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8 POBEÑA – LIENDO

Camino de la Costa: POBEÑA – LIENDO | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 8: POBEÑA – LIENDO
Tag 8: 40 km, 1.000 Höhenmeter, vom Baskenland nach Kantabrien über Ontón, El Pontarron del Guriezo.

Sonnenaufgang am Jakobsweg an der Küste/ Camino de la Costa

Vor dem Sonnenaufgang am Jakobsweg an der Küste/ Camino de la Costa, (c) Christian Seebauer

(Castro-Urdiales) 644 – Cerdigo (Castro-Urdiales) 641 – Islares (Castro-Urdiales) 637 – Rioseco (Guriezo) 631 – Pomar (Guriezo) 630 – La Magdalena (Guriezo) 628 – Liendo 616

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappePOBEÑA – LIENDO

 

Die heutige Etappe wird mich von Pobeña über Castro Urdiales nach El Pontarron del Guriezo und dann noch ungewollt bis nach Liendo führen. 40 Kilometer. Eine Hammeretappe. Jean-Louis hat sich seine Semmel noch schnell hinunter gewürgt und will mitgehen.

Für ihn ist das Petit déjeuner – sein geliebtes Frühstück, die wichtigste Mahlzeit des Tages. Doch er will sich an mich kletten.

Nur einen Steinwurf von der Herberge entfernt, führt gleich eine steile Steintreppe durch dichten Wald hinauf zum Uferweg. Oben angekommen, bietet sich ein traumhafter Ausblick. Rechts hinter mir liegt jetzt die Bucht von El Arenal, auf der gegenüber liegenden Seite drehen sich etliche Windräder auf den vorgelagerten Felsen. Ansonsten ist hier alles unverbaut. Mein Weg führt nach Links. Über ein paar steile Steintreppen mit Geländer geht es weiter.

Noch kann ich die Küste zu meiner Linken nicht sehen. Zunächst geht es auf fast gleicher Höhe ein wenig Trepp auf, Trepp ab bis zum Ende der Bucht.

Noch einmal bietet sich ein letzter Blick zurück auf die leere Bucht von La Arena, die erst in ein paar Stunden zum Leben erwachen wird.

Während mit den nächsten Treppenstufen La Arena verschwindet, tut sich die linke Küstenseite vor mir auf. Am Horizont kann ich das nächste Dorf erahnen. Dazwischen liegen Kilometer weit nur zur Küste hin kantig abfallende Felsen, die auf meiner Höhe immer wieder auch mit dichter Wiese bedeckt sind. Wälder sehe ich nur in der Ferne. Dort zieht sich auch ein Teil der Küstenautobahn als kleiner Streifen nach oben und verschwindet dann gleich wieder hinter einem Hügel. Sonst ist hier nichts.

Erholsam und flach am Atlantik entlang

Mein Weg verläuft in etwa 30 Meter Höhe erholsam flach direkt am offenen Meer entlang. Der Jakobsweg ist hier als Naturlehrpfad angelegt. Weit entfernt von mir sehe ich mehrere Landzungen, die ich noch durchwandern werde.

Der Himmel ist leicht bewölkt. Und die Küste am Horizont wird von Sonnenstrahlen, die durch ein Wolkenloch scheinen, eigenartig beleuchtet. Sie erscheint daher viel heller, als die übrige Landschaft.

Zu Jean-Louis trennt mich wieder ein guter halber Kilometer. Wir gehen irgendwie zusammen und doch bewahrt jeder von uns so eine Art Intimsphäre und genießt das Allein sein.

Bestimmt wird sich jetzt gerade auch Jean-Louis fragen, warum die Spanier diesem wunderbaren Panoramaweg eine Asphaltdecke verpassen mussten.

Auf natürlichem Untergrund wäre es wesentlich angenehmer. Und selbst die zwei Radfahrer, die mir hier begegnet sind, hätten einen Weg ohne Teerdecke sicherlich akzeptiert. Immer öfter kommt mir in den Sinn, dass die liebe Europäische Union hier wieder einmal völlig sinnlos Gelder für den „Ausbau“ des Jakobsweges verschleudert haben könnte. Fantasielos investiert in Teer und Bodenplatten aus Beton.

Traumhaft schön

Trotzdem: Diese Etappe ist außergewöhnlich schön und ganz anders, als alles bisher Dagewesene. Mit den Vororten von Bilbao habe ich die letzten Ausläufer der Pyrenäen weitgehend verlassen. Es ist nun deutlich flacher, direkt am Ozean und traumhaft schön.

Für die verwöhnte Stadtbevölkerung Bilbaos gibt es hier sogar ein paar Holzzäune hin zum Meer. Ja, genau so hätten auch die Deutschen einen Weg angelegt. Alles muss begrenzt und narrensicher sein. Und natürlich dürfen Warnhinweise nicht fehlen. Wie in good old Germany üblich, ist auf diesem Abschnitt jeder noch so kleine Baum, jeder Aussichtspunkt und übertrieben gesagt auch jeder Stein beschriftet. Doch im Gegensatz zu Deutschland, schien den Spaniern schon nach wenigen Kilometern einfach die Lust an diesem lächerlichen Unterfangen ausgegangen zu sein. Jetzt ist mein Jakobsweg wieder in Ordnung!

Endlich muss ich meine Augen wieder offen halten, um die nächste gelbe Markierung für den Camino zu finden. Die konzentrierte Schnitzeljagd nach Pfeilen geht wieder los. Und das macht riesengroßen Spaß.

Die Streckenführung ist spektakulär. Die erste Landzunge, die ich heute Morgen gesehen habe, wird nun im Landesinneren durchquert. Noch einmal streift mein Blick zurück zu den La Arena vorgelagerten Windrädern. Sie sind schon klein geworden.

Gut geschützt in einem Fjord liegt das kleine Örtchen Ontón. Irgendwo kurz zuvor habe ich vermutlich mitten im Grünen die Regionalgrenze nach Kantabrien überquert. Ontón teilt sich in zwei Hälften, die links und rechts eines kleinen Wildbaches liegen und durch viele kleine Holzbrückchen malerisch miteinander verbunden sind.

Der enteignete Jakobsweg

Die Lebensfreude, die ich getankt habe, benötige ich nun auch dringend für die vor mir liegende Küstenstraße. Sie ist jetzt plötzlich Teil des Jakobsweges.

Ein paar Kilometer verläuft der Camino nun direkt auf der Landstraße. Anders herum gesagt: Die Straße hat sich diesen uralten Teil des Jakobsweges einfach einverleibt. Und die Europäische Union wie zur Verhöhnung der Pilger diese übergroßen Jakobswegschilder anbringen lassen.

Hier auf der Straße stoße ich gerade auf Mark und Sabine.

Mark humpelt noch immer. Und mittlerweile zählen drei bis vier Ibuprofen-Schmerztabletten zu seiner Tagesration. Nur die Dröhnung in Verbindung mit Bier scheint ihm den Weg noch zu ermöglichen. Auch Sabine tötet sich ihre Gelenkschmerzen seit Tagen mit Schmerztabletten ab.

Jean-Louis ist plötzlich auch wieder da und grüßt Mark laut von hinten mit „Bonjouuuur Ibüprüfenö“

Jean-Louis kommt mir jetzt wie gerufen. Wir lassen die anderen ziehen und gehen gemächlich die Straße bergauf. Der Asphalt geht uns ebenso auf das Gemüt wie die beiden anderen.

Obwohl mein Französisch zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich freigelegt ist, amüsieren wir uns über die beiden chemisch von ihrem „ich“ getrennten Pilger. Das müsste meine Französischlehrerin aus alten Schulzeiten jetzt hören. So geht französisch. Spätestens dann, wenn man sich über andere lustig machen kann, dann weiß man, dass die Sprache gar nicht so schlecht funktioniert, wie sie einem in der Schule glauben machen wollten. Kaum gespottet und weg sind die beiden.

Ab in die Fall-Linie!

Jean-Louis und ich fühlen uns plötzlich wie direkt miteinander verdrahtet. Vom höchsten Punkt der Landstraße sehen wir, wie sich diese in vielen unübersichtlichen Serpentinen nach unten schlängelt. Irgendwo da unten müssen Mark und Sabine jetzt stecken.

Jean-Louis und mich packt blitzartig die gleiche Idee. Es überkommt uns wie kindischer Übermut. „Qu’est ce que tu pense? – Was denkst du?“, fragt mich Jean-Louis mit einem breiten Grinsen. Ich antworte ihm mit einem überzeugten „siiiii“, was natürlich nicht französisch ist. Aber auch ganz ohne reden merkt man es einfach, wenn der andere genau in diesem Moment die gleiche Idee hat!

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: POBEÑA - LIENDO, Foto 2

Der Jakobsweg heraus aus Bilbao führt rasch wieder in die freie Natur. Hier direkt an den Atlantik.

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: POBEÑA - LIENDO, Foto 2

Als Pilger allein an der Küste.Traumhaft, aber auch sehr intensiv, was die Gefühle anbelangt.

Skizze CASTRO URDIALES am Jakobsweg an der Küste

Skizze CASTRO URDIALES am Jakobsweg an der Küste

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Hier pilgert Jean-Louis kurz nach Castro Urdiales an der Küste entlang.

https://www.seebauers-world.com/wallpaper/jl_castro_urdiales.jpg

Hier an dieser Stelle habe ich nicht nur fotografiert, sondern auch eine kleine Skizze angefertigt. Später ist daraus dieses Ölgemälde mit Jean-Louis entstanden, was ich ihm eines Tages zu seiner Hochzeit in Frankreich geschenkt habe. Hier ist es gut zu Hause! Und es darf als Bild für das Cover herhalten, denn es ist etwas ganz eigenes. So eben, wie ich den Jakobsweg gefühlt habe.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: POBEÑA - LIENDO, Foto 4

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Unter Pilgern entstehen oft wahre Freundschaften. Du kannst über das reden, was Du einem anderen niemals anvertrauen würdest.

9 LIENDO – GÜEMES

Camino de la Costa: LIENDO – GÜEMES | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 9: LIENDO – GÜEMES
Tag 9: 40 Km (+5 km Umweg), 700 Höhenmeter, über Laredo, Santoña, Berría, Noja, Arnuero.

Flussbett bei Liendo am Jakobsweg an der Küste

Flussbett bei Liendo am Jakobsweg an der Küste im Morgenlicht, Painting, Christian Seebauer

Liendo 616 – Tarrueza (Laredo) 612 – Laredo 609 – Colindres 605 – Treto (Bárcena de Cicero) 602 – Cicero (Bárcena de Cicero) 599 – Gama (Bárcena de Cicero) 596 – Escalante 593 – Argoños 590 – Noja 586 – Castillo de las Siete Villas (Arnuero) 584 – San Miguel (Meruelo) 581 – Bareyo 579 – Güemes (Bareyo) 572

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeLIENDO – GÜEMES

Als erstes in die Kirche

Respektvoll nehmen wir unser Gepäck ab. Ich schäme mich ein wenig für die kurze Hose, hoffe aber, dass die Kirchendiener ein Nachsehen mit einem Pilger haben werden. Und genau so kommt es auch. Ein junger Gottesmann namens Diego bittet mich zu sich in die Sakristei um mir einen Stempel in meinen Pilgerausweis zu drücken. Es ist der schönste Stempel, den ich bisher in meinem Pilgerausweis, dem Credenzial habe.

Meine kurze Hose stört ihn ebenso wenig, wie mein Rucksack, den ich in der Kirche vor mir mit meinen Händen trage.

Dann führt mich Diego durch das dunkle Kirchenschiff. Mit flammender Begeisterung erklärte er mir die zehn Stationen Jesu Christu. Der Kreuzweg, so bezeichnet man den letzten Leidensweg Jesus Christus zur Kreuzigung, ist wie immer äußerst düster und grausam dargestellt. Im ersten Bild wird Jesus zum Tode verurteilt. „Pontius Pilatus sagte zu ihnen: Was soll ich dann mit Jesus tun, den man den Messias nennt? Da schrien sie alle: Ans Kreuz mit ihm!“ [9]

Danach nimmt Jesus das Kreuz auf seine Schultern. Und er fällt dreimal unter der Last des Kreuzes zusammen. Schließlich wird er seiner Kleider beraubt und gekreuzigt. INRI, das sind die Anfangsbuchstaben für den spöttischen Namen Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum, Jesus von Nazaret, König der Juden.

Die Bilder verraten nichts über den weiteren Weg in den Himmel und ich frage mich, warum stellt man da nichts Positiveres dar? Wenn ich selbst der Maler oder der Auftraggeber gewesen wäre, dann hätte ich noch ein paar Stationen angefügt, die auch ein bisschen Hoffnung wecken und zeigen, dass nichts im Leben umsonst ist!

Ein Pferd am Jakobsweg an der Küste

Ein Pferd am Jakobsweg an der Küste, mitten in der Blumenwiese

Nach dem privat geführten Kreuzweg nehme ich wie immer in einer der hintersten rechten Bänke Platz. Doch auch dieses Mal traue ich mich wieder ein paar Reihen weiter nach vorne. Ich knie mich nieder und versinke in meinen Gedanken. Ist meine Pilgerreise eine religiöse Reise? Hat sie einen spirituellen Sinn? Bin ich auf der Suche nach Gott? Werde ich Antworten und Einsichten bekommen?

Ich weiß es nicht. Aber ich lasse mich darauf ein und möchte herausfinden, was der Weg mir bringen wird. Allein in einer dunklen, Ehrfurcht einflößenden Kirche zu sein, ist so oder so schon ein bewegender Moment.

In einem Gemäuer links des Ausgangs legen Pilger verschiedene persönliche Dinge ab, die hier verbleiben und den Zugang zu einer spirituellen Welt eröffnen sollen. Auch ich trenne jetzt mich von einem geliebten Gegenstand, den ich sehr vorsichtig durch die geschmiedeten Gitterstäbe hindurch auf seinen vorgesehenen Platz lege. Was immer mir dieses Ritual bringen würde, ich tue es einfach.

Meine Pupillen benötigen erst einige Sekunden, um sich wieder an das grelle Licht im Freien zu gewöhnen. Vor mir steht ein professioneller Bettler, der ganz im Gegensatz zu mir mit Markenkleidung und einer teuren Ray Ben Sonnenbrille bekleidet ist. Recht aggressiv will er von mir auf die Mitleidstour etwas haben.

Ich sage zu ihm auf Spanisch: „Erzähle mir etwas von dir und deinem Schicksal“. Als Antwort kommt prompt ein englisches „Fuck You“. Jean-Louis, der gerade ebenfalls aus der Kirche heraustritt, erwidert sein Fuck You, indem er ihm liebevoll einen Arm auf die Schulter legt und ihm einen „bon camino, mon ami“ wünscht. Nun ist er böse verstummt.

Ehrlich gesagt, möchte ich mich jetzt unbedingt weltlicheren Dingen zuwenden, denn ich habe einen Bärenhunger. Es ist Sonntagmittag.

Paella – wer sich’s leisten kann!

Wenige Steinstufen von Santa Maria entfernt lassen wir uns dann nieder um etwas zu essen. Und zwar in einem richtiges Speiselokal. Hinein trauen wir uns mit unseren Klamotten natürlich nicht, aber Draußen im Freien ist fast alles frei. Dem Kellner ist es recht so.

Wir sind immer noch übermütig. Weil es Sonntag ist, hat Jean-Louis natürlich eine passende Entschuldigung für das nicht ganz Standesgemäße Essen parat: „Seulement une exception – nur eine Ausnahme“. Ich kann spüren, dass er richtig, wirklich richtig Hunger hat und sich heute, genauso wie ich etwas gönnen möchte. Am Nebentisch verspeist ein englisches Touristenpaar eine Paella und die bestellen wir dann auch.

Allerdings zu zweit und ohne in der Speisekarte nach dem Preis zu sehen. Kann schon nicht so viel kosten, ein wenig Reis mit Zeug drin? Es ist und bleibt dann die erste und auch letzte bestellte Paella am gesamten Jakobsweg. Die Rechnung für einen Teller Paella beträgt gesalzene 22(!) Euro. Und wir werden nicht einmal richtig satt. Jean-Louis möchte nun die nächsten Tage drastisch sparen, um sein Budget nicht zu sprengen.

Sitzfleisch haben wir nicht mehr. Und der Kellner, der sein Geschäft schon gemacht hat, bietet uns auch keinen Kaffee mehr an. Ich schätze, er lässt uns gerne weiter ziehen.

Schon 1.500 Kilometer auf den Beinen!

Beim Weitergehen erzählt mir dann Jean-Louis wenig über seinen Camino. Zum ersten Mal. Jean-Louis ist schon in Chambery, seiner Heimatgemeinde in Frankreich gestartet. Er hat bereits 1.500 Kilometer zu Fuß hinter sich. Über die Gründe, die ihn zum Camino geführt haben, will er mit mir nicht sprechen. Noch nicht?

Kurz außerhalb Castro Urdiales muss ich auf Jean-Louis warten. Er ist nach dem Essen deutlich langsamer geworden. Als er mir auf den grasgrünen Felsenklippen entgegen stapft, habe ich die Idee, diese Szene irgendwann zu Malen.

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: LIENDO - GÜEMES, Foto 2

Spektakulärer Blick: Atlantik und ein gelber Jakobswegpfeil am Fels

Erst verlief der Jakobsweg direkt an der Küste, mitten im Sand. Jetzt geht es steil nach oben auf die Klippen.

Jean Louis streichel einen Esel am Jakosweg

Jean Louis streichel einen Esel am Jakosweg. Bald endet der Asphaltund er weg ist wieder ein Weg!

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: LIENDO - GÜEMES, Foto 2

Christian Seebauer am Jakobsweg bei Liendo

Selfportrait oben auf den Klippen. Unter mir die Küste, ein Teil des Camino de la Costa.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: LIENDO - GÜEMES, Foto 3

Malerische Umgebung am Jakobsweg

Der Jakobsweg führt nun nach Güemez durch herrliche hügelige Landschaft.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: LIENDO - GÜEMES, Foto 4

Stockbetten in der Pilgerherberge

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Die Pilgerherberge in Güemez ist akurat sauber und gepflegt.

10 GÜEMES – SANTANDER

Camino de la Costa: GÜEMES – SANTANDER | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 10: GÜEMES – SANTANDER
Tag 10: Mit Umwegen etwa 17 km, kaum Höhenmeter (300 hm), direkt an der Küste entlang.

Gelber Pfeil am Jakobsweg

Gelber Pfeil am Jakobsweg zeigt die Richtung, in der Du pilgern kannst

Güemes (Bareyo) 572 – Galizano (Ribamontán al Mar) 569 – Somo (Ribamontán al Mar) 563 – Santander 558

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeGÜEMES – SANTANDER

Die Natur vor den Füßen essen

Bei der Kräuterwiese, in der wir sitzen, denke ich sofort an einen schmackhaften Wildsalat.

Salatschüssel? Kein Problem. Mein Sonnenhut hat ja in etwa die Form einer Salatschüssel und mein Brot habe ich in einer Plastiktüte. Pater Ernesto hat Recht: Nutze die eigenen Ressourcen und deine Fantasie. Hut + Plastiktüte = Salatschüssel.

Sofort kann es los gehen mit dem Sammeln. Jean-Louis hat sich ein wenig entkleidet und genießt die Sonne und den Robinson-Crusoe-Ausblick. Dass ich jetzt Salatblätter sammeln gehe, ist ihm zwar nicht so recht geheuer, aber er lässt mich mal machen.

Als erstes entdecke ich ganz junge Gierschblätter. Sie erinnern mit ihrer intensiven Würze ein wenig an Petersilie. Auch Giersch ist ein Doldenblütler und daher einem Anfänger nicht unbedingt zu empfehlen. Doch der Geruchssinn kann den Giersch eindeutig von giftigen Vertretern der Gattung Doldenblütler unterscheiden.

Direkt vor meinen Füßen wachsen auch frische Huflattichblätter. Ein echter Genuss! Wer noch nie in seinem Leben Huflattichblätter gekostet hat, wird von dem zarten Geschmack begeistert sein. Da kann kein Eissalat aus dem Supermarkt mithalten! Von oben haben die jungen Blätter ein ganz helles und saftiges Grün. An der Unterseite haben sie einen „filzigen“ aber ebenso zarten Saum. Ich nehme mir die Zeit, auch die Blattunterseiten auf Käfer zu inspizieren, aber alles ist so frisch und sauber, dass wir definitiv keinen Wasserhahn benötigen werden.

Damit nicht genug. Ich muss nur wenige Meter umhergehen, um weitere Leckerbissen der Natur zu finden. Frische Spitzwegerichblätter! Sie sind mit ihrem einzigartigen Aroma auf jeden Fall eine kulinarische Entdeckung wert! Sie schmecken leicht nussig, sind knackig und mild. Ich blicke zu Jean-Louis und denke mir:

Wer so etwas noch nie gegessen hat, wird begeistert sein!

Nebenbei entdecke ich ein paar Rukolablätter und wilde Hopfentriebe. Letztere gehören für mich mit zu dem Feinsten, was die Natur zu bieten hat!

Bis heute weiß ich nicht, ob man die Blätter der schwarzen Johannisbeere wirklich essen darf, aber zu Hause mische ich sie in jeden guten Salat. Das ursprüngliche Aroma ist sensationell. Also auch davon ein wenig in meinen Hut!

Wegwarte blüht hier auch. Sicher kennt jeder die blau-violetten Blüten, die ein wenig den Kornblumen ähneln. Aber das man sie essen kann? Die Wegwarte ist nichts anderes, als die wilde Form des Chicorée-Salates und sie haben einen fantastischen Geschmack, wenn sie jung und frisch sind. Auch Thymian und Majoran wachsen hier an den steinigen Stellen. Direkt daneben finde ich den kleinen Wiesenknopf, dessen Blätter intensiv nach Gurke schmecken. Und: Ich finde die Wegrauke. Sie schmeckt so wie frische Kresse und hat ein würziges, scharfes Aroma.

Die ährige Teufelskralle hört sich zwar giftig an, kann es aber mit jedem Eissalat aus dem Supermarkt locker aufnehmen. Und dann gibt es noch jede Menge süßliche Margaritenblätter und kalorienreiche Brennnesselsamen. Letzterer ist mein absoluter Geheimtipp zum Experimentieren. Er schmeckt intensiv würzig und passt hervorragend zu Brot und Salat.

Alle Zutaten kommen nun in meinen „Hut“. Jean-Louis unterbricht sein Sonnenbad und sieht mir nun neugierig zu. Auf die Schnelle habe ich einen ganzen „Berg Salat“ gesammelt, den ich frischer nicht zubereiten könnte.

Alles mache ich nun klein und mische es in den „Hut“.

Darüber schnippel ich dann sehr klein meinen letzten Apfel. Jean-Louis steuert Salz und Pfeffer bei. Und dann: Zwei große Thunfischdosen auf und rein damit. Jean-Louis zaubert noch eine Tomate aus seinem Gepäck.

Wildkräuter am Jakobsweg an der Küste

Wildkräuter am Jakobsweg an der Küste

Garniert mit ein paar rosa Blüten vom Wiesenschaumkraut steht unser kulinarisches Mittagsmenü breit zum Verzehr. Bevor Jean-Louis probiert, fotografiert er die Salatschüssel unzählige Male. Mir wird bewusst, dass er hier wohl absolutes Neuland betritt!

Mit ein wenig Brot, Wasser und dem riesigen Salatteller werden wir nicht nur satt, sondern:

Um einen grandiosen Genuss reicher!

Jean-Louis vertraut mir mittlerweile offenbar ganz gut. Zu Anfang hat er in Sachen Grünzeug noch seine Bedenken gehabt. Aber das, was er jetzt auf seiner Zunge zergehen lassen kann, ist sensationell. Die Natur verwöhnt uns mit allem, was sie zu bieten hat!

Jean-Louis fragt mich, woher ich all dieses Naturwissen hätte und wie er das auch selbst lernen könnte?

Sicherlich haben mich meine Eltern schon als Kind für die Natur begeistert. Aber für das Essbare in der Natur habe ich mich dann erst sehr viel später interessiert. Klar habe ich mittlerweile ein halbes Bücherregal voll von Pflanzen- und Survivalbüchern. Aber das braucht es zu Anfang alles gar nicht. Mein erstes kleines Büchlein über essbare Pflanzen hat mir den Zugang zu dem Allgemeinwissen eröffnet, welches leider irgendwie in der zivilisierten Welt verloren gegangen ist. Es hat dann großen Spaß gemacht, die ersten „idiotensicheren“ Pflanzen zu sammeln. Und damit konnte ich dann nicht nur meine Frau und meine Kinder begeistern, sondern auch mit meinen Freunden im Grünen pflücken!

Wildsalat: Ein Foto von Zu Hause: Aber im Prinzip das Gleiche

Wildsalat: Ein Foto von Zu Hause: Aber im Prinzip das Gleiche!

Nach und nach sind dann auch Raritäten dazu gekommen, aber die braucht’s für den Anfang gar nicht! Und irgendwann habe ich mich dann auch mit den giftigen Pflanzen beschäftigt, um jede Gefahr auszuschließen. Wenn man bedenkt, dass mindestens Zehntausend verschiedene Pflanzen bei uns heimisch sind und davon vermutlich nur 100 als unbekömmlich bis giftig eingestuft werden, dann kann man beruhigt loslegen, wenn man die wichtigsten Giftpflanzen kennt!

Jean-Louis jedenfalls hat jeden einzelnen Bissen genossen und in Anbetracht dessen, dass er von der Natur, die uns ernährt wohl keine Ahnung mehr hat, feuchte Augen bekommen.

Auch ich selbst habe jeden Bissen genossen. Schließlich wuchs (bis auf die Thunfischdose) alles direkt neben uns. So einen Wildsalat essen und gleichzeitig auf das unter mir liegende ruhige Meer blicken, das ist der Jakobsweg pur!

Es ist absolut erstaunlich, wie hier die unterschiedlichsten Aromen zusammenströmen und ein absolutes Hochgefühl auslösen. Damit meine ich allerdings nicht den ansonsten negativ besetzten Begriff „Aroma“, sondern die pure Natur, die heute wahrlich alles übertrifft!

Caminreal Libre!

Gleich nach unserem phänomenalen Mittagsmahl geht es glücklich weiter über Kuhweiden. Immer wieder mit tiefblauem Meeresblick. Die Bauern haben hier ihre Weiden eingezäunt. Und manchmal steht beim Übergang zur nächsten Weide extra handgemalt „Caminreal Libre!“. Der wahre Jakobsweg ist für Pilger frei!

Nach einem Trip à la Allgäu plus Meereskulisse kommt man dann an einen Kilometer langen Traumstrand. Anstatt den empfohlenen Weg zu nehmen, ist der Strandlauf viel schöner. Weicher Sand unter den Füßen und ein totales Glücksgefühl belohnen jeden einzelnen Meter.

Hier, etwa 50 Höhenmeter über dem vor mir liegenden Strand, mache ich ein Foto.

Ein hölzernes Jakobswegschild zeigt die Richtung ins Paradies. Ein herrlicher Strandlauf mit Rucksack liegt vor uns. Kilometerweit breitet sich der lange und einladende Sandstrand vor uns aus. Der offizielle Jakobsweg verläuft weniger romantisch entlang der Küstenstraße. Doch die Beschilderung mit der Jakobsmuschel zeigt uns hier die schönste Alternative auf.

Heute könnte man baden. Es ist warm genug. Im Hinterkopf behalte ich diese Vorstellung vom Baden und gehe erst einmal weiter.

Den Schlüssel für die Herberge und den Pilgerstempel bekommen wir im Ort selbst.

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: GÜEMES - SANTANDER, Foto 2

Peligro – Danger: Schild bei Ribamontan al Mar

Ein kurioses Verkehrsschild in einer Natur, wo kein Auto fährt.

 


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Esel am Camino de la Costa

Pilger streicheln einen Esel am Jakobsweg Camino de la Costa

Esel am Camino de la Costa

Ein liebes und neugieriges Tier: Ihm kann man viel anvertrauen! Esel am Camino de la Costa

Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: GÜEMES - SANTANDER, Foto 2

Klippen am Atlantik: Jakobswegkulisse vom Feinsten

Wieder einmal bietet der Jakobsweg einen Blick auf einsame Buchten.

Jakobswegschild Camino de Santiago und ein Esel

Jakobswegschild Camino de Santiago und ein Esel

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: GÜEMES - SANTANDER, Foto 3

Christian macht sich auf den Klippen einen Wildsalat

Brotzeit am Jakobsweg. Einsam Erhaben.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: GÜEMES - SANTANDER, Foto 4

Pilger Jean Louis kommt an!

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Am Jakobsweg kurz vor Santander warte ich auf Jean-Louis.

11 SANTANDER – POLANCO

Camino de la Costa: SANTANDER – POLANCO | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 11: SANTANDER – POLANCO
Tag 11: 30 km, flach (300 Höhenmeter), über Penacastillo, Mompía, Boo de Piélageos, Mogro.

 

Peñacastillo (Santander) 553 – Santa Cruz de Bezana 549 – Mompía (Santa Cruz de Bezana) 548 – Boo de Piélagos (Piélagos) 545 – Puente de Arce-Mogro (Miengo) 543 – Bárcena de Cudón (Miengo) 537 – Requejada (Polanco) 533

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeSANTANDER – POLANCO

Warum Menschen pilgern

Im Aufenthaltsraum blättere ich dann völlig entspannt und in aller Ruhe ein wenig in den Pilgerbüchern herum. Hier habe ich mich bisher zurück gehalten. Bis hierher habe ich keine Spuren in Pilgerbüchern hinterlassen und auch nichts darin gelesen.

Nun habe ich sehr viel Zeit und kann mal lesen, was Pilger da so alles hineinschreiben. Vieles davon ist schon sehr persönlich. Mir wird bewusst, dass viele meiner Weggefährten nicht einfach so zum Jakobsweg aufgebrochen sind.

Das stehen nun in mehreren dicken Jahresbüchern die Motive, die einen Menschen bis hierher gebracht haben.

BURNOUT: Viele waren völlig ausgebrannt

Viel ist zu lesen von Problemen und von der Suche nach Gott oder sich selbst. Und sehr viele beschreiben hier Symptome, die zielgenau zu einer Depression passen. Für wieder andere ist es der letzte Weg. Die letzten Tage, die ihnen nach einer schrecklichen Diagnose noch bleiben. Doch sie haben sich gegen eine Chemo entschieden und möchten ein letztes Mal in ihrem Leben frei sein.

 

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

 

Jakobsweg an der Küste: SANTANDER - POLANCO, Foto 2

Der Jakosweg nach Polanco

Der Jakobsweg nach Santander.

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: SANTANDER - POLANCO, Foto 2

Albergue “Regato de las Anguilias”

Geheimtipp Camino de la Costa. Hier war ich heute in der kleinen Pilgerherberge der einzige Gast.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Skizze: Jankobsweg von Santander nach Polanco

Skizze: Jankobsweg von Santander nach Polanco

Santander – Polanco

Der heranbrechende Morgen ist keine Erlösung. Ich bin einer der ersten. Der Schmerz hat mich geweckt. Mein Fuß pocht mit jedem Pulsschlag kräftig mit.

Als mich der Herbergsvater ganz leise mit dem Ende meiner Reise konfrontiert, werde ich wütend. Richtig wütend. Nein, es geht weiter. „Niemals, es wird nur noch schlimmer werden“, erwidert er. Nein und noch einmal nein, ich werde hier weitermachen! Ich bin gerade so laut, dass nun sicher alle aufgewacht sind.

Und in dieser Wut breche ich augenblicklich auf. Ohne Frühstück und ohne Toilette. Wie schön ist es da, die Notdurft nun im Freien verrichten zu dürfen, auch wenn mich ein spanischer Autofahrer anhupt (hätte ich auch getan).

Ausgerechnet heute sind es nach Santillana del Mar über 47 Kilometer. Von einem Ort namens Polanco weiß ich noch nichts. Eine völlig utopische Etappe also. Der Herbergsvater hat uns gestern auf Google Earth die Lage gezeigt. Luftlinie wäre es kürzer. Der direkte Weg ist aber des Öfteren versperrt, zum Beispiel durch den Rio Saya und eine große Chemieanlage in Requejada. Das raubt mir psychisch jeden Auftrieb. Ausgerechnet heute die längste Etappe. Wie soll das gehen?

Stöcke, an denen ich mich festklammern kann, wären jetzt gut.

Nach quälend langen 13 Kilometern ist meine „Regenwolke“ auf Hochtouren. Sie hat also noch nicht aufgegeben. Die Nervenverbindungen für Pessimismus und Depression gibt es ja noch. Und sie arbeiten gerade gegen mich.

Gelber Pfeil am Jakobsweg

Gelber Pfeil am Jakobsweg

Das war’s dann von meiner Seite!

Meine „Regenwolke“ fasst einen unbarmherzig harten Entschluss: Hier ist es vorbei. Mit voller Brutalität verdeutlicht sie mir das jähe und abrupte Ende. Sie hat sich sogar schon detailliert auf die Überbringung der schlechten Nachricht vorbereitet. Hier in Mompía soll ich in die Eisenbahn einsteigen, an deren Trasse ich gerade entlang humple. Und ich soll dann von Santander aus gefälligst heimfliegen. Die Sonne knallt mir in mein Gesicht und treibt mir die letzte Willenskraft aus meinem Körper. Ja, das war es dann von meiner Seite.

Gedemütigt, aber irgendwie auch erleichtert darüber, dass die Schmerzen nun endlich ein Ende haben, hole ich mein Notfallhandy heraus. Schwermütig wähle ich die Nummer meiner Frau. Ich habe mich gerade auf eine Leitplanke gesetzt. Freizeichen, es piept fünfmal. Dann hebt sie ab.

Angstvoll erzähle ich ihr, dass ich heute heimreisen würde. Gleichzeitig hoffe ich wie ein Sünder um Verständnis und Absolution. Nur Conny hätte mir diese zentnerschwere Last abnehmen können. Doch sie unterbricht mich barsch: „Stopp – Das ist allein Dein Problem!“. Sie könne und vor allem wolle jetzt mit mir nicht sprechen. Sie sei gerade mitten in einem Meeting. Und dann legt sie auf. Ja, sie legt tatsächlich einfach auf. Das tat sie noch nie zuvor.

Wie in einem schlechten Film wiederholen sich nun diverse Szenen in meinem Kopf. Der Herbergsvater erscheint mit seinem Text „aus, vorbei, finiiiito!“. Und es hämmert „mach doch, flieg doch heim, ja lauf‘ davon. So wie immer“. Dann höre ich wieder „Dein Problem“ und den anschließenden Piepton des beendeten Telefonats. Immer und immer wieder. Meine Hormone rauben mir gerade meine Sinne.

Es ist eine unglaubliche Wut, die gerade in diesem Moment in mir emporsteigt.

Mein Urprogramm beherrscht mich und es treibt mich hoch von der Leitplanke. Ein paar Meter vorwärts, dann wieder rückwärts. Dann haue ich im Zorn mit voller Wut mit meiner Hand auf die Leitplanke. Ich krümme mich vor Schmerzen. Natürlich ist Stahl viel härter, als meine Hand.

Es musste so sein, dass ausgerechnet in diesem Moment Jean-Louis zusammen mit einem anderen Pilger fröhlich daher kommt. Er hat einen französischen Wandergefährten gefunden.

Ich sage zu ihm mit Schmerz verzerrtem Gesicht „ c’est fini“ – es ist aus. Er umarmt mich nur ganz kurz. Ohne eine weitere Regung zu zeigen, verabschiedet sich Jean-Louis mit einem äußerst knappen „aurevoir mon ami“. Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Hat er sich telepathisch mit meiner Frau verbündet?

Schon ist er wieder weg und ich verfalle in einen regungslosen Zustand der Depression. Alles ist plötzlich unfair, ungerecht und abweisend.

Ich humpele erst einmal weg von der Eisenbahn. Ich flüchte. Flucht heißt, weg vom Ort des Geschehens, Ruhe suchen und Wunden lecken.

Ich verschanze mich

Dann verschanze ich mich in die Räumlichkeiten einer grässlich verwahrlosten Bar. Hier beginnt wohl das Steinzeitprogramm „totstellen“.

Wenn ich mich jetzt so von oben betrachten könnte, würde ich sagen „der Typ ist erledigt“. Zusammengekauert, den gesenkten Kopf in den Händen sehe ich aber nicht wesentlich anders aus, als die anderen Gäste.

Die hängen hier schon am Vormittag völlig besoffen herum. Einer provoziert mich laut mit: „Hey Peregrino“. Da ich mich aber gerade im Modus „Todstellen“ befinde, funktioniert das Programm zum Angriff (Gott sei Dank) nicht.

Ich spiele auf meinem Handy herum und fasse einen weiteren Entschluss. Ich rufe jetzt meinen Schwiegervater an, um dem wenigstens Verständnis für den Abbruch meiner Reise abzuringen. Das wird bestimmt klappen. Er ist immer verständnisvoll.

Als wenn sich alle gegen mich verschworen hätten, redet er mich völlig unerwartet extrem blöd an, als er von meiner geplanten Heimkehr hört. „Das kannst du jetzt den Kindern und Conny aber nicht antun. Die haben so fest an dich geglaubt.“ Piep. Aufgelegt. Ich fasse es nicht. Das war ein Volltreffer gegen die Amygdala, meinem Steinzeit-Mandelkern im Gehirn.

Der Fluchtweg nach Hause ist versperrt

Es bleibt einzig und allein die Richtung nach vorne. Gesteuert vom Autopiloten. Überflutet von Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und was weiß ich von welchen Botenstoffen sonst noch. Schritt für Schritt. Meter für Meter. Nun bin ich wieder bei der Leitplanke. Verachtungsvoll spucke ich sie an und dann gehe ich weiter. Nach zwei Kilometern drehe ich wieder um. Nun hat meine „Regenwolke“ wieder die Kontrolle an sich gerissen. Ich humple noch einmal eine Dreiviertelstunde zurück zu der hässlichen Bar. Hier stehe ich nun vor dem Eingang. Reingehen will ich aber auch nicht.

Noch einmal rufe ich Conny an, denn es geht einfach nicht mehr. Und noch einmal tut meine Frau genau das Richtige, sie gießt weiteres Öl ins Feuer.

Ich hätte nie gedacht, dass Wut ein so starker Antrieb sein kann und in dieser Stärke sogar meine Schmerzen zu übertönen scheint.

„Gott liebt dich“

Mit geballten Fäusten laufe ich nun wieder los, nach vorne. Die Strecke kenne ich ja schon.

Links, rechts, links – Kompanie. Die Augen geradeaus! In meinem Gehirn dröhnt jetzt sogar ein altes Bundeswehrlied. Das mussten wir auf unseren Bergtouren immer dann singen, wenn wir der Erschöpfung nahe waren. „Wenn der Gei-gel-stein, rot er-glüht. Und in der Mor-gen-sonne strahlt, tra la la“. Ich hasse dieses Lied noch heute zutiefst. Es ist damals ein Synonym geworden für totale Verausgabung, Schmerzen und Ohnmacht. Hätte ich jetzt nicht gewusst, dass ich ja gar kein Gewehr auf meiner Schulter herumschleppe, so hätte ich bei jedem Schritt tatsächlich den Schlag Metall gegen Knochen gespürt.

Obwohl ich dieses verdammte Lied hasse, singe ich es leise vor mich hin und bewege meine Füße. Ich bekomme nichts mehr mit von meiner Umgebung, sondern bin in Gedanken bei der Geigelstein-Überschreitung. Vor mir ein erschöpft keuchender Gefreiter, hinter mir ein Gefreiter, der gerade wieder einmal hingefallen ist. Als wäre es gestern gewesen, kann ich mich an jede Kurve, an jede Steigung und an jede Passage erinnern. Auch wenn mir meine Erinnerung dabei vielleicht einen Streich spielt. Ich weiß, dass ich jetzt durchhalten muss. Geistig abwesend gehe ich einfach, so gut es geht.

Eine spanische Frau um die Vierzig ruft mir von weitem zu „Nein, du bist falsch hier“. Sie winkt mit beiden Armen und zeigt auf einen Feldweg, der 500 Meter von mir entfernt richtig einmündet. Anstatt zurück zu laufen, nehme ich den direkten Weg durch hüfthohes Gestrüpp. Immer wieder ruft sie mir auf die weite zu und winkt. Sie versteht sicher nicht, warum ich mir das gerade antue und nicht einfach schnell außen herum marschieren möchte.

Ja, Pater Ernesto: Ich habe Hilfe angenommen. Und ja, ich bin stur. I’ll do it my way!

Mein Handy ist aus. Ich will so schnell mit keinem mehr sprechen.

Die verbotene Brücke

Völlig abwesend nähere ich mich der „verbotenen Brücke“. So nennen sie die schmale Eisenbahnbrücke hier, die die einzig sinnvolle Verbindung zum anderen Ufer des Flusses Pas weit und breit ist. Verboten, aber dennoch im Reiseführer – unter Ausschluss jeder Haftung – beschrieben.

Ja, etwas Verbotenes tun. Ok. Aber mein Hormonspiegel ist heute auch so schon hoch genug, dass ich diese verbotene Brücke eigentlich nicht brauche. Ich nehme sie trotzdem.

Ich lege also meine Ohren auf die Schienen, ganz so wie in einem Westernstreifen. Keine Angst, ich will mich ganz sicher nicht umbringen und ich habe auch vorher geschaut! Ich möchte aber lauschen, ob sich ein Zug nähert. Dabei verbrenne ich mir mein linkes Ohr auf den heißen Schienen. Das passt zum heutigen Tag.

Dann riskierte ich es. In der Gruppendynamik zusammen mit anderen Pilgern wäre mir jetzt wohler gewesen. Doch da ist niemand. Wirklich niemand.

Die Überquerung der Brücke ist schon ein wenig beunruhigend. Ich stelle mir einen ICE vor, der hier im Mini-Abstand an mir vorbeisausen könnte. Kaum Distanz zu den Gleisen, grober Bahnschotter und schlechter Halt. Und der Zug kommt dann tatsächlich. Gott sei Dank aber erst, als ich bereits das Viadukt passiert habe. Es ist auch kein ICE, sondern ein gemütlich langsamer Regionalzug. Der Lokführer sieht mir in die Augen. Er hätte mich sicher am liebsten verprügeln wollen. Bestimmt wird er sich „freuen“, wenn er jemals einen dieser verrückten Pilger in die Hände bekommt!

Als der Schotterweg an den von der Sonne stark aufgeheizten Pipelines von Solvay entlangführt, spüre ich die Strahlungshitze der Rohre. Mein Bundeswehrlied prügelt mich weiter vorwärts. Nicht zurück sehen. Weiter laufen. Nicht hinsetzen. Weiter, weiter. Die Strecke verläuft nun fast schnurgerade und fällt leicht ab. Der Himmel ist vollkommen wolkenfrei, leicht dunstig und hellblau. Es ist absolut windstill und heiß. Bestimmt habe ich heute viel zu wenig getrunken.

Der Deal mit mir selbst

Im Tourenplaner ist von einer kleinen Pilgerherberge in Polanco die Rede. Bis dahin sind es von hier aus vielleicht noch acht Kilometer. Bei meinem Humpelschritt derzeit drei bis vier Stunden. Die Herberge hat jedoch nur „maximal“ sechs Betten. Eine Aussicht auf eine dortige Unterkunft ist also äußerst gering. Trotzdem wird Polanco zu einem realen Ziel. Diesen Ort will ich unbedingt erreichen.

Und ich treffe mit mir selbst eine Vereinbarung: Würde ich es tatsächlich bis Polanco noch schaffen und dort ehrlich noch einen Übernachtungsplatz bekommen, dann, aber wirklich nur dann würde ich noch eine Nacht abwarten! In allen anderen Fällen würde ich mich via Taxi zum Flughafen bringen lassen.

Immerhin, ein guter Deal zwischen den beiden Gegenspielern in meinem Gehirn.

Mit durch und durch pessimistischer Grundeinstellung betrete ich die Bar Quin. Hier gibt es eine nette alte Dame: Ascension. Bei ihr würde man den Schlüssel für die Herberge bekommen, so steht es im Pilgerführer.

Ein Gesicht mit vielen sympathischen Lachfalten strahlt mich an. Das also ist Ascension. Sofort hat Ascension meinen Stoppschalter für mein Grübeln gefunden. Meine Frage, „ob eventuell…“ erübrigt sich. Ascension nimmt einfach den Schlüssel mit gelbem Plastikanhänger vom Tresen und meint „venga venga!“ …

 

Jakobsweg an der Küste: SANTANDER - POLANCO, Foto 3

Pilgerherberge Albergue “Regato de las Anguilias”

Allein in einer Pilgerherberge am Jakobsweg. Klein. Fein. Traumhaft.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: SANTANDER - POLANCO, Foto 4

Brotzeit am Jakobsweg

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Brotzeit vor der Pilgerherberge. Bescheiden aber super gut.

12 POLANCO- COMILLAS

Camino de la Costa: POLANCO- COMILLAS | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 12: POLANCO- COMILLAS
Tag 12: 36 km, 550 Höhenmeter, von Polanco über Requejada, Camplengo, Santillana del Mar; Cóbreces nach Comillas.

 

Requejada (Polanco) 533 – Barreda (Torrelavega) 531 – Santillana del Mar 523 – Oreña (Alfoz de Lloredo) 520 – Caborredondo (Alfoz de Lloredo) 517 – Cigüenza (Alfoz de Lloredo) 514 – Cóbreces (Alfoz de Lloredo) 511 – La Iglesia (Ruiloba) 506 – Comillas 502

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappePOLANCO- COMILLAS

Gemälde: Jakobsweg von Polanco nach Comillas

Stillleben: Jakobsweg von Polanco nach Comillas

‘Ganz ohne Geld am Jakobsweg

Manu hat finanziell wohl alles erreicht im Leben. Er ist satt aber völlig ausgebrannt. Er sieht schon lange keinen Sinn mehr in seinem Tun, stellt einfach alles in Frage und wirkt nun, wo er so erzählt hilflos wie ein kleines Kind.

Dass, was er sich am sehnlichsten gewünscht hätte, hatte er nicht: Kinder. Manu scheint das viele Geld, das er besitzt, zu verachten. Es beschert ihm kein Lebensglück, auf dessen Suche er nun ist. Er will deshalb den Jakobsweg ganz ohne Geld machen. Eine verrückte, aber nicht abwegige Idee.

Was es heißt, ohne jegliches Geld unterwegs zu sein, kann man sich heute eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Ich selbst wäre sicher schon am ersten Tag meiner Pilgerreise ohne Geld gescheitert. Klar, auch ich habe nicht vor, viel auszugeben. Ich mag keine Luxusunterkunft und auch für Essen möchte ich kaum etwas ausgeben. Nicht, weil ich es nicht habe, sondern weil es meinem Pilgergedanken zuwider läuft. Aber komplett ohne Geld. Da muss ich tief durchatmen. Was bedeutet das heute?< …’

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: POLANCO- COMILLAS, Foto 2

Als Pilger von Polanco nach Comillas

Klöster und Kirchen gehören am Jakobsweg mit dazu. Sie sind einfach da!

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: POLANCO- COMILLAS, Foto 2

Als Pilger von Polanco nach Comillas

Zwei Pilgerfreunde vor der Pilgerherberge.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: POLANCO- COMILLAS, Foto 3

Merreskulisse am Jakosbweg kurz vor Comillas

Die letzten Kilometer der Etappe. Am höchten und schönsten Punkt liegt dann die Pilgerherberge.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: POLANCO- COMILLAS, Foto 4

Wäschewaschen in der Pilgerherberge

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Der Innenhof der Pilgerherberge. Alles sauber, gute Gelegenheit zum Waschen.

https://www.seebauers-world.com/wallpaper/tinamenor.jpg

Ría de Tina Menor Ölgemälde: Der Umweg ist der schönste Weg zum Ziel. Am Jakobsweg habe ich mich kurz nach Comillas wieder einmal verlaufen. Ich bin dem Flüsslein Ría de Tina Menor gefolgt. Und dabei habe diese malerische Kulisse entdeckt

 

Bereits um fünf Uhr morgens wache ich auf. Weil es so still ist, hätte man glauben können, dass die anderen Pilger schon weg sind. Es ist ein komisches Gefühl. Keine allgemeine Aufbruchsstimmung. Nur ich allein muss das mit mir nun ausmachen. Und das tue ich. Ich werde weitergehen.

Es dauert nicht lange, bis ich fertig bin. Draußen ist es noch dunkel. Nur im Osten schimmert der Himmel schon ein wenig orange.

Langsam verlasse ich die Herberge. Habe ich auch nichts vergessen? Wenn ich die Türe erst einmal hinter mir zuziehe, dann war‘s das. Gesagt, getan. Und zugesperrt.

Den Schlüssel bringe ich wie gestern verabredet hinüber zu Ascension und werfe ihn bedächtig in den Briefkasten. Dann humple ich los Richtung Requejada.

Ich fange an zu beten

Wie in einem endlosen Rosenkranz habe ich auf den ersten Kilometern schon hundert Mal darum gebeten

„Lieber Gott, bitte schenke mir Schuhe. Bitte mach meinen Fuß gesund“.

Immer im Rhythmus des Gehens.

Tatsächlich beschert mir das fortwährende Aufsagen so etwas wie einen Trancezustand und die Schmerzen werden erträglich.

Ich bete und bete um Schuhe. Gestern habe ich unterwegs nicht gebetet. Mein Begleiter war die Wut im Bauch. Heute bete ich fortwährend. Meine Wut ist einer eigenartigen Stimmung aus Resignation und naiver Hoffnung gewichen.

Denn wo, in aller Welt, sollte ich hier Schuhe finden. Das ist mir schon nicht in der „Hauptstadt“ Santander gelungen. Wo her also Schuhe? Aus Requejada? Einem Städtchen mit 792 Einwohnern? [12]

Außerdem ist es viel zu früh. Gerade geht die Sonne auf. Die ersten Menschen fahren in die Arbeit. Doch viel ist hier wirklich nicht los. Trotzdem nehme ich den Fotoapparat heraus und knipse die Straße, auf deren Gehsteig ich gerade unterwegs bin. Mein Schatten ist ewig lang und schmal. Die Sonne steht direkt hinter mir. Und die Verkehrsschilder reflektieren vor dem dunklen Hintergrund den hellen orangefarbenen Sonnenschein. Eine traumhafte Morgenstimmung, die schöner gar nicht sein könnte.

Plötzlich hupt ein vorbeifahrender Autofahrer und deutet mir seinen Daumen nach oben. Super, mach weiter? Er hat mich sicher humpeln sehen.

Ich bete weiter und komme an einem klitzekleinen Kaffe vorbei. Doch heute möchte ich weder Kaffe, noch sonst was. Ich wünsche mir sehnlichst nur Schuhe.

Am linken Fuß habe ich das hintere Befestigungsband der Sandale weg geklebt. Es geht nicht mehr zu, weil der Fuß einfach zu dick ist.

Lieber Gott, schenk mir bitte Schuhe

„Lieber Gott, schenk mir bitte Schuhe. Mach meine Füße wieder gesund“. Wie von ganz allein falle ich wieder in meinen gebetsmühlenartigen Rhythmus. Und ich weiß nun auch, warum es den Begriff „Gebetsmühle“ gibt.

Ein Kilometer, Tausend Schritte. „Lieber Gott (links, rechts, links) – (3 Schritte PAUSE), bitte schenk mir Schuhe Gott (links, rechts, links). (3 Schritte PAUSE), mach meine Füße wieder gesund (links, rechts, links, rechts“. Und Sofort wieder weiter. Alle 16 Schritte beginne ich meinen Schuh-Rosenkranz von neuem. Und ich werde nicht müde, weiter zu flehen.

Mit der in der Morgensonne erstrahlenden Chemiefabrik verlasse ich dann Requejada/ Barreda.

Von 11 Meter über Null, führt mich ein kleines und einsames Sträßchen wieder ins Grüne und Einhundert Höhenmeter nach oben. Mit jedem Schritt wird die Aussicht erhabener und das mildert mein Elend. Doch ich weiß, mit Sandalen kann ich nie und nimmer weitergehen.

Also bete ich weiter.

Weder hoffe ich auf ein Wunder, noch denke ich an das Naheliegende: Den Abbruch meiner Reise. Mein Gehirn scheint völlig leer zu sein und außer dem Gebet läuft nichts weiter ab. Mein Gebet scheint sich nun sogar noch vieler weiterer Gehirnregionen zu bedienen, denn immer mehr passte es sich ganz exakt dem Rhythmus meiner Füße und dem Rhythmus meiner Atmung an.

Längst denke ich mein Gebet nicht mehr nur, sondern ich murmle es laut vor mich hin. Ist ja auch keiner da, der mich hören kann. Aber erhören? Ich weiße es nicht. Ich glaube nicht daran, aber ich schließe es auch nicht aus.

Mein Gebet bekommt eine Melodie

Sogar eine musikalische Dimension ist nun gerade zu meinem Gebet hinzu gekommen.

So merkwürdig es am Anfang auch war, so zu beten. Ich tue es einfach. Ich komme mir nicht mehr komisch dabei vor. Meine Verzweiflung und mein unerträgliches Selbstmitleid sind einer inneren Ruhe gewichen.

Ich habe keine Pläne mehr. Nicht für heute. Auch nicht für morgen und erst Recht nicht für den Jakobsweg. Ich denke aber auch nicht mehr ans Aufhören. Das Gebet wirkt nun so vertraut wie ein Gutenachtlied für ein kleines Kind.

Ich bin klein geworden, fürwahr. Und ich wehre mich nicht mehr dagegen. Ich fühle mich als Teil eines großen, ganz großen Ganzen. Und heute bin einfach hier. Kein Dörfchen kommt mehr, nur noch vereinzelte Häuser und Wiesen.

Mit jedem Schritt bete ich weiter und wünsche mir gesunde Füße in richtigen Schuhen.

Einen Pilger habe ich heute noch nicht gesehen.

Zwischendrin meldet sich nun wieder meine „Regenwolke“, die mir sagt: Schuhe? Wo denn bitte? In einer nicht einmal viertausend Seelen-Gemeinde wie Santillana vielleicht? Und sicher haben die Größe 47. Natürlich. Ich schreie meine „Regenwolke“ an, endlich Ruhe zu geben und kehre zurück zu meinem Gebet „bitte gib mir Schuhe“. Nun wieder im Stillen.

Als ich am frühen Morgen in das verträumte mittelalterliche Örtchen Santillana del Mar einlaufe (besser gesagt hinein humple), treffe ich auf dem sonst völlig menschenleeren Vorplatz der Kirche einen polnischen Pilger. Auch er humpelt und hat einen Verband um sein rechtes Kniegelenk. Er bittet mich in schlechtem Englisch darum, ein Foto von ihm zu machen. Ich erzähle ich ihm dann in Englisch von meinem Wunsch nach Schuhen. Diesen Satz fängt eine adrette Dame auf, die just in diesem Moment einem klapprigen alten weißen Peugeot entsprungen ist. Sie ist ursprünglich Engländerin, lebt aber schon seit Jahrzehnten hier in Santillana.

Sie schlägt die verrostete Tür ihres Autos zu, so wie in einem italienischen Spielfilm aus den 50er Jahren. Und sie geht nun direkt auf mich zu.

Höflich stellt sie sich vor, „Hallo, ich bin Charlotte“. Dann folgt eine lange Pause. „Und du brauchst also Schuhe?“

Charlotte blickt ausgiebig auf meine Sandalen und meinen geschwollenen Fuß.

Der polnische Mitpilger nutzt diesen Moment, um sich schnell mit „Bon Camino“ zu verabschieden. Nun bin ich mit Charlotte allein. Noch immer hat sie nichts Weiteres gesagt. Sie blickt wieder nachdenklich auf meine Füße. Wie ein Arzt, der seinen Patienten begutachtet.

Dann meint sie: „Will You go on with shoes?“, also: Wirst du weiter gehen, wenn du Schuhe hast? Ich zucke die Achseln. Das alles kommt mir ziemlich „spanisch“ vor.

Dann zeigt Charlotte mit ihrem Arm quer über den stillen Dorfplatz hinüber auf ein steinernes Haus, welches – wie alles andere hier – direkt an das Kirchengemäuer angebaut ist.

Charlotte zeigte auf eine verschlossene Doppelflügeltüre aus schwerem dunkelbraunen Holz und sagt: „Hier könntest du Schuhe bekommen. Aber nicht vor Elf. Und richte schöne Grüße von mir aus.“

Charlotte blickt auf ihre goldene Armbanduhr und wünscht mir alles alles Gute.

Hoffen und warten

Kaum bin ich allein, beginne ich mit meinen Zweifeln. Was soll hier denn sein? Kein Geschäft, kein Laden, nichts weiter als ein Tor mit fünf Namensschildern. Aber ich warte. Und ich warte. …

Wie es weiter geht, verrate ich Dir im Buch.

13 COMILLAS – EL PERAL

 

Camino de la Costa: COMILLAS – EL PERAL | Jakobsweg, Küstenweg

Jakobsweg an der Küste:COMILLAS - EL PERAL, Foto 1
Jakobsweg an der Küste:COMILLAS - EL PERAL, Foto 2
Jakobsweg an der Küste: COMILLAS - EL PERAL, Foto 3
Jakobsweg an der Küste: COMILLAS - EL PERAL, Foto 4

Etappe 13: COMILLAS – EL PERAL
Tag 13: 34 km, 600 Höhenmeter, von Comillas über San Vicente de la Barquera, Serdio, Colombres nach El Peral.

 

Comillas 502 – El Tejo (Valdáliga) 499 – San Vicente de la Barquera 493 – La Acebosa (San Vicente de la Barquera) 491 – Serdio (Val de San Vicente) 486 – Pesués (Val de San Vicente) 482 – Unquera (Val de San Vicente) 478 – Colombres (Ribadedeva)

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 

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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeCOMILLAS – EL PERAL

Der Umweg ist der schönste Weg zum Ziel

Abwechselnd folgen heute schmale Pfade und Teerstraßen. Leider manchmal auch die richtig breiten. Bei Sonnenschein erreiche ich am Nachmittag dann die Bar „La Asturiana“. Meine nächste Grenze ist mit dem Ría de Tina Menor überschritten. Jetzt bin ich schon in Asturien!

Meine nächste Bleibe in Colombres ist nur noch „ein paar“ Höhenmeter von mir entfernt. Denn die nächsten Meter geht es unbarmherzig steil nach oben. Hier muss ich richtig schnaufen. Ich bin froh, als die Herberge in Reichweite kommt. Weniger froh bin ich dann über das handgeschriebene Türschild „completo“, kurz: Voll.

Ich gehe also noch ein wenig weiter, Richtung El Peral. Warum nicht einfach im Freien Übernachten? Kurz hinter Markina-Xemein hat mir ja ein Straßenarbeiter einen überdimensionierten grauen Müllsack mit mindestens 1,50m Länge geschenkt. Den kann ich heute einweihen!

Die Landschaft hier ist traumhaft schön und ein paar Meter abseits des Weges finde ich auch ein wenig Schutz im Unterholz.

Zwar ist alles ein wenig feucht, aber das wird schon gehen! Mit Gras, Zweigen und ein wenig Moos habe ich mir ein perfektes Bett zu Recht gemacht. Meine Trinkwasserflaschen habe ich erst aufgetankt. Sie sind voll. Und mein grauer Müllsack ist der perfekte Schlafsack!

Allerdings weiß ich nicht, ob ich mich komplett in Plastik wohlfühlen werde. Ich habe die Idee, ein paar Luftschlitze in meinen „Schlafsack“ zu machen. Sicherheitshalber. Damit die Luftschlitze nicht einreißen, klebe ich auf mehrere Stellen Leukoplast auf den Müllsack. Erst dann ritze ich innerhalb des Tapes meine Schlitze rein. So kann sicher nichts einreißen!

So, und was mache ich nun noch? Es ist ja noch hell hier! Als erstes werde ich mir mal ein schönes Abendessen zubereiten!

Nicht weit weg von meinem Schlafplatz habe ich mitten in der Wiese ein paar Schopftintlinge entdeckt. Mitunter die einzige Pilzart, die man bedenkenlos roh genießen kann. Denn sie gehören zu den besten Speisepilzen, die es gibt. Schopftintlinge kann man ausnahmsweise auch kaum verwechseln. Sie sehen so wie ein geschlossener weißer Regenschirm aus. Und die älteren Exemplare fangen von unten an, wie schwarze Tinte zu zerlaufen.

 

 

Die werde ich aber Dank der großen Auswahl sicher nicht mehr essen.

Direkt neben den Schopftintlingen finde ich ganz junge frische Huflattichblätter und Wiesenschaumkraut. Von beiden nehme ich eine ganze Portion mit. Im Rucksack habe noch ich ein frisches Baguette und eine etwas ältere Baguett Hälfte. Zudem zwei Dosen Thunfisch, zwei Äpfel und eine in Mitleidenschaft gezogene Tomate.

Als Salatschüssel muss mein Hut herhalten. Die Plastiktüte vom Brot macht ihn zu einer richtigen Schüssel.

Als erstes gebe ich die frischen Schopftintlinge in meine Schüssel. Ohne Stil. Schon beim Probieren schmecken sie fantastisch. Und ich habe mehr als genug davon.

Dann kommen zerkleinert die Salatblätter von Huflattich und Wiesenschaumkraut dazu. Wau, schon jetzt eine Riesenportion.

Als nächstes muss ich mit meinem Taschenmesser die blöden Thunfischdosen aufbringen. Und hier wird’s hakelig! So ein richtiger Dosenöffner wäre schon besser gewesen. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich das mit dem Taschenmesser so einigermaßen hinbekommen habe. Also dann, ab in den Hut! In Deutschland hätte ich mich sicher sehr darüber geärgert, dass die Thunfischdose bestimmt zu einem Drittel nicht mit Thunfisch, sondern mit Öl gefüllt war. Aber im Augenblick finde ich Öl ganz gut.

Damit das ganz noch eine Exotische Note bekommt, habe ich angefangen, einen meiner Äpfel in kleinen Stücken mit hinein zu schnipseln. Der Hut ist nun übervoll. Und nun gibt es nur eins: Mit der Hand gut durchmischen. Schon das Aroma, welches nun aus dem „Hut“ strömt ist sensationell!

Und ich habe auch noch frisches Baguette. Was für ein Luxus für den heutigen Abend.

Soll ich jetzt warten, bis es dunkel wird? Nein, unmöglich! Der Salat“teller“ riecht derart lecker, das mir das Wasser im Mund zusammenläuft. Immerhin schiebe ich den ersten Bissen noch auf und besinne mich auf ein Pilgergebet. Ich danke Gott für diesen Augenblick.

Schade, dass ich diesen Moment mit niemanden teilen kann. Wäre nur meine Frau und meine Kinder heute hier bei mir zum Abendessen. Das wäre ein Geschenk! Aber heute bin ich alleine mit mir selbst. Vielleicht ist Gott anwesend?

Es folgt ein bedächtiges und appetitvolles Essen mit meiner rechten Hand. Denn Besteck habe ich vergessen, mitzunehmen. Trotzdem ist es ein unglaubliches und unmittelbares Gefühl, ganz aufmerksam mit den Händen zu essen. Und das, was als Abendmenü in meinem Hut ist, ist wahrlich ein traumhaftes Essen. Es schmeckt sensationell. Und es sättigt.

Noch immer ist es hell. Was kann ich hier also noch tun? Und da habe ich plötzlich eine Idee. Ich könnte ja mal ganz in aller Ruhe meine Ausrüstung vor mir ausbreiten und aufschreiben, was ich alles dabei habe. Notieren, was mir nutzt und bemerken, was völlig unnötig ist. Ja, damit kann ich mir meine Zeit bis zur Dunkelheit gut vertreiben! …

Im Buch findest Du viele schöne Geschichten, die Dir so oder so ähnlich sicher auch selbst passieren werden.

 

https://www.kuestenweg.de/wp-content/uploads/2015/08/outdoor-mit-christian-67430.jpg

Auch heute mache ich noch gerne Wildsalat. Das ist mir geblieben. Aber ohne Hut und Plastiktüte, sondern mit einer echten Salatschüssel

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Wildsalat mit allem, was man findet

Jakobsweg an der Küste: COMILLAS - EL PERAL, Foto 2

Aufbruch in der Morgendämmerung. Am Camino de la Costa muss das nicht sein, es ist trotzdem herrlich.

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: COMILLAS - EL PERAL, Foto 2

Oft führt der Jakobsweg mitten durch Eukalyptuswälder.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: COMILLAS - EL PERAL, Foto 3

Nach einigen Höhenmetern führt mich der Jakobsweg zurück an die Küste.

https://www.kuestenweg.de/wp-content/uploads/2015/08/caminolate.jpg

Jakobsweg/ Küstenweg Ölgemälde: Am späten Nachmittag liegt der Atlantik still vor mir. Ich habe nur noch wenige Kilometer vor mir bis zur Pilgerherberge. Diese Skizze habe ich nur mit Kugelschreiber aufgefangen und nun zu Hause endlich in Ölfarben gemacht. Der Jakobsweg bleibt unvergessen.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: COMILLAS - EL PERAL, Foto 4

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Gelber Pfeil und Jakobsmuschel am Jakobsweg.

14 EL PERAL – LLANES

Camino de la Costa: EL PERAL – LLANES | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 14: EL PERAL – LLANES
Tag 14: 23 km, relativ flach (300 Höhenmeter). Über Pendueles, Riego, traumhafter Umweg an der Küste entlang.

Landkarte Camino de la Costa El Peral

Landkarte Camino de la Costa El Peral, gezeichnet von Christian Seebauer

Colombres (Ribadedeva) 477 – Celles (Noreña) 475 – Buelna (Llanes) 470 – Pendueles (Llanes) 468 – Vidiago (Llanes) 466 – Puertas de Vidiago (Llanes) 464 – San Roque del Acebal (Llanes) 460 – Llanes 456

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeEL PERAL – LLANES

Gleich in der ersten Dämmerung habe ich mich etwas frösteln aufgemacht. Beim Gehen wird mir dann schnell etwas wärmer. Erst besetzt die N-634 wieder den Jakobsweg. Dann aber, bereits nach einer guten halben Stunde geht es ab in den Wald. Bald erreicht der Naturweg die grässliche Schneise der neuen Küstenautobahn. Wer hier vor der Wahl steht, entscheidet sich sicher gerne so wie ich für einen Umweg direkt an der Küste. Der Küstenwanderweg E-9 (Senda Costera) ist gut markiert, aber kein Teil des offiziellen Jakobsweges. Der Umweg beschenkt mich dafür mir reichhaltiger Natur. Weiden, wie im Allgäu. Felsklippen wie in Schottland. Einsam und friedlich ist hier alles.

Hier draußen an den Felsklippen gefällt es mir wieder total gut. Es ist heute auch von der Temperatur her sehr angenehm zum Wandern. Etwa 18° Grad. Immer wieder kommt die Sonne ein wenig durch. Die heutige Strecke ist angenehm flach. Im Prinzip geht es immer so auf etwa 50 Höhenmetern dahin. Mal ein wenig rauf, mal ein wenig runter.

Nach einer guten halben Stunde komme ich an eine Tafel mit der Aufschrift „Buffones de Arenillas“. Hier an dieser Stelle kann man bei einem entsprechenden Wellengang ein Naturschauspiel erleben. Durch den löchrigen Fels schießen dann wie bei einem Geysir Wasserfontänen in die Luft. Ihren Namen Steinschleudern haben die „Geysire“, weil sie auch allerlei Kieselsteine mit in die Luft schleudern. Deshalb steht auch dabei „Atención, Zona muy peligrosa!“

Soweit die Theorie der Geysire. Und es bleibt auch bei der Theorie, denn heute liegt der Ozean völlig ruhig unter mir.

Wälder, Bäche und der Ozean

Irgendwann wendet sich der Senda Costera halblinks ab vom Atlantik. Ich tauche ein in einen Eukalyptuswald. Hier riecht es heute so intensiv, als hätte ich mir Hustenbalsam auf den Hals geschmiert! Nach einem weiteren Kilometer im Wald stehe ich auf einer kleinen Anhöhe. Etwa eine Kirchturmhöhe unter mir mäandert der grüne Rio Purón in einem verwundenen Flusslauf dem Ozean entgegen.

Hier stoße ich auf eine nicht ganz alltägliche Pilgergemeinschaft. Ein polnischer Opa, der den Weg schon einmal gegangen ist, macht nun mit seinen beiden Enkelkindern den Jakobsweg. Die beiden Burschen sind vielleicht 16 und 18 Jahre alt und sprechen englisch. Beide haben sie bestimmt doppelt so viel Gepäck wie ich auf ihren Schultern und sie tun mir ein wenig leid. Ich selbst tue mich mit meinem abgespeckten Rucksack heute viel leichter. Während die beiden hochrote Köpfe haben, macht mir mein Rucksack überhaupt nichts mehr aus. Ich schätze ihn auf je nach Wasservorrat auf nur noch etwa 10-12 Kilo.

Ein knorriger alter Angler, der mit seinen Gummistiefeln im Wildbach steht, winkt mir zu. Würde ein deutscher Angler auch winken?

In wunderschöner Landschaft marschiere ich frohen Mutes weiter in Richtung Andrín. Es ist ein kleines friedliches Dörflein mit vielen alten und schön hergerichteten Steinhäusern.

Um halb Elf komme ich im Dorf an einer grünen Tafel vorbei, auf der geschrieben steht: „Plato del Peregrino, 8 Euro“. Soll ich mir heute einmal acht Euro gönnen? Während ich so überlege, sieht mich die Besitzerin des Lokals „muy costoso? Zu teuer?“ Ich zucke mit den Achseln. Sie sieht auf Ihre Uhr und meint, dass es normalerweise erst um eins etwas zu essen gibt. Normalerweise. Sie sagt mir jedoch auch, dass der Koch normalerweise früher kommt und dann fragt sie mich, ob ich nicht schon einmal Platz nehmen wolle.

Die Besitzerin, die gerade ganz entspannt mit dem Besen den Garten des Restaurants sauber macht, bringt mir ungefragt erst einmal eine Flasche Rotwein, Wasser und frisches Brot. Nun ist die Entscheidung gefallen. Besser gesagt: Sie wurde gerade eben für mich gefällt! Der Restaurantgarten, in dem ich mich niederlasse ist mit einer Steinmauer umfasst.

Aus jeder Ritze quellen Steinpolster und Blumen hervor. Die Tische sind kunterbunt zusammen gewürfelt und alles ist urgemütlich, um dort zu verweilen.

Aufbruch in der Dämmerung

Ankunft in der Dämmerung. Skizze vom Jakobsweg an der Küste

Der einzige Gast

Da ich der einzige Gast bin, blättere ich ein wenig im Reiseführer. Immer wieder schenkt mir die Besitzerin frischen Rotwein nach. Ich habe ihr schon signalisiert, sie dürfe gerne ein wenig langsamer machen. Weil ich mich nicht unbeliebt machen möchte, frage ich sie höflich, ob ich mir meine Schuhe ausziehen darf.

Sie lacht laut und kann gar nicht verstehen, warum ich es nicht einfach mache? Ob ich Deutscher bin, meint sie lächelnd.

Mit einem knatternden Motorrad kommt gerade der Koch an. Es muss der Koch sein, denn er hat eine weiße Schürze an.

Die Besitzerin wechselt ein paar Worte mit ihm und stellt mich ihm vor. „Hier ist ein Pilger, der schon mächtig Hunger hat“. Auch er muss nun lachen und gibt mir die Hand. Gleichzeitig signalisiert er mir, dass er sich freue, heute für einen Pilger kochen zu dürfen.

Er schlägt mir vor, mich überraschen zu lassen! Und darauf lasse ich mich gerne darauf ein.

Wenig später folgt Suppe des Hauses, großer gemischter Salat, Schnitzel mit Gemüse und einem Berg hausgemachten Pommes. Danach muss ich noch den selbst gemachten Kuchen probieren, denn als Deutscher müsste ich ja etwas von Kuchen verstehen, meint die Besitzerin. Sind wir ein Kuchenvolk?

Natürlich gibt es auch noch Kaffee und dann einen Schnaps, den ich unmöglich ablehnen hätte können. Dafür habe ich die zweite Karaffe Rotwein nur angetrunken. Oje, wie schwer werden meine Füße danach sein?

Und da ist sie wieder, die Besitzerin, obwohl ich um die Rechnung noch gar nicht gebeten habe. Sie habe mich am Anfang ja gefragt, ob acht Euro zu teuer wären. Nein, nein, erwidere ich verlegen, das wäre vollkommen in Ordnung. Die Besitzerin meint es aber sehr ernst mit Ihrer Frage. Ob ich mit fünf Euro einverstanden wäre und ob es mir denn wirklich auch geschmeckt habe? Wahnsinn, auch das ist Spanien, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe.

Immer mehr verstehe ich, warum Menschen, die irgendwann einmal selbst am Jakobsweg unterwegs waren, das Bedürfnis haben, eines Tages etwas von dem, was sie erlebt haben, zurückgeben zu wollen.

Aquarell: Jakobsweg an der Küste

Aquarell: Jakobsweg an der Küste

Hier am Weg nehme ich dankbar an.

Doch immer mehr bin ich tief in die Schuld der lieben Menschen gerutscht, die sich hier menschlich engagieren und den Weg erst zu dem machen, was er ist!

Der Weiterweg an der Küste beschert mir noch viele traumhafte Ausblicke auf den Ozean, der heute im Dunst mit dem Horizont eins geworden ist. Hier in Asturien hat sich auch die Vegetation merklich verändert.

Am Küstenweg begleiten mich nun unendliche Heidewiesen, die gerade in der Hochblüte sind. Ganze Felder voll Heidekraut leuchten intensiv rosarot auf der kargen Weide. Auch hier am Küstenweg ist fast nichts los. Einmal sind mir zwei Wanderer entgegen gekommen und kurz vor Llanes überhole ich noch eine spanische Großfamilie.

Ich bedaure fast, dass der Weg heute nicht weiter geht und ich schon nach 23 Kilometern an der Herberge ankommen.

Viel zu gerne würde ich heute noch weiter wandern.

Die Herberge in Llanes/ La Portilla gefällt mir weniger gut. Das liegt schon daran, dass mir der Herbergsvater einfach unsympathisch ist und alles nach Kommerz aussieht.

Gut, die Herberge ist nicht wirklich schlecht, aber alles sieht nach Abzocke aus. Der Preis von 15 Euro (Bett) ist für Pilgerverhältnisse einfach zu hoch. Als Gegenwert gibt es nur kalte Duschen, sonst nichts.

Heute habe ich bemerkt, wie sich langsam die Maßstäbe bei mir verschoben haben. Die heutige Etappe von 23 Kilometern war für mich eine kurze und erholsame Strecke.

Ich bin schon früh angekommen und marschiere jetzt zum Einkaufen knapp zwei Kilometer zum Hafen von Llanes. Hätte es nicht zu regnen angefangen, wäre bestimmt mehr los gewesen. So wie Sirmione am Gardasee kommt mir auch Llanes vor. Pizzerien, Eisdielen, Hafenrestaurants. Postkarten für meine Kinder gibt es auch mal wieder. In einem Hafenrestaurant gönne ich mir einen Espresso und lese, so gut ich kann eine asturische Tageszeitung. Anschließend versorge ich mich im Ort mit Salami, Weißbrot, Äpfeln und Klopapier. Und Rotwein!

In meinem Bettenlager treffe ich einen Sizilianer wieder, den ich einige Tage zuvor schon einmal getroffen habe. Er ist ein bärtiger Typ, um die zwei Meter. Ebenso brachial wie sein Äußeres ist seine kräftige Hornbrille. Und als einziger Pilger schleppt er gleich zwei Rucksäcke mit sich herum. Einen riesen großen Rucksack am Rücken und einen weiteren am Bauch. Mit seinem Gepäck würde ich jedenfalls auf Anhieb zusammenbrechen. Für seinen Weg hat er alles aus Sizilien mit genommen. Einkaufen oder ein Pilgermenü sind für ihn tabu. Seine Füße sind total blutig und ich mache mir Gedanken darüber, was er wohl zu büßen hat.

Weil ich fließend italienisch spreche und auch sein Vertrauen habe, gelingt es mir, viel von ihm zu erfahren. Es gibt da in Italien diesen – er meinte – Staat im Staat. Und er meinte auch, dass diese Organisation“ nicht nur kriminell sei, sondern ihre Drogengelder auch in soziale Projekte investieren würde. Weil der Staat selbst das eben nicht mache. Und er ist auch davon überzeugt, dass man nicht so ohne weiteres nur „böse“ sagen könne. Trotzdem lebt er seit einigen Jahren in einem, wie er meint, unlösbaren Konflikt. Er wolle, dass Gott ihn bestraft und er wolle, wenn er zurückkehre:

Nur noch Gutes tun.

Nun, ob es Gott ist, der ihn bestraft, das weiß ich nicht. So, wie er daher kommt, ist es aber klar, dass er sich selbst bestraft und dafür wieder zu sich finden möchte. Was immer er war und was immer er tat, ich will es auch gar nicht so genau wissen. Doch immer wieder versucht er, mich als so eine Art Beichtstuhl zu benutzen, denn ich verstehe seine Sprache.

All das, was er mir erzählt, möchte ich eigentlich gar nicht hören. Doch er scheint mich einfach zu brauchen. Es scheint, als wäre es „sein Moment“, der nun gekommen ist. Und so erzählt er weiter von seinem unmoralischen Doppelleben, von Sünden, die er zutiefst bereue und von seinem Wunsch, ein besserer Mensch zu werden.

Als der Zweimetermann schließlich wie ein Häufchen Elend zu weinen beginnt, wie ein kleines Kind, kann ich nicht anders, als ihn zu umarmen. Doch helfen kann ich ihm nicht. Er wird sich hier auf seinem Weg weiter selbst kasteien und quälen. Er will es so und es scheint, sein einziges Ziel zu sein.

Am Abend, mitten im Regen, kommt auch Jean-Louis hier an. Wir haben uns ja schon ein wenig angefreundet und so freue mich über dieses Wiedersehen. Jean-Louis ist die letzten Tage hinter mir geblieben, hat aber heute eine Etappe von 50 Kilometern eingelegt. Zum Widersehen öffne ich gleich meine Flasche Rotwein, die wir dann im Austausch von diversen Lebensmitteln zu fünft trinken. Aber genießerisch über drei Stunden hinweg!

Am Abend beginnt in Llanes dann ein Volksfest. Alle paar Minuten erschüttern laute Böllerschüsse die Ruhe. Und jedes Mal ist unser Sizilianer im Bett hochgeschreckt und hat geschrien. Nach jedem Aufschrei gibt es ein kurzes „Scusi“ und er schläft wieder ein. Bis zum nächsten Böllerschuss.

Jean-Louis und ich liegen noch lange wach im Bett. Jeder macht sich wohl seine Gedanken, was die arme Seele so tief erschrecken muss. Jean-Louis meint: „un flic“ – ein Polizist. Er hat recht gehabt. Als er am nächsten Morgen fragt: „tu, un flic?“, erwiderte der Sizilianer „si un poliziotto“. Ja, ein Polizist! Er muss wohl schreckliches erlebt haben als Polizist in Sizilien. Und er hat immer auch bei den „Anderen“ mitgespielt. Als er nach dieser Frage schon wieder in Tränen ausbricht, hat auch Jean-Louis ihn ganz innig umarmt. Auch er war früher Polizist.


Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

 

Ich freue mich, wenn Du ein Buch direkt bei mir bestellen möchtest und ich Dir eine ganz persönliche Widmung schreiben darf!

Christian

Jakobsweg an der Küste: EL PERAL - LLANES, Foto 2

Jakobsweg an der Küste, Klippen und Weg

Dieser einsame Weg ist Teil des Camino de la Cost und führt mich hoch über dem Atlantik entlang.

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: EL PERAL - LLANES, Foto 2

Pilgermenü Plato del Peregrino

Plato del Peregrino, Pilgermenü. Für wenig Geld lässt sich am Jakobsweg vielerorts fantastisch essen. Selbst 1L Rotwein ist (wäre) hier inklusive.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

 

Pilgermenüs bestehen oft aus mehreren Gängen. Gastgeber zollen den Pilgern respekt. Ich danke ihnen dafür.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: EL PERAL - LLANES, Foto 4

Christian Seebauer am Jakosweg an der Küste

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Oben pilgern. Unten das Meer. Camino de la Costa eben.

15 LLANES – RIBADESELLA

Camino de la Costa: LLANES – RIBADESELLA | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 15: LLANES – RIBADESELLA
Tag 15: 30 Kilometer, 550 Höhenmeter, über Barro, Naves, Piñeres, Cuerres.

 

Llanes 456 – Poo (Llanes) 454 – Celorio/Celoriu (Llanes) 452 – Barro 450 – Niembro (Llanes) 449 – Naves (Llanes) 444 – Nueva 440 – Pría 438 – Ribadesella/Ribeselle 429 – San Pedro/San Pedru la Llama (Ribadesella) 720 – Abeo/Abéu (Ribadesella) 424 – La Vega (Ribadesella) 421 – Berbes (Ribadesella)

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.
Jakobsweg Landkarte Übersicht Atlantikküste Ribadeo, gezeichnet von Christian Seebauer

Jakobsweg Landkarte Übersicht Atlantikküste Ribadeo, gezeichnet von Christian Seebauer

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeLLANES – RIBADESELLA

 

Hier ist der einzig wahre Jakobsweg

Kaum zu glauben, dass nahezu alle Pilger Camino Francés gehen. Zum Küstenweg gibt es kaum Bücher, Filme und Infos. Doch instinktiv habe ich die richtige Entscheidung getroffen. Hier sind alle Elemente dieses Planeten vereinigt. Der Atlantik verwöhnt mich mit einem rauen, aber gut zu wandernden Klima. An der Küste und in den Bergen steigen die Temperaturen selten über 30 Grad. Hitzeetappen sind eher selten. Und jeden Tag gibt es auf ein Neues dieses traumhafte und ursprüngliche Natur. Sagenhaft!

Ein Buddhist am Jakobsweg

Jean-Louis hält heute stets einen gehörigen Abstand zu mir. Er faselt irgendwelche Silben vor sich her, teils gesprochen, teils gesungen. Das ist mir schon öfter aufgefallen, doch ich nehme ihn so, wie er ist! Doch heute spreche ich ihn direkt darauf an, was diese „Silbenlieder“ bedeuten, die er vor sich hin singt.

„Meditation!“ Er will heute einfach meditieren! Doch ich frage weiter. Und dann kommt die große Überraschung: Jean-Louis ist Buddhist. Ein Buddhist am Jakobsweg! Im Gegensatz zu meiner strengen Religion „Du sollst keine fremden Götter neben mir haben“, verehren Buddhisten eine Vielzahl an Gottheiten.

Toleranz ist im Buddhismus tief verankert.

All die Zeit hat Jean-Louis mit mir gemeinsam Kirchen besucht, gebetet und ist als Buddhist mit mir den Jakobsweg gegangen. Und nie wäre ich auf die Idee gekommen, er könnte Buddhist sein. Oder doch?

Nachdem mein Französisch immer besser geworden ist, haben wir nun einen schier unermesslichen Gesprächsstoff. Seine Weltanschauungen faszinieren mich. Schon länger sind mir Kleinigkeiten aufgefallen, die mir „merkwürdig“ oder zumindest rührseelig erschienen. So hat Jean-Louis praktisch jede Schnecke auf den Straßen in seine Hand genommen, mit ihr geredet und sie zurück in die Wiese gesetzt. Und er hat auch irgendwie das „entwendete“ Schaf verehrt, das mit uns lief. Ich habe es also mit einem französischen Buddhisten zu tun, der nun schon zum zweiten Mal den Jakobsweg macht. Und Jean-Louis offenbart mir nun auch, dass er in seiner Heimat selbst ein Hospitaliero ist, ein Herbergsvater also!

Dann merke ich aber, dass ihm meine Fragen zu viel werden. Er ist heute von seiner gestrigen Hammeretappe sehr müde und will für sich sein. Wir verabschieden uns wieder einmal mit einer herzlichen Umarmung. Ich werde heute noch bis Ribadesella gehen, während Jean-Louis schon in Piñeres Halt machen möchte.

 

 

Der Zugang zu mir selbst

Es geht es wieder einmal alleine weiter. Das Loslassen und das Alleine sein macht mir nichts mehr aus. Ich sehe meinen eigenen Weg nun als einen langen „Fluss“, auf dem es einfach immer weitergeht, ohne dass ich mir irgendwelche Sorgen machen müsste. Es „fließt“ alles immerzu dahin und ich sauge jede einzelne Sekunde in mir auf. Ich kann genießen und abschalten. Der Lebensfluss fließt. Natürlich ist er auch in meinem Leben vor dem Jakobsweg geflossen. Nun aber beginne ich ganz deutlich, den Unterschied zu spüren.

Früher war dieser Fluss etwas, was mich mit gespült hat. Während ich gegen die „Stromschnellen“ gekämpft habe, war keine Zeit, den Moment zu genießen. Jetzt ist dieser Fluss ruhig geworden. Meine „lichten Momente“ sind wie Spiegelungen an der Wasseroberfläche, die ich nun in aller Ruhe beobachten kann. Ich bemerke nun ganz bewusst, wo ich gerade bin und kann mich ganz ruhig dahintreiben lassen. Ich habe Zeit, die Gegenwart zu studieren. Und vielleicht ist das Wandern nun dem Meditieren ganz nahe.

Dieser ausgeglichene Zustand verschafft mir eine prall gefüllte Welt der „Sentimientos“, der Eindrücke und Gefühle. Nichts ist mehr eintönig. Alles ist bunt, schön und jeder einzelne Schritt geht nach vorne, weg von meiner Vergangenheit, hinein in meine eigene Gegenwart.

Ich habe lange gebraucht, um hier anzukommen. Jetzt ist der „Gang“ nicht mehr eintönig, sondern „tief in mir drinnen“. Jeder Schritt ermöglicht mir einen immer intensiveren Zugang zu mir selbst. Er zeigt mir, wer ich bin! Und er zeigt mir, wie friedlich und entspannt man doch die Welt sehen kann.

Ich denke viel nach über den Buddhismus und meine eigene Religion. Schon merkwürdig, dass der Buddhismus in aller Welt eine Religion ist, nur in Deutschland nicht als anerkannte Religionsgemeinschaft gilt. [14]. In Wikipedia lese ich später, dass nach der buddhistischen Lehre jedes Lebewesen einem endlosen Kreislauf (Samsara) von Geburt und Wiedergeburt unterworfen ist. Deshalb vielleicht auch hat Jean-Louis jede Schnecke gerettet.

Lange Asphaltstraßen folgen nun. Würde ich die heutige Strecke im Detail beschreiben, hätte sicher keiner mehr Lust, diesen Küstenweg zu gehen. Aber Teer ist manchmal eben der Preis für den Urweg, für viel Natur pur und das Abenteuer des Lebens. Ja, ich würde es jederzeit wieder machen und keinen einzigen Schritt je bereuen!

 

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

ISBN-13: 979-8618384704, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

 

Buddhist Jean-Louis am Jakobsweg

Buddhist Jean-Louis am Jakobsweg

Der Küstenweg bietet dem Pilger spektakuläre Kulissen.

 


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Kartenausschnitt Llanes,Jakobsweg Landkarte Übersicht Atlantikküste Ribadeo, gezeichnet von Christian Seebauer

Kartenausschnitt Llanes, Jakobsweg Landkarte Übersicht Atlantikküste Ribadeo, gezeichnet von Christian Seebauer

Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

 

ISBN-13: 979-8618384704
Seit 2020 Independently published
BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat
Jakobsweg an der Küste

303 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: LLANES - RIBADESELLA, Foto 2

Pilger Jean-Louis mit seinemgroßen Rucksack vor einem Jakobsweg-Wegweiser

Pilger Jean-Louis schaut, wie es gleich am Jakobsweg weiter geht.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Jakobsweg an der Küste: LLANES - RIBADESELLA, Foto 3

Fußschmerzen, wenn man auf Asphalt laufen muß

 

Leider gehört auch manchmal Asphalt zum Jakobsweg.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: LLANES - RIBADESELLA, Foto 4

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Pilgerherberge? Eher schon Luxusvilla! Schöner geht es am Jakobsweg nicht.

https://www.seebauers-world.com/wallpaper/berria.jpg

Jakobsweg bei Berria Ölgemälde: Einsam und wunderschön: Der Jakobsweg an der Küste bei Berria. In der Früh bin ich am Ende des Horizonts gestartet. Jetzt stehe ich auf einer Klippe mit Blick auf die Bucht von Berria. Menschenleer. Leider kann ich diesen Augenblick mit niemanden teilen. Denn ich bin alleine.