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Jakobswege im Überblick (Landkarte)

Quelle: Zugrundeliegende Landkarte: Herzlichen Dank an Manfred Zentgraf, Volkach, Germany, CC-BY-SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ways_of_St._James_in_Europe.png

Übersicht: Die wichtigsten Jakobswege auf der Landkarte, Quelle siehe unten

 

Quelle: Zugrundeliegende Landkarte: Herzlichen Dank an Manfred Zentgraf, Volkach, Germany, CC-BY-SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ways_of_St._James_in_Europe.png, bearbeitet von Christian Seebauer

Camino Francès und Küstenweg im Vergleich, Quelle siehe unten

Pilgerzahlen Camino Francès vs. Jakobsweg an der Küste im Verhältnis elf zu eins

Ein Großteil der Pilger folgt noch immer der sog. “H.P.-Kerkeling-Autobahn”, dem Camino Francès. Hier wanderten 2017 zahlenmäßig fast 11x (!) mehr Pilger, wie am Küstenweg Camino de la Costa und dem Camino del Norte. Wer also etwas mehr Ruhe beim Pilgern sucht, ist mit dem Küstenweg sicher gut beraten.

 

Quelle: Zugrundeliegende Landkarte: Herzlichen Dank an Manfred Zentgraf, Volkach, Germany, CC-BY-SA, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ways_of_St._James_in_Europe.png, unten: bearbeitet von Christian Seebauer

Reiseführer


Ich selbst hatte den Reiseführer von Raimund Joos dabei, den ich absolut empfehlen kann.
Spanien: Jakobsweg Küstenweg (Der Weg ist das Ziel) , z.B. als Taschenbuch – 16. Juli 2018 für EUR 16,90 bei Amazon ->

Ausrüstungsliste

Meine Ausrüstung

Am besten so wenig, wie möglich. Meine Ausrüstungsliste ist sicher nicht vollständig und sollte vielleicht auch mit anderen Ausrüstungslisten verglichen werden. Trotzdem für alle, die es interessiert, hier ist sie:

Reiseführer


Ich selbst hatte den Reiseführer von Raimund Joos dabei, den ich absolut empfehlen kann.
Spanien: Jakobsweg Küstenweg (Der Weg ist das Ziel) , z.B. als Taschenbuch – 16. Juli 2018 für EUR 16,90 bei Amazon ->

Kleidung

3 T-Shirt, davon ein in Aviles gekauftes Sportshirt

1 Kappe, schlecht, weil schwarz

1 leichtes Hemd kurzärmlig

0 Faserpelz oder Ähnliches

1 lange Stoffhose „Brasil“, extrem dünn

2 Paar Socken, davon 1x Sportsocken (optimal)

3 Unterhosen

2 kurze Hosen, eine davon entsorgt, da überflüssig. Die zweite aus einem Asialaden, leicht und billig. Wichtig: Große Außentasche Tasche für Reiseführer

1 Kopftuch, leider auch schwarz

1 Poncho

1 Regenjacke (dünn)

1 Regenhose (dünn)

2 große Müllsäcke

1 Stoffhut (viel zu warm, ungeeignet)

Geräte

1 Plastiktüte mit:

1 Ladekabel (Foto)

1 kleiner Rest Sonnencreme

1 kleiner Rest Deo-Rollstift (leichtes Plastik)

1 MP3 Player und Ladekabel (unbenutzt, unnötig)

1 Stirnlampe LED (wichtig, wenn man in der Nacht mal raus muss)

1 Rest Klopapier (immer nachfüllen – wichtig, fehlt oft in Herbergen)

1 kleine Kernseife (lässt sich optimal mit wenig Wasser entfernen)

1 Hautfeile für die Füße

1 Fahrradrückleuchte für den Rucksack (sinnvoll)

0 Kompass, dennoch empfehlenswert

0 Armbanduhr (völlig überflüssig)

Waschbeutel

Alles reduziert auf kleine Restmengen!

1 Hirschtalk (Füße)

1 Bepanthen (Heilsalbe)

1 Canesten (für den Fall Fußpilz)

1 Teebaumöl (zu schwer, entsorgt)

1 Desinfektionsspray fast entleert

1 Aloe-Gel (entsorgt)

1 Nagelzwicker (gutes Allzweck-Werkzeug)

1 Nagelschere (Schutzhülle!)

4 Stck. Immodium akut (Durchfall)

4 Stck. Kohletabletten (hilfreich)

4 Ampullen Berberil Augentropfen

1 Thomapyrin Schmerztablette (Notfall)

1 Mini-Näh-Set (Größe einer flachen Streichholzschachtel)

1 Comped Blasenpflaster (entsorgt, Leukoplast tut‘s auch)

1 Rolle breites Leukoplast (geht für alles)

2 breite Pflaster (in Folie)

1 Voltarensalbe (entsorgt) dafür:

1 Radio salil antiinflamatorio (Entzündungssalbe)

1 Ersatzschuhband

Im Rucksackdeckel innen

1 Geldbeutel, Papiere (Wichtig: Fotos von Kindern und Frau zum Herzeigen)

1 Notfallhandy mit Ladekabel

1 kleiner Fotoapparat (meistens in der Hosentasche)

1 kleines Tagebuch

3 Kugelschreiber

1 Pilgerausweis (fast wichtiger als Perso)

1 Reiseführer (unter Tags in der Hosentasche)

1 Sonnenbrille (für mich unwichtig)

Rucksack Außentaschen

eine 2 Liter-Wasserflasche

eine 1/2L Wasserflasche (eiserne Notration)

1 Joghurtbecher (auch wichtig zum Befüllen der Flaschen)

1 kleines Taschenmesser

1 kleiner Löffel (z.B. für Thunfischdosen, Gabel unnötig -> Finger)

Tagesverpflegung (immer in wasserfesten Tüten)

1 absolute Notration (Thunfisch od. Hartwurst, Stück hartes Brot)

1 Wäscheleine, 3m (sinnvoll)

0 Wäscheklammern (geht auch so)

Sonstiges

1 Bettbezug Frottee (guter Schlafsackersatz)

0 Handtücher (gute Wahl, unnütz, nur Gewicht)

1 Sandalen (optimal, auch unter der Dusche)

1 „diverse“ Trekkingschuhe (an den Füßen)

 

Depressionen – ein beschissener Vorteil

Depressionen sind kein leichter Begleiter. Wie schafft man eigentlich einen Pilgerweg? Und wie bereitet man sich darauf vor? Wer unter schweren Depressionen leidet, hat gleichzeitig ganz andere Probleme, findet aber womöglich auf einem Pilgerweg auch ganz eigene und sehr hilfreiche Antworten für sein Leben. Dass der Jakobsweg oder der (wie zuletzt bei mir) Israel Trail für Menschen wie mich ein Lichtblick und eine echte Hilfestellung sind, möchte ich Euch hier in einem sehr subjektiven Beitrag näher bringen. “Normale” Menschen sollten ihn lieber NICHT lesen!

1.014 Kilometer, 20.000 Höhenmeter, allein und ohne Geld. Deiner Krankheit “Depressionen” kannst Du nicht entrinnen. Hier allein kannst Du Dich ihr aber ehrlich stellen!

Depressionen? Wer verdammt geht denn überhaupt einen Pilgerweg?

Auch wenn der Israel National Trail kein Pilgerweg im eigentlichen Sinne ist, so ist er doch einer, der Dich hautnah zu Dir selbst bringt. Doch wer tut sich so etwas überhaupt an?

Viele meiner besten Freunde können auch heute nicht verstehen, warum man freiwillig über 1.014 Kilometer und weit mehr als 20.000 Höhenmeter zu Fuß zurücklegen möchte. Dabei geht es gar nicht um die Strecke und um irgendwelche sportlichen Leistungen.

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Depressionen am Jakobsweg, von Christian Seebauer

Es geht darum, auszubrechen!

Auszubrechen aus den eigenen Gedankenspiralen. Grenzen zu überwinden, sich selbst wieder zu spüren und Gefühle “zu fühlen”. Und auch, Halt im Glauben zu finden. All das funktioniert nämlich im ganz normalen Alltag für einen, der Depressionen hat, oft nicht mehr so richtig. Denn leider ist oft die Gefühlswahrnehmung stark verschoben (zu viel Negatives, zu wenig Positives). Vielleicht aber ist es auch alles noch viel viel schlimmer und die innere Gefühlswelt ist längst verstummt – wie bei mir (damals).

Das Schlimmste daran: Niemand um Dich herum bemerkt es! Nicht Deine eigenen Eltern. Nicht Deine besten Freunde. Du bist ja immer (noch) der “Pausenclown”, der “Hochbegabte”, der “Spontane” und was weiß ich nicht alles. Und genau so entsteht Sch…”Erfolg”. Man funktioniert für die Aussenwelt scheinbar perfekt. Und doch oder gerade deshalb entfremdet man sich innerlich immer weiter von sich selbst. So lange eben, bis man am Ende gar nichts mehr spürt – außer, dass es einen hin- und wieder innerlich fast zerreißt. Gut, es ist noch nicht das Ende, Gott sei Dank!

Nochmal eine große Bitte: Wenn Du “gesund” bist – also wenn Dir Depressionen fremd sind, dann bitte: Lese NICHT weiter! Du wirst es womöglich nicht verstehen, wie so viele in unserer Gesellschaft, die absolut gar nichts über diese Krankheit wissen wollen. Also klicke bitte hier weg, wenn es Dir gut geht.

Verrückterweise (und ja, wenn man einmal in der Psychiatrie war – ist man ja verrückt) habe ich mir am Israel Trail und auf Jakobswegen immer die Frage gestellt: Wer geht eigentlich diesen Weg? Wer in aller Welt tut sich das an? Und dabei habe ich viele Menschen getroffen, die sich ganz so wie ich verhalten haben: Riesige Fassade außen herum. Riesige Show! Und… hier draußen total zerbrechlich!

Bemerkenswert: Auf den Pilgerwegen kann man diese Fassade als Außenstehender auch hie und da durchbrechen. Und dann hat man plötzlich Menschen vor sich, die unmittelbar vor Dir zusammenbrechen. Wow – denke ich mir dann – endlich die Mauer durchbrochen! Da steht jetzt gerade der echte Mensch vor Dir und bricht in Tränen aus.

Ich denke fest: Genau deshalb ist er/sie hier!

Nein, Depressionen zu haben, ist keine Schande. Es ist auch nicht unnormal. Es ist einfach Teil Deines Ichs, um es etwas besser zu verstehen. Und es gibt so verdammt viele hässliche Formen davon: Manisch Depressiv, bipolar, ängstlich, Todesmutig, panisch, von Wut zerfressen und Tausend andere Varianten.

Ist man deshalb ein schlechterer Mensch? Ein Versager? Ein Verlierer? Einer, der mit dem Leben nicht zu Recht kommt? In gewissem Sinne ja, denn immer wieder spielt mir mein Verstand diesen bösen Streich, dass er mich glauben lässt, ich sei absolut nichts wert. Und dabei lässt er mich doch gleichzeitig fest glauben, dass mein eigener Maßstab stets der richtige sei und nur die anderen mich mit purer Gewalt brechen wollten. Mein Bewertungssystem liefert leider sehr oft falsche Ergebnisse!

Mein bester Freund Aron Kamphausen schreibt mir dann Gehts dir nach dem Spaziergang ein wenig besser mein Freund?“.

Wow! Solche Freunde hatte ich früher nicht im Leben. Oder ich Trottel wusste nichts davon und habe nie einen an mich herangelassen, so wie ich bin. Mit all meinen Fehlern und all meinen menschlichen Werten. Vielleicht hätte ich mal reden sollen. Aber meine Angst war einfach so groß, dass ich mein Leben lang lieber geschwiegen habe.

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Jakobsweg in Zumaia Ölgemälde von Christian Seebauer

Auf meinen Pilgerwegen habe ich viele zu Fuß ganz “klein” getroffen: Staatspräsidenten, Aufsichtsräte, Vorstände, Promis, Milliardäre, Weltfußballstars. Und NoNames mit der gleichen Last! Allen gemein am Weg war die Erkenntnis, dass dieser “echte” Weg nun der wichtigste ihres Lebens ist! Wichtiger als jeder finanzielle Weg, wichtiger als jeder öffentlicher Weg. Wichtiger als alles andere.

Fast jeder, den ich auf meinen Pilgerwegen zu Fuß getroffen habe, war ganz nahe “am Wasser” gebaut. Und fast jeder hat an irgendeinem Punkt gespürt, dass er/sie gehen MUSS, um mit mehr oder weniger Gewalt die Show und den Ballast abzulegen, um das wahre Leben wieder zu spüren (und ggf. seinem lieben Gott wieder nahe zu kommen).

Buen Camino heißt nicht immer nur “Willkommen” sondern manchmal auch “laß mich allein. Ich habe Angst davor, dass Du mir zu nahe kommst. Ich bin noch nicht so weit!

Ich habe nur wenige “ganz gesunde” Menschen getroffen, die nur einfach einmal so in bester Verfassung den Trail (oder den Camino) gehen. Denn: Jeder hatte seine ganz eigene Geschichte. Manche dramatisch, manche traurig, manche unfassbar.

Wer so einen Weg gehen will, will und muss seine Grenzen überschreiten, sich peinigen und ausbrechen! Die Chancen, dass dies gelingt sind hoch! Und die Chancen, wertvolle Erkenntnisse daraus fürs Leben mitzunehmen, sind ebenfalls sehr hoch.

Es macht doch jetzt keinen Sinn, einen Pilgerweg zu gehen…?

Wann dann, wenn nicht jetzt?

Es macht auch keinen Sinn, aus einer Gondel zu springen, weil Dein Schmerz so groß ist, dass Du nicht mehr siehst, dass Deine Familie Dich liebt. “Begib Dich auf einen Pilgerweg” ist ein viel besserer Ratgeber! Und auch die Aufforderung: “Stelle Dich Deinem Schmerz, nehme ihn an, beginne Deinen Lauf mit Deinem Schmerz!” ist ein viel besserer Ratgeber. Denn wenn Du erst mal wieder Schmerzen spüren kannst, bist Du auf der Genesungsskala doch schon ganz weit angekommen.

Oil Paintings from Christian Seebauer: Hier bin ich am Jakobsweg! Klein. Glücklich.

Link zu meinen Ölgemälden: www.seebauers-world.com ->

 

Gesunde” können sich meistens gar nicht vorstellen, was Depressionen sind. Dabei kann es jeden treffen: Auch die Krankenschwester, die selbst in der Psychiatrie arbeitet!

Es ist (für den Gesunden erstaunlicherweise) meistens eben gar nicht Jammerei und Wehklagen. Es ist oft vielmehr die totale Abwesenheit von allen wünschenswerten und echten und angenehmen Gefühlen. Es ist z.B. der Zustand einer zu Stein verkommene Seele und das wenige was man fühlt ist stets verkehrt! (Es gibt Tausend Varianten, meine Beschreibung trifft  nie, ausser womöglich für mich selbst)

“Es ist ein böser Streich den Dir Dein Gehirn ständig spielt”

Auf dem Weg kannst Du alles neu sortieren! Auch biochemisch gesehen kannst Du manche festgefahrenen Strukturen Deines Gehirns verlassen und neue Strukturen aufbauen.

Wer den Shvil geht, mag viele Motive haben. Eines davon ist womöglich der Wunsch, aus Deinen Depressionen auszubrechen. Tue es! Gehe los!

(Meinen Shvil Israel habe ich längst hinter mir und andere Wege vor mir. Was mir heute hilft, wenn es mir schlecht geht, sind gute Freunde wie Aron, Rachel etc, die ihre Erlebnisse vom Shvil posten! Dann fühle ich plötzlich wieder, kann mitfiebern, mitfühlen! Glücklich sein.)

Der Israel National Trail ist für jeden etwas. Naja – entscheiden musst Du das selbst. Eine glückliche Tageswanderung? Ja. Eine Wanderung in der Gruppe und Träumen von mehr? Ja. Selbstfindung? Ja. Den eigenen Glauben finden? Vielleicht ja. Ein besserer Mensch werden? Nein. Achtsamer werden? Ja. Mit Depressionen besser zu Recht kommen? Vielleicht ja. Bei mir: Ja!

Extrem beschämend: Tränen bei geschenkten Lebensmitteln

Vorbereitung zum Pilgern? Depressionen kein Nachteil!

“Menschen mit Depressionen sind im Prinzip schon bestens vorbereitet!”

Eigentlich sollte man sich auf einen Pilgerweg gut vorbereiten. Eigentlich. Manchmal ist es aber auch besser, jetzt einfach loszuziehen. Alles andere ergibt sich dann schon von selbst.

Grundsätzlich gibt es für einen Pilgerweg m.E. mindestens zwei wesentliche Faktoren: Den Körper und den Geist. Also Fitness und Psyche. Vorweg: Ich bin der festen Überzeugung, dass man körperlich schon fit sein sollte (es aber auch werden kann) und sich ein Weg zu einem sehr sehr großen Teil im Kopf entscheidet.

Die Gute Nachricht: Menschen mit Depressionen sind i.d.R. nicht (wie man annehmen könnte) wehleidig. Ganz im Gegenteil: Schmerz zu unterdrücken und trotzdem weiterzumachen kennen sie bestens!

Und jetzt sind wir beim Vorteil, den ein “Depressionskranker” womöglich hat: Er befindet sich in ständigen besch… gedanklichen Endlosschleifen, die potentiell so stark sind, dass sie über ein LEBEN Oberhand gewinnen können. Auch wenn der “Depressionskranke” – wie ich – manchmal kaum mehr etwas “echtes” auf die Reihe bringt, so ist doch hin und wieder der Wusch da, auszubrechen. Und dieser Wusch ist extrem kraftvoll! Also setze ihn in pure Laufenergie um! Gehe da weiter, wo andere aufgeben! Peitsche Dich zu weiteren Kilometern, um endlich alles hinter Dir zu lassen:

Depressionen sind beim Pilgern womöglich kein Nachteil, sondern ein Vorteil.

Dort wo andere längst wehleidig aufgegeben haben, kannst Du damit beginnen, Dich auf neues Terrain zu bewegen! Du kannst nun endlich – im positiven Sinne – über die Grenzen gehen, ohne gegen einen Baum zu fahren.

(Falls Dir Depressionen fremd sind und Du hier immer noch weiter liest, dann klicke endlich weg… oder Danke, dass Du damit beginnst, Dich zu interessieren. Eine Umarmung hilft oft mehr, als wegzusehen. Danke Dir!)

Depressionen/ Pilgern: Gefühle beginnen erst dann, wenn Du den Schmerz ertragen kannst!

Gefühle kommen erst lange nach dem Schmerz…

… leider. Und doch: Gott sei Dank, dass sie überhaupt irgendwo endlich wieder beginnen können. Denn wer schwere Depressionen hat, der fühlt schon lange nichts (richtiges) mehr, obwohl er doch so sehnlich fühlen will!

Lernen ist Schmerz, sagt man schon kleinen Kindern. Stimmt. Aber eben nur, wenn man Schmerz überhaupt empfinden kann! Deshalb ist es kein schlechter Rat, so weit an die Grenzen zu gehen, dass man eben Schmerzen und Gefühle endlich wieder fühlen kann. (ADHS ruhig zu stellen ist, einen Hochbegabten ohne Urteil in ein chemisches Gefängsniss zu stecken!) Denn dann weiß man auch später wieder: Es gibt sie: Die Gefühle. Und erst dann und damit kommen die normalen, die klaren Gedanken wieder! Auch wenn wir als Kind nie erkannt und nicht gefördert wurden, ist es nie zu spät. Die Vergangenheit ist keine Entschuldigung.

Gefühle sind ein reinigendes Gewitter. Feuchte Augen zu bekommen, ist ein Segen. Allein dafür hat sich der Shvil jede Sekunde für mich rentiert. Feuchte Augen zu bekommen bedeutet, dankbar zu werden, demütig zu werden. Es ist der Beginn, Glück wieder zu spüren.

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Wenn Du den Shvil gehen willst, dann gehe ihn. Doch bitte Deinen Lebenspartner um ihren/seinen Segen! Bitte ihn/sie, Dich für einen Augenblick loszulassen. Bitte sie/ihn, Dich mit guten Gedanken zu begleiten, an Dich zu glauben, vielleicht sogar für Dich zu beten. Genau dann kehren Deine Gefühle wieder zurück!

Doch bedenke: Auch Dein Partner/In hat womöglich schon lange Zeit sehr großen Schmerz darüber verspürt, dass Du schon lange “nicht mehr da warst”. Wenn Du zurückkommst, musst Du etwas ändern!

Klar, keiner traut sich es zu sagen: Mit Depressionen am Israel Trail

Extremleistung am Shvil

Der Israel National Trail zählt definitiv zu einem der härtesten Fernwanderweg der Welt. Mach Dir das bitte klar! Du könntest mehrere Versuche brauchen, um zu Dir zu kommen. Ja, Du kannst das schaffen. Aber es zählt gar nicht der Weg. Es zählt schon der Versuch: Dass Du endlich aufbrichts, ausbrichst! Nur darum geht es! Denn danach brauchen Dich Deine Familie, Deine Freunde und vielleicht auch ganz andere Seelen, denen Du nun helfen kannst und helfen musst! Doch jetzt, genau jetzt, brauchts Du Deine Familie!

Ja, der Shvil ist extrem! Nicht der perfekte Triathlet wird ihn begehen, sondern Du! Dafür musst Du brennen. Und Schmerz musst Du nun wohl auch annehmen… (Das wolltest Du doch?)

Ganz klar ist vielleicht sogar jede einzelne Etappe eine, auf der Du wieder etwas spüren kannst.

Du kannst endlich wieder herausfinden, dass nach einer Weile wieder Selbstmitleid, Schmerzen (physisch und psychisch) kommen und damit wieder Dein eigenes Leben einen Weg zu Dir findet. Es zeigt Dir “ICH bin hier!”. Dann musst Du diesen Weg auch annehmen und gehen.

Niemand – wirklich niemand – ist wohl den Shvil ohne sein eigenes Päckchen gelaufen. Jeder hat Schmerzen “angenommen” und ist mit Schmerzen gelaufen! Als Depressionskranker hast Du eine extrem hohe Gefühlsgrenze. Du kannst also locker mal mit Schmerzen laufen. (Kein guter Tipp für normal Gesunde!)

Der Shvil ist wirklich extrem. Und hier hast Du die Chance, über Deine Grenzen zu gehen. Was Du dann erkennen wirst ist Deine Sache! Bei mir waren es die Menschen in Israel, die mich regelmäßig zu Tränen bewegt und tief berührt haben. Wie gesagt, es ist Deine Sache, Hauptsache Du beginnst wieder zu fühlen… und zu Laufen!

72 Kilometer-Etappen? Ja, habe ich gemacht. Immer wieder einmal. Warum? Einfach, weil es mir endlich gut ging! Weil ich alle Gedankenspiralen vergessen habe und gelaufen bin, solange die Füße und Gott mich tragen! Gott? Wenn Du daran glaubst oder es nur wünschst, dann wirst Du ihn dort draußen endlich finden! In der Wüste wirst Du Zeit haben, mit Ihm zu sprechen. Vielleicht das erste Mal in Deinem Leben.

Weint man, wenn man depressiv ist?

 

Leider nein. Erst wenn man wieder etwas fühlen kann, kann man auch weinen! Das kann vielleicht ein “gesunder” Mensch nicht verstehen… aber zu Weinen bedeutet einfach, dass man wieder in die Welt der Gefühle eingetreten ist, mit dabei ist, fühlen kann.

Am Israel Trail wird es Dir vielleicht auch irgendwann einmal passieren, dass die Gefühle Dich überwältigen. Dann ist es soweit! Schäme Dich nicht dafür, sondern begreife diesen Moment als etwas Gott gegebenes, als etwas ganz Besonderes! Du bist wieder angekommen und bereit, auf Deinen Weg nun vieles “nachzuholen”, was Dir gefehlt hat!

Tränen für ein Stück geschenkte Brot, extrem bitter und doch: Das ist wahres Glück. Danke Israel!!!!!

Vorbereitung und Nachbereitung

Es gibt heute in der Literatur und im gesellschaftlichen Kontext leider nur sehr wenige Ansätze, aus Deinen Depressionen “erfolgreich” auszubrechen oder mit ihnen wenigstens ein halbwegs gutes Leben zu führen.

Die härteste Übung kann Dir leider niemand abnehmen: Irgendwann selbst zu erkennen, dass Du Hilfe brauchst! Du musst in einem lichten Moment erkennen können, dass es nicht die anderen sind, die Dein Leid verursachen, sondern dass womöglich Dein ganz eigenes “Bewertungssystem” einfach nicht richtig eingestellt ist!

Was hilft, ist also “Selbsterkenntnis” oder zumindest Zweifel und der Wunsch “auszubrechen” und endlich Konsequenzen zu ziehen!

Möchtest Du Deine eigene Geschichte erzählen und anderen helfen? Dann lass es mich wissen und hilf mit, etwas Gutes zu tun!

Du bist nicht allein!

Deine besten Freunde haben das Gleich wie Du! Aron Kamphausen engagiert sich in einem irrsinnigen Ausmaß für die Shvil Israel Gemeinschaft! Manchmal habe ich ihn und seine Reaktionen nicht verstanden. Heute ist er – und das sage ich nicht einfach so – mein bester Freund! Er ist brilliant, genial,

Aron Kamphausen

besitzt eine überagende Schöpfungskraft und… scheiße .. ja, er ist bipolar.
Auf der Webseite IsraelAbenteurer.de gibt es von Aron einen krassguten Beitrag dazu:  Bipolar durch die Wüste: Mein Desert Marathon ->

An dieser Stelle könnte ich gleich noch viele andere erwähnen, traue mich aber nicht, die Namen zu nennen.
Aron Danke ich hier von ganzem Herzen, denn er hat mich immer als wahrer Freund begleitet! Und auch Danke an alle, die ich hier nicht nennen kann. Ihr seid nicht allein. Und einer/eine die Depressionen hat, ist kein schlechterer Mensch!

Bleib hier!

Bleib hier… wünsche ich all meinen guten Freunden! Ich möchte keinen mehr verlieren!

 

Was Dir Hilfe verschaffen kann:

  • Gute Familie, echte Freunde, über Depressionen sprechen
  • Ärzte, Psychologen
  • Medizin, Psychopharmaka, Neuroleptika
  • Entwickeln des Glaubens
  • PILGERN!

Mein gelbes T-Shirt war ein wahnsinnig liebes Geschnk von ICEJ – der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem. Danke dafür lieber Stephan Lehnert! https://de.icej.org/

Oft entsteht die Selbsterkenntnis, dass man Hilfe braucht, gerade erst auf dem Pilgerweg. Gehe ihn also! Mit Depressionen zu leben bedeutet auch, dass Deine Familie (endlich) darüber Bescheid wissen muss und Dich unterstützen muss (Ankerpunkte etc.).

Und Depressionen bedeuten manchmal auch: Entdecke endlich Deine eigenen Kräfte, Talente und Fähigkeiten. Setze sie ein, kündige Jobs, denke neu!

Angst ist kein guter Begleiter!

Du bist verrückt? Dann mach Verrücktes!

Gerade Menschen mit Depressionen fehlt die gefühlte Verbindung zur Umgebung! Durchbreche das! Beginne damit, Deine Umgebung intensiv zu spüren. Egal, was Deine “Freunde” sagen!

Mach’, auf was Du Lust hast. Mach was Verrücktes!

z.B. ziehe Deine Schuhe aus und laufe barfuß! Auch im Schnee. Warnhinweis: Natürlich könntest Du Deine Zehen verlieren, sie könnten Dir absterben. Das haben heute meine beiden kleinen Kinder zu mir gesagt, weil ich immer überttreibe. Sie haben mich gebeten nicht so weit zu laufen, sie haben Angst um mich. Aber was wäre schon eine abgefrorene Zehe im Vergleich zu einer abgestorbenen Seele? Ein Vergleich, den ich meinen Kindern so niemals sagen kann.

Schneelaufen Barfuß

 

Oder schwimme im Eiswasser. Hauptsache, Du beginnst wieder vom Shvil Israel und vom Leben zu träumen!

Egal, was immer Du auch machen willst: Es gibt da diese Skala zwischen extrem gefährlich und langweilig. Behalte den Respekt vor den Elementen. Behalte im Kopf, dass Du Verantwortung für andere trägst. Aber sch… drauf, was manch´ andere Dir sagen. Tu es einfach und finde Dein Glück!

Wenn Du Dich nicht traust, zu beten…

… (es aber wünscht), dann gehe im Stillen los. Für den Anfang tut es auch die Stille in der Freiheit. Der Moment wird perfekt, wenn Deine Kinder oder gute Freunde Dich begleiten.

Depressionen sind Dein Freund

Nein! Aber nehme sie an, als eine Deiner vielen Eigenschaften. Du hast, was andere nicht haben. Bist vielleicht hochsenibel, hochbegabt und manisch depressiv? Sei stolz auf das, was Gott Dir geschenkt hat. Nimm Dein Ich an. Nimm aber auch Deine Kräfte an! Los geht`s…

Dein Christian

 

Danke Israel! Danke Conny, Selina und Stella. Danke liebe Brit, lieber Aron! Danke Bettina und Tom, Danke Katja! Heute geht es mir gut!

Das Buch “Jakobsweg an der Küste / BURNOUT – Eine Reise auf schmalem Grat” gibt es weiter unten. Es ist auch ein Buch für betroffene Lebenspartner.

29 BAAMONDE – MIRAZ

Camino de la Costa: BAAMONDE – MIRAZ | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 29: BAAMONDE – MIRAZ
Tag 29: Ein Spaziergang von traumhaften 15 km. Ca. 300 Höhenmeter.

Baamonde (Begonte) 102 – Santa Leocadia de Parga/ (Guitiriz) 95 – Laguna 89 – Miraz (Friol) 86

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeBAAMONDE – MIRAZ

‘In der Herberge sind die Neulinge noch recht nervös vor ihren weiteren Etappen. Viele nehmen sich auch viel zu viel vor. Etappen mit 40 Kilometern habe ich selbst nie geplant. Ich bin grundsätzlich immer so gegangen, wie ich mich gefühlt habe.

Die ersten Tage mussten sich erst einmal Muskeln, Sehnen und Gelenke an die Beanspruchung gewöhnen. Da sind Etappen zwischen 17 und 23 Kilometern voll auf ausreichend. Wenn sich mit der Zeit längere Etappen ergeben, dann braucht man genug Zeit für die Erholung. Zum Beispiel in Form einer kürzeren Wegstrecke am Folgetag. Klar, man plant mit den Herbergen. Aber nie so richtig. Eher sieht man sich im Pilgerführer mal kurz an, wo man heute überall bequem übernachten könnte. Alles andere wird sich dann schon zeigen.

Wer den Jakobsweg etwas langsamer gehen möchte, kommt ebenso an.

Er braucht dann halt ein paar Tage länger. Und welche Rolle spielt es schon, ob man nach 30, 35 oder 40 Tagen in Santiago ankommt? Dann nämlich ist der Weg vorbei. Zumindest, wenn man in Santiago aufhören möchte. All das spielt keine Rolle. Der Weg selbst ist das Ziel. Er ist kein Wettbewerb. …’

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wandserung auf schnalem Grat

ISBN: 978-3-86386-295-4, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: BAAMONDE - MIRAZ, Foto 2

Von Baamonde nach Miraz. Eine traumhafte Strecke am Jakobsweg. Und eine super Herberge in Miraz.


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!



Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!



Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.



ISBN: 978-3-86386-295-4
Erschienen bei: 2012 Pro Business GmbH, Berlin
1. Auflage 2012
Printed in Germany

306 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: BAAMONDE - MIRAZ, Foto 2

Hier ist der Jakobsweg ein uralter Hohlwqeg, der schon zu Römerzeiten begangen wurde.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: BAAMONDE - MIRAZ, Foto 3

Vor der Herberge treffe ich den Pilger Jorga Freeman wieder. Man freut sich über jedes Treffen am Jakobsweg.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: BAAMONDE - MIRAZ, Foto 4

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Vor der Herberge in Miraz ruht sich die Pilgerin Mariette aus.

30 MIRAZ – SOBRADO DOS MONXES

 

Camino de la Costa: MIRAZ – SOBRADO DOS MONXES | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 30: MIRAZ – SOBRADO DOS MONXES
Tag 30: 27 km, ca. 750 hm.

 

Miraz (Friol) 86 – Marcela 74 – Mesón 68 – Sobrado de los Monjes/Sobrado dos Monxes (Sobrado) 62

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.

 


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeMIRAZ – SOBRADO DOS MONXES

 

Von Miraz nach Sobrado dos Monxes

Tag 30: 27 km, ca. 750 hm.

Heute ist das Aufstehen ziemlich exzentrisch. Canada-Sepp weckt uns mit klassischer Musik. Und er hat uns ein tolles Pilgerfrühstück zubereitet. Hier kann auch ich nicht nein sagen. Und Eile habe ich ebenso wenig.

Jean-Louis und ich brechen gemeinsam mit Mariette und Corinna auf. Sofort finden wir uns in einer felsigen Heidelandschaft wieder. Gerade bricht das erste zarte Licht des Tages herein und wirft lange Schatten vor uns her. Vor uns erheben sich zwei mächtige Granitblöcke in der Ferne. Diese Stelle erinnert mich an Stonehenge. Es scheint eine magische Stelle zu sein. Wie die Eintrittspforte zu einer anderen Welt, die sich dahinter verbergen würde.

Nach den ersten gemeinsamen Schritten wandert jeder für sich alleine. Einige Pilger haben vor dieser Etappe Angst, weil sie kurz nach Cabana fast 700 Meter über dem Meeresgrund erreicht. Dabei ist fast alles ein ganz sanftes bergauf und bergab. Ohne jeden Schweißtropfen kann ich heute wirklich alles genießen.

Der rote Fingerhut ist zu meinem neuen ständigen Begleiter am Wegesrand geworden. Giftig zwar, aber ich habe ja nicht vor, ihn zu essen. Mit seinen rosaroten Glocken steht er einfach überall. Wie immer lege ich ein paar Blumen oder Pilze an markante Stellen als Zeichen für die anderen aus.

Es war die richtige Entscheidung, in Miraz zu verweilen und nun diese einmalige Landschaft genießen zu können. Die Etappe ist heute offiziell nur 26 Kilometer lang und ich werde ein paar Umwege machen. Wenn man erst einmal das Laufen gewöhnt ist, dann ist das ein Spaziergang. Schon früh erreiche ich als einer der ersten Pilger Sobrado dos Monxes. Das Sobrado der Mönche? Die Bauten des Klosters sind schon von außen beeindruckend.

Als ich an der Pforte klopfe, passierte erst einmal gar nichts. Dann aber werde ich in einen Zwischengang eingelassen. Zum Vorzeigen meines Credentials. Die Prüfung dauert eine kleine Ewigkeit. Und dann erst öffnen sich die Pforten des Klosters für mich.

Ich trete ein in einen Innenhof der Ruhe. Und ich habe jede Menge Ehrfurcht vor den Sitten und Regeln, die hier herrschen. Im ehemaligen Pferdestall (das ist jetzt nicht abwertend gemeint, ganz im Gegenteil) haben sie für Pilger einen fantastischen Schlafraum eingerichtet. Ein uriges Gewölbe aus Stein und Holz. Die Duschen sind in den steinernen Gewölbevorprüngen untergebracht. Sagenhaft. Als der Mönch der Mönche zu mir kommt, stellt er mir prüfende Fragen zu meinem Jakobsweg. Ein merkwürdiges Gefühl. Und dann nimmt er mir meinen Pilgerausweis ab. Und den gebe ich sehr ungern aus meiner Hand. Aber es ist ja ein Mönch.

Erst später, als bereits andere Pilger hier sind, weiß ich, dass auch ihre Pilgerausweise „beschlagnahmt“ werden. Die Kirche registriert fein säuberlich alles. Heute mit modernen Scannern von HP.

Dennoch ist es eine sehr interessante Gelegenheit, sich mit den Gottesleuten zu unterhalten. Alle sind sie recht weltgewandt und sprechen fließend ein halbes Dutzend Sprachen. Einer der Mönche zeigt mir dann, dass es für Pilger auch eine eigene Küche gibt. Und was für eine! Hier warten es Töpfe und Pfannen, um auch Dreißig und mehr Personen zu bekochen. Dieser Gedanke lässt mich dann auch nicht mehr los.

Nach und nach kommen die anderen Pilger an. Zu meinem Entsetzen auch solche, die die heutige Etappe mit dem Taxi gemacht haben. Für Jean-Louis, Mariette und Corinna möchte ich heute Abend eine Paella kochen. Und das spricht sich wie ein Lauffeuer herum. Schließlich möchten nun so um die 12 Personen mitessen.

Auf dieses Ereignis freue ich mich. Ich besorge zwei Kilo Reis, Safran, Meeresfrüchte, Fisch, Paprika, Zwiebeln usw. Corinna ist begeistert und macht sofort mit. Noch nie hat einer von uns in so großen Töpfen etwas gekocht. Würde das gelingen? Schon während des Schneidens und Waschens der Zutaten haben sich alle in der Küche versammelt. Ein Berg frisches Weißbrot steht in der Mitte der uralten Holztische. Und viele haben eine Flasche Rotwein mitgebracht.

Auch Haiar ist wieder hier. Ein älterer vornehmer Herr, den ich in Miraz kennen gelernt habe. Auch er fragt, ob er denn bei uns mitessen dürfe. Natürlich, sage ich. Er kramt sogleich in seinem Geldbeutel herum und möchte mir irgendwie Geld geben. Nö, meine ich.

Vielleicht zählen wir hinterher zusammen. Und mehr als zwei Euro werden es ganz bestimmt nicht. Seinen großen Schein soll er doch bitte wieder wegstecken. Noch einmal fragt er, ob er wirklich mitessen dürfe. Was soll das, frage ich mich, während Haiar in Tränen ausbricht.

Ich nehme ihn und gehe mit ihm vor die Türe. Haiar war ein großer Unternehmensberater. Zigfacher Millionär. Doch sein Vermögen hat er verdient, in dem er die Existenzen anderer zerstört hat. Nun sei er auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Er fragt sich, wie er je etwas gutmachen konnte.

Schon komisch, welche verschiedenen Gedanken sich Menschen machen, welche Sorgen und Beweggründe sie haben. Kann man erwarten, Antworten zu finden, wenn man nur drei Tage am Jakobsweg unterwegs ist? Kann man überhaupt Antworten finden?

Vielleicht ist sogar diese Fragestellung an sich schon völlig falsch. Denn in meinem früheren Alltag war es für mich normal, mir andauernd irgendwelche Fragen zu stellen. Ebenso normal war es auch, über all das zu Grübeln und zu Sinnieren. Und ständig produzierte mein Gehirn irgendwelche Antworten. Doch prompt kamen schon wieder die nächsten Fragen, die mich ständig begleiteten.

Hier am Jakobsweg hat mein Gehirn endlich nur Ruhe gegeben. Einfach keine großen Fragen mehr gestellt. Und einfach gewartet, was jeden Tag so alles auf mich zukommt. Die Suche nach Antworten hat sich schon nach den ersten Tagen insofern erübrigt, weil gar keine Fragen mehr da waren.

Aber habe ich auch etwas gelernt? Werde ich etwas vom Jakobsweg mitnehmen können? Irgendeine Lebensweisheit, die mir dann bleiben würde? Und habe ich mich hier verändert?

Ich selbst denke schon. Entscheiden werden es dann die anderen, die mich wieder sehen. Aber selbst heute ist mir am Jakobsweg wieder so einiges klar geworden.

Was werden die anderen über dich denken?

Nichts, gar nichts. Es ist nur eine der vielen typischen Fragen, die man sich im ganz normalen Leben so stellt – obgleich vollkommen unsinnig.

Die tägliche Etikette, der sogenannte Anstand und die aufgesetzte Höflichkeit belasten doch nur. Wenn das liebe Gehirn ständig damit befasst ist, wie und in welcher Form man etwas sagen kann, oder besser nicht sagen sollte, dann muss das auf Dauer anstrengend sein. Was sollen andere denn überhaupt von einem denken?

Zumindest als Mann kann ich über dieses Thema ausführlich schreiben. Denn am Jakobsweg ist plötzlich etwas weg, was mich sonst dauernd begleitete: Man könnte es das männliche Balzgefühl nennen. Und hier unterscheiden wir uns gar nicht so sehr von unseren tierischen Verwandten.

Fortwährend müssen die Männchen um Aufmerksamkeit buhlen. Das farbenfrohste Gefieder haben. Aus reinem Imponiergehabe posieren, bellen und beißen. Jeden Rivalen angehen, lauter sein, stärker sein, aggressiver sein. Männchen machen, grunzen und grölen.

Übergangslos fügt sich dieses Verhalten in unsere ganz eigene Männerwelt perfekt ein. Witziger sein, spannender sein, unterhaltsamer sein. Oder: Geiler sein, mehr Hammer sein, noch cooler sein. Mehr trinken können, als der Rivale. Mehr PS haben und mehr Apps. Mehr Sportgeräte und mehr Fernseher. Mehr Strafzettel, mehr Punkte. Mehr SMS, mehr Facebook-Freunde und mehr Partys: Einfach cooler sein. Gesehen werden, die neuesten Sachen haben, das Dach offen haben. Ich könnte noch ewig so fortfahren. Und das, obwohl ich seit 20 Jahren in festen Händen bin.

Nur all das oben erwähnte, was natürlich sicher auf alle anderen Männer NICHT zutrifft, ist am Jakobsweg völlig überflüssig. Ich habe nicht ein einziges Mal das Bedürfnis, laut auf ein Jakobswegschild mit meiner flachen Hand zu klatschen und „geil“ in die Welt zu schreien. Und ich habe mich nicht ein einziges Mal darüber geärgert, wenn ein Auto an mir vorbeifuhr. (Diesen Satz muss man sich noch einmal ganz langsam vor Augen führen). „…wenn ein Auto an mir vorbeifuhr“, links! Das hat es in meinem normalen Leben schon lange nicht mehr gegeben, das einfach so ein Auto an mir vorbeifuhr – links. Zumindest kampflos hat es das schon lange nicht mehr gegeben. Selbst wenn der andere mehr PS hatte. Aber ich hatte dann den größeren Adrenalinpegel. Garantiert. Und einfach so das Feld räumen, das ging früher gar nicht.

Klar, jetzt kann man wieder auf die Raser schimpfen (Frauen, bitte die nächste Seite überspringen). Aber mal ehrlich: Bei einem ganz normalen Herzinfarkt sind es doch auch nicht die Blutkörperchen, die ganz brav Gas geben und zügig mit fliesen, sondern die, die blockieren! Ich habe noch nie von einem Vorderwandinfarkt gehört, den ein zu schnell fließendes Blutkörperchen je in dieser Welt ausgelöst hätte. Schuld sind die, die einfach nicht weggehen und alle anderen ausbremsen (Sie müssen NICHT meiner Meinung sein).

Zurück zum normalen Alltagswahnsinn. Meistens bin ich im Auto alleine unterwegs. Fast immer ist die rechte Spur frei. Auf der mittlernen krebsen ein paar Kurierfahrer herum (auch oft ganz schön schnell). Und links geht nichts. Die fahren einfach nicht weg. Großer Abstand, so wie vorgeschrieben wird sogar grundsätzlich missverstanden als, „Ja, du darfst ruhig auch noch reinfahren und mich ausbremsen“. Schließt man ein wenig näher auf, wird das ebenfalls wieder missverstanden: „Jetzt lasse ich dich garantiert nicht mehr vorbei“.

Rechts vorbei ist aber auch schlecht. Aber offenbar in exakt dem Fall erlaubt, in dem der Linke bremsen muss (Beweisführung nicht einfach). Natürlich geht es auch trickreicher. Erst einen BMW überholen (der ist dann hundertprozentig gereizt) und dann dem Vordermann ein wenig hinter herfahren. Beim Hintermann wird sehr schnell der Adrenalinpegel nach oben schnellen. Sodann kurz frei machen. Jetzt muss er zeigen, was er drauf hat. Es ist herrlich, einen anderen jagen zu lassen, weil es immer funktioniert.

Es funktioniert nur dann nicht, wenn meine Frau neben mir sitzt. Denn sie macht garantiert im aller unpassendsten Moment höchster Anspannung den Mund auf. Grundsätzlich steht sie dann auf der falschen Seite. Der absehbare Kommentar ist immer gegen mich, nie gegen den anderen.

Der vor mir nötigt mich seit Kilometern, der hinter mir fährt extrem dicht auf und: Ich bin der Böse! „Soll ich fahren Schatz?“ Als ob es da anders wäre?

Doch, ist es. Meine Frau fährt noch dichter auf, hat aber überhaupt keinen Stress damit. Offenbar schüttet ihr Körper auch kein Adrenalin aus, wenn ich als Beifahrer schon dabei bin, das Bodenblech durch zu drücken. Und der Hintermann? Der stresst mich jetzt als Beifahrer. Meine Frau hat ihn noch gar nicht entdeckt, weil der Spiegel auch eher zum Schminken da ist. Alles seelenruhig und ganz entspannt.

Am Jakobsweg sind diese Antriebe in Ermangelung ausreichender Gelegenheiten (bis auf wenige Ausnahmen) nun weggebrochen. Zeit und Energie stehen nun für echte Lebensfreude zur Verfügung.

Aber auch bei den Frauen am Jakobsweg habe ich eine große Entspanntheit festgestellt. Da ist keine dabei, die ich bei einem Gespräch über Zellulitis oder Übergewicht ertappt hätte. Keine Gespräche über die ersten Fältchen, Botox oder Schuhe.

Und die morgendliche Stunde zum schön machen fiel auch weg. Keine Schminke und kein Makeup. Keine zeitaufwendigen Frisuren. Keine Küche, kein Haushalt. Und auch keine Spielereien mit der armen Männerwelt.

Fast hätte ich gedacht, hier am Jakobsweg könnte ich Frauen tatsächlich verstehen. Denn keine der Damen unternahm Anstrengungen, permanent um zwei, drei oder gleiche mehrere Ecken voraus zu denken. Keine Halbsätze, kein Interpretationsbedarf, der ohnehin immer zu falschen Ergebnissen kommt. „Hast du mir nicht zugehört? Ich habe es dir doch eben gerade gesagt!“ Nichts von diesen unangenehmen Situationen oder Missverständnissen gibt es hier am Jakobsweg. Alles ist rudimentär und simpel geworden. Männerfreundlich könnte man auch sagen.

Die Themen sind stets einfach und glasklar. Eine angemessene Frage und immer passende Frage ist zum Beispiel: „Was machen deine Zehen?“. Erstaunlicherweise ist die Antwort nie „passt schon“ – was bei meiner Frau ja immer im Sinne von „es passt gerade gar nichts“ zu interpretieren ist. Nein, es gibt ganze Gespräche über die Zehen, die einzelnen Zehen, die Nägel, die Blasen, das Pflaster und so weiter.

Würde es doch im richtigen Leben auch so einfach gehen: „Hey, was machen deine Knie?“.

Am Jakobsweg ist es also viel angenehmer. Am Anfang dachte ich mir noch: Frauen und Männer im gleichen Zimmer? Wenn allerdings jeder sofort nach dem Abendessen um 17:00 Uhr schon in sein Bett geht und sofort einschläft, dann spielt auch das Geschlecht keine Rolle. Man sucht sich sein Bett nicht nach Geschlechtern, sondern nach harten Fakten aus. Wer von den Pilgern schnarcht am lautesten? Wo liegt er oder sie? Ja, auch Frauen können unsäglich laut schnarchen! Also möglichst weit weg und möglichst nahe an ein Fenster.

Zwischen den Pilgern, die sich schon kennen, entsteht dann auch so eine Art feste Ordnung. Man bleibt zusammen.

So habe ich nach dem Gespräch mit Haiar weiter mit Corinna unsere große Paella gekocht. Ein bisschen fühle ich mich wie beim letzten Abendmahl. Auch wenn ich nun gerne in Santiago ankommen möchte, ist es doch schade dass es nun langsam zu Ende gehen wird.

In der Nacht darf ich als Gast an den Gebeten und Gesängen der Mönche teilnehmen. …

Vielleicht möchtest Du in Gedanken mitgehen und das Buch lesen?


Jakobsweg an der Küste: MIRAZ - SOBRADO DOS MONXES, Foto 2

Der Weg ist das Ziel. Das Gehen der Takt. Die Gedanken sind frei!

 


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!

Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!

Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.

ISBN: 978-3-86386-295-4
Erschienen bei: 2012 Pro Business GmbH, Berlin
1. Auflage 2012
Printed in Germany

306 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: MIRAZ - SOBRADO DOS MONXES, Foto 2

JeanLouis und ich werfen lange Schatten am Camino vor uns her.

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: MIRAZ - SOBRADO DOS MONXES, Foto 3

Eine Übernachtung im Kloster. Sobrado dos Monxes. Ein wahrhaftiges Erlebnis.

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: MIRAZ - SOBRADO DOS MONXES, Foto 4

Unterwegs auf dem Jakobsweg:
Schlafräume im Kloster. Bequem, ruhig und sauber.

https://www.seebauers-world.com/wallpaper/horizonte.jpg

Horizonte am Jakobsweg Ölgemälde: Nach meinem ersten Jakobsweg, durch die wilde Küsten- und Bergwelt Spaniens, habe ich die Idee für dieses Bild gehabt. Alleine, erschöpft, aber frei. Frei waren auch die Sinne für Lichtstimmungen, bei denen zu Hause jeder sagen wird: Gibt es ja gar nicht… Da ich den objektiven Beweis mit Fotos nicht antreten kann – und auch gar nicht will – male ich ganz einfach mein gibt’s gar nicht – so wie ich es will. Als Wanderer und als Maler bist du frei!

31 NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA

Camino de la Costa: NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA | Jakobsweg, Küstenweg

Etappe 31: NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA
Tag 31: 72 km über Arzúa, Santa Irene und den Monte do Gozo. Etwa 900 Höhenmeter.

Sobrado de los Monjes/Sobrado dos Monxes (Sobrado) 62 – Castro (Sobrado) 58 – Badelos (Sobrado) 56 – Corredoiras (Sobrado) 54 – Boimil (Boimorto) 53 – Boimorto 52 – Sendelle (Boimorto) 48 – Arzúa 40

Wie weit ist es von hier aus noch nach Santiago de Compostela? Die Kilometer werden rückwärts gezählt. Santiago de Compostela markiert Kilometer Null. Entfernungsangaben Quelle: Wikipedia 2012.


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Der Erlebnisbericht: Jakobsweg an der Küste | BURNOUT: Eine Wanderung auf schmalem Grat

Leseprobe aus dem Buch Jakobsweg an der Küste | Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet. EtappeNACH SANTIAGO DE COMPOSTELA

‘Der Jakobsweg wird nun langsam zu Ende gehen.

Und schon jetzt ahne ich, wie schmerzlich ich ihn vermissen werde. Jeder Kilometer ist nun ein Kilometer, der dem Ende entgegen geht. Santiago ist mein Ziel. Jetzt ist es mein Ende. Und so unlogisch der letzte Satz ist, so unlogisch sind auch meine Gefühle. Ein wildes Wechselbad zwischen kurzen Depressionen, Freudentränen. Meine Vergangenheit hat aufgehört, in dem Moment, wo ich losgegangen bin. Und die Zukunft liegt kurz vor mir. Die Gegenwart nehme ich mit all meinen Sinnen auf. Immer wieder bekomme ich unter dem Marschieren Gänsehaut.

Nur Santa Irene, die nächste Herberge unterbricht kurz meine Gefühlswelt. Singend komme ich schnellen Schrittes aus dem Wald heraus und finde mich in Mitten in einer Menschentraube vor der Herberge. Das sind gut und gerne 300 Pilger. Viele davon scheinen mit dem Flugzeug und Bus von Chile hierher angereist zu sein.

Keine Sekunde verschwendete ich damit, stehen zu bleiben.

Mein Rhythmus feuert mich an, weiter zu gehen. Ich habe keinen Plan mehr. Ich gehe nur noch. Die nächste Herberge ist dann auf dem Monte do Gozo. Richtig: Einem Berg. In etwa 19 Kilometern.

Weiter!

Es ist ja erst früher Nachmittag. Auf zum Berg. Mein Reiseführer sagt mir, dass es gar nicht so viele Höhenmeter seien. Hier auf dieser Etappe bin ich um diese Zeit wieder allein. …’

Ausschnitt aus dem Buch JAKOBSWEG an der Küste | BURNOUT: Eine Wandserung auf schnalem Grat

ISBN: 978-3-86386-295-4, Hinweis: Fotos sind nicht im Buch enthalten.

Jakobsweg an der Küste: NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA, Foto 2

Hier stößt der Camino del Norte auf den Camino Frances, den Hauptweg. Es ist nicht mehr weit nach Santiago de Compostela.


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Selbstfindung. Auch für Nicht-Pilger geeignet!

Jakobsweg an der Kueste, Camino de la Costa, das Buch

Die Urvariante des Jakobsweges
– der Küstenweg – ist noch nahezu unbekannt. Dafür unvergleichlich schön!



Nach einem Burnout beginnt für den Autor im idyllischen Hafenstädchen Irun das Abenteuer seines Lebens. Die Reise zu sich selbst!



Es ist eine Reise auf schmalem Grat. 923 km liegen nun vor ihm.
Unberührte Natur und die traumhafte Atlantikküste werden über lange Strecken zum festen Begleiter.
Auf der Suche nach innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen „Ich“ entflieht der Autor in eine Welt, die ihn erdet. Und er findet Antworten.

Lange, bevor der berühmte Camino Francés im Landesinneren zum ersten Mal beschritten wurde, pilgerten die ersten „Suchenden“ hier am Atlantik entlang. Und sie wurden wahrlich nicht enttäuscht.



ISBN: 978-3-86386-295-4
Erschienen bei: 2012 Pro Business GmbH, Berlin
1. Auflage 2012
Printed in Germany

306 Seiten unbebildert

Jakobsweg an der Küste: NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA, Foto 2

Der erste Wegweiser auf dem Camino Frances. Ich bin überrascht, auch hier ist es schön!

Motto: Traue Dich. Der Jakobsweg wartet auf Dich. Tue es einfach.

Können Frauen am Jakobsweg allein wandern?

Christian Seebauer: ‘Ja, was den Jakobsweg an der Küste anbelangt, denke ich : Absolut gefahrlos.’

Sind Unterkünfte in den Pilgerherbergen getrennt?

Christian Seebauer: ‘Manchmal ja, in der Regel nein. Aber jeder ist am Ende des Tages hundemüde, respektiert den/ die andere/n und denkt garantiert nicht daran, irgendwem zu nahe zu kommen. Betten sind i.d.R. auch recht gut voneinander getrennt. Meiner Erfahrung nach können Frauen hier ohne weiteres auch allein pilgern.’

Jakobsweg an der Küste: NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA, Foto 3

Die Herbergen sind wohl überfüllt. Ich gehe einfach weiter!

Jakobsweg an der Küste / Selbstfindung
direkt vom Autor, signiert, EUR 19,90

Jakobsweg an der Küste: NACH SANTIAGO DE COMPOSTELA, Foto 4

Unterwegs auf dem Jakobsweg: