. Naja, die Pflanzen freuen sich vielleicht. Und an der kleinen Menge, die tatsächlich noch vom Flaschenhals in den Mund geflossen ist, verschlucke ich mich zu allem Überfluss brutal. Ingrid hingegen ist schon wieder hinter der nächsten Kurve im Dickicht verschwunden. Sie hat einen Trinkbeutel im Rucksack und einen Trinkschlauch, der ihr das Trinken im Gehen erlaubt.

Endlich. Auf das habe ich gewartet: Ingrid möchte sich ein wenig ausziehen. Das klingt nach kurzer Pause.

Dass man sich aber einfach die Ärmel vom T-Shirt ohne Zwischenstopp abtrennen kann, habe ich noch nie gesehen. Das geht mir natürlich viel zu schnell! Ich werde wohl noch vieles dazu lernen müssen. Zwar gibt es keine Pause, aber wir stoßen gerade wieder auf Mark und Jorge.

Und wir gehen tatsächlich ein wenig langsamer.

Wie ein Kräuterlehrpfad

Jetzt bin ich ganz in meinem Element. Unter dem Marschieren pflücke ich nebenher essbare Blätter und Samen des kleinen Bärenklaus, den ich im Mund langsam kaue und zergehen lasse. Eine ganze Flut von einzigartigen und unbeschreiblichen Aromen strömt durch meinen Gaumen und auch meine Begleiter fangen neugierig damit an, es mir gleich zu tun. Auch wenn sie zunächst mein Kräuter pflücken für etwas sonderbar halten: Es macht riesigen Spaß!

Das Faszinierende ist doch, das wir als Erwachsene noch ein ganz neues, bisher noch nie dagewesenes Aroma entdecken können. Das kann uns mit Farben und Tönen leider nie mehr passieren. Kein neuer Ton und keine neue Farbe werden je hinzukommen. Wir kennen sie ja alle schon.

Unter dem Gehen duftende Blätter in den Fingern zerreiben und an die Nase halten. Beeren und Blüten lutschen. Das ist für die anderen eine völlig neue Welt. Ich warne aber auch davor, es alleine nicht zu versuchen.

Kann man das echt essen? Es tóxico? Ist das wirklich nicht giftig? Kann man daran sterben?

Das waren alles sehr spannende Begleitfragen. Natürlich gibt es gerade unter den Doldenblütlern nicht nur essbare Vertreter wie den Koriander, den Kümmel, den Fenchel und die wilden Möhren. Auch einige der giftigsten Pflanzenarten wie der gefleckte Schierling tummeln sich in dieser Gattung. Warum nicht auch hier im Baskenland? Letzterer hat es zu traurigem Ruhm gebracht, weil Sokrates mit dem giftigen Pflanzensaft (daher Schierlingsbecher) hingerichtet worden sein soll. Das Alkaloid Coniin soll eine langsame Lähmung bis hin zur finalen Atemlähmung auslösen. Dann tritt der Tod bei vollem Bewusstsein ein. Diese „Feinheiten“ fand Ingrid als frühere Krankenschwester höchst faszinierend.

Wie Kinder auf einem Kräuterlehrpfad stellen mir die anderen eine Frage nach der nächsten. …

Jakobsweg an der Küste: SAN SEBASTIÁN - ZUMAIA, Foto 2

Schroffe Felsen, stürmischer Atlantik und das Rauschen der Wellen begleiten Dich hier am Jakobsweg

Leuchtturm auf den Felsklippen am Jakobsweg

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: SAN SEBASTIÁN - ZUMAIA, Foto 2

Drink H2O Potable. Auf Stein geschrieben, am Jakobsweg bei San Sebastian

Wasser ist das Wichtigste am Jakobsweg. Aber es gibt auf jeder Etappe immer wieder Wasser zum Nachfüllen.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Hier oben steht die Pilgerherberge. Und das ist der Blick des Pilgers nach unten. Sagenhaft!

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: SAN SEBASTIÁN - ZUMAIA, Foto 4

Zumaia: Pilgerherberge Santa Klara

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Pilgerherberge aus Stein.

https://www.seebauers-world.com/wallpaper/deba02.jpg

Blick von der Pilgerherberge hinab auf den Atlantik. Ölgemälde von Christian Seebauer

Küstenlinie von Zumaia Ölgemälde

Gemälde: 710
Datum: 2010
Maße: 80 x 80 cm
Christian Seebauer
Link: https://www.seebauers-world.com/_deba02.php

Jakobsweg in Zumaia Ölgemälde

Jakobsweg in Zumaia Ölgemälde, Oil Painting Christian Seebauer

Küstenlinie von Zumaia Ölgemälde

Am Morgen bietet sich dem Pilger noch einmal ein sensationeller Ausblick auf die kleine Hafenstadt Zumaia, bevor es weitergeht. Wind, Regen und kühle Meeresluft peitschen einem alle Gedanken aus dem Kopf und machen Dich frei für Tausend neue Eindrücke, die Dir am Weg begegnen. Man kann nichts mitnehmen. Zu Hause habe ich dieses Moriv dann auf Leinwand gemalt. Eine gute Gelegenheit, noch einmal zu träumen!

Donostia-San Sebastián (baskisch Donostia, Aussprache: [dɔ’nɔɕtija]; spanisch San Sebastián) ist die Hauptstadt der Provinz Gipuzkoa (span. Guipúzcoa) in der spanischen Autonomen Gemeinschaft Baskenland. Sie liegt etwa 20 km westlich der französischen Grenze im Bogen des Golfs von Biskaya. Die Stadt war 2016 gemeinsam mit Breslau Kulturhauptstadt Europas. San Sebastián liegt im äußersten Norden der iberischen Halbinsel an der Bucht La Concha (deutsch: Die Muschel), deren Name von ihrer auffälligen Form herrührt. Die Landesgrenze mit Frankreich liegt nur 20 Kilometer von San Sebastián entfernt. Die Mündung der Bucht wird durch die Felsmassive des Monte Igueldo und des Monte Urgull begrenzt, in der Ausfahrt selbst liegt die kleine Felseninsel Santa Clara. Der weitläufige Bogen der Bucht mit der Strandpromenade und der zwischen La Concha und der Mündung des Flusses Urumea gelegene Parte Vieja-Alde Zaharra (deutsch: Altstadt) sind bekannte Touristenattraktionen.Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Donostia-San_Sebasti%C3%A1n

Escudo municipal de Donostia-San Sebastián.
Das Stadtwappen von San Sebastián


Español: Escudo municipal de Donostia-San Sebastián (Guipúzcoa, España) según el siguiente blasonado: En campo de azur, sobre ondas de azur y plata, un bergantín, de oro, de tres palos, habillado de plata y acompañado de las letras SS, de plata, una en cada cantón. Bordura de plata con la leyenda "Ganadas por fidelidad, nobleza y lealtad", en letras de sable. Al timbre, Corona Real cerrada, que es un círculo de oro, engastado de piedras preciosas, compuesta de ocho florones de hojas de acanto, visible cinco, interpoladas de perlas y de cuyas hojas salen sendas diademas sumadas de perlas, que convergen en el mundo de azur o azul, con el semimeridiano y el ecuador en oro, sumado de cruz de oro. La corona forrada de gules o rojo.; fuente: Ampelio Alonso Cadenas López, Vicente Cadenas Vicent,Heráldica de las comunidades autónomas y de las capitales de provincia, pag. 128, Ed. Hidalguía, Madrid 1985, ISBN 840006047

3 ZUMAIA – DEBA

Camino de la Costa: ZUMAIA – DEBA | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 3: ZUMAIA – DEBA
Tag 3: 13 km, die es in sich haben, ca. 650 Höhenmeter, über Itziar.

 

Zumaia 805 – Itzíar (Deva) 795 – Deba 792

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

Oil Painting “Zumaia” St. James Trail, Christian Seebauer: “Am Morgen bietet sich dem Pilger noch einmal ein sensationeller Ausblick auf die kleine Hafenstadt Zumaia, bevor es weitergeht. Wind, Regen und kühle Meeresluft peitschen einem alle Gedanken aus dem Kopf und machen Dich frei für Tausend neue Eindrücke, die Dir am Weg begegnen. Man kann nichts mitnehmen, ausser ein paar Skizzen. Trotzdem prägen sich die Stimmungen mit jedem Schritt tief ein. Als Fotograf hätte ich wohl Hunderte von Bildern geschossen. So bleibt mir nur, den Pinsel in die Hand zu nehmen und mit groben Strichen den wilden Charakter und die Ursprünglichkeit der Küstenlinien aus mir heraus zu lassen…”

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeZUMAIA – DEBA

 

Hier muss es Gott schwindlig werden!

Er ist alles windschief. So etwas Schräges habe ich noch nicht gesehen.

Und es ist so feuchtkalt, dass man jeden Atemhauch sehen kann. Kein weiterer Besucher ist zugegen. Außer vielleicht Gott. Der Wiederhall im eisigen und menschenleeren Kirchenschiff ist gespenstisch. Ingrid und ich gehen respektvoll auf Abstand. Ich nehme meinen Rucksack ab und knie mich in der hintersten Reihe mit gefalteten Händen hin. Ist Gott in dieser klammen Umgebung nun bei mir? Auch Ingrid hat sich nun niedergekniet, ganz vorne links. Es heißt ja, „wenn zwei oder drei in deinem Namen versammelt sind, dann bin ich mitten unter euch“. Zwei sind wir, aber wo ist Gott? Kann ich ihn hier sehen? Wird er sich hier irgendwie offenbaren? Vorerst bleibt es bei meinem zaghaften zweiten Kirchenbesuch am Jakobsweg und ich bin Gott nicht wirklich böse, dass er nicht Hallo gesagt hat. Vielleicht hat er mich einfach ganz still beobachtet und kommt dann, wenn ich ihn wirklich brauche.

Direkt vor der Basilika grillt ein baskischer Koch fangfrischen Fisch am offenen Feuer vor den Türen seines Restaurants. Der stolze Preis würde jedoch den selbst auferlegten Rahmen meines Pilgerdaseins sprengen. Und so bleibt es beim Zusehen ohne Antasten, beim Reden und beim Riechen. Mehr ist nicht drin. Für Ingrid und mich gibt es wenig später ein Stück feucht gewordenes Weißbrot mit Salami. Das allerdings passt jetzt zum Pilgerdasein und schmeckt einfach fantastisch.

Das Wechselwetter setzt sich noch fort bis nach Zumaia. Schon von weitem bäumt sich eine schlicht überwältigende Klippenkulisse vor mir auf. So stelle ich mir wieder Cornwall vor, dass ich leider nur aus Rosamunde-Pilcher-Filmen kenne und zu denen ich mich soeben geoutet habe.

Ein landschaftlicher Höhepunkt ist das, was nun vor mir liegt. Leider im wahrsten Sinne des Wortes „Höhe“. Ganz da oben auf den Hügeln muss die Herberge Santa Klara liegen. Der Name gefällt mir.

Was mache ich eigentlich hier? Bin ich wirklich weg von zu Hause? Habe ich nun alles hinter mir gelassen? Ich weiß es nicht mehr. Mit jedem Schritt werde ich müder und verliere den Bezug zu allem, was mich bisher umgeben hat. Nicht dass ich meine Reise schon jetzt in Frage stellen würde. Aber beim Hinterhergehen überfällt mich nun eine richtig schwermütige Stimmung. Es geht nun nicht mehr darum, irgendwelche Briefe in der Arbeit zu schreiben und deren Folgen zu bedenken. Es geht irgendwie um Nichts. Ich gehe einfach vor mich hin.

Schritt für Schritt fallen mir Wörter ein wie „alleine, unwichtig, unbeholfen, sinnlos, klein und winzig“.

Trotzdem ist da etwas in mir, was mich antreibt. Auch wenn es den Sinn noch gar nicht erkennt. Vielleicht braucht dieser innere Antrieb auch gar keinen Sinn. Er funktioniert einfach!

Oh Gott, wie weit ist es noch? Im Reiseführer, den ich im Gehen aufblättere, ist ein sommerliches Strandfoto von dieser Gegend abgebildet. Doch mir ist kalt. Alles ist grau in grau. Endlich sehe ich hinter einer Kurve Zumaia. Und nein, bis dahin ist es noch eine Ewigkeit.

Entmutigt stapfe ich dann im Schlepptau von Ingrid doch noch in Zumaia ein. Ohne Rast und ohne einen Blick für das Schöne ziehen wir durch Zumaia hindurch. Zur Herberge ist es noch eine kleine Bergtour.

Jetzt, wo ich so müde und so erschöpft bin, sind Zweihundert Höhenmeter eine echte Hürde. Ich kämpfe bereits mit ersten Anzeichen von Krämpfen. Jede Steinmauer und jeden Zaunpfahl nutze ich wie ein alter Mann, um mich aufzustützen. Ingrid ist längst mit ihren großen Schritten dahin. Trotzdem:

Der Gipfel kommt näher.

Und nun ist mein Hirn nun so leer, dass ich wie ein Automat dahin wanke. Nicht elegant, nicht ergonomisch. Sondern bemitleidenswert.

Hätte mich nicht ein Einheimischer darauf Aufmerksam gemacht, dass ich an der Herberge schon vorbei gelaufen bin, hätte ich nicht geglaubt, was ich da sehe: Santa Klara liegt direkt vor meinen Augen! Am höchsten Punkt. Ein Punkt, so schön, dass man auch ohne weiteres Schloss Neuschwanstein darauf hätte erbauen können!

Völlig ausgelaugt halte ich mich an einem Zaunpfahl fest und starre benommen auf das, was da vor mir liegt.

Die Wolken haben der Sonne ein paar Löcher frei gemacht, wo sie in sichtbaren Lichtstrahlen einzelne Punkte am Ozean erhellt. So eine eigenartige Mischung aus blauem und gelbem Licht habe ich noch nie erlebt.

Es scheint keine Zwischenfarbe zu geben. All das, was sich gerade vor meinen Augen abspielt, scheint mein Inneres wieder zu spiegeln. Es ist eine seltsame Mischung aus Zerrissenheit und einkehrender Ruhe. Eine Mischung aus „Gelb und Blau“.

Die Häuser unter mir sind klein geworden. Der Blick nach „draußen“ auf das offene Meer ist unruhig aber schier unendlich. Wie im Zeitraffer ziehen die Wolken umher und schaffen jede Sekunde eine neue Atmosphäre. Nichts davon kann ich festhalten. Es ist der Augenblick, den ich gebannt in seinem Lauf verfolge.

Ich lasse den Fotoapparat in meiner Tasche. Das, was ich hier gerade erlebe, werde ich nie im Leben auf einem Foto festhalten oder gar zurückholen können. Er macht mich melancholisch, dieser Augenblick, dem ich mit meinen bisherigen Verhaltensweisen nun überhaupt nicht gewachsen bin. …

Jakobsweg an der Küste: ZUMAIA - DEBA, Foto 2

Regennasser Jakobsweg von Santa Klara (Zumaia) Richting Santiago de Compostela

Oft ist der Jakobsweg ein wunderschöner Feldweg, so wie hier.

 


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Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: ZUMAIA - DEBA, Foto 2

Die wunderschöne Pfarrkirche de Santa María in Deba am Jakobsweg an der Küste

Die Kirche Santa María ist einer der majestätischten in ganz Gipuzkoa. Sie befindet sich im Herzen der historischen Altstadt von Deba, wurde zu einem nationalen Denkmal erklärt und ist eine der Perlen der sogenannten baskischen Gotik. Ihre Dimensionen und reichlichen Verzierungen lassen Sie ohne weiteres mit einer Kathedrale vergleichen. Sie hat einen sog. Grundriss de salon, drei Kirchenschiffe gleicher Höhe, einen farbigen Säulengang feinsetr Ausarbeitung, einen Kreuzgang (einen der ältesten im gesamten Territorium) und einige, an die Strebebogen angebaute Kapellen.” Quelle/ Mehr dazu: https://tourismus.euskadi.eus/de/kulturgut/pfarrkirche-de-santa-maria/aa30-12375/de/

Der Besuch einer Kirche gehört am Jakobsweg für viele dazu. Aber es ist jedem seine eigene Entscheidung, ob und wann er sich dem Glauben öffnet.

Skizze: Fuchsien am Jakobsweg

Aquarell: Eine Fuchsien-Rabatte auf dem Weg nach Deba an einem alten Steinhaus direkt am Jakobsweg

Der Jakobsweg verläuft oft hoch oberhalb der Küste. Hier ein Ausflug an den Strand von Deba.

Am Jakobsweg von Zumaia nach Deba

Am Jakobsweg von Zumaia nach Deba kurz nach dem Regen:. Überquerung einer Landstraße, im Hintergrund verschmilzt der Himmel mit dem Atlantik

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: ZUMAIA - DEBA, Foto 4

Orange, Käse, Brot und Salami: Was braucht man am Jakobsweg, um glücklich zu sein?

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Das Essen am Jabobsweg ist traumhaft. Auch wenn es manchmal “nur” Salami und Weißbrot ist.

4 DEBA – MARKINA-XEMEIN

Camino de la Costa: DEBA – MARKINA-XEMEIN | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 4: DEBA – MARKINA-XEMEIN
Tag 4: 24 km, ca. 950 Höhenmeter, über Mutriko, Olatz. Die schwersten Regenfälle seit 180 Jahren.

Ölgemälde Pilgerin im Regen: Schnelle Skizze am Jakobsweg an der Küste

 

 

Deba 792 – Olatz (Motrico) 784 – Larruskain (Marquina-Jeméin) 778 – Marquina-Jeméin/Markina-Xemein 769

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.
Jakobsweg an der Küste, Camino de la Costa, Banner

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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. Etappe DEBA – MARKINA-XEMEIN

Jeder hier hat seine Geschichte.

Ingrid bemerkt nichts von meinen Tränen und wir stapfen sehr still weiter. Dann bleibt sie stehen. Und sie bittet mich, kurz ihren Pilgerstab zu halten.

Ich zögere. Ihr Pilgerstab ist ihr so heilig, dass ihn bisher sicher noch nie irgendjemand berühren durfte. Als ich ihn ganz behutsam in die Hand nehme, fallen mir viele merkwürdige Sachen wieder ein. Wie sie mit ihrem Stock gesprochen hat. Wie sie ihn überall in Reichweite ganz liebevoll postiert hat. Wie sie sich an ihm festgehalten hat.

Ingrid holt ein Stück Wurst und eine Scheibe Brot heraus, bricht es und teilt es mit mir. Am liebsten würde ich davon laufen. Ich bin einfach noch nicht so weit.

Da ist immer noch, trotz all dem Regen, eine Fassade um mich herum. Ingrid zu Umarmen traue ich mich nicht. Lieber pflücke ich ihr ein paar nasse Huflattichblätter vom Wegesrand zum dazu essen. Aber in erster Linie kann ich damit ein bisschen von meinen Gefühlen ablenken und wieder Bear Grylls spielen.

Ich wäre auch gerne soweit wie Ingrid. Aber ich habe auch Angst vor diesem einen Augenblick, an dem meine Mauer fallen wird. Wird dieser Augenblick bei mir kommen? Und was wird dann sein?

Genau aus diesem Grund bin ich vielleicht hier am Jakobsweg. Aber will ich Gott wirklich schon begegnen?

Blumen und Regen am Jakobsweg.

Blumen und Regen am Jakobsweg. Was immer Du suchst, könntest Du irgendwann hier finden! Christian Seebauer ist Künstler und Webdesigner und gestaltet, was er sieht und fühlt.

Bin ich schon soweit?

Die kleine Brotzeit wird Gott sei Dank nicht zum letzten Abendmahl, sondern gestaltet sich dann recht schnell als äußerst heitere Pause. Mittendrin im nirgendwo.

Und so ist es ganz gut, dass ich die Stunde der Wahrheit erst einmal in weite Ferne verschieben kann. Lieber setze ich mich hier zur Ablenkung intensiv mit meiner Umgebung auseinander.

„Ich muss nämlich mal schnell“. Das ist heute echt ein kleines Problem. Meine Hände sind tatsächlich so eisig und blau angelaufen, dass ich „ihn“ nicht mehr richtig anfassen kann. „Er“ wiederum hat sich soweit zurückgezogen, dass es nicht einfacher wird. Kurzum, es endet wie es enden musste: Auf meinen Oberschenkeln. Wie zu vernehmen war, ist es Ingrid wohl nicht viel besser gegangen.

Irgendwo hier durchschreiten wir gerade die Provinzgrenze zwischen Gipuzkoa und der Biskaya. Das einzige, was jetzt im Reiseführer noch beschrieben ist, ist ein gewisser Bauernhof Arnoate.

Und er, wenn er es denn ist, ist wirklich schön. Ein uraltes Steingemäuer und viele Blumen, die schon nach wenigen Schritten wieder hinter der Regenwand verschwinden. Aber ein Eindruck, der bleibt.

Ich bin schon gespannt, auf das, was mich heute Abend erwarten wird:

Eine Nacht im Kloster / Skizze vom Jakobsweg

Eine Nacht im Kloster: Du kannst Dir diese Skizze ansehen und Deinen eigenen Traum träumen, denn es wird DEIN eigener Weg! / Skizze vom Kloster am Jakobsweg mit Preussischblau und Krapplack, Christian Seebauer

Meine erste Nacht im Kloster

„Convento de los Padres Carmelitas“. Das hört sich vielversprechend an!

Nass und überglücklich stehen wir schließlich vor dem majestätischen Klostergebäude. Wir klopfen an die wuchtige Holztür. Ein Klosterdiener, der Doméstico, öffnet uns betulich die schwere Pforte. Er scheint das Wort Stress nicht zu kennen. Als erstes sieht er uns beiden in die Augen. Ungewöhnlich lange, wie ich finde. Und er verzieht dabei keine Miene.

Erst Sekunden später lächelt er und bittet uns höflich herein. Wie von selbst trete ich langsamen Schrittes ein. Durch das Portal hindurch erreichen wir unter seiner gastfreundschaftlichen Führung den Klostergang mit Blick auf den anmutigen Innengarten. Freilich müssen wir uns zuvor unsere Schuhe ausziehen. Es steht sogar Zeitungspapier zum Ausstopfen bereit, was ich aber für meine Sandalen witzigerweise nicht brauchte. Auch der Doméstico muss grinsen, als er meine Schuhe sieht. Er sagt lächelnd „Opus Dei“, das Werk Gottes!

Nun, so sehen meine Schuhe zwar nicht aus, aber ich lasse es mal so stehen.

Geruhsam folgen wir dem Doméstico in das Schlafgemach für Pilger. Groß, geräumig und sauber. Es gibt auch richtig tolle Duschräume für Pilger. Alles neu hergerichtet und einwandfrei. Ich bin gerade der einzige männliche Pilger im Duschraum. Warmes Wasser. Herrlich!

Unter der Dusche höre ich eine Pilgerin singen, die sich sicher gerade allein glaubt. Die Räume sind nicht vollkommen abgetrennt.

Auch sie hat es bis hierher geschafft und ist fröhlich, wie ich höre!

Nachdem ich kein Handtuch am Jakobsweg habe, warte ich wieder geduldig darauf, dass ich trocken werde. Die singende Pilgerin ist echt große Klasse und viel besser als das, was man oft so von DSDS her kennt. Wer sie gewesen ist, habe ich jedoch nicht heraus gefunden.

Im Klostergang hat der Doméstico zwei Wäscheständer aufgestellt, an denen ich meine nassen Klamotten aufhänge. Wäscheklammern habe ich zu Hause vergessen.

Im Schlafsaal kann ich mir mein Bett noch aussuchen. Es ist Platz für etwa dreißig Pilger. So viele werden es heute ganz sicher nicht.

Danach lädt uns der Doméstico zu einer Tasse heißen Tee ein. Ein paar Pilger kommen noch an. Aber viele sind es nicht.

Mein erstes Pilgermenü

Ingrid und ich brechen um Sechs noch einmal auf. Der Doméstico hat uns ein kleines Speiselokal empfohlen, welches ein hervorragendes Pilgermenü haben soll. Was es mit dem Pilgermenü auf sich hat, habe ich bisher noch nicht selbst erfahren. Ich weiß lediglich, dass man hier und da als Pilger sehr preiswert essen kann.

Es geht aber um etwas ganz anderes. Um Gastgeber, die mich so annehmen, wie ich bin. Und ich bin wahrlich nicht gut gekleidet. Trotz Dusche sind die Klamotten muffig und zerknittert. Nie im Leben würde ich so zu Hause irgendwo hingehen, sonst würden sie mir noch einen alten Hähnchenknochen nachwerfen.

Aber hier habe ich nichts bei mir, womit ich den Gastleuten wenigstens ein Mindestmaß an Respekt zollen kann. Außer mich selbst und ein bedachtsames Verhalten. Ein sehr ungewohntes und ungutes Gefühl.

Weil es kalt ist, habe ich zwei kurze Hosen an. Darüber noch die feuchte Regenhose, die ich schon unter Tags anhatte. Obenherum zwei T-Shirt übereinander und dem Anschein wegen ein kurzärmeliges hellblau gestreiftes Baumwollhemd. Darüber: Poncho.

So mache ich mich mit Ingrid also auf zum Restaurant.

Beim Öffnen der Türe fühle ich mich sehr unwohl. Das Restaurant ist edel, urgemütlich und ich weiß nicht, ob das als Pilger wirklich so geht. Einfach hinsetzen so wie in Deutschland geht auch nicht. Verschämt stehe ich in der Tür, Ingrid hinter mir. Noch mehr schäme ich mich, als durch die offene Tür ein Windstoß fährt und gleich einen mit weißen Tischdecken vorbereiteten Tisch abdeckt. Wie sagen? Wohin mit dem nassen Zeug? Nur mein Hunger hält mich davon ab, jetzt das Weite zu suchen. Ingrid ist da schon unbefangener. Als die Kellnerin, nein – es ist ganz sicher die Besitzerin kommt, fällt mir Gott sei Dank „ona arratsaldean“

ein. Erinnert mich an „wa alaikum salām“ und bedeutet auf Baskisch „Guten Abend“.

Ob ich es richtig ausgesprochen habe, weiß ich nicht, aber sie lächelt mich sehr freundlich an.

Jedenfalls hat sie nicht das geringste Problem mit unserem Pilgeroutfit. Ausgesprochen herzlich begleitet sie uns zu einem der wirklich schönen Tische des Restaurants.

Es ist ein Restaurant der Gattung, in dem man sonst die Kreditkarte im Lederumschlag zur noblen Begleichung der Rechnung abgibt. Und trotzdem nimmt sie uns so wie wir sind.

Das geht mir unter die Haut.

Vornehm zieht sie mir den Stuhl ein wenig zur Seite. Ich hätte das bei Ingrid auch gerne getan, doch sie nimmt die lederne Bank an der Wandseite.

Gedeckt sind drei Hauptbestecke. Zur Wahl stehen Rotwein- oder Weißweingläser, ein Fisch- und ein Fleischmesser und für die Nachspeise ein Silberlöffel oder eine Silbergabel.

Vornehm fragt mich die Chefin, welchen Wein wir gerne hätten und zündet die weinrote Kerze am Tisch an. Jeder von uns könne aber auch eine eigene Flasche haben. Ingrid entscheidet sich für Rotwein. Der wird aber nicht einfach nur gebracht, er wird vor unseren Augen geköpft und ich darf am Korken riechen. Es ist ein richtig guter Tropfen Rioja!

Die Weißweingläser werden dezent abgetragen.

Kurz danach kommt sie, und bringt uns ein Amuse-Gueule, einen Gruß aus der Küche. Selbst gebackenes Brot mit Schmalz und Paprika.

Die Zeit vergeht gemächlich. Ich genieße jede Sekunde.

Während sechs weitere Pilger eintreten, wird uns die Vorspeise serviert: Hausgemachte Fischsuppe vom Allerfeinsten. Dazu frisches Weißbrot. Lächelnd steht die Chefin nun bei mir und meint: Der Weißwein wäre auch nicht schlecht gewesen. In der Hand hält sie ein kleines Gläschen zum Probieren, dass sie mir einfach vor die Nase stellt.

Nach dem ersten Gang gibt es wahlweise Fisch oder Fleisch. Die Chefin erzählt lebhaft, um was es sich jeweils handelt, aber leider verstehe ich nicht mehr als „Fisch oder Fleisch“.

Beide entscheiden wir uns für den Fisch. Aber das Fleisch am Nachbartisch sieht sehr lecker aus. Die Beilagen gibt es in mehreren Schüsseln, die über alle Tische verteilt werden.

Bei der Nachspeise dürfen wir schon wieder wählen. Mir gefällt „Vanilla esnea“ – auf Spanisch „pudín de vainilla“ und das versteht wirklich jeder!

Und dann kommt die Rechnung für Ingrid und für mich: Zusammen 12 Euro! Nachdem für die Chefin völlig klar ist, dass ich bezahle, mache ich das auch. Gerne!

Der Wein beschert mir abermals eine sehr entspannte Nachtruhe. Ich denke aber noch lange nach. Mit meiner Stirnlampe leuchte ich gerade auf den Reisführer, der vor mir auf dem Kopfkissen liegt. Und ich höre einen Pilger leise das Vaterunser auf Spanisch murmeln, während ein paar andere Pilger schon vor sich hin schnarchen:

Padre Nuestro que estás en los cielos

santificado sea tu nombre

venga a nosotros tu reino

hágase tu voluntad

así en la tierra como en el cielo

el pan nuestro de cada día dánosle hoy

y perdónanos nuestras ofensas

así como nosotros perdonamos a quienes nos ofenden

no nos dejes caer en tentación

y líbranos del mal

por que tuyo es el reino

el poder y la gloria

por los siglos de los siglos

amén.

In das Amen stimme ich im Stillen mit ein, mache meine Stirnlampe aus und finde für diese Nacht in den Gemäuern des Klosters meinen Frieden.

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: DEBA - MARKINA-XEMEIN, Foto 2

Pilgerin Ingrid läuft im Regen hinab ins Dorf/ Jakobsweg/ Skizze

Aufbruch von der Pilgerherberge in Deba.

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

 

 

Pilger vor dem Regen am Jakobsweg

Jakobsweg-Pilgerin Ingrid vor dem großen Regen am Jakobsweg/ Skizze

Nasse Schuhe? Kein Problem!

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

 

Wald, Nebel, Regen: Jakobsweg an der Küste

Wald, Nebel, Regen: Jakobsweg an der Küste/ Skizze

Auch Regen gehört zum Jakobsweg. Und er macht ihn umso schöner.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: DEBA - MARKINA-XEMEIN, Foto 4

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Regen hat mir am Jakobsweg nichts ausgemacht. Er reinigt die Seele.

Was mir am Herzen lag:

Tag 4: 24 km, ca. 950 Höhenmeter, über Mutriko, Olatz. Die schwersten Regenfälle seit 180 Jahren.

Die Wettergefahren-Fruehwarnung.de schrieb am 17 Juni 2010 über das Tief Eliane: „Nur wenige Tage nachdem starke Regenfälle in Spanien zwei Menschen das Leben gekostet haben, kamen in Folge der schwersten Regenfälle seit mehr als 180 Jahren in Südfrankreich mindestens 25 Menschen ums Leben. Innerhalb von nur 24 Stunden fielen bis zu 350 mm Niederschlag… in Asturias 169 mm und weiter östlich in Gijón 140 mm…“ [6]

Ja, mit Eliane bin ich mitten drin!

Grenzerfahrung mit Eliane

In mein Tagebuch habe ich später geschrieben:

„Grenzerfahrung, Atlantiktief, strömender Regen extrem, wahnsinnig kalt, Sturm, Bergpfade steil und reißende Wildbäche. Gehe im Schlamm, knöcheltief Wasser, Passagen mit knietiefem Schlick. Alles nass, Hände dicke Klumpen, höllisch aufgeschwollen, blau, steif.“

Doch erst einmal muss es heute losgehen. Und meine Stimmung ist gar nicht so schlecht. Vielleicht liegt das auch ein wenig daran, dass ich mich vor lauter Schadenfreude fast verbiege, weil die beiden Neuseeländer heute so hilflos aussehen. Trotzdem schnorren sie sich schon wieder ein Frühstück zusammen. Am Geld scheint das allerdings nicht zu liegen, wenn man sich die teure Ausrüstung mal so ansieht.

Ingrid behält damit Recht, dass heute fast alle Pilger desillusioniert abbrechen oder zumindest mit der Eisenbahn weiter ziehen. Auch Bill.

Nur noch eine Hand voll Pilger entscheidet sich heute für diese Etappe. Darunter Jean-Louis, ein weißbärtiger Franzose, der von sich selbst sagt, er sieht mittlerweile aus wie „Père Noël“ – der Weihnachtsmann.

Unmittelbar vor der Herbergstüre ist der steile Asphaltweg überflutet und eine braune Brühe rauscht zu Tale.

Die guten Mächte sind stärker

Ich selbst finde langsam Gefallen an der Extremsituation. Bei mir setzt genau die gegenteilige Wirkung ein, als bei den anderen. Endlich ist eine natürliche Gewalt stark genug, um mir auch noch meine letzten störenden Gedanken aus den Hirnwindungen zu prügeln!

Meine „Regenwolke“ hat dem nichts mehr entgegen zu setzen. Sie scheint sich zu denken: Wenn der jetzt zum Wandern geht, dann sind diese Mächte stärker als ich. Kleinlaut gibt sie hier ihren Widerstand auf. Für immer?

Auch Ingrid scheint die Veränderung, die bei mir gerade vonstattengeht, zu gefallen. Die an die Herbergstüre unter das kleine Vordach gedrängten Pilger können nicht recht glauben, dass wir uns mit einem lauten „Juhu“ in das Unwetter stürzen.

Heute bin ich nicht Bear Grylls. Heute bin ich ICH!

Der Regen ist mein Freund. Es hätte ja auch furchtbar schwül und heiß sein können. Besser so. Ingrid und ich pfeifen die Warnungen des amerikanischen Reiseführers in den Wind und lassen Deba-Deba-Du singend hinter uns.

Glory Holes

Meine Sandalen, in denen ich der Rutschfestigkeit wegen Sportsocken und Leukoplast trage, sind jetzt der ultimative Survival-Pack! So wie das Wasser kommt, sprudelt es auch gut hörbar sofort wieder hinaus. Ich kann also stets die direkte Linie nehmen. Ohne Rücksicht auf herabfließende Sturzbäche und „Glory Holes“.

So hat Bill die Schlammlöcher genannt. Bei den alten amerikanischen Goldschürfen sind mit „Glory Holes“ die tiefen schlammigen Becken unterhalb eines Wasserfalls gemeint, in denen sich das Gold über Jahrhunderte ansammeln konnte. Gold ist 18-mal so schwer wie Wasser.

So gesehen sind meine Füße auch Gold. Denn ganz sicher sind sie heute 18-mal so schwer wie Wasser!

Jedes Schlammloch – sorry, „Glory Hole“ – erheitert mich aufs Neue. Auch wenn ich hier kein Gold finden werde. Ich bin gerade dabei, mich selbst zu finden. Viel besser!

Mein eigener Reiseführer verspricht für diese sehr gebirgige Etappe viele sensationelle Aussichtspunkte. Ingrid und ich zeigen jedes Mal in den Regenvorhang hinein und sagen laut „und hier, meine Damen und Herren sehen sie…“

Natürlich sehen wir nichts. Aber so unmittelbar eins bin ich mit dem nassen Element auch noch nie gewesen. Sieht man einmal von den ersten neun Monaten meines Lebens ab! Wenn man das Nass sein erst einmal akzeptiert hat, macht es auch Spaß. Und mit dem Tempo können wir heute sogar wunderbar unsere Innentemperatur steuern. Nur stehen bleiben geht nicht. Wir würden in unseren durchnässten Klamotten sofort die garstige Außentemperatur von 4° Celsius zu spüren bekommen.

Trotz all dem Regen bleibt die Natur nicht unbemerkt. Dichte Mischwälder, mitten in Spanien. Kleine Trampelpfade, wie in den Alpen. Und Blumen über Blumen, die selbst im dichtesten Grau noch in den allerschönsten Farben leuchten. Bergauf, bergab geht es heute mit einem starken Antrieb dahin.

Nichts hätte schöner sein können, als auf dem durchnässten, samtweichen Untergrund zu gehen.

Ein Schritt bequemer, als der andere.

Hier kann man keine Knieschmerzen bekommen.

In meinem Tagebuch steht: „Kein bewohntes Gebiet. Wenn ich bei diesen Temperaturen allein wäre und irgendwo abrutschen würde, dann wäre das der sichere Tod durch Unterkühlung. Finden würde mich hier so schnell keiner…“

Allerdings denke ich nicht im Geringsten an eine Gefahr. Meine Welt besteht augenblicklich aus Ingrid und mir, eingehüllt in eine graue, undurchsichtige Regenwand, aus purer Lebensfreude.

Heute fallen mir ganz andere Worte ein, als gestern: „großartig, spüren, erleben, durchatmen, Kraft“.

Die Umgebung wird kleiner, das Bewusstseinsfeld dafür umso größer. Und das ist eine sehr ermutigende Beobachtung. Ich kann nun das erste Mal ein wenig in mich gehen. Die Mischung aus einer von Reizen reduzierten Welt und einem euphorischen Erschöpfungszustand ist eine einzigartige Grenzerfahrung für mich. Zwar bin ich aus den Bergen meiner Heimat schon einiges gewohnt. Auch bei der Bundeswehr war ich in einer 12 köpfigen Gebirgseinheit, die bei jedem Wind und Wetter in den Bergen unterwegs war. Tränen und Erschöpfung kenne ich. Aber diese Euphorie und die Heiterkeit, die sich nun einstellen sind mir in der geballten Ladung so schon lange nicht mehr unter gekommen.

Im Normalfall besteht die Welt eher aus Reizüberflutung und seelischer Leere. Jetzt ist es genau umgekehrt.

Ich bin Gott dankbar

Ich bin Gott wirklich dankbar für diese herrliche Erfahrung der inneren „Reinigung“ und ich hoffe, dass es noch weitergeht mit solchen Erfahrungen am Jakobsweg. Noch weiter an die eigenen Grenzen. „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“.

Ja, ich bin gerade wieder dabei, ganz bewusst über das Vaterunser nachzudenken. Wie im Himmel, so in meiner Seele: Das würde ich mir wünschen.

Auch Ingrid scheint das große Reinemachen aus dem Himmel heute gut zu tun. Auch sie ist völlig ausgebrannt gewesen, bevor sie den Jakobsweg begonnen hat. Bis zur letzten Minute hat sie ihre alte Mutter gepflegt und sich selbst dabei aufgeopfert. Sie hat vom Jakobsweg geträumt, aber sich all die Zeit selbst verloren. Sie hat sich immer gesagt: Wenn es so weit ist, dann lieber Gott, dann gehe ich los.

Ingrid ist mir schon zwei Millionen Schritte voraus, ich höre ihr einfach zu. Jetzt im Regen scheint plötzlich ihre Mauer in sich zusammen gefallen zu sein. Sie erzählt nicht vom Beruf oder vom Jakobsweg. Sie erzählt von sich selbst. Und ich habe fast das Gefühl, sie erzählt es auch zum ersten Mal sich selbst.

5 MARKINA-XEMEIN – GERNIKA

Camino de la Costa: MARKINA-XEMEIN – GERNIKA | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 5: MARKINA-XEMEIN – GERNIKA
Tag 5: 25 km, ca. 900 Höhenmeter, über Bolibar, Cenaruzza, Aldaka.

Gemälde Jakobsweg an der Küste, der Camino de la Costa im Regen

Gemälde Jakobsweg an der Küste, der Camino de la Costa im Regen

Marquina-Jeméin/Markina-Xemein 769 – Cenarruza 763 – Arbácegui y Guerricáiz/Arbatzegi-Gerrikaitz 757 – Arrazua/Arratzu 749 – Guernica y Luno/Gernika-Lumo 743

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeMARKINA-XEMEIN – GERNIKA

‘Cenarruzza, ein christliches Bollwerk

Über den Regen möchte ich nicht mehr viel sprechen. Er ist zu meinem ständigen Begleiter geworden und macht mir nichts mehr aus. Mittlerweile steigt das Thermometer auf angenehme 12 Grad.

Landschaftlich hat sich der Camino bereits gestern noch vom Meer abgewandt. Und heute führt er weiter durch das bergige Landesinnere.

Am Ortsausgang treffen wir einen Gemeindearbeiter, der gerade dabei ist, Mülltonnen aus zu leeren. Er schenkt mir einen riesigen grauen Müllsack. Wer weiß, für was ich den noch brauchen kann?

Am frühen Morgen begleitet uns ein kleiner Bach, der in den letzten Tagen extrem angeschwollen ist. Da wo sonst sicher ein schöner Pfad ist, wate ich durch Morast. Überall sind die Schäden der Überschwemmung zu sehen.

Nach eineinhalb Stunden habe ich mich warm gelaufen. Es geht durch einen wunderschönen kleinen Wald hinauf zum Kloster Cenaruzza.

Gemälde Jakobsweg an der Küste mit Jakobswegmuschel und Kirche, (c) Christian Seebauer

Collage Jakobsweg an der Küste mit Jakobswegmuschel und Kirchengebäude, (c) Christian Seebauer

Cenarruzza, ein christliches Bollwerk

Das Kloster ist ein christliches Bollwerk in der dieser damals noch nicht christianisierten Region. Deshalb erinnert es eher an eine uneinnehmbare mittelalterliche Festung. Nach dem ich schon eine Weile allein wandere, finde ich hier einen ganz besonderen Ort der Stille. Niemand außer mir ist hier. Lediglich ein Mönch huscht im hinteren Kirchenschiff vorbei. Die Ruhe in der Klosterkapelle tut gut.

Heute habe ich keine Lust dazu, mir die geschichtlichen und kulturellen Hintergründe des Klosters durchzulesen. Ich möchte einfach die Eindrücke auf mich wirken lassen.

Wie in den vergangen Tagen sitze ich fast ganz hinten. Immerhin: Ein paar Sitzreihen habe ich mich schon vorgewagt und so sitze ich jetzt vielleicht etwas näher bei Gott?

Weil ich nass bin, beginne ich zu frieren. Nun kommt auch Ingrid an. Sie nimmt vornehm am anderen Ende Platz. Sie will mich sicher bei meiner kleinen Andacht nicht stören. Man muss gar nicht super religiös sein, um hier in den Gemäuern so etwas wie innere Ruhe, Gelassenheit und Dankbarkeit zu empfinden.

Ich beginne, ein wenig zu zittern. Es ist eisig und unwirtlich hier. Ich überlege mir, welche Wünsche ich hätte, wenn ich mit Gott sprechen könnte. Und es fällt mir keiner ein. Also kann Gott noch damit warten, sich mir zu offenbaren. Was also treibt mich an? Was ist es, was ich finden möchte, wenn ich keinen einzigen Wunsch habe? Ich spüre, dass ich hier bin und ich spüre, dass jeder Gedanke an die Vergangenheit irgendwie schmerzt. Dem Hier und Jetzt ordne ich die Kälte zu. Aber auch meine Kinder und meine Frau fallen mir zum Hier und Jetzt ein. Zur Zukunft fällt mir ad hoc gar nichts ein, außer der schweren Holzpforte, durch die ich die Kirche wieder verlassen werde.

Doch zuvor nehme ich etwas von dem Weihwasser aus dem Weihbecken und wische es mir mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn. Dieses Becken – hier ich bin immer achtlos daran vorbei gegangen.

Frei von Dämonen

In der katholischen Kirche ist das Weihwasser die Erinnerung an die Taufe. Man sagt, dass es aber auch schon viel früher diesen Ritus gegeben haben soll, um sich zu Reinigen und von Dämonen zu befreien [7].

Ich sattle meinen Rucksack erst außerhalb der Kapelle. Ingrid überlegt, ob sie den Tag und die Nacht hier im Kloster bleiben möchte. Ich jedenfalls will weiter gehen. Es ist noch viel zu früh, viel zu kalt und ich habe ja auch erst wenige Kilometer hinter mir.

Also gehe ich. Ingrid kommt mit.

Die Etappe nach Gernika hat heute einige Höhenmeter für uns parat. Dafür sind die Temperaturen angenehm und die Pfade im grünen Dickicht. Keinen einzigen Pilger sehe ich hier. Es ist ein stiller Weg. Ein Weg der inneren Einkehr.

Immer mehr verbindet mich mit Ingrid eine tiefe Freundschaft.

Jakobsweg Wegweiser am Camino de la Costa, Gemälde, Christian Seebauer

Jakobsweg Wegweiser am Camino de la Costa, Gemälde, Christian Seebauer/ Skizze Aquarell

Man muss den Jakobsweg wohl allein gehen, um nicht allein zu sein!

Was hier vordergründig widersprüchlich erscheint, ist meine nächste Lektion. Manch einer mag Angst vor dem Alleinsein haben. Doch wer allein ist, der findet hier schnell Anschluss, wenn er denn will. Und das ist das Schöne daran: Man kann es sich immer aussuchen! Wenn es zu viel wird, wünscht man sich eben einen „bon Camino“. Oder man wird langsamer. Oder man schüttelt den Begleiter einfach ab.

Der Camino ist der eigene Weg. Ohne anstrengende Rücksichtnahme, ohne Show und ohne ein krampfhaftes Festhalten. Was sich sucht, das findet sich.

Der Jakobsweg beginnt zu fließen. Immer weiter, immer intensiver. Mit fallen neue Wörter für meinen Weg ein, wie „dahintreiben, plätschern, wohlbehalten, befreit und annehmen“.

Viele gelbe Pfeile lassen wir hinter uns. An einer kleinen Santiago-Kapelle halten wir kurz inne, doch dann möchte ich weiter.

Unter dem Vordach eines Holzschuppens machen Ingrid und ich eine kleine Brotzeit. Klein? Aber Hallo! Zwei Tage altes Weißbrot (esse ich lieber als frisches). Dazu eine erstklassige Salami aus dem Baskenland. Feurig scharf! Zorrotzak! Kekse von Ingrid. Der Wallnussbaum neben dem Schuppen, unter dessen Vordach wir uns ausgebreitet haben, versorgt uns mit ganz jungen Wallnussblättern. Zwei davon lege ich zwischen Brot und Salami. Frische Wallnussblätter passen prima zum Aroma der Hartwurst und geben eine herb würzige Mischung. Ein echtes Erlebnis für den Gaumen.

Die Kommunion ist unsere Brotzeit

In unsere Wasserflaschen gebe ich ein paar Blütenteile Scharfgarbe, Holunderblüte, frische Minzblätter, blaue Gundelrebe und Süßdolde, die ein wenig an Anis erinnert. Gut durchgeschüttelt. Fertig. Einfach fantastisch, was die Natur direkt vor den eigenen Füßen zu bieten hat. Man muss einfach nur hinsehen, um ständig etwas Neues zu entdecken! Natürlich erinnert mich Ingrid sofort wieder an den giftigen, gefleckten Schierling. Die Süßdolde sieht ihm zum Verwechseln ähnlich. Angst habe ich dieses Mal nicht, denn der Schierling stinkt und duftet nicht nach Anis. Und ein wenig kenne ich mich schon aus.

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: MARKINA-XEMEIN - GERNIKA, Foto 2

Ingrid am Jakobsweg im Regen, vor einer Blumenrabatte am Steinhaus/ Skizze Christian Seebauer

Blumen und Kräuter sind Deine festen Begleiter am Jakobsweg!

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: MARKINA-XEMEIN - GERNIKA, Foto 2

Flut und Regen am Jakobsweg

Hochwasser und Regen am Jakobsweg

Hochwasser und Regen am Jakobsweg

Regen am Jakobsweg ist ein Segen. Er macht Dir klar, welche Mächte stärker sind, als Angst, Stress und Burnout.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: MARKINA-XEMEIN - GERNIKA, Foto 3

Pilgerin Ingrid im Dauerregen im dichten Gestrüpp am Jakobsweg

Jakobsweg ist immer wieder Wald, Wiese und herrliche Natur.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: MARKINA-XEMEIN - GERNIKA, Foto 4

Kiurze Überquerung der Landstraße am Jakobsweg. Wegweise nach Munitibar, Mendata und Markina-Xemein

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Hier steht der Pilger urplötzlich in der Zivilistation. Aber nur kurz.

6 GERNIKA – BILBAO

Camino de la Costa: GERNIKA – BILBAO | Jakobsweg, Küstenweg

Jakobsweg an der Küste:GERNIKA - BILBAO, Foto 1
Jakobsweg an der Küste:GERNIKA - BILBAO, Foto 2
Jakobsweg an der Küste: GERNIKA - BILBAO, Foto 3
Jakobsweg an der Küste: GERNIKA - BILBAO, Foto 4

Etappe 6: GERNIKA – BILBAO
Tag 6: 40 km, ca. 1.000 Höhenmeter, über die Anhöhe von Morga, Lezama, Zamudio.

 

Guernica y Luno/Gernika-Lumo 743 – Morga 729 – Larrabezúa/Larrabetzu 719 – Lezama 715 – Bilbao 706 – Castrejana (Bilbao) 699

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null.
Gernika ist elementarer Bestandteil und für Pilger wichtige Station des Jakobswegs an der Küste/ Camino de la Costa – des ältestens erwähnten Jakobswegs. Allein schon auf Grund der Bedeuting des Jakobsweges sollte die Geschichte Gernikas also nicht nur auf das letzte Jahrhundert reduziert werden.

 

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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeGERNIKA – BILBAO

Über die Anhöhe von Morga, Lezama, Zamudio.

Ein harter und betrüblicher Tag bricht an. Mit Ingrid geht es gemeinsam auf dem nassen Boden weiter in Richtung Lezama.

Und ich weiß: Mit jedem Schritt, den ich ihr nachgegangen bin, ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Seit Tagen folge ich ihren Spuren. Ich höre ihr zu und lache viel. Ganz nebenbei habe ich von ihr alles gelernt, was man über den Jakobsweg als Pilger wissen muss. All die Tage habe ich versucht, an ihr dran zu bleiben. Heute sind die Schritte von Ingrid höllisch.

Besonders die letzten Kilometer bergab auf der trostlosen nassen Teerstraße. Ingrid meint: Sechs bis sieben Kilometer in der Stunde werden’s schon sein und legt noch einmal zu. Doch irgendwie ist sie heute total zugeknöpft.

Sie ist schweigsam und in sich versunken. Obwohl sie immer schneller und schneller geht, meint sie wortkarg: „Ich werde die nächsten Tage langsamer machen“. Die Betonung des kurzen Satzes liegt auf „ich“. Dann schweigt sie.

In Lezama kommen wir schon um 14 Uhr an. Wir stehen vor den verschlossenen Türen der Herberge. Betretenes warten. Ingrid redet davon, dass sie um viele Tage zu früh ankommen würde in Santiago. Sie hat einen festen Plan. Ihren eigenen. Sie spricht vom Guggenheim-Museum, welches sie sich dieses Mal unbedingt ansehen will. Und sie spricht von ein paar ruhigen Tagen, allein.

Ich laufe hinein in das Städtchen und besorge uns ein wenig Brotzeit, sowie zwei Dosenbier. Ja, Ingrid hat mich gebeten, ihr ein Dosenbier mitzunehmen! Aber auch das ändert nichts an der betretenen Stimmung.

 

Abschied nehmen

Ich bringe keinen Bissen herunter, und ich spüre, dass die Zeit gekommen ist, wo wir wieder getrennte Wege gehen müssen. Warum nur?

Ich will Ingrid weder zur Last fallen, noch möchte ich sie anstacheln. Also lasse ich sie vor sich hin sinnieren. Immer wieder muss ich wegsehen, wenn ich zu ihr hinschauen will. Ich starre in den Boden.

Ingrid will dann telefonieren. Aber mein Handy lehnt sie ab. Ganz langsam, mit gesenktem Kopf geht sie los, um eine Telefonzelle zu suchen.

Während ich vor mich hingrübele, kommen drei Spanier im mittleren Alter, zwei Männer und eine Frau. Zwei von Ihnen habe ich schon einmal im alten Schulgebäude in Deba gesehen. Sie setzen sich zu mir, sind laut und übertrieben lustig. Das mag ich gerade überhaupt nicht.

Ich packe meinen feuchten Plastikstuhl und setze mich wortlos an das andere Eck des Vorgartens. Ingrid kommt zurück und es verschnürt mir die Kehle. Ich oder sie? Schon auf die Ferne scheinen wir beide das Gleiche zu empfinden. Wir wollten zusammen bleiben und doch ziehen. Allein.

Als Sie vor mir steht, habe ich sie einfach nur umarmt.

Ganz fest und innig. Keiner von uns bringt ein Wort heraus. Beide kämpfen wir gegen die Tränen an.

Liebevoll streicht Ingrid mir durch die Haare und flüstert mir ganz leise in mein Ohr:

Bon Camino, bon Camino, bon Camino!

Ich greife zu meinem Rucksack, alles andere lasse ich am Tisch stehen. Alles zieht sich in mir zusammen. Wortlos gehe ich. Ich werde noch eine weitere Etappe nach Bilbao machen. Weg von hier! Weg, bevor sie meine Tränen sieht und weg, bevor ich ihre sehe.

Eine kleine aber brachiale Bergtour liegt zwischen hier und Bilbao. Ich vermisse sie. Ich vermisse sie furchtbar. Öde Schritte nach oben. Heute begreife ich, was der Jakobsweg wirklich ist:

Der Weg ist ein Loslassen.

Loslassen ist die härteste Lektion, die mir Ingrid nun noch beigebracht hat. Vielleicht auch eine der härtesten Lektionen in meinem ganzen Leben. Dafür danke ich ihr ewig. Mein eigener Weg kommt mir plötzlich sehr unbarmherzig vor. Und doch fühle ich ganz tief in meinem Inneren, das Ingrid ein Engel gewesen ist, der mich den wichtigsten Teil meines Weges begleitet hat. Und das wird uns fortan für immer verbinden. Doch jetzt kämpfe ich mit meinen Gefühlen. Bergauf mischt sich Wut in meine Tränen.

Doch ich lasse sie an mir hinunter laufen. Nichts muss ich hier noch verstecken. Es gibt nichts, weswegen ich mich schämen müsste, nur weil ich gerade mich selbst spüre.

Was ist das, was gerade mit mir passiert?

Ist es ein Anfall von Depression? Oder ist es Selbstmitleid? Oder ist es ganz einfach tiefer Schmerz gepaart mit einem aufkommenden Gefühl der Erleichterung?

Ich weiß es nicht. Alles prasselt jetzt von mir herab.

Aber irgendwie ist es, als hätte ich all die letzten Jahre auf diesen Moment gewartet.

Ich habe mein Leben heute selbst in die Hand genommen. Ich habe losgelassen. Und ab hier gehe ich meinen eigenen Weg.

Loslassen ist ein neuer Anfang.

Jetzt bin ich allein. Allein mit mir.

Immer wieder kommen Tränen hoch. Immer wieder spüre ich aber auch so etwas wie Befreiung. So als wenn eine große Last von mir abfällt. Damit meine ich nicht Ingrid, sondern mein Leben davor. Das Wechselbad der Gefühle vollzieht sich rasend schnell. Mit jedem neuen Schritt, den ich vor den anderen setze, betrete ich eine neue Welt hinein in mich selbst.

Ich habe endlich wieder das längst verloren gegangene Gefühl, dass ich in meiner eigenen Gegenwart angekommen bin. Auch wenn es schmerzlich ist.

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: GERNIKA - BILBAO, Foto 2

Steinhaus am Jakobsweg an der Küste

Kleine Kapellen am Jakobsweg laden ein zum Innehalten.

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

 

Kurz vor Bilbao sind Jakobsmuscheln in den Boden eingelassen.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: GERNIKA - BILBAO, Foto 3

Steintreppe hinab nach Bilbao/ Jakobsweg an der Küste Spanien

Immer wieder kommst Du als Pilger von ganz oben nach ganz unten. Hier nach Bilbao.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: GERNIKA - BILBAO, Foto 4

Kirche am Jakobsweg in Spanien

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Eine Kirche in Bilbao am Jakobsweg.

https://www.kuestenweg.de/wp-content/uploads/2015/08/bluepinera.jpg

Blue Piñeres Ölgemälde: Piñeres ist ein kleines Örtchen am Jakobsweg. Und es ist das Ziel meines Tages. Am Spätnachmittag setze ich mich in die Wiese und skizziere die Kulisse der Felsen. Klippen und Küstenlinien. Ebenso schnell entstand dann später zu Hause dieses kleine Ölgemälde. Jean-Louis a toujours été là. Je vous remercie!

Burnout: Mein verlorenes Ich

Zu Hause ist es mir zuletzt sogar schwer gefallen, mich auf die spontanen und gefühlsechten Wahrnehmungen meiner Kinder einzulassen.

Ölgemälde Depresionen/ Jakobsweg

Ölgemälde Depresionen/ Jakobsweg

Oh Gott, wie viel „Unwichtiges“, aber Schönes habe ich in den letzten Jahren wohl versäumt?

Das schlimme am Zustand permanenter Überforderung ist wohl, das man ganz schleichend und unbemerkt den Bezug zu sich selbst verliert. So verkommt man zu einer erstarrten Hülle ohne die Gefühle, die ich jetzt gerade habe. Außer es ist schon soweit, dass man ab und zu seelisch zusammen bricht.

Jahrelang war früher in der Arbeit mein ständig wechselndes Passwort Freiheit-1 für den Januar, Freiheit-2 für den Februar usw.

Doch was helfen schon Passwörter, wenn man ohne die Freundschaft mit dem eigenen Ich nur noch gereizt und maschinell funktioniert. Ohne Leidenschaft. Ohne aufrichtige Pflege langjähriger Beziehungen zur Außenwelt. Der Zwang zum Grübeln hat langsam das Oberwasser bekommen. Irrationale Schuldgefühle und unerklärbare Niedergeschlagenheit haben sich die Klinke mit anderen, immer neueren affektiven Störungssymptomen in die Hand gegeben, die sich einfach so in das Leben eingeschlichen haben. Unbemerkt.

 

Man atmet, aber man ist nicht mehr „lebendig“. Man liebt sich nicht mehr. Natürlich hasst man sich auch nicht. Man ist sich einfach gleichgültig.

Wenn alles ungefragt dazwischen funkt

Alles hält auf und stört. Alles tritt einem unfair entgegen, beeinträchtigt, blockiert und legt lahm. Alles dringt ungefragt ein, trübt und führt weg von der Geistesgegenwart. Alles überflutet einen und man kann die einfachsten Entscheidungen nicht mehr treffen.

Man ist genervt von ständig neuen Ereignissen, die die Konzentration auf eine andere Aufgabe unmöglich machen. Getrieben von fortwährender Überlastung. Nur die gesteht man sich nicht zu, denn man begreift sich ja selbst am allerwenigsten, wenn man den Kontakt zu sich selbst verliert.

Es sind ja die anderen, die Umstände, die immer erbarmungsloser mit einem umgehen. Man jagt nur noch hinterher, hechelt von einem zum anderen Termin, um gleichzeitig

Jakobswegmuschel vor Bilbao Gemälde

Skizze/ Aquarell: Jakobswegmuschel auf dem Boden, Abstieg nach Bilbao

… den Geburtstag der eigenen Tochter zu vergessen!

Gut, dass ich eine liebenswerte Frau habe, die mich schon besser kennt, als ich mich selbst. Sie sorgt wirklich immer für alles vor, was ich selbst vergessen könnte. Doch obwohl sie mir gezeigt hat, welches Geschenk die Tochter von uns bekommt, weiß ich es im nächsten Augenblick schon nicht mehr. Denn in Gedanken bin ich bei einem Problem. Irgendeinem. Ich habe mich wieder einmal festgebissen und bin nicht mehr da.

Man grübelt über die Vergangenheit. Und man grübelt über die Zukunft. Buchstäblich jede noch so kleine Sache verselbständigt sich in nie endenden Denkspiralen.

Kein Einschlafen, ohne Grübeln. Kein Aufwachen, ohne schweißgebadet zu sein. Kein Bezug mehr zu dem, was sich buchstäblich da draußen vor mir abspielt.

Kein Interesse mehr und keine Zeit für mich und andere. Selbst für das, was gut tut, hat man keine „Zeit“ mehr. Lieber noch mal schnell zurück zum Computer.

Jedes Problem verselbständigt sich im Gehirn ohne jeden Buzzer.

Ungefähr so, wie die Brandung des Atlantiks haben sich meine Gedanken dann ständig den Weg in das Bewusstsein gemeißelt, sodass für den eigentlichen Moment – das Jetzt – kein Platz mehr ist. Längst haben sich handfeste Symptome manifestiert, die natürlich kein Schulmediziner der Welt deuten und heilen kann.

Dass da ein Zusammenhang bestand mit der eigenen Lebensart, habe ich nie begriffen. Herzrhythmusstörungen waren beim Einschlafen schon so normal, dass sie einfach dazu gehörten. Natürlich haben sie mir immer wieder aufs Neue Angst eingejagt und kalten Schweiß auf die Stirn getrieben.

Man beginnt irgendwann ganz automatisch damit, ständig in sich hinein zu horchen und zu fühlen, ob das Herz noch schlägt.

Ja, es schlägt.

Jesus Ölgemälde Als Pilger wusste ich, dass Gernika, welches am Jakobsweg liegt, durch die deutsche „Legion Condor“ zu „Übungszwecken“ grausam zerstört wurde. Fliegerbomben, Feuer, Schutt und Asche. So macht man sich als Pilger und als Künstler natürlich seine Gedanken. Doch mit wem ich auch spreche: Ich stoße nur auf Freundlichkeit, Offenheit und Gastfreundschaftlichkeit – nie auf die Vergangenheit. Und nie auf Verbitterung gegenüber Deutschen. Gemälde: 1580 Datum: 2011 Maße: 100 x 70 cm Christian Seebauer - Germany

Ölgemälde “Jakobsweg” von Christian Seebauer

7 BILBAO – POBEÑA

Camino de la Costa: BILBAO – POBEÑA | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 7: BILBAO – POBEÑA
Tag 7: 27 km, ca. 300 Höhenmeter, über Getxo, Portugalete, La Arena.

Der Jakobsweg an der Küste (Camino de la Costa) ist der älteste erwähnte Jakobsweg und zentraler Bestandteil der Kultur Bilbaos.

Bilbao 706 – Castrejana (Bilbao) 699 – Barakaldo 690- Sestao 687 – Portugalete 684 – Playa La Arena (Ciérvana) 672 – Pobeña (Musques) 670 – Ontón (Agüera) 665 – Baltezana (Castro-Urdiales) 663 – Otañes (Castro-Urdiales) 657 – Santullán (Castro-Urdiales) 654 – Sámano (Castro-Urdiales) 652 – Castro-Urdiales 648 – Allendelagua (Castro-Urdiales) 644 – Cerdigo (Castro-Urdiales) 641

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeBILBAO – POBEÑA

‘Loslassen ist ein neuer Anfang.

Jetzt bin ich allein. Allein mit mir.
Immer wieder kommen Tränen hoch. Immer wieder spüre ich aber auch so etwas wie Befreiung. So als wenn eine große Last von mir abfällt. Damit meine ich nicht Ingrid, sondern mein Leben davor. Das Wechselbad der Gefühle vollzieht sich rasend schnell. Mit jedem neuen Schritt, den ich vor den anderen setze, betrete ich eine neue Welt hinein in mich selbst.

Ich habe endlich wieder das längst verloren gegangene Gefühl, dass ich in meiner eigenen Gegenwart angekommen bin. Auch wenn es schmerzlich ist.< …’

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: BILBAO - POBEÑA, Foto 2

Pilger Christian am Jakobsweg in Bilbao

Der Jakobsweg in Bilbao Richtung Portugalete.

Weiter nach Bilbo…

Eine seltsame Mischung der Leere und Neugierde begleitet mich auf die Bergkuppe vor Bilbao. Ich bin jetzt völlig ausgelaugt. Und es fehlt mir an Trinkwasser. Nur eine Reserve-Apfelhälfte habe ich noch bei mir.

Oben an einem Sendemast angekommen, tut sich ein fantastischer Rundblick auf Bilbao auf. Auch die Sonne kommt nun heraus. „Bilbo“, wie die Basken Ihre Stadt liebevoll nennen, liegt unter mir. Von hier oben aus ist es ein langer, schmaler Schlauch. Bilbo schlängelt sich dicht entlang des Flusses Nervión, der im Vorort Portugalete in den Golf von Biskaya mündet.

Eingezwängt wird Bilbo mir gegenüber von den Bergketten um den Ganekogorta (998m). Auf meiner Linken durch den Mugarra Peak (936m), und den Anboto (1331m). Dazwischen verläuft der Paso del Diablo „Pass des Teufels“.

Bilbo ist neben Malta eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Europas. Wenn gleich die Grenzen von hier oben sehr überschaubar sind.

Bergab bietet sich mir ein Blick wie aus dem Cockpit eines landenden Flugzeuges. Weil mein „Fahrwerk“ beim steilen Bergab schmerzt, wünschte ich mir so etwas wie bremsende Landeklappen.

In Sandalen unterwegs

Schließlich bin ich noch immer in meinen Sandalen unterwegs. Auf der steilen Asphaltpiste schmieren meine Zehen oft nach vorne ab und berühren den Boden. Das tut weh.

Doch jetzt lenkt mich ein großartiger Picknick Platz ab. Das Grün erstreckt sich gleich über mehrere Treppen. Eine Großfamilie ist beim Grillen. Der Duft von gegrilltem Fleisch erfüllt schon von weitem die Luft. Mir ist aber nur nach Trinken zu Mute. Soll ich die Familie danach fragen? Ganz bestimmt würden sie mir etwas abgegeben. Doch nach Gesellschaft ist mir im Augenblick nicht.

Gut, dass ich einen Brunnen vorfinde. So bleibt mir die Bettelei erspart. Ich kann endlich ausgiebig trinken und meine Tränen aus dem Gesicht waschen.

Im langsamen Landeanflug tauche ich blitzartig ein in das quirlige Leben. Bergab spiele ich wie ein Kind Flugzeug und breite meine Arme aus. Wenn mich jetzt jemand sehen würde.

Der fröhliche Vorort mit spielenden Kindern und auf Parkbänken sitzenden Alten muntert mich richtig auf. Aus den gelben Pfeilen des Jakobsweges sind schon seit geraumer Zeit stabile hölzerne Schilder geworden. Diese werden nun abermals abgelöst. Im Bodenbelag eingelassen glänzen jetzt dafür edle Jakobsfliesen. Leider gibt es diese nur sporadisch. Ohne Guide würden sich die Spuren des Caminos im bunten Treiben der Vororte schnell verlieren.

Die letzten Meter führt mich eine alte Steintreppe hinab zum Plaza de Unamuno, mitten in der Altstadt. Ein Juwel. Für einige Minuten setze ich mich nieder auf eine der alten Steinstufen. Schüchtern sehe von hier aus dem geselligen Durcheinander auf der Plaza zu. Es gefällt mir hier.

Dann fasse ich mir ein Herz und stürze mich hinein in den pulsierenden Markt. Nebenbei gibt es im Gehen ein Eis. Vanille, Banane und eine Kugel undefinierbares Grün. Und ich besorge mir für meine Kinder Postkarten und Briefmarken.

Vor mir repräsentiert die Santiago-Kathedrale längst vergangene Zeiten. Aber heute habe ich keine Lust auf Kirchenbesuche.

Wie zuvorkommend und höflich die Menschen in Bilbo sind, erfahre ich an einem Taxistand. Ich habe schon länger keine Wegweiser mehr gefunden. Natürlich bin ich längst nicht mehr da, wo ich nach meinem Guide sein sollte. Wo also bin ich und wie geht es von hier aus weiter?

Skizze vom Jakobsweg an der Küste

Träumen und beten erlaubt! Skizze vom Jakobsweg an der Küste

Ja, er zeigt mir den Weg!

Ein Taxifahrer mit hell grünem Hemd kommt lächelnd auf mich zu. In der Hand winkt er mit einem Stadtplan. Es wird im klar sein, dass ich nicht sein Fahrgast werde. Dennoch will er mir helfen. Geduldig markiert er mit einem blauen Kugelschreiber der spanischen Allianz die aktuelle Position. Gott sei Dank schenkt er mir nicht den Kugelschreiber, sondern den Stadtplan.

Recht ehrlich markiert er mir den kürzesten Weg. Mit einer ausschweifenden Kreisbewegung zeigt er dann grinsend, welchen Weg er mit einem betuchten Fahrgast wohl genommen hätte. Da muss ich lachen und klopfe ihm wie zum Dank auf seine linke Schulter. „Gracias por todo!“

Bilbo ist eine der Städte, an denen sich eine Kulturpause wahrhaftig rentieren würde. Angefangen vom Guggenheim-Museum über das Schifffahrtsmuseum und der ältesten Schwebefähre der Welt. Bis hin zu den Menschen, Festen und einem quirligen Nachtleben, soll es hier für jeden Geschmack etwas Passendes geben.

Die Jugendherberge liegt am anderen Ende der Stadt. Es handelt sich dabei um ein modernes Hochhaus, welches so ganz und gar nicht zum Jakobsweg passt.

Die Unterkunft im sechsten Stock hat aber auch etwas für sich. Der Ausblick ist vergleichbar mit dem einer noblen Penthousewohnung. Widererwarten sind die Zimmer klein, sauber und nicht überfüllt. Mein Zimmer teile ich mir nur noch mit einem portugiesischen Fernfahrer und einem Pilger: Dem Weihnachtsmann!

Jean-Louis, der weißbärtige Franzose sieht mich und empfängt mich einem überschwänglichen „Aaaah mon Amieeee, Bonjouuuur“.

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, das Buch

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste303 Seiten unbebildert
Jakobsweg an der Küste: BILBAO - POBEÑA, Foto 2

Sanddünen und Wind am Jakobsweg kurz nach Bilbao

Tag 7: 27 km, ca. 300 Höhenmeter, über Getxo, Portugalete, La Arena.

Genau genommen will ich allein gehen. Jean-Louis lässt mir aber gar keine Wahl. Er klebt sich förmlich an mich. Egal, ob ich langsamer werde. Er wird es auch. Und wenn ich schneller werde, wird er es ebenfalls. Er weicht mir nicht von meiner Seite. Wie ein Schatten.

So geht es gemächlich aus der Stadt hinaus, noch bevor sie richtig zum Leben erwacht. Nahtlos geht Bilbo über in die Küstenvorstädte Barakaldo, Sestao und Portugalete. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, nicht mehr zu den Autofahrern zu gehören. Alles ist wunderbar stressfrei und es geht stetig voran. Kein Stop and Go. Kein Zeitdruck. Einfach immer weiter mit dem eigenen Rhythmus. Immer entlang des Flusses Nervión. Seine breiten Ufer sind noch gezeichnet vom Hochwasser. Beim Zurückweichen hat die Flut einen niedergedrückten Saum hinterlassen. Doch schon wächst bereits das erste Gras durch den braunen Schlamm.

Ein kühler Wind bläst mir von der Seeseite entgegen. Und es wärmen mich gleich die ersten Sonnenstrahlen des Tages wohltuend. Sie wollen heute bestimmt die Oberhand im Wolkengetümmel bekommen. Das Durcheinander von Neubauten und alten Steinhäusern gefällt mir. So geht es eben auch. Kein Landratsamt scheint hier die Bürger mit irrwitzigen Bauvorschriften zu gängeln. Geparkt wird überall, wo Platz ist. Zur Not lässt man auch schon mal den Schlüssel stecken, damit andere den Wagen schnell umparken können. Verkehrsschilder gibt es nur wenige und viele Ampeln sind einfach abgeschaltet. Freundliche Handzeichen und Blickkontakt funktionieren ebenso gut in Bilbo. Das gilt auch für mich als Fußgänger.

Der Uferweg erstreckt sich jetzt schon eine ganze Weile 50 Meter oberhalb des Nervión hinaus zur Küste. Und der Nervión zeigt mir sein Bilbo von der schönsten Seite.

Die stählerne Schwebefähre unter der Puente de Vizcaya über den Nervión fasziniert mich. Sie hat was von einem alten James-Bond-Streifen. Doch alles Verkehrstechnische gehört in diesen Wochen in eine andere Welt. Nicht in meine.

Erst gegen Mittag entrinne ich langsam dem Ballungsraum. Die Stadtverwaltung muss es hier besonders gut gemeint haben. Sie hat eine aufgeblasene Radfahrer- und Fußgängerstraße zum Meer hinaus pflastern lassen. Die linke Hälfte für die Radfahrer ist rot. Und die Fußgänger laufen auf frisch geteertem Schwarz. Eine echte Tortur für meine Füße! Für diesen EU-konformen Belag sind meine Sandalen nun wirklich nicht ausgelegt. Eine riesige Bautafel dankt der Europäischen Union für die Fördermittel. Welch unsinnige Geldverschwendung. Was für ein Frevel!

Solche Tafeln habe ich schon mehrfach entdeckt. Das Besondere daran ist, dass die Geldsumme solch sinnloser Baumaßnahmen immer auf Mark und Pfennig – pardon, in Euro vermerkt ist. Wenn man so etwas einmal im deutschen Fernsehen zu Gesicht bekommen würde, dann würde den Leuten sicher der Kragen platzen.

Ob diese plumpe Subventionspralerei einen stolzen Basken dazu bringt, an der Wahlurne „Mister Europa“ zu wählen, sei dahin gestellt.

Jean-Louis fotografiert die EU-Tafel.

Er trabt etwa einen halben Kilometer hinter mir her.

Schaf und Pliger am Jakobsweg

Schäfchen und Pliger am Jakobsweg, Skizze/ Aquarell Christian Seebauer

Das entlaufene Schäfchen

Erst gegen Mittag ist er dann wieder bei mir. Von hier an gesellt sich ein weißes Schaf zu uns auf dem abfallenden Weg Richtung Küste. Es scheint Pilger zu mögen und läuft einfach mit. Beizeiten treibt Jean-Louis das Schaf zurück auf die Weide. Ich drücke den Stacheldraht zu Boden und das Schaf ist wieder da, wo es hingehört…

Kurz vor El Arenal läuft der Jakobsweg direkt auf den Strand zu.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Jakobsweg an der Küste: BILBAO - POBEÑA, Foto 3

Christian sitzt vor der Pilgerherberge Albergue de Pobena

Erschöpft und glücklich vor der wunderschönen Pilgerherberge in Pobena.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: BILBAO - POBEÑA, Foto 4

Als Pilger bekommst Du immer etwas, wenn Du nur fragst! Oliven, Sardellen und ein Bier! Zeit, um Tagebuch zu schreiben!

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Fast immer gibt es ein preiswertes Pilgermenü… und einen Schutzengel, der Dich begleitet!

Schutzengel am Jakobsweg Camino de la Costa, Skizze von Christian Seebauer